Archiv der Kategorie 'AMPO-Rundbriefe'

AMPO-Rundbrief November 2011

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe AMPO-Freunde, liebe Pateneltern unserer Waisenkinder,
einen herzlichen Gruß aus Afrika an Sie!

Hier in Burkina Faso hat sich die Lage zur Zeit beruhigt. Nach dem politisch so schwierigen April haben wir doch einen relativ ruhigen Sommer gehabt. Bald stehen hier Kommunalwahlen an. Wir hoffen sehr, dass es ruhig bleibt und unsere Kinder weiterhin gelassen zur Schule gehen können.

14 neue Kinder haben wir in die Waisenhäuser aufnehmen können, noch suchen einige Pateneltern in Deutschland. Diesmal sind es besonders viele Mädchen.

Wir warten immer einige Monate ab mit der Vergabe. Und auch diesmal mussten wir für die sieben Jahre alte Patricia eine Sonderlösung finden: Sie war kreuzunglücklich bei uns, denn sie vermisste ihre kleine Schwester – die sie immer auf dem Rücken getragen hatte – und ihren kleinen Bruder so sehr, dass sie beständig vor Heimweh weinte. Nun ist sie wieder bei ihnen und der Großmutter, andere Familienmitglieder gibt es nicht mehr. Wir bezahlen Essen für alle und ihr Schulgeld, natürlich kommen sie bei Krankheit in unsere Krankenstation und werden auch von uns eingekleidet. Dann versuchen wir es nächstes Jahr noch einmal.

Alle anderen haben sich gut eingewöhnt. Das sehe ich immer daran, dass sie zu Beginn leise gehen, eine Woche später jedoch beginnen sie hüpfend den Hof zu überqueren. Dann wissen wir: es wird gehen, sie fühlen sich wohl bei uns! Alle werden nun erst einmal medizinisch untersucht, von unseren Psychologen angehört und eingekleidet. Dieses Jahr gibt es sogar eine Schuluniform für diejenigen, die in unsere hauseigene Schule gehen. Damit sich alle gleichwertig fühlen!

Auf Seiten der Waisenhäuser läuft alles zuverlässig gut unter den Händen des Pädagogen Mathias Zoré und der Psychologin Christine Adamou. Außer zum Spielen mit den Kindern am Wochenende werde ich dort kaum mehr gebraucht. Mit den Kleinen lese ich vor, ein Hauptspaß, weil französisch ja für uns alle eine Fremdsprache ist, auch für mich – und dann Pippi Langstrumpf! Alleine die Namen lassen uns vor Lachen von den Bänken fallen!

Mit den Großen gibt es endlose und heiße Diskussionsrunden mit mir über Themen wie Moral oder verantwortungsvolles Verhalten – und sie kommen dann alle, hochinteressiert, und lassen dafür sogar Fußballtrainingsstunden ausfallen. Ist das nicht herrlich?

Auch die Häuser MIA und ALMA können Erfolge feiern, denn dort ist es uns gelungen 15 von 20 jungen Mädchen, die nach der hiesigen Tradition verstoßen waren, wieder in die Familien zu integrieren. Das ist schwere und geduldige Arbeit über Monate, mit viel Fingerspitzengefühl! Respekt und höfliche Umgangsformen gegenüber den Clanchefs und Familienvätern ist das Wichtigste dabei, dies üben wir täglich (auch wenn ich manchmal vor Wut dabei platze … nur nichts anmerken lassen!). Wir haben dabei beständig das Wohlergehen aller unserer Kinder im Sinn, das ist die erste Prämisse.

Respekt ist auch die Grundlage unseres neuen Generationenhofes Emma Yiri, der ab Dezember mit Leben erfüllt sein wird und Mitte Januar 2012 offiziell eröffnet wird – hoffentlich von unserem neuen deutschen Botschafter, der gerade seinen Dienst angefangen hat.

Alle zwei Tage bin ich auf dem Bau, wir machen gute Fortschritte. Allerdings sind die Baukosten ins Unermessliche gestiegen. Zement, Holz und vor allem Eisen kosten nun fast doppelt so viel wie in der Zeit, als wir den Kostenvoranschlag schrieben. Wir sind sehr sparsam, doch die Kosten überrollen uns! Hilfe!

