Archiv der Kategorie 'Neues aus Ouagadougou'

Neue Geräte für die Reha-Station

Kürzlich konnte der Leiter der Reha – Station, Roc, neue Materialien zur Behandlung von körperlich behinderten Menschen anschaffen. Dies war Dank einer großzügigen Spende des Katharinen-Gymnasiums in Ingolstadt möglich. Hierfür möchte sich das gesamte AMPO-Reha-Team herzlich bedanken.

Zu den Neuanschaffungen zählen unter anderem das auf den Fotos abgebildete Therapiefahrrad und das große Laufgestell, auf dem Patienten mit kranken Beinen auf schonende Weise wieder das Laufen trainieren können. Außerdem wurden neue Gymnastikbälle und Schaumstoffstützen angeschafft, die für die verschiedensten Übungen des Reha-Programms gebraucht werden. Mit Hilfe der neuen Materialien ist es nun möglich, noch mehr Menschen dabei zu helfen, einen Fuß vor den anderen zu setzen!

Einen ganz herzlichen Dank für diese Unterstützung!

2010-Reha-01

2010-Reha-02

2010-Reha-03


Die AMPO – Bibliothek

In der letzten Zeit haben wir tolle Spende für die AMPO – Bibliothek bekommen! Nun wollen wir berichten, was inzwischen daraus geworden ist.

Während vieler Stunden der Vorfreude haben wir alle Bücher sortiert, nummeriert und in eine richtige Datenbank eingegeben. Nun sind wir stolze Besitzer einer kleinen Bücherei! So etwas ist hier in Ouagadougou etwas ganz besonderes. Jetzt können wir uns jeder Zeit mit den schönsten Büchern eindecken, spannende Geschichten erleben und dabei auch noch unser Französisch verbessern. Weil hier bei uns so viele verschiedene Stammessprachen gesprochen werden, lernen die meisten Kinder spätestens ab der Grundschule Französisch, damit wir uns alle untereinander verständigen können, auch wenn wir nicht der gleichen Ethnie angehören.

Durch die Eröffnung der Bibliothek, ist ein Arbeitsplatz entstanden. Darüber freut sich besonders unser neuer Bibliothekar Abdoulaye, der niemals den Überblick über die vielen Bücher verlieren wird. Er kommt von nun an jedem Sonntag, um mit uns Kindern zu lesen und um uns spannende Bücher zu empfehlen.
Weil der Boden hier in Burkina Faso so trocken ist, ist der Staub allgegenwärtig. Deshalb haben wir von unserer Schneiderei extra Vorhänge für die Bücherregale schneidern lassen, um die Bücher gegen den Staub zu schützen. Denn die Bücher sind uns viel zu wertvoll, um sie im roten Staub Afrikas versinken zu lassen.

Wir danken allen Spendern, die diese Bibliothek möglich gemacht haben! Besonderer Dank gilt dem Verein “AMPO Schweiz”, dem Katharinen-Gymnasium in Ingolstadt und dem Carlsen-Verlag in Hamburg, die einen großen Teil der Bücher gesponsert haben.

Herzliche Grüße,
die AMPO-Kinder aus Ouagadougou

Die Bibliothek

Die Bibliothek

Kinder in der Bibliothek

Kinder in der Bibliothek


Frisch aus dem Druck

schaufenster Plön/Lütjenburg
Wo. 43, 21. Oktober 2009

Neuer A.M.P.O.-Kalender 2010 ist ab sofort erhältlich

Eindrücke aus Westafrika

Frisch aus dem Druck

Frisch aus dem Druck

Eindrücke aus Westafrika

Eindrücke aus Westafrika


Erfahrungsbericht von Birthe Schäck

„Wer einmal hier war, der kommt immer wieder!“

Mit einem bedingt auskurierten Fieberschub, meinem rot bestaubten Köfferchen, zerzaustem, verschwitztem Haar und einigen frischen Mückenstichen, die meine Arminnenseiten zierten, stand ich am Flughafen Ouagadougous am späten Abend kurz vor meiner Ausreise.
Ungeduldig kramte ich in meinem ungeordneten dreckigen Gepäck nach einem Schreiberling, um die Ausreisekarte mit nötigen Informationen über meine Person bestücken zu können. „Geboren in..“, „wohnhaft in…“.

