Archiv der Kategorie 'AMPO-Rundbriefe'

AMPO-Rundbrief Juli 2010

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe AMPO-Freunde in Deutschland,

im Zeichen der Weltmeisterschaft schreibe ich diesen Rundbrief und sicherlich können Sie sich vorstellen, was bei AMPO für ein riesiger Torjubel erschallt! Alle Flaggen unserer verschiedenen Geberländer hängen aus, Dänemark und Spanien, Schweiz und Canada, Österreich, England und natürlich ganz groß Deutschland – das von allen Kindern am meisten verehrte Fußballteam. Schließlich kennen die meisten Jungs bei uns die deutsche Tabelle auswendig. Die AMPO-Fans von Werder und Bayern verfolgen alle Spiele und der Jammer ist groß, wenn dann das falsche Tor fällt! Gott sei Dank sind bereits Ferien, alle Kinder dürfen zu jederzeit Fußball gucken. Während der Schulzeit dürfen sie nur zwei Stunden in der Woche fernsehen.

In diesem Jahr verlassen 21 Jugendliche die Waisenhäuser, dazu noch 15 Mädchen samt ihrer Kinder die Häuser MIA und ALMA. Allesamt bekommen ein Fahrrad und noch weiterhin Unterstützung für ein bis drei Jahre, je nach Ausbildung.

Drei von ihnen gehen auf die Krankenpflegerschule, sieben auf die Grundschullehrerschule. Anderen finanzieren wir noch ein Schuljahr oder sogar, als Ausnahme, ein ganzes Studium! Die anderen sind SchneiderInnen oder WeberInnen, Mechaniker oder Tischler. Sie bekommen von AMPO ihr Perfektionsjahr bezahlt samt Verpflegung und Versorgung mit Medikamenten etc. – Gott sei Dank ist die Firma BONITA unser großer Spender für alle Ausbildungsgänge, sonst wäre das nicht möglich. Herzlichen Dank nach Hamminkeln!

Eine Woche lang beherbergten wir ein Team von vier Spaniern. Zwei von ihnen richteten unsere neue Optikerstation ein. Nun haben wir Maschinen zum korrekten einpassen von Gläsern. Leiter dieser neuen Station ist stolz Kabré Aziz, als Waisenkind bei AMPO großgeworden, heute staatlich geprüfter Krankenpfleger samt Zusatzausbildung als Optiker.

Die Station wurde letzte Woche eröffnet, und wir wollten eigentlich ein paar Probetage mit unseren Kindern veranstalten und sehen ob unsere neuen jungen Optiker ihr gelerntes Metier beherrschen. Die afrikanischen Trommeln machten uns einen Strich durch die Rechnung, der AMPO-Ruf hallt weit, und so kam es, dass bereits am ersten Tage 150 brillenbedürftige Menschen vor der Tür warteten. Nur keine Panik! Wir haben sie alle auf die nächsten zwei Wochen eingeteilt, denn jede Behandlung dauert mit Vermessung und eventueller Herstellung eine gute halbe Stunde. Die “Opticiens sans frontieres” sind ungemein freundlich und geübt. Solche Stationen wie bei uns haben sie schon in halb Südamerika, in Indien und Afrika eingerichtet. Letztes Jahr kamen sie auf uns zu. In Bobodioulasso haben sie bereits eine solche Station und nun suchten sie eine verlässliche Struktur für die Hauptstadt. Ja, verlässlich ist AMPO und wir freuen uns sehr über deren Lob und Anerkennung.

Zusammen mit den Optikern kamen auch zwei hochversierte Informatiker. Beide schlugen die Hände über dem Kopf zusammen: allein im Computer unserer Sekretärin fanden sie 46.000 Viren! In erster Linie danken wir dies unseren USB-Sticks. Damit schwirren die Viren von einem Ort zum anderen bei uns. Leider ist wiederum unser afrikanisches Netz so schwach, dass wir vieles nicht schicken können.

Nun ging es los: innerhalb von einer Woche gruben wir 350 m Kabel ein, und jetzt ist sowohl unsere Buchhaltung (die monatlich die Ergebnisse nach Deutschland ins Büro schickt), unsere Sekretärin, natürlich die Deutschsektion mit Nicole und auch der Kindercomputerraum direkt online – ein Wunder. Selbst unser Restaurant ist zu einem Cybercafé geworden. Versehen mit Passwort kann hier jeder nun seinen Laptop anschließen – die ersten Kunden sitzen dort seit heute morgen. Wir danken den Spaniern! Einer der Informatiker kehrt Ende August zurück, dann wird das Werk vollendet. Bald gibt es sogar vermutlich eine Webkameraeinstellung auf die Straße vor den Waisenhäusern, wo man jederzeit und täglich sehen kann was für ein Wetter bei uns herrscht und wie es uns so geht! Also wirklich, AMPO geht doch mit der Zeit, nicht wahr?