Ich bin zuversichtlich, dass diese so erfreuliche Einrichtung ein voller Erfolg wird, zumal der erfahrene Leiter Ceverin Ouedraogo bereits alle Mädchen und alte Damen aus vielen Dörfern zur Zufriedenheit des Direktorenteams ausgewählt hat. Gerade ist unsere Sekretärin Ricarda Dittrich aus unserem Plöner Büro mit ihrem Mann bei uns zu Besuch, und auch sie stimmten heute nach der Besichtigung zu: Emma Yiri wird was ganz besonders Feines! Am Wochenende treffen zwei Töpferinnen aus Italien ein. Von ihnen werden die Töpferwerkstatt und der Brennofen finanziert. Sie treffen sich hier mit unserem eigenen Töpfer zu einer Lagebesprechung.

So gibt es immer zu tun, vielseitig werden wir gefordert! Auf der Lehrfarm werden wir wohl bald ein Agavenfeld einrichten. Das ist die Pflanze der Zukunft und so werde ich auch hier bald zur Spezialistin!

Immer besser arbeiten wir mit unseren Zulieferern für die Produkte aus dem AMPO-Shop. Fast alle sind Ex-AMPO-Kinder mit inzwischen eigener Werkstatt. Was immer Sie bei uns einkaufen kommt deren kleinen Familien zugute. Hier in Ouagadougou Aufträge zu bekommen, ist nicht so einfach und es hilft ihnen ganz ungemein für den AMPO-Shop zu produzieren. Schauen Sie doch bitte einmal in unseren neuen AMPO Katalog oder auf unsere Website www.sahel.de.

Nun will ich aber los. Es ist bereits Tradition, dass in jedem Jahr alle Kinder, die die Mittlere Reife oder das Abitur bestanden haben, als Gäste in meinem Haus zu einem Hühnchenessen eingeladen werden, samt ihrer Erzieher, die natürlich einen großen Anteil daran haben. Letztes Jahr haben wir dies aus irgendeinem Grunde verpasst und alle reklamieren nun lauthals ihr Hühnchen! Da es aber 25 Kinder plus der Erzieher sind, reicht mein so kleines Haus nicht mehr aus. Heute um 19.00 veranstalten wir dieses Essen also im AMPO- Restaurant.

Es wäre herrlich, liebe Pateneltern, könnten Sie mal eben vorbeikommen und ihren Patenkindern zu ihrem schönen Erfolg gratulieren!
Da dies nicht so einfach ist, werde ich alle Kinder von Ihnen grüßen und wir werden ein Glas Hibiskusblütensaft auf Sie erheben. Seien Sie bedankt für Ihre guten Taten, die so einen schönen Erfolg bewirkt haben.

Einmal will ich nun in diesem Jahr noch nach Europa kommen, zu einer kurzen Vortragsreise von zehn Tagen in Dänemark. Mein Buch ist auf Dänisch erschienen. Dank alter Freunde ist sogar ein AMPO-Verein in Dänemark gegründet worden! Dies wird mir Gelegenheit geben, leider für einige Stunden nur, meine beiden Enkelkinder in den Arm zu nehmen. Dann darf ich einige Monate hierbleiben, über Weihnachten natürlich, bevor es 2012 mit der Reiserei wieder losgeht:

Vorträge in Spanien, Österreich, Deutschland und – vermutlich – sogar in die USA sind geplant. Katrin in New York!
Ja, wer hätte das gedacht als ich einst in Deutschland meine Zelte abbrach, um ein kleines Waisenhaus zu bauen und mein Leben still und friedlich zu leben!

Stattdessen bin ich zur Weltreisenden geworden, zur Botschafterin für die Kinder Afrikas und zu einer rigorosen Kämpferin für Chancengleichheit.

Dies alles bin ich gerne! Am liebsten jedoch sitze ich still auf der Farm, sehe die Kinder spielen und höre die Bäume wachsen … Alle AMPO-Kinder danken, grüßen Sie und wünschen Ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit, Muße in der Familie, Gesundheit und Zufriedenheit!

