AMPO-Rundbrief März 2013

Liebe Freunde und Paten unserer AMPO-Waisenkinder in Ouagadougou,

hoffentlich geht es Ihnen und Ihren Familien gut.
Dieser Brief wird mal etwas länger! Immer wieder höre ich auf meinen Reisen, dass sehr viele unserer Freunde jedes Mal gespannt auf meinen nächsten Rundbrief warten. Sie empfinden ihn ein wenig als Fortsetzung meines Buches. Ja, und das werde ich auch oft gefragt: “Wann schreibst Du das nächste Buch?”
Liebe Freunde, gerade ist mein Buch auf Englisch als E-Book erschienen, bald folgt die französische Version. Auf Deutsch ist es als E-Book bereits erhältlich. Auch als Taschenbuch wird es bald auf Englisch und Französisch zu kaufen sein. Mittlerweile ist es lange her, dass ich es geschrieben habe, es zeichnet aber immer noch ein gültiges Bild dieses Landes.
Ein neues Buch muss noch ein wenig warten – dazu gibt es zu viel Arbeit, sowohl hier als auch in Europa, obwohl sich dort gerade ein Lichtschimmer zeigt, denn nun muss ich meine vielen Vortragsreisen nicht mehr allein antreten: mein eigener Sohn, John Porteous, wird mich darin für das nächste Jahr unterstützen! Habe ich nicht großes Glück?
Gerade wollten sich die ersten Alterszipperlein melden, aber nun bin ich wieder frischen Mutes. Meine Reisezeit in Europa ist ja immer sehr begrenzt, viele Vorträge kann ich nicht wahrnehmen. John Porteous kann jederzeit genauso gut und vergnügt wie ich von unserem täglichen Leben in Afrika erzählen, er hat hier lange mit den Kindern gelebt.
Sollten Sie also ein gutes Forum, Rotarier oder Lions, eine Schule oder auch einen privaten Abend wissen, so rufen Sie doch einfach die Geschäftsstelle in Plön an. Sie vermittelt Ihnen einen Vortrag mit einer denkenswerten Präsentation über das Leben in Westafrika, insbesondere aller unserer Einrichtungen hier.

Wie geht es den AMPO-Kindern? Zukunftsträchtig, kann ich nur sagen! Dieses Jahr im Juli werden uns vierzehn unserer großen Jungen und drei Mädchen verlassen. Alle denken seit zwei Jahren über ihr weiteres Leben und ihre Berufswünsche nach. Zusammen mit unserem Komitee zur Ausbildung informieren sie sich, wo es nur geht. Bislang dürfen die Kinder bis zum Alter von 18 Jahren im AMPO-Waisenhaus bleiben. Nun denken wir darüber nach, auf 20 Jahre zu erhöhen. Zu gefährlich ist das Leben draußen, die Restfamilien der Kinder sind sehr arm und haben keinen Platz sie aufzunehmen – wie soll ein Junge in solcher Situation in Ruhe sein Abitur machen können? Also, Dinge werden sich ändern, das ist ja auch nur gut so.

Die Kleinen sind täglich begeistert am Lernen. Alle hüpfen anstatt zu laufen und ihr Lachen ist an jeder Ecke zu hören – am Waschtag haben wir besonders viel Spaß, weil sich dann Mädchen und Jungen an unserer Pumpe gemeinsam um den besten Seifenschaum bemühen.
Leider haben wir oft Schulstreiks, so wird der Stoff dann zuhause bei uns durchgenommen. Eine schüchterne Delegation der Kleinsten erschien gestern im Büro und fragte: “Maman, dürfen wir in der Freizeit dann Murmeln spielen?” “Na klar!” – “Tja, das wollen wir auch gerne, aber leider haben wir keine…” Natürlich griff ich großzügig in die Tasche!

Wir hatten großes Glück, sieben unserer AMPO-Universitätsstudenten bekamen einen Laptop geschenkt. Den brauchten sie auch dringend, vor allem die angehenden Ingenieure und Informatiker/innen. Große Freude!

Im Hause Emma Yiri, unserem Generationenprojekt für junge Mädchen und alte Frauen, wächst der Kohl im Gemüsegarten besser als auf der Lehrfarm Tondtenga – oha, da haben die Jungbauern nun echte Konkurrenz bekommen! Jetzt wird um die Wette angebaut. Alles Biogemüse vermarkten wir in der Hauptstadt mit Biokörben, vor allem an europäische Haushalte. Es läuft schon nicht schlecht, aber die Bevölkerung selbst weiß noch viel zu wenig darüber. Nun gehen wir mit Aufklärungssendungen ins Radio. Gerade hat die Lehrfarm aus ihrer Baumschule wieder 10.000 Bäume zur Aufforstung der Wüste verkauft. So langsam werden wir professionell. Wir haben tatsächlich Besucher aus aller Welt auf der Lehrfarm, andere Vereine, nationale Farmschulen, Ministerien, Experten, alle sind begeistert von unserem System, wir hören nur Gutes. Inzwischen gibt es über Burkina verstreut 24 Biofarmen unserer ehemaligen Schüler. Mit Hilfe unserer guten Spender konnten wir inzwischen für neun von ihnen Brunnen bohren, sodass sie nun unabhängig von der Regenzeit gegen die Saison Gemüse anbauen können. Für den Brunnenbau suchen wir weiterhin Spenden.

Die Krankenstation wird ihrer Patienten kaum noch Herr, wir müssten doppelt so groß sein. Leider werden die Moskitos immer resistenter, unsere Malariazahlen sind weit höher als in den vorherigen Jahren. Übrigens suchen wir einen gebrauchten Zahnarztstuhl, der unsrige bricht gerade zusammen – wissen Sie einen?
Unsere Station für unterernährte Kinder wird jetzt kopiert: das “Hammer Forum”, eine erstklassige internationale Vereinigung von Ärzten, die in vielen unterentwickelten und kriegsbedrohten Ländern Kinder operieren, ist höchst überzeugt von unserer Methode, der Logistik und der Praxis. Soviel Anerkennung von erfahrenen Ärzten bestätigt uns! Also wird nun unter AMPO-Leitung im Norden unseres Landes eine neue “Nutrition” eröffnet. Je mehr Kinder wir erreichen können, desto froher werden wir, und Sie, liebe Freunde, bestimmt mit uns.