Auf unserer Farm wurden die fertig ausgebildeten Jungbauern in ihre Dörfer entlassen und 80 neue Jungen traten an. Dort waren die Direktoren und ich heute morgen, um sie bei uns willkommen zu heißen. Unser Hengst wurde uns einen Kilometer entgegen geritten, dies ist hier so üblich zur Begrüßung eines hohen Gastes. Er galoppiert dann voraus um den Weg zu weisen. Die gesamte Einfahrt entlang standen – sichtlich stolz – alle Jungen in ihren neuen Arbeitsklamotten, Latzhosen und Gummistiefeln, einige mit ihren großen Arbeitshandschuhen und trommelten und klatschten. In Gruppen stellten sie sich vor und ich hielt eine zündende Rede.

Unser Erfolg ist gut ersichtlich: Von den 160 Jungen, die bislang in ihre Dörfer als ökologisch geschulte Jungbauern zurückgekehrt sind, ist kein einziger Straßenjunge geworden, alle sind dort, wo sie hingehören: in ihrer Familie. Dort machen sie den anderen vor, wie man ohne teuren Kunstdünger und ohne Insektizide zu guten Ergebnissen kommt und vielen Nachbarn leuchtet es ein. Ihre Böden sind durch extensiven Gebrauch derselben nämlich müde geworden und sie fragen sich, warum. Viele versuchen es nun wieder mit den althergebrachten Methoden, plus der Anregungen der jungen AMPO-Bauern – sie arbeiten bereits mit den neuen Erkenntnissen der tropischen Landwirtschaft. Dies war zu Beginn meine eigentliche Idee der Landwirtschaftsschule. Nur durch die große Unterstützung der Dr.-Elvire-Engel- Stiftung aus Luxemburg läuft alles, denn die Farm Tondtenga ist ein kostenintensives Projekt.

Katrin Rohde beim Optiker

Katrin Rohde beim Optiker

Ähnlich, aber ein viertel so groß, soll nun eine neue Einrichtung entstehen. Eigentlich wollte ich ja nichts neues mehr bauen, aber nun wurde uns in Anerkennung der guten AMPO-Taten zur Fluthilfe ein Grundstück am Rande der Stadt vom Staat geschenkt. Nach langem Nachdenken soll dort eine kleine ökologische Farm für 25 Mädchen entstehen, ausschließlich für Gemüsegärten und Hühner- und Kaninchenzucht. Dort sollen auch fünf alte familienlose Frauen wohnen. Diese können gut mitgärtnern und Rat geben, gleichzeitig können sich die jungen Mädchen um die Alten kümmern. So ist die Idee.

Als erstes wollen wir eine große Mauer drumherum bauen. Diese kostet pro Meter 80 Euro. Sollten Sie dafür einen Spender finden: dieser darf sich seinen Meter Mauerfarbe aussuchen und sein Name wird in den Zement geritzt. Ist das nicht auch ein prima Geburtstagsgeschenk für Ihre beste Freundin? Foto folgt dann – aber erst wenn wir genug gesammelt haben, also vermutlich zum Beginn des nächsten Jahres, sage ich mal so …

Nach fünf erfrischenden Wochen in Deutschland kehrte ich Anfang Juni nach Ouagadougou zurück und war mal wieder gerade richtig zu Beginn der Regenzeit angekommen. Meine Reise verlief diesmal sehr gut, ohne Schmerzen in den operierten Knien (fünf Wochen mit Koffer in der Hand!) und mit gut besuchten Vorträgen. Allen Helfern großen Dank, vor allem Gerolf Wolpmann (Bremer Überseemuseum) und der begeisternden Frau Elfriede Orda, die uns alle mit ihrem Charme hinriss: Sie organisierte einen höchst erfolgreichen Galaabend im Münchener Völkerkundemuseum. Sie sehen: ich werde langsam so alt, dass man mich in Museen ausstellt …

Ich ging sehr gestärkt aus unserer Hauptversammlung auf die Reise gegangen, denn 40 Vereinsmitglieder waren sich einig: AMPO ist auf dem richtigen Weg. Buchhaltung und Zahlen stimmen laut eingereistem deutschen Wirtschaftsprüfer, die Krankenstation arbeitet korrekt, hygienisch einwandfrei und den so bedürftigen Patienten zugetan. Gerade ist mein Buch in einem neuen Verlag erschienen, hier ein großer Dank an Gaby von Malottki, die den Großteil dieser Arbeit auf sich nahm. Ein Zusatzkapitel ist drin und einige neuere Fotos. Nun soll es auf spanisch sogar als e-book erscheinen, na, wie ich schon sagte, AMPO geht mit der Zeit …!