Mit gesenktem Kopf und voller Konzentration auf mein Formular bemerkte ich nicht, das es neben mir an die Scheibe klopfte, die hartnäckig alle Verwandten und Freunde von ihren Angehörigen trennt, sofern diese in den Wartebereich vorgedrungen sind. „Madame…madame…ein Freund von ihnen, sehen sie nur!“ Erst diese Worte rissen mich aus meinen Gedanken, die zwischen Ouagadougou und Deutschland hin und her pendelten. Es war ein Freund, der extra zum Flughafen gekommen war, um mich noch einmal in die Arme schließen zu können. Ich war froh und überrascht über diese eine letzte Begegnung, die noch einmal all mein Gefühl zu AMPO brachte, bevor ich in den Flieger steigen sollte. Letzte Worte wurden ausgetauscht und nun konnte ich meine Melancholie nicht mehr zurück halten, was sich in dicken Tränen äußerte, die über meine Wangen kullerten.

„Flapp…flapp…flapp…flapp…“ An das Geräusch unruhiger Ventilatoren, die jeden Moment von der Decke zu fallen drohten, hatte ich mich den Monat über gewöhnt, so dass sie im Warteraum des Flughafens eine beruhigende Wirkung auf mich ausübten.

Spätestens nachdem ich meinen Sitz im klimatisierten Flugzeug gefunden hatte und die Stewardessen mit Mückentöter in Sprühform durch die Gänge liefen, merkte ich tief im Herzen, dass ich nun diese andere, mir so wohl – und liebgewonnene Welt verlassen muss.
O U A G A D O U G O U, ein letztes Mal las ich die Buchstaben über der kleinen Flughafenhalle, bis wir absetzten und mit dem Flieger mein Herz voller Erinnerungen, Eindrücke und unbeschreiblicher Begegnungen nach Deutschland flog.

Mein Gefühl aber sagte mir in diesen Minuten ganz deutlich: „Du wirst wiederkommen, es war nicht das letzte Mal!“

Bepackt mit einigen Geschenken für die Kinder, zwei Kilo Bonbons, 240 Feuchttüchern, drei Dosen Mückenspray, einem Laptop, einer Kamera & Stativ, einem Fotoapparat, mehreren Büchern, Papier & Pinseln sowie einigen sommerlichen Klamotten, kam ich am 03.09.2009 in Ouagadougou an.

Freudig schloss ich meine kleinen Freunde AMPOs sowie Katrin und Timo in die Arme, die ich über ein Jahr nicht gesehen hatte. Mein mit der Weile dritter Aufenthalt bei AMPO begann sonnig und heiß. Deutlich erkennbar jedoch die Schäden vergangener Regentage, die so dominant ausfielen, das 250.000 Burkinabé ihre Häuser verloren, die unter dem Regen wie Watte in Wasser zusammen sanken. Ouagadougou traf es hierbei besonders hart. Das Elend, so merkte ich an der betrübten, oder sagen wir besser aussichtslosen Stimmung, erschien in diesen Wochen grenzenlos und prägte meine Praktikumzeit. Die vielen häuserlosen Menschen kamen derzeit in Schulen unter, wo sie, dicht an dicht, ein Lächeln aus Dankbarkeit für das Dach über ihren Köpfen, hervorbrachten.

Schon während meines ersten AMPO- Aufenthaltes im Jahre 2006, wo ich zwei Wochen das Krankenhaus mit meiner Anwesenheit beglückte und die ein oder andere Träne vor Selbstmitleid nicht verbergen konnte, sagte Katrin Rohde zu mir: „Die Menschen sterben links und rechts deines Krankenzimmers, da sie kein Geld für eine Behandlung haben und du beschwerst dich über eine Malaria!“ Damals harte Worte für ein 18-jähriges Küken aus Europa und ich war sichtlich empört.
Heute, nach drei Aufenthalten in Ouagadougou und dem Erleben täglichen Leids auf den Straßen Burkina Fasos, hungernden Kindern, einer Flutkatastrophe, 250.000 häuserlosen Menschen und sich verbreiteten Seuchen und Krankheiten, einer unbezwingbaren Arbeitslosenrate sowie einer Kindersterblichkeitsrate, die mich Ohnmacht spüren lässt, frage ich mich selber: Über was beschweren wir uns in Europa? Gibt es wahre Gründe, oder ist der Grund, keinen Grund zur Beschwerde zu haben? Ist es unser Überkonsum europäischer Luxusgüter, der uns Unglück spüren lässt?

