Monats-Archiv für November 2005

Buschratten ohne Chemie! Eröffnung der Landwirtschaftsschule Tondtenga

1000 (eintausend) geladene Gäste fuhren für dieses Ereignis 25 km weit in den afrikanischen Busch:
Katrin Rohde eröffnete mit einem großen Fest die Landwirtschaftsschule Tondtenga (Unsere Erde) in der Nähe der Hauptstadt Ouagadougou in Burkina Faso. Es kamen: Minister, Botschafter, Delegationen aus Europa, Entwicklungshelfer, Nachbarn – und natürlich ihre eigenen (zur Zeit) 380 AMPO-Kinder, fast alle Waisen und Halbwaisen.

Hier auf Tondtenga gehen nun 100 Jungen aus 10 verschiedenen Dörfern 2 Jahre lang intensiv zur Schule: Alphabetisierung steht auf dem Programm, Vermarktung von eigenem Gemüse, neue tropische Feldbaumethoden, Aufzucht von Schweinen, Ziegen, Schafen, Gänsen, Hühnern, Enten, Kühen, Eseln und “Agouti”, nämlich Buschratten, einer Delikatesse auf diesem Breitengrad.

Es gibt noch viele unerfüllte Träume: eine Imkerei, eine Käserei, einen Medizinalpflanzengarten – Hilfe ist dringend erwünscht! Nach 14 Jahren in Afrika weiß Katrin Rohde aber, daß sich dies alles zur richtigen Zeit ergeben wird, sie ist wie immer voller Vertrauen in ihre Kinder und die Zukunft.

Nach 2 Jahren siedeln die Gruppen um, zurück in ihre Dörfer, und werden noch für 2 weitere Jahre vor Ort betreut – dann sind sie selbsständig und können alleine wirtschaften. Sie werden vermutlich niemals reich im europäischen Sinne, aber diese jungen Männer werden keine Opfer der Stadtflucht, sie werden das Schulgeld ihrer Kinder einmal selbst bezahlen können : Hilfe zur Selbsthilfe, nur so geht es.

Finanziert wurde diese neue Einrichtung größtenteils aus Luxemburg. Frau Dr. Elvire Engel hatte die Waisenhäuser von Katrin Rohde mehrfach besucht und gründete zum Zweck der Unterstützung eine eigene Stiftung dafür – kurze Zeit später verstarb sie. In den Gedanken aller Anwesenden aber hat sie dieses schöne Fest miterlebt.

Auch der deutsche Verein Sahel e.V. mit Sitz in Plön und etliche private Helfer sowie Rotaryclubs, der Landkreis Roth und eine Schule in Bad Tölz haben den Bau freundlich unterstützt. So konnten die 7 Hektar mit ihren Ställen, den großen Gemüsegärten, der Schule und den Kinderhäusern (wie immer bei Katrin Rohde Projekten wurde alles bescheiden und angemessen gebaut) von allen Besuchern gebührend bestaunt werden.

Am meisten aber freut sich Katrin Rohde:
“Wir sind die erste und bislang einzige Farm in Burkina Faso mit einem Biologischen Zertifikat, wir benutzen keinerlei chemische Mittel, kochen mit einer Biogasanlage, nutzen nachts Solarenergie und tags Tropfanlagen in den Gärten. So wollen wir der burkinischen Landbevölkerung zeigen, daß man in Freundschaft mit der Natur leben kann – und trotzdem seine Familien unterhalten kann. Eine große und spannende Aufgabe für uns alle!”


Grußwort von Ministerpräsident Carstensen zur Eröffnung von Tondtenga

“Wer die Ärmsten dieser Welt gesehen hat, fühlt sich reich genug zu helfen.” Diesen Satz des Friedensnobelpreisträgers Albert Schweitzer haben sich die Vereine A.M.P.O. und Sahel zu Herzen genommen. Denn Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Und Projekte wie die Lehrfarm Tondtenga helfen denen, die allen voran unter der Armut leiden – den jungen Menschen.

Hier bekommen Dutzende Jungen – unter ihnen zahlreiche Waisen und Halbwaisen – eine Chance. Die Chance, sich durch eine solide landwirtschaftliche Ausbildung eine eigene berufliche Existenz aufzubauen. Dabei werden die Jugendlichen nicht nur in Gemüse- und Getreideanbau oder Tierhaltung geschult. Sie lernen oder verbessern auch ihre Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen. Damit können sich die jungen Männer selbst die Basis für eine gute Zukunft schaffen.

Mit dem Plöner Verein Sahel hat eine Organisation aus Schleswig-Holstein großen Anteil daran, dass die Lehrfarm heute eröffnet werden kann. Das freut mich als Ministerpräsident dieses deutschen Bundeslandes besonders. Ich möchte allen Beteiligten herzlich danken, die dieses wichtige Projekt ermöglicht haben. Ihr großer Einsatz ist ein Beispiel für gesellschaftliche Verantwortung über Landesgrenzen und Kontinente hinweg.