Wir haben neue Flyer, eine neue Informationsmappe, eine verbesserte Website, alle Mitglieder und Spender sind motiviert. Ganz besonders danke ich hier unseren aktiven Vorständen von Verein und Stiftung, die sich viele gute Gedanken machen und ihre Arbeit in das Erstellen neuer Statuten und das allgemeine Fortkommen aller unserer Projekte stecken. Trotz Weltfinanzkrise soll es bei uns in Afrika weitergehen und ich danke Ihnen allen wie immer für Ihr Vertrauen in unser AMPO hier in Ouagadougou. Nach wie vor stehen die Waisenkinder, die verlassenen, misshandelten und gefundenen Kinder an erster Stelle jeglicher Hilfe, die wir geben können.

Ich weiß, dass Sie fest zu uns stehen, liebe Freunde, unser Kreis vergrößert sich und auch Sie sprechen gut über uns zu anderen. Dies merken wir an unseren vielen neueren Spendern. Seien Sie innig bedankt dafür! Nach wie vor brauchen wir möglichst viel Hilfe in aller Form. Es kommen vor allem so viele Kinder mit ernsten Problemen zu uns.

AMPO zu helfen ist durchaus und im besten Sinne ansteckend! Wir alle wünschen Ihnen in Europa einen fröhlichen Sommer, eine vergnügte Aus-Zeit mit der Familie, damit Sie erholt und heiter wieder in Ihren Alltag gehen können.

Allen Segen aus Afrika dazu sendet Ihnen
Ihre Katrin Rohde

Liebe Paten!
Bitte denken Sie schon jetzt an die Weihnachtspäckchen. Der Container geht Anfang September.

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AMPO-Rundbrief: April 2010

Liebe Freunde unserer Waisenkinder in Burkina Faso,

gerne würde ich einmal alle meine Rundbriefe an Sie zählen! Ich schrieb so drei bis vier pro Jahr seit 1998, und sicherlich gibt es bald einmal ein Jubiläum. Leider komme ich mal wieder nicht ins Internet (dort stehen sie alle auf der Website), denn unsere Stadt am Rande der Wüste hat Probleme mit der Elektrizität, mit dem Telefonnetz und mit dem Wasser. Tagelang gibt es keine Mailverbindung mit dem deutschen Verein und mit Ihnen allen. Täglich und nächtlich fällt zusätzlich jeweils für drei bis sechs Stunden der Strom aus. Dann springt er mit dreifacher Kraft an. Nach so einem Knall muss dann so mancher Kühlschrank und manche Festplatte ersetzt werden… wenn man nicht rechtzeitig die Kabel zog. So kann man natürlich nicht korrekt arbeiten, und viele Beamte ziehen einfach ihre Zeitungen heraus oder begeben sich schon vormittags in die verdiente Mittagspause. Natürlich geht das nicht bei AMPO, hier gibt es immer etwas zu tun, und wenn es das Aufräumen der vielen Magazine und Schubladen ist! Soviel zu den täglichen kleinen Sorgen – mit den Kindern hingegen haben wir zur Zeit gar keine Probleme! Die meisten lernen fleißig, Jacob und Andrea stehen im Abitur.

Ali ist seit drei Jahren draußen und beendet nun seine Hochschule als Verwaltungsspezialist auf hohem Niveau. Er kam ganz besorgt zu mir: für die Abschlussfeier braucht er einen Anzug. Dabei lebt er seit Beginn seiner Ausbildung sehr bescheiden von umgerechnet nur 15 Euro im Monat. Natürlich hat er den bekommen, samt Schuhen, Socken und Schlips! Mariam beendet ihre Buchhalterausbildung und hat erstklassige Zeugnisse. Sie findet leicht Arbeit.

Balima ist eine gute Schneiderin, frisch aus ihrem Perfektionsjahr, voller Ideen und sehr genau in ihrer Arbeit. Zukunftsfroh wird sie sich selbstständig machen und wiederum ein junges Lehrmädchen von AMPO in ihrem kleinen Schneideratelier aufnehmen – so schließen sich die Kreise. Roland hat gerade seine Auswahlprüfung bestanden und geht als Krankenpfleger in den staatlichen Dienst, so wie schon Daouda vor ihm.