Ich möchte nicht von meinen Erfahrungen und Einzelheiten vor Ort bei AMPO berichten und auch nicht von den Farben, den Gerüchen, den Kinderstimmen und lächelnden Gesichtern, die wir Praktikanten bei AMPO in uns aufnehmen, denn ich denke, dass Worte nicht genügen, um diese Eindrücke nur ansatzweise zu beschreiben, so dass ihr euch ein Bild machen könntet, wie man in Ouagadougou aufwacht, seinen Tag verlebt und abends einschläft. Aber ich möchte euch beschreiben, was diese Zeit mit mir selbst machte und wie sie mich veränderte.

Als ich 2006 das erste Mal nach Ouagadougou flog, stand für mich meine eigene Integration in den afrikanischen Alltag an oberster Stelle. Mit einem hohen Grad an Offenheit und der Bereitschaft, alles zu essen und alles zu riskieren, zog ich los, um die Welt zu retten. Als ich bei AMPO ankam, merkte ich schnell, dass das afrikanische Leben nicht für uns Europäer gemacht ist und es schier unmöglich ist, alles zu essen, alles Visuelle zu verarbeiten und sich zwanghaft in alle Situationen hineindrängen zu können in der Hoffnung, sich zu integrieren. Und ich realisierte, dass es nicht von Relevanz ist, zu leben wie ein Afrikaner. Nein, ich verstand für mich, das es schier unmöglich und von höchster Dummheit ist, seine eigenen Bedürfnisse während des Praktikums hinten an zu stellen. Krankheitsschübe, Erbrechen und Durchfall wiesen mir schnell den Weg zurück und zeigten mir, dass es sehr wohl erlaubt und sogar wichtig ist, seine tägliche Cola zu trinken, allein des Zuckerhaushalts zu Liebe, und ich mich nicht dafür schämen bräuchte, den Tageslohn eines Afrikaners mit einer einzigen Cola zu vertrinken.

„Man kann nur Gutes leisten, wenn es einem selbst gut ergeht“. So war es also ebenfalls wichtig, neben dem Blick für andere auch auf sich selbst Acht zu geben.

Nach all meinen Aufenthalten bei AMPO habe ich heute eine hohe Sensibilität für einfache und ursprüngliche Schönheit entwickelt. Dinge, die ich früher für relevant in meinem Leben hielt und an denen ich mich orientierte, wie etwa der Besitz modernster Technik, aktueller Mode und zierenden Schmucks, die ich gekonnt einsetzte, um meine Konkurrenz auszuschalten, sind für mich heute Beweis dafür, dass wir wenig andere Inhalte in unserem jungen Leben geboten bekommen, die uns Jugendlichen die Möglichkeit zur Orientierung bieten. In Afrika wurden mir viele Eindrücke und Erfahrungen geschenkt, die mir eben diese Orientierung ermöglichten, die für einen jungen Erwachsenen so relevant ist. Heute ist es mir wichtig, mein Leben mit Dingen zu zieren, von denen ich im hohen Alter laben kann. Meine Afrikaaufenthalte und der Umgang mit dem Ursprünglichen, Einfachen und Alltäglichen in Ouagadougou halfen mir, ein Feingefühl für wirklich Wertvolles zu entwickeln, nämlich den Dingen, die ein Stern an meinem Horizont der Erinnerungen darstellen fernab materieller Eintagsfliegen.

Ich kehrte aus Afrika zurück und spürte tief im Herzen eine solch große Bereicherung, dass ich realisierte: nicht ich kam, um zu helfen, sondern Afrika kam und half mir, wieder Glück zu verspüren und dafür danke ich all denjenigen, die dazu beigetragen haben!


Zwischenbericht Schweizer Nothilfe für burkinische Flutopfer

Ouagadougou, 07.10.2009

Diese winzige blinde alte Dame bekommt ein neues Haus geschenkt – sie weint vor Freude!

Diese winzige blinde alte Dame bekommt ein neues Haus geschenkt – sie weint vor Freude!

Die Lage in Ouagadougou vier Wochen nach den Überschwemmungen stellt sich wie folgt dar: Am 1.09.2009 verloren in der Hauptstadt Ouagadougou 150.000 Menschen ihr Haus. Sie wurden erst einmal in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden untergebracht.
Wegen des Schulanfangs sind nun große Zeltstädte für die betroffenen Opfer gebaut worden. Viele von ihnen weigern sich dort zu wohnen und finden andere Lösungen. Ca. 60.000 Menschen, die alles verloren haben, leben dort zur Zeit in äußerster Armut. Sanitäre Verhältnisse und die magere Essenversorgung lassen viele verzweifeln. Zudem haben wir momentan 46 Grad Celsius und in den Zelten ist es unerträglich heiß. Auch wenn viel geschafft wurde, bleibt noch unendlich viel zu tun!