Noch eine Neuigkeit gibt es: eine Stiftung aus Deutschland, die Tua Res Stiftung, kümmert sich ausschließlich um Ausbildung für Mädchen. Tua Res richtete über AMPO ein neues Projekt ein: In den Vororten von Ouagadougou gehen viele Jugendliche zur Abendschule. Diese endet um 20.00 Uhr, damit die Mädchen heil nachhause kommen. Viele der Schülerinnen haben keinerlei Unterstützung, die Eltern sprechen nicht einmal französisch, gelernt wird bei Petroleumlicht. Und doch wollen sie neben ihrer täglichen Arbeit ihre Mittlere Reife oder ihr Abitur machen – das ist bei dem schwierigen Schulsystem hier ein fast unerreichbares Ziel. Nun richteten wir für über 800 Mädchen in 20 verschiedenen Schulen einen vierstündigen Nachhilfeunterricht am Sonntagmorgen ein. Sehen Sie, man kann hier eben gut bereits vorhandene Strukturen nutzen – wenn man weiß, wie es geht und alles gut kontrolliert. Natürlich war es nicht einfach, 20 Schuldirektoren an einen Tisch zu bringen, sämtliche Bürgermeistereien zu informieren, die Nachhilfelehrer zu finden, Bewerbungszettel zu entwerfen und das gesamte Material zu stellen. Wir haben es aber in kürzester Zeit geschafft, dieses Pilotprojekt einzurichten, es läuft bereits.

In Deutschland begann das neue Jahr gleich mit einer großen Hürde, denn unser langjähriger Vereinsvorsitzender, Gerolf Wolpmann, trat aus Gesundheitsgründen zurück. Ihm gebührt die größte Ehre, denn er leitete unsere Arbeit für die Kinder Afrikas mit großer Umsicht und hohem persönlichen Einsatz. Jährlich besuchte er alle Einrichtungen in Ouagadougou und tat Gutes wo er nur konnte, für Kinder, für Familien, ja selbst für den Tierschutz der Esel setzte er sich ein. Wir danken ihm von Herzen, wünschen gute Besserung und sind glücklich, dass er uns in allem weiterhin so großzügig wie immer unterstützt- nur eben nicht mehr an erster Stelle. Der/die neue Vereinsvorsitzende wird Ende April gewählt.

An dieser Stelle möchte ich einmal allen Freunden und Mitgliedern unseres Vereines für ihre Treue danken – ja, auch Ihnen. Ihre Spenden, Ihre gestrickten Decken für kranke Kinder, die vielen Pakete im Container, Ihre Weihnachtspäckchen und Briefe, sie sprechen für viel Herz! Sollten Sie nach so vielen Jahren Vertrauen in unsere gemeinsame Arbeit haben, so werden Sie doch einfach Mitglied in unserem Verein, es würde mich sehr freuen, Sie dort begrüßen zu dürfen. Rufen Sie einfach Frau Duwe, unsere Geschäftsführerin an, sie regelt das gerne.

Dank Ihnen war Weihnachten wieder ein großes Fest, 600 Menschen feierten, nachdem wir vorher gemeinsam ein Gebet gegen Gewalt an Kindern gesprochen haben. Durch den Krieg in Mali ist diese Gewalt sehr nahe gerückt. Wir leben mit der Bedrohung jeden Tag, und vor allem nachts, wenn die landenden Militärfrachtflieger unsere Dächer dröhnen lassen. Drei unserer ehemaligen AMPO-Jungen sind beim Militär und sind an der Front. Gestern kam einer von ihnen für zwei Tage nachhause und stand vor meiner Tür. Wir konnten beide die Tränen kaum verbergen, er ist so dünn geworden, mein Aziz. Seine Frau ist nun im vierten Monat schwanger, sie beide haben sich so innig ein Kind gewünscht, und nun ist er gar nicht dabei.
Gott ist groß, wie wir hier sagen.

Ja, bleiben Sie bei uns! Alles Gute für Sie aus dem staubigen Harmattan in das kühle Deutschland
wünscht Ihnen
Ihre Katrin Rohde in Ouagadougou

AMPO-Rundbrief Oktober 2012

Liebe Freunde unserer Kinder in Burkina Faso,

mit einem Herzen voller Freude und Dankbarkeit schreibe ich heute an Sie! Hoffentlich sind Sie gesund und heiter. Dahin geht unser erster Wunsch, denn wir hier in Ouagadougou, wir sind es, nicht zuletzt Dank Ihrer tätigen Hilfe.

Noch nie hatten wir einen schöneren Sommer wie den diesjährigen! Gleich zum Ferienbeginn wurde ein dreiwöchiger Kunstworkshop eingerichtet. 180 AMPO-Kinder durften sich aussuchen, was sie jeweils dreimal eine Woche lang tun wollten: tanzen, töpfern, Theater spielen, basteln, malen – alles dies mit wahren professionellen Lehrern. Diese lockten aus den zu Beginn noch schüchternen Kindern ungeahnte Fertigkeiten. Wir fanden begabte Tänzer, begnadete kleine Maler und lustige Komiker. Auch hatten wir gerade zwei deutsche Praktikanten mit uns, die begeistert teilnahmen, alles filmten und fotografierten und dreimal in der Woche abends Filme für die Kinder zeigten. Birga und Leonce, vielen Dank! Alle Gruppen bestanden aus jeweils 17 Kindern, Jungen und Mädchen, alle Altersstufen gemischt. Können Sie sich vorstellen was dabei für großartige Theaterstücke herauskamen? Selbst die Drehbücher wurden von den Kindern  selbst geschrieben. Zum Schluss zeigten alle an einem Nachmittag ihr Können, vor Botschaftern und anderen Besuchern. Der Beifall war groß und wurde nur durch einen dicken Platzregen beendet. Wir, die Erzieher, standen völlig erstaunt vor so viel Talent, das hatten wir selbst nicht gewusst, was unsere Kinder alles können. Da wir jedes Jahr wieder gute Berufe für alle finden müssen, hilft uns dies natürlich nun bei Entscheidungen für die Zukunft der AMPO-Kinder.