Seit drei Jahren ist Daouda zweiter Mann einer einsamen staatlichen Krankenstation weit im Norden hinter Gorom-Gorom. Um zu uns zu kommen, braucht er zwei Tage, auf Kamelen und auf Pirogen über die Mare, später dann mit dem Buschtaxi über die Pisten. In so einer Krankenstation gibt es keinen Röntgenapparat, keine Laboruntersuchungen, da muss man sich selbst helfen und Blinddarmoperationen und Geburten bei Petroleumlampenlicht bewältigen so gut es eben geht. Dies werden später die besten Attaché de Santé, und eines Tages wird Daouda bestimmt der Leiter unserer Krankenstation werden! Die größten Probleme machen uns zwei Jungen, die beide schon draußen leben: zunächst Aziz, den ich mit sieben Jahren von der Straße holte. Leider hatte er schon zu viele Drogen genommen und trug Schäden davon. Zur Schule reicht es einfach nicht, Jahre haben wir uns bemüht, er lernt das Lesen und Schreiben nicht. Dazu ist er ein Asthmakind und kann nicht so einfach Schreiner werden. Was tun?

Auch Alain, schon vier Jahre draußen, fällt immer tiefer in seine Depressionen. Er wird aggressiv allen gegenüber, nur mir nicht. Trotzdem muss er sich draußen selbstständig erhalten können, was tun? Dies sind Fälle die oft in der Direktorenrunde diskutiert werden. Kleine Lösungen finden wir, aber auf die Dauer wird es schwer. Unser gänzlich gelähmter Adama, den ich vor Jahren im Krankenhaus fand, gehört auch dazu. Er liegt bei uns auf der Reha- Station, geduldig und bescheiden, aber seine Restfamilie besucht ihn nie. So haben wir ihn nun als Stammgast aufgenommen, wir haben keine Wahl. Der arme Junge ist ein trauriger Fall. Er lebt jedenfalls immerhin mit uns allen, und wenn er lächelt geht die Sonne auf!

Vielleicht haben Sie gehört, dass das Buch “Mama Tenga”, das ich vor Jahren schrieb, vergriffen ist? Nun habe ich mich an ein Zusatzkapitel gemacht und es wir bis zum Mai in einem anderen Verlag neu erscheinen. Bis heute gibt es kein anderes Buch mit Beschreibungen über Burkina Faso, trotz Steinmeyer und Schlingensief gibt es wenig Informationen über das wirkliche Leben der Menschen hier.

So bin ich froh, dass ich zum allgemeinen Wissen beisteuern kann, denn Burkina Faso ist es wert! Es stimmt, wir sind arm, aber wir kennen Achtung und Respekt und Höflichkeit. Oft stehen hier bescheidene Menschen beispielhaft für viele menschlichen Werte, die im eiligen Europa längst vergessen sind. Was Sie dieses Jahr als Schnee bekamen, ging ja bei uns in Ouagadougou als Jahrhundertflut im September nieder. Noch immer sind hunderte von Menschen ohne Haus, Gott sei Dank kann man bei unseren Temperaturen draußen schlafen. Unsere AMPO- Waisenhäuser waren kaum betroffen. AMPO bekam Mittel zur Soforthilfe. Zur Zeit bauen wir gerade das 58. Haus für betroffene Familien mit vielen Kindern, vornehmlich Witwen und Behinderte. Sehr glücklich bin ich über meine neue Mitarbeiterin Nicole Grimminger, die auch gleich unten zu Wort kommt. Sie ist fix, vergnügt und arbeitsam – was will ich mehr! Den gesamten Mai über reise ich durch Deutschland, vielleicht sehen wir uns irgendwo? Das wäre schön! Der Reiseplan ist im Büro zu erfragen und steht auch auf unserer Homepage.

Nun wünsche ich Ihnen alsbald einen schönen Frühling, und dass der Sommer Ihren so harten Winter wieder gut mache! Gottes Segen, gute Gesundheit und viel Heiterkeit wünscht Ihnen samt allen 320 Kindern aus Ouagadougou.

Ihre
Katrin Rohde

***

Liebe AMPO-Freunde,

eigentlich hatte ich ja gedacht, ich wüsste schon einiges über Burkina Faso … immerhin bin ich doch schon drei Mal hier gewesen, hatte für die Uni Forschungsarbeit im BWL-Bereich ausgeführt und versucht, meine Landessprachkenntnisse zu erweitern.

Aus AMPO-Sicht sieht aber wieder alles ganz anders aus: hier sind es keine Zahlen, hier geht es ausschließlich um Menschen, und zwar um solche, die nicht so viel Glück haben, wie ich. Täglich gehe ich um mit Kindern ohne Eltern, mit Frauen in Notsituationen und mit Menschen ohne Hoffnung – jedoch vergesse ich das häufig, da sie fast immer lachen! Ihre Lebensfreude und Freundlichkeit ist mitreißend, egal wie bescheiden sie leben. Jeden Tag lerne ich dazu, wie ich mein Leben hier in der Hauptstadt von Burkina Faso organisieren kann. Hierbei helfen mir unter anderem die AMPO-Mitarbeiter und auch Katrin gibt mir immer wieder Tipps – manchmal ungern, weil sie es für eine Bevormundung hält. Ich nicht.