Ihre Katrin Rohde aus Ouagadougou

SAHEL e.V.
Am Strohberg 2 • 24306 Plön • Tel.0 45 22 – 78 98 85 • Fax 0 45 22 – 78 98 86
Email: info.sahel@sahel.de Internet: www.sahel.de
Spendenkonto bei der Förde Sparkasse Plön: • Kto. Nr. 5785 • BLZ 210 501 70
Internationale Bankverbindung: IBAN (Konto-Nr.):
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AMPO-Rundbrief Juli 2011

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe Freunde unserer Kinder in Westafrika,

ich hoffe, Ihnen allen geht es gut, die Familie hat einen schönen Sommer in Europa und Sie sind einmal ein wenig frei von den alltäglichen Sorgen! Hier bei AMPO bereiten wir uns gerade auf die Ferienkolonie auf dem Lande vor, die am 15. Juli für zwei Wochen stattfindet. Kisten werden bereits gepackt mit Frisbees, mit Monopoly- , Boule- und Scrabblespielen, mit hunderten von Seifenstücken, Medikamenten und Büchern. Viel Pflaster!

Die verschiedenen Küchen können erst im letzten Moment packen, denn noch brauchen wir ja unsere riesigen Suppentöpfe täglich. Allerdings horten sie schon getrockneten Gombo und Reissäcke, denn diese sind in der Provinz noch teurer als in der Stadt. Unsere Lebenshaltungskosten sind über 30% gestiegen in Burkina Faso, darum auch die allgemeine Unzufriedenheit, die sich in vielen, zur Zeit friedlichen Demonstrationen äußert.

Dieses mal reisen wir mit sämtlichen Kindern aus den Waisenhäusern plus der Häuser MIA und ALMA und der teilweise gelähmten Kinder aus der Reha-Station, die kein Zuhause haben. Alle Erzieher aus allen Projekten kommen mit, also insgesamt brauchen wir Busse und Unterkünfte für gut 280 Menschen, klein und groß!

Gott sei Dank sind wir wie immer bescheiden und mieten eine leer stehende Schule an, in deren Klassenräumen wir dann wohnen. Da ist es ja gut, dass wir bei uns keine Betten haben, die Kinder würden sich sonst damit schwer tun, auf einfache Matten umzusteigen! Alle sind schon sehr aufgeregt und basteln Angelruten und Springseile. Die Großen helfen den Kleinen, darin sind wir immer gut. Als Überraschung am Abfahrtstag will ich den Kindern 40 Trommeln kaufen, denn nun ist ja Zeit zum üben vorhanden. Alle bereits entlassenen studierenden Kinder (nun ja schon junge Erwachsene) helfen in der Kolonie mit.

In den letzten Monaten waren die Kinder sehr angespannt, denn wegen der Unruhen im Land konnten sie ganze 6 Wochen lang nicht zur Schule gehen. Schon auf dem Schulweg wurde geschossen. Die Angst trug auch nicht gerade zur Konzentration bei!
Wir bei AMPO konnten Dank unserer Nachhilfelehrer täglich den Schulstoff durchnehmen, und diese Aktion hat uns sehr geholfen: seit gestern sind die Resultate für die CEP-Prüfung (nach 6 Jahren Schule) da, und alle 8 AMPO-Kinder haben bestanden. Nun warten wir noch auf unsere BPC- und Abiturientenresultate. Es sieht gut aus. Wir sind mit den Kindern sehr zufrieden, sie danken uns und Ihnen allen wirklich mit guten Leistungen.

Wir freuen uns schon auf die neuen Kleinen, deren Auswahl gerade durch ein Psychologen- und Erzieherteam stattfindet – eine große Arbeit, denn wir glauben nichts und besuchen sämtliche Anwärter bei sich zu Hause, um alle Angaben nachzuprüfen. Wir nehmen nur die allerärmsten Kinder. Gleichzeitig startet bei AMPO die Organisation der Schulgeldbeihilfe für externe Kinder, die jedes Jahr so ca. 20.000 Euro kostet. Dies ist eine großartige Spende der Firma Jako-O, durch die 500 Grundschüler und 200 Gymnasiasten die Schule besuchen können. Hier helfen wir nur denjenigen, die schon gute Leistungen zeigen, denn wir wollen ja unser Land entwickeln. Faule haben keine Chance! Inzwischen haben wir alle Namen und Leistungen digitalisiert – tja, es geht vorwärts mit unserer Technik hier. Allerdings wäre es schön, wenn der dazugehörige Strom täglich fließen würde, doch immer noch haben wir manchmal 4-6 Stunden am Tag keine Elektrizität.