Nach dieser herrlichen Zeit ging es dann gleich ans Waschen und Packen, unsere bislang weiteste Reise war geplant. Mit 180 Kindern und 30 Erziehern, Köchinnen etc. fuhren wir in das 600 km weit entfernte Banfora im Süden unseres Landes. Noch nie hatten die Kinder Zuckerrohrfelder gesehen, keine Wasserfälle oder  Zitronengrasplantagen. Die kleine Adissa stand, als die Busse kamen, zwei geschlagene Stunden als erste da, Fuß auf dem Trittbrett, damit wir sie ja nicht vergessen! Der Transport war schrecklich teuer, drei Busse, so weit, jedoch wollte ich zu gerne, dass die Kinder einmal diese schöne Erfahrung machen. Gott sei Dank gab unser liebenswerter Verein in Plön einen großzügigen Zuschuss. Nächstes Jahr fahren wir alle nur auf unsere Farm nebenan, da sparen wir das dann wieder ein! Los ging die Reise, begleitet von unseren beiden Pick-ups voller enormer Töpfe, Säcke mit Bohnen, riesigen Kellen und Kochherden. Natürlich wurde zwischendurch ein Picknick veranstaltet, jeder war mit einer Dose Ölsardinen und einem halben Meterbrot ausgerüstet. Sämtliche Erzieher waren nach der Packerei am Rande der Nerven – und das bei bester Laune! Ja, Überstunden, das Wort kennen wir hier nicht….

Angekommen in einer großen Schule, wo wir 8 Schulklassen für uns allein hatten (mit fließend Wasser und Elektrizität!), begannen die Kleinsten sofort begeistert ihre Skateboards auszuprobieren, denn, oh Segen, es gab zementierte Terrassen! Die Großen entdeckten die Märkte, die Jungen organisierten Tanzabende, die Mädchen halfen in der Küche. Es gab Theaterabende und einen Schriftstellerwettbewerb, Wettsticken und Marmelkampf. Vor 25 Jahren lernte ich dort im Süden Feuerschlucker kennen, einer von ihnen bestritt einen Abend mit den Kindern, das Staunen und die Furcht waren groß…. Der zweite Vorsitzende unseres afrikanischen AMPO-Vereines kommt aus einem Dorf nicht weit von Banfora, aus einer verschwindenden Ethnie, den Toussian. Er lud alle Kinder in sein Dorf ein, wir durften Tänze sehen und traditionelle Musik hören, die es kaum noch gibt. Anschließend spielten unsere Fußballer gegen deren Schülermannschaft – Gott sei Dank 1:1, das war ja schön gerecht!

Alle Kinder besuchten nach und nach auf unseren Pick-ups die berühmten Wasserfälle. Sie liebten es dort im flachen Wasser zu toben. Ich selbst war Zeugin, denn mit meiner Enkeltochter Mia und meiner rechten Hand Connie lebten wir eine Woche in einem nahen Hotel. Eine unvergessliche Zeit!

Diese Ferienkolonien von AMPO tragen jeweils Namen, dieses Jahr hieß sie “Victor-Victoire”. Einer unserer AMPO- Jungs schaffte nämlich das schier Unmögliche, er übersprang die Klasse der Mittleren Reife (die hier beinahe so schwer wie ein Abitur ist). Darum, als Beispiel für alle, nannten wir die Kolonie 2012 nach Victor, er war sehr gerührt. Jacob, seit einem Semester nun auf der Universität, studiert Informatik. Wir haben kein Geld, ihm einen eigenen Laptop zu kaufen, trotzdem schnitt er als Universitätsbester ab! Vielleicht findet sich eine/r unter Ihnen, der diesen hoffnungsvollen Jüngling damit unterstützt? Ein guter Laptop kostet hier so ungefähr 500 bis 600 Euro.

Und damit kommen wir zu den Schulergebnissen. Die Kinder arbeiten gut in der Schule, einigen fällt es leicht, andere tun sich schwer, wie überall, jedoch ist das System hier alles andere als bekömmlich. Zwischen 60 und 120 Schüler sind in einer Klasse, kein Lehrer hat Zeit auf ein Kind einzugehen. Etliche der AMPO-Erzieher bleiben abends länger, um mit den schwächeren Kindern für die Prüfungen Ende Mai zu arbeiten. Auf eigenen Wunsch der Kinder wird ab März der Schlüssel zum Fernseher abgegeben, das ist immer ein feierlicher Akt! Große helfen den Kleinen, jede ist stolz, wenn ihre kleine Schwester einen anständigen Abschluss macht. Nun, bei den Jungen haben sämtliche Schüler den Grundschulabschluss geschafft, der hier erst mit 12 Jahren nach sechs Jahren Schule gemacht wird, da alle Kinder ja auch noch Französisch lernen müssen. Bei den Mädchen muss eine einzige die letzte Klasse wiederholen, unsere ewig unkonzentrierte Adissa. Dieselbe, die sagt, wenn es mal Bonbons gibt: “Wenn ich nicht noch einen kriege, kletter ich aufs Dach und bleibe ewig dort…!” Den vergleichbaren Mittelschulabschluss, diese schwere Prüfung, müssen drei Jungen und drei Mädchen wiederholen. Sie kamen spät zu uns und hatten nicht die gleiche Chance wie andere. Nächstes Jahr wird es besser. Sogar unser einarmiger Junge hat nun bestanden, nach zwei Anläufen wegen Prüfungsangst. Bei den Jungen macht dieses Jahr keiner Abitur, bei den Mädchen haben alle vier Abiturientinnen bestanden! Von insgesamt 98 Schülern müssen also nur sieben Kinder wiederholen. Ich finde dies für so schicksalsgeschlagene kleine Menschen unglaublich gut! Wir sind stolz auf sie!

Dies kam auch ganz besonders heraus bei unserer diesjährigen Abschlussfeier: 22 Mädchen aus dem Mädchenwaisenhaus und den Häusern MIA und ALMA und einen Jungen aus dem Jungenwaisenhaus haben wir ins selbstständige Leben entlassen. Jedes Mädchen hatte sich besonders hübsch gemacht, jede erschien in einem selbstgeschneiderten Kleid: alle in gleichen Stoffen, aber verschiedenen Modellen. Sie  werden weiterhin für ein Jahr draußen von uns betreut. Natürlich haben alle Angst, aus ihrem geschützten AMPO-Leben nun hinauszutreten in die so bedrohliche Welt. In dieser Stadt kann man leicht untergehen. Die Feier war dieses Jahr besonders berührend, eigentlich liefen uns allen beständig die Tränen aus den Augen, Kindern sowie Erziehern und Direktoren. Die Abschiedsreden der nun scheidenden Mädchen waren bewegend. Eine von ihnen sagte doch tatsächlich: “Ich kann ohne Maman nicht leben, ohne sie bin ich nichts!” (- wie musste ich weinen!) Eine andere: “Ich gehe, aber mein Herz bleibt hier bei Euch!” Und eine sprach von Ihnen, ja, von Ihnen allen. Wie sehr sie dieses Leben in Sicherheit geliebt habe, wie sehr sie allen dankt, die dazu beigetragen haben, allen denen, die dafür Spenden und Liebe schickten. Sie sagte, frei übersetzt: “Jeden Morgen, wenn der Hahn kräht und ich zu meinem Gebet gehe, da bete ich für diese Menschen so weit fort von uns, diese die mir mein Leben neu geschenkt haben.” Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Ihr Werk!