Eine Schweizer Stiftung stellte AMPO einen hohen Betrag zur Nothilfe zur Verfügung. Viele langjährige Freunde der AMPO-Einrichtungen taten das ihrige. Wir danken allen großen und kleinen Spendern im Namen der schwer betroffenen kinderreichen Familien, der Behinderten, der Blinden und Alten. Ihr Segen fließt reich zurück nach Europa.
Dies ist nur ein kurzer Zwischenbericht für alle Freunde, die korrekte Abrechnung aller Spenden wird bis zum 30 November 2009 erfolgen. AMPO konnte mit seinem kompetenten, rein afrikanischen Komitee bislang folgendes erreichen:

1. Betreff Hausbau

In 12 Fällen fanden wir zerstörte Häuser auf eigenem Terrain vor. Dort konnten wir für 180 Personen einfache Häuser erstellen. Insgesamt wurden dafür ca. 20.000 Euro ausgegeben. In allen Fällen waren die Familien Opfer der Überschwemmungen vom 01.09.2009. Die Bauarbeiten sind fast beendet und die Familien freuen sich schon sehr und sind überglücklich wieder ein sicheres Zuhause zu haben – diesmal nicht aus Lehm sondern aus Zement.

Familienvater mit 11 Kindern

Familienvater mit 11 Kindern

Dieser Familienvater mit 11 Kindern (3 eigene, 8 angenommene seiner gestorbenen Brüder) kann wieder lachen. Einen Monat haben alle im Freien geschlafen .Oben steht die Familie auf den Ruinen seines ehemaligen Hauses, unten besichtigt Katrin Rohde das fast fertige Haus – nur die Fenster fehlen noch.

Das fast fertige Haus

Das fast fertige Haus

2. Betreff Sozialfälle

Es wurden zahlreiche punktuelle Sozialhilfen geleistet um der schwer betroffenen Bevölkerung in Einzelfällen zu helfen. AMPO verteilte ca.:

  • 3 Tonnen Reis
  • 3 Tonnen Mais
  • 2000 Decken
  • 1000 Matten
  • Seife, Schulgeld, Hefte etc.
  • 7.000 € wurden in bar verteilt, das meiste davon geht in Transport und Medikamente

Alte Dame in der Zeltstadt

Alte Dame in der Zeltstadt

Alte Frauen sind oft sehr krank und alleine. Bescheiden und auf Knien dankt diese alte Dame in der Zeltstadt Katrin Rohde für den Beitrag zu ihrer Gesundheit. Von den unten gezeigten Decken verteilten wir 2000 Stück. Hier herrscht wahre Armut. Armut heißt nicht nur Hunger, sondern auch Dreck, Kälte, Hitze und Krankheit. Nur der Glaube an Gott lässt die Bevölkerung ihre Menschenwürde bewahren.

Von den hier gezeigten Decken verteilten wir 2000 Stück

Von den hier gezeigten Decken verteilten wir 2000 Stück

3. Betreff Gesundheit

Der Chef unserer Krankenstation, Major Denis Yameogo, hat noch am Tage des Unglücks für 7.000 € Medikamente bestellt um einem nationalen Versorgungsengpass vorzubeugen. Von einem Tag auf den anderen hat sich seine Patientenzahl auf ca. 300 Menschen täglich erhöht! 3.000 € behält er in Reserve, denn schon jetzt sind durch Wasserverseuchung Probleme wie Diphtherie und Cholera in den nächsten Wochen abzusehen.

Wartende Menschen vor der Krankenstation

Wartende Menschen vor der Krankenstation

4. Kosten

20 Tage lang, waren sechs Personen des Komitees bis jetzt täglich unterwegs, um ihr Programm in die Tat umzusetzen. Die Verwaltung von AMPO stellte ihren gesamten Fuhrpark samt Fahrern zur Verfügung. Alle Strukturen von AMPO wurden in Anspruch genommen. Drei der sechs Personen im Komitee haben ihre Aufgaben als Direktor während dieser Zeit abgegeben und alle sechs Mitglieder haben ihre gesamte Arbeitskraft und Erfahrung in den Dienst für ihr Land gestellt.

  • Benzinkosten: 500 €
  • Telefonkosten: 150 €
  • Verpflegung pro Person: 4,50 € pro Tag, insgesamt für einen Monat für alle zusammen 540 €