Viele Umbauten gibt es dieses Jahr bei AMPO, denn die Behindertenwerkstatt wird umquartiert, die Schneiderei zieht um und vergrößert sich, die Kinderküche zieht in die Schneidereiräume, und da fällt dann ein neuer Friseursalon für die Ausbildung
unserer Mädchen ab – ein langjähriger Wunsch, den wir uns erfüllen. Die Restaurantküche wird erweitert, und das ist dringend notwendig, denn unsere Kochlehrlinge stolpern übereinander. Haben Sie schon mal in einer 3 mal 3m – Küche für ein Restaurant mit 60 Plätzen gekocht und gleichzeitig einen Empfang in der Botschaft für 300 Gäste gecatert? Bei 45° Außentemperatur und dann am Herd? Ich sage Ihnen, die afrikanische Logistik ist spannend und klappt! Ab jetzt wirds aber einfacher!

Die ersten Bauten im neuen Generationenprojekt “Emma Yiri” sind fertig. Nach dem dritten Bohrversuch fanden wir gutes Wasser in 48m Tiefe, Gott sei Dank und Inshallah! Davon hing alles ab, und ich stand bebend drei volle Tage neben der Bohrstelle … alles ging gut! Nun warten wir die ersten harten Regen ab, dann gehts ab August los mit dem Schulbau und dem Büro. Zum Teil ist die Mauer schon recht bunt, fertig wird sie dann vermutlich im Oktober. Zwischendurch muss ich noch zweimal nach Europa reisen, zu Vorträgen in Portugal und Dänemark.

Inzwischen ist es offiziell: Katrin Rohde ist nach intensiver Prüfung (über Tage!) ein aus Washington anerkannter ‘Ashoka Fellow’. Vielleicht mögen Sie es einmal googeln, ich befinde mich in der ehrenwerten Gesellschaft mit 2000 anderen “Changemakers” aus 70 Ländern. Gerade komme ich zurück aus einer viertägigen Konferenz in Paris, zu der ich eingeladen war. Diese Konferenz war hoch arbeitsintensiv und ich konnte an nichts anderes denken, als Afrika vorwärtszubringen. Ich passe da genau hin mit meinen vielen Ideen – und das ist ja selten genug, dass ich irgendwo reinpasse. Auf dem Foto sehen Sie unsere Sonderarbeitsgruppe Afrika nach zweistündiger Sitzung, Menschen mit den tollsten Ideen, unter anderem rechts ein Belgier aus Tansania und Mozambique, der Ratten züchtet, die Tellerminen detektieren, eine Uganderin die Gorillas schützt, indem sie der Bevölkerung, die diese isst, die Möglichkeit zu anderen Einkommen verschafft. In unserer Mitte Bill Drayton, der Gründer von Ashoka, ein alter Herr mit viel Charisma, hochprofessioneller und vergnügter Arbeitskraft.

Ashokafellows nehmen die Probleme anderer in die Hand und entwickeln praktische Modelle: Einem jungen Mädchen mit 16 wird gesagt, dass sie Krebs hat und sie gründet ein weltweites Netzwerk “girls for girls”, in dem schon zwei Jahre später 45.000 Mädels sich über ihre Probleme austauschen und Lösungen finden. Ein alter türkischer Bauer baut 8 Hektar Weizen biologisch an und gründet eine Lobby, in der sich heute nach vier Jahren 50.000 Bauern in der Türkei biologisch betätigen. Er ist Analphabet und spricht nur türkisch.

Ich selbst habe den Preis für die Idee und Ausführung unserer Farm TT bekommen, der Jugend auf dem Lande eine Chance zu geben, die Landflucht zu verhindern, dem Straßenjungenphänomen entgegenzuwirken und mit den Jungbauern hunderte von Bio-Farmen einzurichten, deren Nachbarn wiederum diesen Gedanken übernehmen. Ich bin mir trotzdem sehr klein vorgekommen und weiß, dass noch viel Arbeit vor mir liegt. Wir gründen nun einen Ashoka-Radiosender für Gesamtafrika. Hochmotiviert und dankbar sehe ich nach 20 Jahren, dass aus vielen unserer Waisenkinder richtungsweisende junge Menschen werden, eben solche, mit denen wir eine echte Zukunft haben werden.

Ich glaube, an unserem bisherigen Modell können wir noch arbeiten, für ein besseres Afrika! Natürlich gemeinsam mit Ihnen allen, ist es nicht spannend? Doch erst mal fahren wir in die Ferienkolonie, juhuuu! Dank Ihrer aller Hilfe werden wir uns prima erholen, faulenzen, singen und spielen und das neue Jahr mit neuer Kraft angehen.