Seien Sie wie immer bedankt – und: einen schönen Herbst mit Gottes Segen!

Dies wünscht Ihre

Katrin Rohde in Ouagadougou

AMPO-Rundbrief Juli 2012

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe Freunde unserer Kinder in Westafrika!
Einmal mehr darf ich zur Feder greifen und Ihnen schreiben, wie es uns hier in Burkina Faso so ergeht – statt der Feder nehme ich allerdings um 5.00 Uhr morgens beim ersten Vogelzwitschern meinen Laptop, hochmodern.
Der Grund dafür ist allerdings wiederum nicht so modern, denn die Stromausfälle in unserer Hauptstadt plagen uns Tag und Nacht, und diese Uhrzeit ist die beste, um ungestört schreiben zu können! Uns fehlt der Regen, und hier bedeutet dies: Es ist kein Wasser da um Strom zu erzeugen.
Ohne Strom können wir es zeitweise aushalten, aber was sollen die Bauern machen? Immer noch leben 90% der Menschen auf dem Lande und ernähren ihre Familien von selbsterzeugter Hirse. Dies steht nun für dieses Jahr schon wieder in Frage. Auch im letzten Jahr hatten wir schon eine Missernte die, vor allem im Norden, zu schwerer Unterernährung der Kinder führt. Zusammen mit der allgemeinen unfassbaren Verteuerung und den vielen Flüchtlingen aus Mali führt uns das in eine vorhersehbare Krise.
Letzte Woche schenkte mir eine Freundin viel Geld für Soforthilfe, und wir sandten eine Tonne Reis in ein Waisenhaus in einem Dorf, das ich gut kenne. Nächste Woche will mein Mann ins Dogonland nach Mali fahren, mit einem Auto voller Reis, Kleidung und Vitaminen. Die Menschen dort leiden schrecklich. Wir kennen sie gut, denn meine AMPO-Kinder haben jahrelang mit ihrem Taschengeld (15 Cent pro Woche!) eine kleine Schule dort in den Bergen unterstützt. Ich selbst kann nicht mitfahren, denn diese Region ist schwer von Al-Quaida bedroht und für Europäer nicht mehr betretbar. Es gibt dort keinerlei Touristen mehr, dafür um so mehr Elend.
Trotzdem sind wir nicht verzweifelt, im Gegenteil – gerade bei uns in AMPO sind wir zuversichtlich. Wir können so vielen Menschen helfen! Es ist ein Glück zu sehen, wie die Menschen, die uns aufsuchen, dann getröstet oder geheilt und voller Dank wieder davonziehen. Ich wünschte, Sie wären einmal dabei. Durch das von Ihnen gespendete Geld ist es uns möglich, fast aussichtslose Situationen von Menschen zu lösen, mit wenig Geldeinsatz viel zu helfen, Frauen wieder fröhlich lächeln zu sehen, verzweifelte Familienväter zu beraten, bis wir gemeinsam eine Lösung für ihr Problem finden. Niemand wird abgewiesen. Unsere lange Erfahrung mit dieser Arbeit direkt an der Basis, von Mensch zu Mensch, hilft uns dabei. Kleinste Beträge helfen zusammen mit unseren Rat, wieder einen Verdienst zu finden, alle Fortschritte werden, wie immer bei uns, begleitet und überprüft.
Dazu sind wir fähig durch Sie. Sie, liebe Freunde, helfen hier, und das vergesse ich nie! Sehr viele Spender sind nun schon fast Jahrzehnte (!) mit uns, soviel Treue und Vertrauen finde ich bei Ihnen. Zusammen sind wir stark genug um Leid und Elend zu mindern, Gott sei´s gedankt.
Einmal mehr will ich auch unseren Luxemburger Spendern danken! Nur durch sie und unsere hervorragend geführte Landwirtschaftsschule gibt es eine gute Chance für Jungbauern. Pestizide und Insektizide machen die Böden seit Jahren müde, und ausschließlich durch eine profunde Kenntnis von Bio-Anbau sind diese wieder zu retten.
Durch die Bevölkerungsdichte hat ein Bauer hier so 3- 5 Hektar zur Verfügung. Nach deutschem Maß ist das fast nichts, aber hier kann man damit eine 10-köpfige Familie erhalten, die Kinder zur Schule schicken, Medikamente kaufen und vitaminreich essen – natürlich nur, wenn man weiß wie das funktioniert. Und unsere Jungbauern wissen es! Zwei Jahre lernen sie bei uns, und im dritten Jahr werden sie auf ihrem eigenen Land von uns beraten und überprüft. Sie sind, wenn sie unsere Bioschule verlassen, geradezu wild darauf, ihren Familien und Nachbarn zuhause im Dorf zu zeigen, wie es geht.
Mittlerweile ist bereits die dritte Generation von Jungbauern zurück in die Dörfer gegangen, viele von ihnen fahren bereits ihr eigenes Moped, etliche haben geheiratet. Sie bleiben bei ihrem Bio-Konzept, und nun ist es an uns, dafür den richtigen Markt für dieses Gemüse aufzubauen.
Nach mehreren Studien über Gemüseverkauf in der Hauptstadt finden wir viel Interesse. Restaurants, Botschaften, Privatkunden, keiner will mehr nach Chemie riechende Tomaten kaufen. Hier in den Tropen muss man sich vorsichtig ernähren, zu viele Krankheiten grassieren, mit der Hygiene ist es auch nicht weit bestellt. Oft sind die Leute nur nicht informiert, durch unsere hohe Analphabetenquote von 80% kann man sich ja auch nichts erlesen, das heißt alle Aufklärung und Schulung kann nur durch Vorträge oder Radiosendungen stattfinden. Darin ist AMPO schon seit Jahren stark, vor allem durch unser Cinemobile, das bis weit in den Busch hinein zu Themen wie Aids, Familienplanung, Beschneidung und Hygiene aufklärt. Nun erzählen wir dort auch von Bio-Anbau, und immer mehr Bauern sind interessiert. Schließlich kosten Pestizide Geld, und das Umwenden eines Komposthaufens ist doch erheblich preiswerter….
Aber Wasser! Wo soll das Wasser herkommen wenn es so wenig regnet? Wie Sie vermutlich wissen, bin ich selbst nicht so sehr für Soforthilfe, nur in verzweifelten Fällen mache ich eine Ausnahme. Ich zähle darauf, dass Afrikaner lernen und sich selbst helfen, mit ein wenig Anschubs! Der muss sein, und so sammelte ich auf meiner diesmal europaweiten Frühjahrsreise von Spanien über Tschechien nach Deutschland Geld für Brunnen. Und siehe da, so einige unserer Jungbauern dürfen jubeln! Bei unseren Jungs geht es also weiter mit der Entwicklung, sie bekommen Brunnen.
Unsere luxemburger Freunde, die unsere Landwirtschaftsschule komplett und treu durch die Jahre hindurch finanzieren, kommen jedes Jahr einmal als ganze Gruppe und kontrollieren die Resultate, jedes Mal wieder froh über den Fortschritt.
Wollen Sie nicht auch mal vorbeischauen? Sie sind immer willkommen!
Dann könnten Sie auch gleich das neue Projekt Emma Yiri besuchen, unsere Farmschule mit den dreißig Frauen und Mädchen. Nun läuft sie seit 6 Monaten, und ihr Leiter, Ceverin, hatte so einiges hinzunehmen, von weggeflogenen Dächern (die Stürme sind hart dies Jahr), von nächtlichem Diebstahl und Insektenbefall der Gärten bis hin zu weggelaufenen Mädchen. Alles geht jedoch seinen guten Gang. Im Juli kommen vier Töpfer von der Thun-Stiftung aus Italien, um die Ausbildung der Mädchen vorwärtszubringen. Gleichzeitig machen sie ein Ferienprojekt für etliche Kinder von uns und aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Wir sind begeistert über die Stimmung in Emma Yiri, vor allem darüber, dass nun auch siebzigjährige Frauen dort lesen lernen – und es gerne tun!
Eine unserer größten Befürchtungen ist natürlich nach Aids immer eine Schwangerschaft bei unseren vielen Elevinnen, auch im Waisenhaus. Letzte Woche sagte Ceverin dann trocken in einer Direktorenversammlung: “…ja, und Uschi ist schwanger!” Atemloser Schreck und Stille, bis ich vor Lachen platzte, denn Uschi ist unsere Eselin!
In Emma Yiri bekommen nun einige der Mädchen eine Ausbildung im Verweben von alten Plastiktüten. Wir und alle Kinder machen uns hier stark in einem selbstentwickelten Projekt “Zero sachets”, also null Plastiktüten, und haben tausende von Unterschriften gesammelt, die nun im Parlament eingereicht werden. Burkina Faso geht unter in Plastikmüll. Am 14. Juli ist der “Mandela-Tag”. Gemeinsam mit der südafrikanischen Botschaft und hunderten von Helfern reinigen wir einige Stadtteile.
Dies geht zurück auf eine Botschaft von Mandela, die mir sehr gefällt. Er sagte zu seinem Volk: ” Ich habe 67 Jahre unserem Volk gedient. Ich erwarte, dass nun jeder von Euch jeden Monat 67 Minuten dasselbe tut!”