Die vielen Stromausfälle in Ouagadougou sind höchst ärgerlich! Immer, wenn der Computer – puff, ohne Vorwarnung – ausgeht, wende ich mich anderen Aufgaben zu, die auch ohne Strom erledigt werden können. Nicht nur dies ist ein großer Unterschied zu meinen bisherigen Arbeitsplätzen in Deutschland, sondern auch das Klima in meinem schönen, neugestalteten Büro auf dem Gelände des Jungenwaisenhauses unterscheidet sich gewaltig von anderen Büros, z.B. in burkinischen Ministerien. Deren Klimaanlagen sind so geregelt, dass man Angst haben muss, mit einer dicken Erkältung wieder rauszukommen. Bei AMPO gibt es keine Klimaanlagen, nur Ventilatoren – wenn Strom da ist. Und da kann ich mich nun entscheiden zwischen umher wirbelnden Papieren oder stehender Hitze – zurzeit 44°. Ist mein Ventilator ausgeschaltet und afrikanische Mitarbeiter kommen in mein Büro, stellen sie ihn höflich an, weil sie meinen, ich habe ihn vergessen – komisch! Ich bin sehr froh, dass ich bei AMPO bin und durch meine Arbeit diese gewachsene Institution in Ouagadougou unterstützen kann. So helfe ich mit, vielen Menschen in Burkina Faso eine bessere Zukunft zu ermöglichen und wer weiß, was sie daraus für sich und die Welt machen.

Als ich Katrin traf, mochte ich sie auf Anhieb, und die AMPO-Einrichtungen beeindruckten mich sofort. Da mich auch meine privaten Wege nach Burkina Faso führten, habe ich doppeltes Glück gehabt! Ich arbeite nun in einem tollen Team mit rund 80 burkinischen Mitarbeitern, die sich von Herzen für ihre AMPO-Kinder einsetzen. Eine meiner Aufgaben bei AMPO ist die Unterstützung der Patenschaften zwischen den AMPO-Kindern und ihren Paten im Ausland. Und hier habe ich auch gleich meine erste Nachricht für Sie: 15 Kinder, die seit dem Jahr 2009 in den AMPO-Waisenhäusern wohnen, Mädchen sowie Jungen, zwischen 8 und 12 Jahren, haben noch keine Paten. Alle Kinder wünschen sich einen Paten, eine Patin oder auch eine ganze Familie! Wenn Sie Interesse an einer Patenschaft haben, dann wenden Sie sich bitte an unsere Geschäftsstelle in Plön. Die AMPO-Kinder freuen sich schon auf Sie! Und ich auch!

Ihre
Nicole Grimminger
Assistentin von Katrin Rohde

***

… und zum Schluss noch ein kurzer Hinweis aus der Geschäftstelle in Plön. Wie Sie sehen, haben wir unseren Flyer aktualisiert und umgestaltet – wir hoffen, er gefällt Ihnen. Er ist nun auch in den Sprachen Englisch und Französisch erhältlich. In diesem Zuge ist außerdem eine neue Infomappe entstanden, in der alle AMPO- Einrichtungen genauer vorgestellt werden. Die Flyer und die Mappen können Sie gern bei uns anfordern und an Interessierte weitergeben.

Viele Grüße aus Plön
Sabine Duwe & Ricarda Dittrich

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AMPO-Rundbrief: AMPO-Kalender 2010

Liebe AMPO-Freunde,
kennen Sie schon den neuen AMPO-Kalender?

Wie in den vergangenen Jahren haben wir auch in diesem Jahr wieder einen Jahreskalender für Sie zusammengestellt. Der neue Kalender 2010 gibt einen schönen Überblick in Bildern über die Aktivitäten in und um AMPO. Tauchen Sie ein in die Welt von AMPO. Von den fußballvernarrten Jungs über herzliche Erzieher bis hin zu den Kleinsten, die im “Gänsemarsch” über den Hof spazieren … alle sind per Foto vertreten. Machen Sie sich und Ihren Lieben eine Freude zu Weihnachten und helfen Sie damit den Kindern von AMPO!

Eine kurze Zusammenfassung der Einrichtungen von AMPO und weitere Interessante Informationen finden Sie ebenfalls im Kalender. Er kostet 9,50 Euro und ist über unsere Geschäftsstelle in Plön erhältlich.