Liebe Paten, bitte denken Sie trotz sommerlicher Temperaturen schon jetzt an Weihnachten. Der Container mit den Päckchen geht Anfang September!

Herzlichste Grüße und beste Wünsche von
Ihrer Katrin Rohde aus Ouagadougou

SAHEL e.V.
Am Strohberg 2 • 24306 Plön • Tel.0 45 22 – 78 98 85 • Fax 0 45 22 – 78 98 86
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AMPO-Rundbrief April 2011

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe AMPO-Freunde, liebe Geber und Spender für unsere Kinder in Burkina Faso,

hoffentlich geht es Ihnen allen gut.

Unsichere Zeiten haben wir hier in Westafrika, und gerade nun merke ich einmal mehr, wie sehr Sie uns mit Ihren guten Gedanken an uns stützen!

Vier Nächte gab es hier eine Ausgangssperre, die gestern wieder aufgehoben wurde, und wir hörten viele Schüsse, Pistolen, Gewehre, Mörser. Das ist sehr unheimlich in solchen stillen Nächten.

Vor einigen Wochen gab es aufgrund eines Vorfalles in Koudougou eine Studentenrevolte, die Kommissariate und Justizgebäude wurden dort zerstört, andere Städte schlossen sich an. Diese Demonstrationen zeigten klar, wie unzufrieden die Schüler mit ihren Lebenskonditionen sind, und das Militär schloss sich an. Die Schulen schlossen für vier Wochen. Das Schulgeld erhöht sich jährlich, das Militär wird schlecht bezahlt und behandelt, die Lebenskosten steigen hier unglaublich. Banken und Tankstellen schlossen. Wie sollte ich die Gehälter zahlen?

So hatten wir im wahrsten Sinne des Wortes einige “heiße Wochen”, denn gleichzeitig stiegen die Temperaturen hier auf 48 Grad – anstrengend für alle Bewohner dieses Landes, alle werden doch sehr schnell ungeduldig und haben weniger Nerven. Dazu kommen die Erhebungen in Lybien, Syrien, vielen anderen Ländern und – für uns hier am schlimmsten – in der Elfenbeinküste. Mehr als drei Millionen Menschen aus Burkina Faso wohnen dort, fast jeder hier hat dort einen Verwandten. Dies sind unsere direkten Nachbarn, und hunderte von Menschen mussten ihr Leben dort im Bürgerkrieg, dem schrecklichsten aller Kriege, lassen.

Bislang ist Burkina Faso das friedlichste aller Länder der Welt, die Akzeptanz und die wirkliche echte Toleranz gehören zur Basis unseres täglichen Lebens.

Auch diesmal hat der Präsident erst einmal alle Autoritäten von Justiz bis Militär und die Würdenträger der Religionen tagelang angehört, was die Situation schon einmal beruhigte. In Kirchen und Moscheen, in Radio und Fernsehen wird gemeinsam für den Frieden gebetet, und ich liebe mein wunderbares altes Burkina dafür!

Gestern wurde die Ausgangssperre aufgehoben, ich war abends in der Stadt: dort tobte das Leben! Alle feierten die neu gewonnene Freiheit.

Nun wollen wir sehen, wie es weitergeht. Wir schauen gebannt auf die Elfenbeinküste und wünschen und beten, dass der Kampf dort endlich ein Ende hat und damit auch dieses Land ruhiger wird.

Soviel zur Lage – bei AMPO geht das Leben seinen Gang, unser einziges Zugeständnis war, da alle Schulen geschlossen waren, den abendlichen Nachhilfeunterricht der Kinder auf den Tag zu verlegen und die Kinder nicht mehr draußen im Hof schlafen zu lassen, was sie bei der großen Hitze gerne tun. Es wurde aber wegen der herumfliegenden Kugeln zu gefährlich, und leise murrend und protestierend mussten sie ihr herrliches riesiges gemeinsames Mattenlager unter unserem Mangobaum aufgeben. Ab heute soll nun wieder Schule stattfinden. Wir nutzten die Zeit und haben das ganze Schuljahr täglich mit den AMPO-Kindern durchgenommen, wir sind gut vorbereitet – was aber ist mit den anderen …?