Sehr rege ist nun auch unser neuer Verein in Dänemark. Von dort werden unsere neuen kleinen Kioske finanziert, und bis zum Ende des Jahres werden wir davon vier Stück in verschiedenen Stadtteilen haben (sozusagen eine McDonalds-Kette!). Der erste läuft bereits gut und ist natürlich eine ausgezeichnete Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Alle werden vom Haus MIA betrieben. Alle verkaufen das Gericht Baabenda, eine Blättersauce mit Hirsebrei, hier ein beliebtes, aber aufwendig herzustellendes Gericht, denn es sind mindestens sechs verschiedene Blättersorten darin, die nicht immer leicht zu finden sind. Ein voller Teller (den Afrikaner lieben!) kostet 300 CFA, umgerechnet 50 Cent. Nun werden wir alle vier Kioske rot und weiß bemalen und nach der dänischen Königin benennen, “Dronning Marghrete” Nr. 1- 4, und dann werden wir die Königin um ihre Schirmherrschaft bitten. Ob sie wohl annimmt…? Das wird spannend!

So verbringen wir unsere Tage mit vielen Ideen und immer mehr Arbeit. Gott sei Dank kann ich immer mehr delegieren. So habe ich mehr Zeit, mal ein Kind in den Arm zu nehmen oder mit meinen großen Jungs ihre Zukunft zu besprechen. Dank der Firma Bonita können wir verlässlich ausbilden, sodass ein jeder eine gute Chance hat, er muss sie nur wahrnehmen. Unser Ausbildungskomitee berät jedes Kind schon von frühauf, und an uns Erziehern und Betreuern liegt es dann, die Talente eines jeden herauszufinden. Schluss mit Tischlern und Schweißern, nun wird gepaukt, um später eine gute Grundlage zu haben. Die Schulresultate werden Thema meines nächsten Rundbriefes sein, denn noch stehen nicht alle fest – es sieht aber recht gut aus, mehr verrate ich noch nicht!
Jetzt geht es ab in die Ferien – Workshops und Feriencamp warten auf uns, abends werden Filme gezeigt, und der Fußball nimmt natürlich gerade mal wieder einen großen Platz ein. Wir erwarten eine hoffentlich unbeschwerte Zeit für alle Kinder, bevor im Oktober der Ernst des Lebens wieder beginnt. Davor wird allerdings schon wieder ab Anfang September halbtags für die Schule gebüffelt – damit wir bloß nicht aus der Übung kommen.
Auch Ihnen und Ihren Familien wünschen wir eine gute Sommerzeit. Beten Sie mit uns für Regen und dafür dass die politische Situation in Mali sich beruhigen kann.
Und – ein frommer aber berechtigter Wunsch – dafür,
dass alle Kinder auf der Welt heute satt werden!
Ihre Katrin Rohde
in Ouagadougou

AMPO-Rundbrief April 2012

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe AMPO-Freunde, liebe treue Helfer und Begleiter durch viele Jahre!