Für die weitere Arbeit in Burkina Faso wünsche ich alles Gute und viel Erfolg.

Peter Harry Carstensen
Ministerpräsident
des Landes Schleswig-Holstein


Neues vom AMPO Zivi: Tondtenga, Seifenherstellung

Liebe AMPO-Freunde und -Unterstützer, liebe Freunde und Verwandte,
nun schreibe ich schon meinen dritten Rundbrief und bin über zwei Monate hier! In dieser Zeit ist verdammt viel passiert und ich habe sehr viel neues erlebt. Trotzdem kommt es mir vor, als könnte ich nach Hause fahren (will ich aber überhaupt nicht!) und es wäre wie nach einem zwei Wochen Urlaub. Die Zeit vergeht hier so rasend schnell, dass ich ohne es mir aufzuschreiben, niemals einordnen könnte, welches Erlebnis wie lange her ist. Alles könnte gestern gewesen sein…

Fast wirklich gestern war die große offizielle Eröffnung unseres neuesten Projektes: Der Landwirtschafts- und Viehzuchtschule Tondtenga. Es ist außerhalb der Waisenhäuser mit momentan 87 Jungen und 7 ha Land das mit Abstand größte Projekt. Da braucht es natürlich auch ordentlich Brimborium zum Einstand. Das hatten alle Mitarbeiter hier monatelang neben dem normalen Tagesprogramm geplant, vorbereitet und organisiert. Zuletzt blieb deswegen vieles an anderen Aufgaben liegen, aber es hat sich gelohnt:
In tiefer Finsternis wache ich auf. Schaue auf den Wecker: 4:35 h. Denke mir, das ist ja mitten in der Nacht und drehe mich nach einem Glas Wasser wieder um, um weiter zu schlafen. Da fällt mir ein, dass ja Samstag, der 12. November ist. Und mit einem kleinen Schrecken kommt die Erkenntnis dazu, dass es also keineswegs mitten in der Nacht ist, sondern in einer Viertelstunde mein Wecker klingelt!

So früh bin ich noch nie hier aufgestanden. Das fällt mir – als notorischem Langschläfer – auch ziemlich schwer, aber es macht sich bezahlt: Als ich um kurz vor sechs aus der Tür trete, ist es gerade ein Bisschen hell geworden. Und dabei noch so kühl, dass mein Mofa kaum anspringen will. Die Menschen sind der Sonne scheinbar noch nicht gefolgt und schlafen noch oder sind zumindest noch nicht auf der Straße zu sehen. Nur hier ein Mann, der Brennholz von einem Hof zum Nachbarn trägt; dort eine Frau, die ihr Fahrrad aus dem Tor schiebt; sonst Stille. Und dazu ein Licht, wie es so mild nur in der Abenddämmerung zu sehen ist. Nur dann ist die Luft voller Staub. Jetzt macht ein leichter Nebel das Atmen geradezu zum Genuss.

Bei AMPO angekommen, scheuchen die Erzieher schon die Kinder auf den LKW, mit dem wir wenige Minuten später – mit unverzeihlichen zehn Minuten Verspätung – nach Tondtenga aufbrechen. Aber die Verspätung hat unser Fahrer in der halben Stunde Fahrzeit locker wieder drin. Um diese Zeit ist auch auf den Hauptstraßen noch nicht viel los. Unter all den Kindern in dicken Jacken und Pullovern komme ich mir in meinem T-Shirt fast unangemessen vor! Aber die Unterschiede im Wärmeempfinden sind mir, spätestens seit einer unserer Nachtwächter gegen den Staub am helllichten Tage eine Wollmütze trägt, nichts Neues mehr.

In Tondtenga angekommen, komme ich mir wieder unpassend gekleidet vor. Alle Mitarbeiter und Helfer, die so früh schon da sind, haben ihre besten Kleider rausgesucht und erinnern mich an die Wichtigkeit dieses Tages für AMPO. Nach zwei Stunden Buffet hin- und herrichten, Kinder platzieren, Geschenke sortieren, und anderen Vorbereitungen kommen die wichtigen Gäste: Minister, Polizeipräsidenten, Botschafter, Regierungsrepräsentanten, etc. Während sich alle setzen und nach und nach die Gespräche leiser werden, beginnt das Programm mit einem traditionellen Tanz der Jungs von Tondtenga in selbst gebastelten Kostümen und Masken zu traditioneller Musik mit Trommeln und Gesang. Dann beginnt Samuel, unser Moderator, mit der offiziellen Begrüßung und der Ankündigung der ersten Redner. Zwischen Botschaftern auf Französisch, AMPO-Mitarbeitern auf Deutsch und dem Minister für Dezentralisierung mit einer umwerfend guten Rede auf beiden Sprachen, sorgen die unwahrscheinlich coole Hiphop-Gruppe “Das Stars” und unglaublich schnelle Akrobaten für Abwechslung.