Es grüßen Sie ganz herzlich
Sabine Duwe & Ricarda Dittrich aus der Geschäftsstelle in Plön


AMPO-Rundbrief Oktober 2009: Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe AMPO-Freunde,

Tobias Sassmann und Nathalie Schroeder

Tobias Sassmann und Nathalie Schroeder

Katrin Rohde ist seit vielen Jahren zum ersten Mal in ihrem langverdienten Urlaub. Erstmalig wird sie selbst jedoch im Dezember einen Jahresbericht der afrikanischen Einrichtungen an alle Spender schicken.

Heute schreiben Ihnen Tobias Sassmann und Nathalie Schroeder. Wir haben gerade vier Wochen bei AMPO als Praktikanten gearbeitet. Nathalie kennt AMPO schon seit 1998 und ist nun das sechste Mal hier.

Während die Kinder bei ihrer Großfamilie in den Ferien waren, wurden die zwei Waisenhäuser mit großem Aufwand und von vielen fleißigen Handwerkern gründlich renoviert. So wurde z.B. der Hof bei den Jungs mit neuem Kies aufgeschüttet und die Hütten bekamen neue Strohdächer. In der Krankenstation gibt es von nun an einen größeren Wartesaal mit wunderschönen Batiken an der Wand. Die freundlich gelbe Wandfarbe und die strahlend blau gestrichenen Bänke erinnern eher an die gemütliche Wartehalle eines “kleinen Provinzbahnhofs” als an ein Krankenhaus.

Eine ganze Woche durften wir die Mädchen und die Kleinkinder aus den Häusern MIA und ALMA in ihr Ferienlager auf dem Gelände der Lehrfarm Tond Tenga begleiten. Mit vier vollgepackten Autos fuhren wir singend und trommelnd von Ouagadougou 20 km aufs Land.

Sogleich wurde eine kleine Küche eingerichtet und die Klassenzimmer als Schlafräume bezogen. Die Kinder, die sonst nur den kleinen Innenhof von MIA und ALMA gewohnt sind, machten sich sofort daran, ihr weitläufiges Spielgelände zu erkunden. Da gab es z.B. viele Ziegen, eine Herde Kühe und Pferde. Jeden Nachmittag durften die Kleinkinder und die jungen Frauen unter der Aufsicht und Führung des Pferdehüters auf den Pferden reiten – eine Riesenattraktion – und anfangs auch eine echte Mutprobe. Um 7 Uhr morgens, als die Hitze noch erträglich war, machten alle zusammen Morgensport auf dem großen Sandplatz. Danach wurde nach Herzenslust gespielt, gelesen und gemalt. In regelmäßigen Abständen gab es für die jungen Frauen unter der Leitung ihrer Erzieher Gesprächsrunden über Hygiene, Gesundheit und Kindererziehung. Abends, nach dem Gebet und dem gemeinsamen Essen, was im übrigen äußerst reichhaltig und lecker war, wurde noch bis zur Nachtruhe getrommelt, gesungen und getanzt. Im gemeinsamen Abschlussgebet der Christen und Muslime am letzten Abend dankten alle Kinder Katrin Rohde, den Erziehern und vor allem den Spendern aus Deutschland, die ihnen diese schöne Ferienwoche ermöglicht haben!

Zurück in Ouagadougou begann frühmorgens am 1. September ein außergewöhnlich heftiger Regen, der sich, je nach Landesteil, 10-12 Stunden hinzog. Um 6 Uhr stand unser Praktikantenzimmer 15 cm unter Wasser, ebenso das Büro der Direktorin von AMPO Annexe. Zusammen mit den Nachtwächtern waren wir Stunden lang damit beschäftigt, mit Eimern und Schaufeln das Wasser aus den Zimmern zu schöpfen und im Büro Akten, Fotos und Schulhefte zu bergen bzw. zum Trocknen auszubreiten. Dank der stabilen Bauweise und dem hochgelegenen Standort von AMPO haben die Grundmauern und Dächer dem sintflutartigen Regen standgehalten.

Zerstörte Behausung

Zerstörte Behausung

Viel dramatischer waren die Folgen in anderen und vor allem niedriger gelegenen Stadtteilen. Das Viertel, in dem Katrin Rohde wohnt, versank 1,50 Meter tief in schlammigen Wassermassen. Einsatzkräfte der Armee rückten mit Reitern aus, um die Menschen aus ihren zusammenbrechenden Hütten und Häusern zu retten, zumal hier kaum einer schwimmen kann. Die Menschen waren noch in den Häusern von der starken Strömung überrascht worden. Am schlimmsten hatte es die Menschen in den Randbezirken von Ouagadougou getroffen, die ihre Behausungen oftmals auf nicht ausgewiesenem Bauland und nur aus Lehmziegeln errichtet haben. Die Mauern rutschten weg, stürzten ein oder zerflossen regelrecht. Es gab hunderte von Verwundeten, vor allem Kinder wurden von herabfallenden Mauern verletzt.