Was gibt es nicht mal wieder alles zu berichten aus unserem kleinen Burkina Faso, wo beginne ich? Erst einmal, sehr afrikanisch, mit einem freundlichen Gruß und der Frage: Wie geht es Ihnen und Ihren Familien? Hoffentlich gut und langsam frühlingshaft beschwingt! Ja, natürlich beginne ich mit dem Frauentag, denn der liegt gerade hinter uns! Dieser Tag ist in ganz Afrika jedes Jahr ein großes Ereignis im Leben von Müttern, Tanten, Töchtern, Freundinnen und Cousinen, alle treffen sich und möglichst eine jede trägt ein Kleid aus dem jährlich einzigartig bedruckten Frauenstoff. Wir Frauen reden, beratschlagen, zeigen was wir können, feiern und tanzen. Dieses Jahr trafen sich in unserer Frauenberatungsstelle PPF morgens um 8.00 mehr als 400 Frauen, es gab Kekse und Saft, Tänze und Reden.

In diese Beratungsstelle kommen jährlich ca. 40.000 Frauen, hier werden Mikrokredite vergeben, hier wird Aufklärung zu den Themen Familienplanung, Aidsverhütung, Beschneidung, Hygiene etc. gegeben. Frauen in prekärsten Situationen wird Mut gemacht und tatkräftig geholfen, wo immer es möglich ist.

AMPO ist ihr größter Hoffnungsträger, und das lassen sie uns heute deutlich dankbar spüren und singen und lachen mit uns! Fast alle tragen Babies oder Kleinkinder und alle diese Kinder sind unsere Hoffnung auf morgen! Bis abends tanzt ganz Ouagadougou und heute sind es traditionell die Männer, die die Einkäufe für den Haushalt tätigen müssen. Sie drängen sich grinsend auf den Märkten und sollen nun selber die Preise von Lebensmitteln kennenlernen -  so manche Marktfrau verdoppelt heimlich den Zuckerpreis, ist doch Frauenehrensache! Auch in AMPO sind alle Waisenmädchen dann besonders hübsch angezogen, die vielen Zöpfe stehen stracks vom Kopf ab, Füße werden mit Henna behandelt, viele kleine Frauengeheimnisse werden ausgetauscht. Diesmal luden die AMPO-Jungs die Mädels zu einem Fußball-Freunschaftscup ein – und gewannen tatsächlich nur sehr knapp!

In unserem neuen Haus Emma Yiri, mit viel Bravour am 14. Januar eröffnet, durften die 30 Mädchen und Frauen auf ihren Wunsch hin einen ganzen Tag in unserem offiziellen Stadtpark verbringen. Derweil kochte der Direktor Ceverin ganz alleine ein opulentes Mahl für alle Bewohnerinnen – jawohl, da sieht man mal, Frauenpower hat gesiegt!
Die Eröffnung dieser neuen AMPO-Einrichtung wurde im Fernsehen, im Rundfunk und in den Zeitungen kommentiert. Mehr als 600 Gäste waren dort, der offizielle Schirmherr war der Deutsche Botschafter, Herr Germann. Mit ihm gemeinsam schnitt ich das rote Band durch (diesmal war es grün, denn es handelt sich ja um ein Öko-Projekt!) und konnte mich einer kleinen Träne nicht erwehren, ich war gerührt. Dies ist das 7. AMPO-Haus, das von einem deutschen Botschafter eingeweiht wurde und ich finde: so langsam ist dies eine Ehre für beide Seiten!

Der Idee des Hauses logisch folgend, gab es ein Bio-Buffet, was im Nu ratzekahl leergefegt wurde. Sechs Botschafter gaben uns die Ehre und der Sekt floss, während 46 AMPO-Mädchen trommelten und tanzten.

Für diese Eröffnung waren aus Deutschland die ersten Vorsitzenden aus dem Verein, Gerolf Wolpmann, und der Katrin Rohde-Stiftung, Rebecca Trienekens, gekommen. Auch Sabine Duwe aus dem Büro in Plön, die ja viele von Ihnen telefonisch kennen, war endlich wieder einmal in Burkina Faso mit dabei. Dies war eine große Ehre und Freude für unsere Mitarbeiter und für alle AMPO-Kinder, für die die Gäste ein Spiel- und Würstchenfest organisierten! Andere Freunde kamen aus Dänemark, aus Italien, aus Frankreich, Spanien und Österreich, Kanada und den USA.

Inzwischen nimmt das tägliche Leben dort im neuen Projekt seinen Lauf, wir werden beliefert mit Bio-Gemüse aus dem Emma Yiri-Garten, alle Mädchen gehen in die interne Schule und selbst alte Damen mit über 70 lernen das Alphabet. Noch nie habe ich so aufgeweckte lustige Diskussionen über den Unterschied zwischen o und u gehört, alle haben viel Spaß und kommen sich dabei immer näher.

Eine ganz wunderbare italienische Meistertöpferin hat allen Frauen fünf Wochen lang die Anfangsgründe des Töpferns beigebracht, so gut, dass wir am Frauentag bereits unsere erste Ausstellung im amerikanischen Center hatten! Nun hat unser burkinischer Töpfer den Unterricht übernommen und weiht bald unseren neuen Brennofen ein.

Ja und die Stammhäuser? Alle AMPO-Kinder sind gesund und arbeiten wie wild, jede, jeder will im Mai einen guten Schulabschluss machen. Jetzt in den Osterferien  wird täglich morgens gepaukt, nachmittags Sport gemacht. Die Kleinen lernen nun schwimmen, jedes Jahr wieder ein Ereignis! Ich führe lange Diskussionen mit den abgehenden Mädchen. Fast jede will Krankenschwester werden, das ist nun gerade Mode, und ich versuche sie davon abzubringen, denn dafür ist ja nun wirklich nicht jede gemacht. Berufswahl ist schwer in einem Land in dem es so wenige Garantien für eine Anstellung gibt.

Große Sorgen macht uns nun langsam doch der Klimawechsel und die – zumindest für letztes Jahr- daraus entstehende Wasserknappheit. Viele Jahre wurde hier von Seiten der Regierung in BF ewig und immerzu der Notstand ausgerufen – viel zu oft und unberechtigt. Nur weil ein Landstrich unseres Landes betroffen war rief der Staat gleich nach internationaler Hilfe. Dabei kann hier jeder Landbewohner sehr gut mit wenig leben, geübt seit 1000 Jahren und gewöhnt an alle möglichen Katastrophen, wird hier generell wenig gejammert. Arm sein ist normal, und Armut heißt noch lange nicht Elend!

Dieses Jahr geht es nun aber um die gesamte Sahelzone, vor allem im Norden hungert und dürstet jetzt schon das Vieh – und die Menschen werden immer dünner. Vor der ersehnten Ernte im November ist auch keine Besserung in Sicht!