Zum Schluss kommt Katrin Rohde, auf die vor allem die deutschen und luxemburgischen Gäste die ganze Zeit gewartet haben, und fügt noch als dritte Sprache More hinzu. Nach dem symbolischen Durchschneiden des weißen Bandes mit großem Applaus wird das Buffet eröffnet. Das soll exzellent gewesen sein, habe ich gehört… Und leider auch in der Menge sehr gut abgestimmt, so dass ich nicht das Glück hatte, nach allen offiziellen Gästen noch mehr als ein paar Küchlein aus der AMPO-Küche zu bekommen. Aber auch die kann ich jedem, der mal nach Ouagadougou kommt, nur wärmstens empfehlen!

Als Abschluss des offiziellen Programms werden nun noch alle Interessierten von Tondtenga-Jungs über das Gelände geführt und bekommen von Buschratten über Rinder bis zum Kohl alles gezeigt. Dann gibt es noch kleine Theaterstücke, Tänze der Frauen aus dem Nachbardorf und so klingt der Fest-Morgen langsam aus. Die eigentlich große Leistung unserer Küche folgt aber erst mittags:
Essen für 500 AMPO-Kinder, -Mitarbeiter und übrig gebliebene Gäste!

Auch wenn hier nicht jeden morgen ein Fest ist, scheint es hier für mich keinen Alltag zu geben. Sei es, dass ein Container mit Kleidern, Computern, Schreibsachen, Süßigkeiten, Waschpulver, etc. ankommt und ausgeräumt werden will, sei es, dass ich wie heute morgen in die Seifenmacherei von AMPO eingeladen werde, um mir die Produktion anzuschauen oder dass “nur” eine Praktikantin mich und alle anderen Praktikanten zum besten Couscous, den ich je gegessen habe, einlädt…

Irgendwie ist immer etwas los, was zum Standardprogramm aus E-Mails beantworten, Lampen reparieren und Briefe übersetzen dazu kommt. In letzter Zeit ist ein großer Teil davon die Erweiterung der AMPO-eigenen Seifenproduktion. Für 15.000 Euro soll auf einem neuen Terrain aus der Werkstatt für zehn Frauen eine kleine Seifenfabrik für 60 Frauen werden. Da gibt es viele interessante Fragen: Wie wird das Gelände bebaut? Wie werden die Arbeitsgruppen eingeteilt? Wie viele Sorten sollen hergestellt werden? Welche Seifenform und -Farbe verkauft sich am besten? Wie und wo sollen unsere Produkte vertrieben werden? So bekomme ich einen spannenden Einblick in die burkinische Wirtschaft, in der doch einiges anders läuft, als bei uns. Zumindest sind mir in Europa noch nicht viele Leute begegnet, die Zigaretten einzeln verkaufen…

Liebe Grüße!
Matthias Schuchard
Zivildienstleistender bei AMPO


Waffelverkauf für AMPO

10. November 2005

Wir, dass sind Jenny (16) und Marie (13) Kurwan, sowie Laura (16) und Maxi (16) Bäerthel haben am 20.8.2005 einen Waffelverkauf auf dem Bernstoffstraßen-Fest in HH-Altona zu Gunsten von A.M.P.O. gemacht.

Innerhalb von Drei Stunden waren ca. 72 Waffeln verkauft und 60 € eingenommen (mit Spenden!). Leider wurde unserem extra aufgebauten Info-Tisch nicht so viel Interesse entgegengebracht, wie wir es uns gewünscht hätten…

Insgesamt glauben wir aber doch, dass wir die Idee von A.M.P.O. weitergeben konnten! Sehr gefreut hat uns, dass die Menschen trotz der teils sehr professionellen Konkurrenz (wo es zum Beispiel verschiedene Waffelsorten mit frischen Obst gab), größtenteils bei uns und somit für den guten Zweck einkauften. Auch anderweitig wurde die Idee begrüßt, so wurde uns zum Beispiel die Standgebühr von drei Euro pro Quadratmeter erlassen! So weit, so gut…

Liebe Grüße, Maxi, Jenny, Laura und Marie


Der AMPO Kalender für 2006

Der AMPO Kalender für 2006 dreht sich ganz um das große 10 jährige Jubiläum, welches AMPO in 2006 feiern wird.
Wir zeigen Bilder von gestern und heute, stellen Kinder und Projekte in 1996 und in 2006 gegenüber.

Es wird deutlich, Katrin Rohde, AMPO und der deutsche Partner Sahel e.V. haben sehr viel erreicht in diesen 10 Jahren seit Gründung des ersten Waisenhauses!

Der Kalender kostet 8,- Euro plus Porto/Verpackung und kann über die Geschäftsstelle des Sahel e.V. bezogen werden.

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