Nach offiziellen Angaben starben 8 Menschen, sind knapp 25 000 Behausungen zerstört und 150 000 Menschen obdachlos geworden. Wir wissen jedoch alle, dass es sich um mindestens doppelt so viele Opfer handelt. Zehntausende Menschen wurden in Schulen untergebracht und keiner weiß, was mit ihnen geschehen soll wenn bald die Schule beginnt. Da es sich erst zum Ende der Regenzeit, also im November, wirklich lohnt, die Häuser neu aufzubauen, hat Katrin Rohde in der Personalversammlung die Herstellung von Sandsäcken initiiert, um beim nächsten schweren Regen besser vorbereitet zu sein. Bei Lehmhütten hilft das allerdings nicht!

Auch bei AMPO suchen nun viele Menschen Hilfe, was unsere finanziellen Möglichkeiten weit übersteigt. Deshalb sind wir dankbar für alle außerplanmäßigen Spenden auf das Konto von Sahel e.V. mit dem Kennwort “Hochwasserkatastrophe”.

Wir alle müssen jetzt fest zusammenhalten, damit die Menschen in Burkina Faso die restliche Regenzeit gut überstehen und ihre Häuser bald wieder aufbauen können.

Managré Nooma – Das Gute geht nicht verloren.

Herzliche Grüße aus Burkina Faso,
von Tobias und Nathalie

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AMPO-Rundbrief Juli 2009: Aktuelle Nachrichten von Katrin Rohde aus Burkina Faso

Guten Morgen allen Freunden der Waisenkinder in Burkina Faso!

Endlich hat es unsere Hauptstadt Ouagadougou auf die Titelseiten der internationalen Presse geschafft und jeder weiß nun wo wir sind! Dafür danken wir unserem deutschen Finanzminister und laden ihn herzlich in unsere Waisenhäuser ein, damit er mal sieht was hier wirklich so los ist…
und uns ein paar seiner eingenommenen Steuern für unsere Kinder schickt!

Den Kindern geht es gut

Den Kindern geht es gut

Ich freue mich Sie alle begrüßen zu dürfen und Ihnen als allererstes zu sagen: allen Kindern geht es gut! Außer Ennoch, der sich beim Spielen den Arm brach, sind wir gesund und vergnügt und unsere Ferien nahen. Wider Erwarten sind die Schulresultate der Jungen besser als gedacht, und 7 von 12 Kindern bestanden dieses Jahr die Mittlere Reife. Die Abiturienten beginnen morgen mit dem mündlichen Teil, wir drücken die Daumen…

Unser Pflegekind Dimanchi, das kleine Mädchen mit den verbrannten Augenlidern, befindet sich nach 7 Operationen noch in Deutschland. Dort besuchte ich sie gerade in einer OP-Pause auf einem wunderbaren Bauernhof bei Wuppertal, wo sie mit Pferden und Hunden und einer tollen Pflegefamilie lebt – bis zu den nächsten Operationen im August. Im Oktober dann soll sie endlich nach Hause nach Burkina Faso kommen. Dimanchis beste Freundin war Sanne Lehmann, eine deutsche Frau die sie schon bei ihrem letzten Besuch im Waisenhaus über Wochen gut kennenlernte und sich in Deutschland während der schwierigen Operationszeit (zwei Wochen mit verbundenen Augen) liebevoll um sie kümmerte. Sanne Lehmann war schon vor vielen Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Harry ein willkommener Besuch im Waisenhaus. Nun ist Sanne ganz plötzlich gestorben. Dies ist für uns alle ein schwerer Verlust. Die AMPO-Kinder haben für sie gebetet, die Mitarbeiter haben gesammelt damit in der Kathedrale eine Messe gelesen wird. Am allerschönsten finde ich die Idee der Kinder mit ihren Erziehern: sie wollen unsere heißersehnte diesjährige Ferienkolonie, die im August für zwei Wochen in Leo im Süden des Landes stattfindet, unter das Motto “Ferien mit Sanne” stellen. Ja, unsere AMPO-Kinder sind wirklich gut, auf die Idee wäre ich gar nicht gekommen, und sie haben es selbst vorgeschlagen! Unser Beileid gilt Sannes Mann, ihrer Familie und ihren Freunden.

Zweieinhalb Monate war ich auf Tour in Europa, denn einige große Geber mindern aufgrund der allgemeinen Finanzsituation ihren jährlichen Beitrag für AMPO und natürlich muss ich dafür neue Spender finden.