Um Verhältnissen wie in Somalia vorzubeugen (wir in BF haben auch tausende von Flüchtlingen aus Mali zu füttern) sind bereits die großen Hilfsorganisationen im Lande.

Wir in AMPO möchten keine Mais- oder Reissäcke vergeben. Wir möchten vielmehr nachhaltig vorbeugend für die nächsten Jahre denken und Sie dafür um eine Extrahilfe bitten: 16 kleine biologische Farmen hat AMPO bereits durch die Abgänger in der Farmschule gegründet. Allen diesen Farmen möchten wir gerne Brunnen graben, denn ohne Wasser kann ein Bauer noch so fleißig sein, es gibt keine Ernte. Je nach Lage kostet ein Brunnen zwischen 2.000 und 5.000 Euro. Wollen Sie uns helfen? Wir bitten Sie sehr darum. Wasser gibt uns allen neue Hoffnung!

Nach den Unruhen im letzten Jahr trauten sich nun auch endlich wieder die Besucher nach Burkina Faso. Die AMPO-Gästezimmer sind über Monate hinaus ausgebucht, und viele Gruppen aus Deutschland, Dänemark, Italien haben unser Restaurant zum Lieblingsplatz erkoren.

Viele Freunde sitzen dort für Stunden, es ist ein Ort, an dem man gut die Straße beobachten kann, ohne selbst beständig angesprochen zu werden.

Viele Touristen sehen dann das erste Mal einen burkinischen Rollstuhl aus der Nähe, denn bei uns befindet sich ja auch die Rollstuhlwerkstatt, in der Ersatzteile mit 75% subventioniert werden. Gerade bekam ich die Zahlen der letzten zwei Monate vom Werkstattleiter Edouard: In den Monaten Februar und März reparierte er hier in AMPO 176 Rollstühle.

Er machte sechs Reisen (810 km) in weit entfernte Dörfer und dort profitierten 214 Behinderte von unserer AMPO-Behindertenwerkstatt. Es wurden 11 neue Rollstühle vergeben.

Eben erhielt ich aus Kanada von alten Freunden einen Betrag für 20 Rollstühle, die wir vergeben werden. Bitte helfen auch Sie weiterhin mit, denn Behinderte ohne Rollstühle leben arm und unwürdig!

Ja, in dieses Restaurant kommen viele Gäste, dort findet auch einmal monatlich unser beliebter “Frauenstammtisch” statt. Alle deutschsprachigen Frauen in Ouagadougou sind dazu herzlich eingeladen, und endlich einmal reden wir nicht von Arbeit! Dieses Jahr kamen viele dänische Gruppen, da ja mein Buch auf dänisch erschien und bereits vergriffen ist, man höre und staune! Fast alle kennen schon unseren Koch Adama, sein Ruf hallt weit durch Afrika! Seine Kochkünste konnten auch die deutschen Vorstandsbesucher wieder einmal bewundern.

Unter anderem hatten wir auch einen sehr motivierenden Besuch von vier tschechischen Rallyefahrern. Angekommen durch die Wüste in Dakar machten sie einen kleinen “Umweg” von 2500 km, um uns bei AMPO mal kurz zu begrüßen und Geschenke von tschechischen Kindern zu bringen. Diese Helden wohnten für drei Tage in ihren technisch knallhart ausgestatteten Autoraketen bei den Jungs im Waisenhaus und waren natürlich höchst bewundert und beliebt. Nun mache ich im April den Gegenbesuch in Tschechien bei ihnen.

Tatsächlich geht die Vortragsreise bald los, ich werde in Spanien, in Tschechien, Österreich und Deutschland sein – wo immer ich so bin, wird sicherlich auf unserer Website stehen – kommen Sie vorbei? Das wäre schön!

Diesmal kann ich ganz beruhigt losreisen, denn es gibt einen neuen Menschen in meinem Leben, eine Freundin mit Namen Constanze Ternes. Sie will die nächsten 3-4 Jahre gemeinsam mit mir die AMPO-Sorgen in Ouagadougou tragen. Etwas Besseres kann mir nicht geschehen, und so danke ich mal wieder Gott und meinem Schicksal (und natürlich ihr selbst, liebe Constanze: Dank!) , denn sie kam gerade rechtzeitig als ich drohte ein wenig müde zu werden – immerhin soll ich, Inshallah, dieses Jahr noch 64 Jahre alt werden, und da darf ich schon mal ein wenig schwächeln, oder? Naja, nicht zu sehr, versprochen!
Nun, zu zweit, ist alles sehr viel leichter!

Ihnen und Ihren Familien einen fröhlichen Frühling, wenig Sorgen, ein wenig Leichtigkeit, ein Lachen mehr!
Ihre Katrin Rohde in Ouagadougou

AMPO-Rundbrief November 2011

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe AMPO-Freunde, liebe Pateneltern unserer Waisenkinder,
einen herzlichen Gruß aus Afrika an Sie!

Hier in Burkina Faso hat sich die Lage zur Zeit beruhigt. Nach dem politisch so schwierigen April haben wir doch einen relativ ruhigen Sommer gehabt. Bald stehen hier Kommunalwahlen an. Wir hoffen sehr, dass es ruhig bleibt und unsere Kinder weiterhin gelassen zur Schule gehen können.

14 neue Kinder haben wir in die Waisenhäuser aufnehmen können, noch suchen einige Pateneltern in Deutschland. Diesmal sind es besonders viele Mädchen.

Wir warten immer einige Monate ab mit der Vergabe. Und auch diesmal mussten wir für die sieben Jahre alte Patricia eine Sonderlösung finden: Sie war kreuzunglücklich bei uns, denn sie vermisste ihre kleine Schwester – die sie immer auf dem Rücken getragen hatte – und ihren kleinen Bruder so sehr, dass sie beständig vor Heimweh weinte. Nun ist sie wieder bei ihnen und der Großmutter, andere Familienmitglieder gibt es nicht mehr. Wir bezahlen Essen für alle und ihr Schulgeld, natürlich kommen sie bei Krankheit in unsere Krankenstation und werden auch von uns eingekleidet. Dann versuchen wir es nächstes Jahr noch einmal.

Alle anderen haben sich gut eingewöhnt. Das sehe ich immer daran, dass sie zu Beginn leise gehen, eine Woche später jedoch beginnen sie hüpfend den Hof zu überqueren. Dann wissen wir: es wird gehen, sie fühlen sich wohl bei uns! Alle werden nun erst einmal medizinisch untersucht, von unseren Psychologen angehört und eingekleidet. Dieses Jahr gibt es sogar eine Schuluniform für diejenigen, die in unsere hauseigene Schule gehen. Damit sich alle gleichwertig fühlen!

Auf Seiten der Waisenhäuser läuft alles zuverlässig gut unter den Händen des Pädagogen Mathias Zoré und der Psychologin Christine Adamou. Außer zum Spielen mit den Kindern am Wochenende werde ich dort kaum mehr gebraucht. Mit den Kleinen lese ich vor, ein Hauptspaß, weil französisch ja für uns alle eine Fremdsprache ist, auch für mich – und dann Pippi Langstrumpf! Alleine die Namen lassen uns vor Lachen von den Bänken fallen!

Mit den Großen gibt es endlose und heiße Diskussionsrunden mit mir über Themen wie Moral oder verantwortungsvolles Verhalten – und sie kommen dann alle, hochinteressiert, und lassen dafür sogar Fußballtrainingsstunden ausfallen. Ist das nicht herrlich?

Auch die Häuser MIA und ALMA können Erfolge feiern, denn dort ist es uns gelungen 15 von 20 jungen Mädchen, die nach der hiesigen Tradition verstoßen waren, wieder in die Familien zu integrieren. Das ist schwere und geduldige Arbeit über Monate, mit viel Fingerspitzengefühl! Respekt und höfliche Umgangsformen gegenüber den Clanchefs und Familienvätern ist das Wichtigste dabei, dies üben wir täglich (auch wenn ich manchmal vor Wut dabei platze … nur nichts anmerken lassen!). Wir haben dabei beständig das Wohlergehen aller unserer Kinder im Sinn, das ist die erste Prämisse.

Respekt ist auch die Grundlage unseres neuen Generationenhofes Emma Yiri, der ab Dezember mit Leben erfüllt sein wird und Mitte Januar 2012 offiziell eröffnet wird – hoffentlich von unserem neuen deutschen Botschafter, der gerade seinen Dienst angefangen hat.

Alle zwei Tage bin ich auf dem Bau, wir machen gute Fortschritte. Allerdings sind die Baukosten ins Unermessliche gestiegen. Zement, Holz und vor allem Eisen kosten nun fast doppelt so viel wie in der Zeit, als wir den Kostenvoranschlag schrieben. Wir sind sehr sparsam, doch die Kosten überrollen uns! Hilfe!

Ich bin zuversichtlich, dass diese so erfreuliche Einrichtung ein voller Erfolg wird, zumal der erfahrene Leiter Ceverin Ouedraogo bereits alle Mädchen und alte Damen aus vielen Dörfern zur Zufriedenheit des Direktorenteams ausgewählt hat. Gerade ist unsere Sekretärin Ricarda Dittrich aus unserem Plöner Büro mit ihrem Mann bei uns zu Besuch, und auch sie stimmten heute nach der Besichtigung zu: Emma Yiri wird was ganz besonders Feines! Am Wochenende treffen zwei Töpferinnen aus Italien ein. Von ihnen werden die Töpferwerkstatt und der Brennofen finanziert. Sie treffen sich hier mit unserem eigenen Töpfer zu einer Lagebesprechung.

So gibt es immer zu tun, vielseitig werden wir gefordert! Auf der Lehrfarm werden wir wohl bald ein Agavenfeld einrichten. Das ist die Pflanze der Zukunft und so werde ich auch hier bald zur Spezialistin!

Immer besser arbeiten wir mit unseren Zulieferern für die Produkte aus dem AMPO-Shop. Fast alle sind Ex-AMPO-Kinder mit inzwischen eigener Werkstatt. Was immer Sie bei uns einkaufen kommt deren kleinen Familien zugute. Hier in Ouagadougou Aufträge zu bekommen, ist nicht so einfach und es hilft ihnen ganz ungemein für den AMPO-Shop zu produzieren. Schauen Sie doch bitte einmal in unseren neuen AMPO Katalog oder auf unsere Website www.sahel.de.

Nun will ich aber los. Es ist bereits Tradition, dass in jedem Jahr alle Kinder, die die Mittlere Reife oder das Abitur bestanden haben, als Gäste in meinem Haus zu einem Hühnchenessen eingeladen werden, samt ihrer Erzieher, die natürlich einen großen Anteil daran haben. Letztes Jahr haben wir dies aus irgendeinem Grunde verpasst und alle reklamieren nun lauthals ihr Hühnchen! Da es aber 25 Kinder plus der Erzieher sind, reicht mein so kleines Haus nicht mehr aus. Heute um 19.00 veranstalten wir dieses Essen also im AMPO- Restaurant.

Es wäre herrlich, liebe Pateneltern, könnten Sie mal eben vorbeikommen und ihren Patenkindern zu ihrem schönen Erfolg gratulieren!
Da dies nicht so einfach ist, werde ich alle Kinder von Ihnen grüßen und wir werden ein Glas Hibiskusblütensaft auf Sie erheben. Seien Sie bedankt für Ihre guten Taten, die so einen schönen Erfolg bewirkt haben.

Einmal will ich nun in diesem Jahr noch nach Europa kommen, zu einer kurzen Vortragsreise von zehn Tagen in Dänemark. Mein Buch ist auf Dänisch erschienen. Dank alter Freunde ist sogar ein AMPO-Verein in Dänemark gegründet worden! Dies wird mir Gelegenheit geben, leider für einige Stunden nur, meine beiden Enkelkinder in den Arm zu nehmen. Dann darf ich einige Monate hierbleiben, über Weihnachten natürlich, bevor es 2012 mit der Reiserei wieder losgeht:

Vorträge in Spanien, Österreich, Deutschland und – vermutlich – sogar in die USA sind geplant. Katrin in New York!
Ja, wer hätte das gedacht als ich einst in Deutschland meine Zelte abbrach, um ein kleines Waisenhaus zu bauen und mein Leben still und friedlich zu leben!

Stattdessen bin ich zur Weltreisenden geworden, zur Botschafterin für die Kinder Afrikas und zu einer rigorosen Kämpferin für Chancengleichheit.

Dies alles bin ich gerne! Am liebsten jedoch sitze ich still auf der Farm, sehe die Kinder spielen und höre die Bäume wachsen … Alle AMPO-Kinder danken, grüßen Sie und wünschen Ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit, Muße in der Familie, Gesundheit und Zufriedenheit!

Ihre Katrin Rohde aus Ouagadougou

SAHEL e.V.
Am Strohberg 2 • 24306 Plön • Tel.0 45 22 – 78 98 85 • Fax 0 45 22 – 78 98 86
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