In Burkina Faso ist leider heute alles dreimal so teuer wie letztes Jahr. Dies bringt viele Familien in wahre Probleme, denn wer schon kaum einen Sack Reis im Monat zahlen kann, der hat schon gar nichts übrig für Schulgeld oder lebenswichtige Medikamente! Noch haben wir kaum Einbußen bei unseren privaten Spendern, und natürlich zählen wir auf Sie, ich weiß genau dass Sie uns, so lange wie es Ihnen möglich ist, treu sein werden.

Trotzdem machen wir Direktoren uns Gedanken, wo wir einsparen können, ob wir eventuell Autos verkaufen müssen, ob wir vielleicht das eine oder andere Projekt schließen müssen. Alle achten nun viel sorgfältiger auf Strom- und Wasserverbrauch. Auf jeden Fall trifft uns diese Krise nicht unvorbereitet. Immerhin haben wir in Westafrika das erste Mal einen (zweifelhaften) Vorteil gegenüber Europa: hier sind die Menschen es gewöhnt arm zu sein, zurückzustecken gehört hier zu den täglichen Übungen!

Brand des großen Refektoriums

Brand des großen Refektoriums

In meiner Abwesenheit nahm alles seinen täglichen Verlauf wie immer – unsere Direktoren sind mit ihren gemeinsamen Entscheidungen gut eingespielt. Überraschend war lediglich der Brand unseres großen Refektoriums, ausgelöst durch die Nonnen von der Mission nebenan, die ihre Feuer schlecht beaufsichtigten. Die Feuerwehr kam schnell, oh Wunder, und es wurde Gott sei Dank niemand verletzt.

Etliche neue Ideen wurden realisiert, aus Luxemburg kam eine Schneiderin die unsere Patchworkgruppen inspirierte und ihnen neue Künste beibrachte, mindestens 7 Praktikantinnen erstellen Ferienprogramme und haben viel Freude mit den Kindern. Am tollsten finde ich die mutige Idee unserer 5 jungen Mädchen die in unserem Restaurant kochen und servieren lernen.

Hier gibt es nun jeden Mittwochabend ein Überraschungsmenü, zu dem man sich am Tage vorher fest anmelden muss. Gestern durfte ich dies das erste Mal ausprobieren, und ich bin hochzufrieden. Es gab einen Meeressalat, serviert in einer halben Grapefruit, mit köstlichem Knoblauchbaguette. Dann einen riesigen Wolfsbarsch, gefüllt mit Gemüse, dazu Karotten und Ofenkartoffeln. Und dann Crêpe Suzette, wunderbar….bitte melden Sie sich bei Bedarf frühzeitig an, denn dieser Abend ist der Renner in unserem kleinen Restaurant, und die Mädchen sind sehr aufgeregt, weil sie alles ohne ihren Chefkoch schaffen müssen, auch das servieren, oha!

Sie sehen also, AMPO geht es gut, wir zählen auf unsere Kinder die uns viel Freude bereiten, so wie die Ihren es hoffentlich in Ihren Familien auch tun.

Einen schönen Sommer und Gottes Segen Ihnen allen wünscht

Katrin Rohde aus Ouagadougou

Anmerkungen aus der Geschäftsstelle in Plön:

Liebe AMPO-Freunde,

wenn Sie den Wunsch haben, sich aktiv für die Waisenkinder in Burkina Faso zu engagieren, können Sie dies gern im Rahmen der “Freundeskreise” tun. Es handelt sich hierbei um ein Netzwerk von “helfenden Händen”, die sich gemeinsam bei Aktionen zugunsten der Kinder unterstützen und Ideen austauschen. Informationen hierzu erhalten Sie auf unserer Internetseite, über unsere Geschäftsstelle und von Frau Berger-Krups (susanne.berger@sahel.de ). Nicht unvergessen sollen die Kinder bleiben, die noch keinen Paten haben. Sollten Sie gern eine Patenschaft übernehmen wollen, wenden Sie sich gern an uns.

Allen, die bereits eine Patenschaft übernommen haben, möchten wir herzlich danken und sie gleichzeitig daran erinnern, dass Sie bitte jetzt schon an die Weihnachtspost denken. Auch wenn das Fest noch in weiter ferne liegt, möchten wir Sie bitten, die Sendungen bis zum 01.09.2009 nach Plön zu schicken, damit sie rechtzeitig bei den Kindern eintreffen.

Zum Schluss möchten wir noch unsere neue Mitarbeiterin in Plön vorstellen. Frau Dittrich ist seit April 2009 als Unterstützung für Frau Duwe in der Geschäftstelle in Plön. Sie betreut unter anderem den AMPO-Shop, weshalb einige von Ihnen vielleicht schon Kontakt zu ihr hatten.

Wir grüßen Sie ganz herzlich aus Plön

Ihre Sabine Duwe & Ihre Ricarda Dittrich

SAHEL e.V.
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