Vor diesen Ereignissen war ich für zehn Tage in Spanien und machte eine Vortragstour durch die Alicante. Dort haben wir Freunde, die diese Reise gut vorbereitet hatten, und sehr glücklich kann ich berichten, dass unser Projekt für unterernährte Kinder das nächste Jahr abgesichert ist. Was für ein Glück, denn 2400 Babies und Kleinkinder durften dort im letzten Jahr das überleben üben! Bis auf einen haben es alle geschafft. Innigen Dank nach Spanien!

Gerade kam wieder ein Container an, und abgesehen von den zuverlässigen großen Kisten mit Bekleidung der Firma Bonita waren Werkzeuge, Mengen von Stiften, selbstgestrickte Babyjäckchen, Sportgeräte, Nähmaschinen und Büromaterial darin. Aus Tschechien und Deutschland kamen große Mengen an Brillen, sowie Spielzeug und Hefte für die Kinder. Eine liebe Spenderin stiftete 200 gelbe Verkehrswesten und die DEKRA unzählige Reflektoren und Cappies, so dass unsere Kinder nun alle geschützt ihre Schule erreichen können. In dieser Zweimillionenstadt existiert keine einzige Fußgängerampel, und fast alle müssen auf dem Schulweg eine vierspurige Straße überqueren – selbst für Erwachsene eine Aufgabe die viel Geduld und große Aufmerksamkeit verlangt. Außerdem erhielten wir eine gesamte neue Ausrüstung für den Kinesietherapeuten in der Reha-Station. Roc meinte, sowas gäbe es in Burkina nicht noch einmal, so gute Streckbänke und andere technische Geräte, sowas hat nicht einmal das große Krankenhaus. Großen Dank! Einige davon geben wir ab an das Kinderkrankenhaus. Diesmal hatten wir genügend Containerauspacker, denn die Kinder hatten ja schulfrei. Einmal mehr danken wir allen Paketpackern, allen so liebenswürdigen Pateneltern und anderen Gebern!

Glücklicherweise konnte ich vor meiner Reise die berühmte Mauer für unseren neuen Generationenhof “Emma Yiri” fast fertigstellen, den Rest der Bauüberwachung übernahm zuverlässig wie immer mein Mann. Die Farmschüler aus der Farm Tondtenga haben dort bereits 80 Bäume für ihre kleinen Schwestern gepflanzt, eine riesige Arbeit bei unserem harten Boden. Diese werden täglich zweimal von unserer netten alten Nachbarin mit unserem Esel Uschi, der die Wassertonne zieht, begossen. Alle Bäume sind einzeln umzäunt, sonst wären sie schon lange von den frei herumlaufenden Ziegen aufgefressen!

Nun also geht es zum Ende der Woche ans Anstreichen der Mauer, in den vielen verschiedenen Farben, die Sie, unsere Spender, sich gewünscht haben. Das wird spannend! Die einfachen Farben wie rot, pink, gelb, blau, orange, weiß, schwarz, türkis, lila, weinrot, terracotta und olivgrün, hellgrün, mintgrün etc. – das machen wir gemeinsam mit den Kindern. Schwierig wird es dann bei den Spezialwünschen wie “schwarz-rot-gold” (kein Gold in BF – als Farbe) oder neongrün (keine Neonfarbe hier).

Und wie um Himmelswillen soll ich auf drei Sprachen, deutsch, englisch und More, die Worte “Frauen für den Frieden” auf drei Meter hinbekommen? Na klar kriegen wir das hin! Alle diese Probleme müssen wir auf afrikanische Art lösen. Ich freu mich schon sehr drauf, dies wird ein Hauptspaß!

Gestern Nachmittag besuchte ich die Häuser MIA und ALMA, zu meiner großen Zufriedenheit läuft dort alles ruhig und gut. In der Farmschule war ich morgens. Es gibt 18 kleine Ferkel, vier Kälbchen in weiß und braun, und ein kleines schwarzes Fohlen namens Fofo (das heißt in der Sprache der Peul, nämlich fulfulde, “Willkommen”).
So sind wir von Hoffnung umgeben.

Hoffen Sie mit uns, bleiben Sie bei uns, es dankt Ihnen allen von Herzen
Ihre Katrin Rohde
aus Ouagadougou

***

Liebe Spenderinnen und Spender, liebe Freunde von Sahel e.V. und AMPO,

wie Sie den Worten von Katrin Rohde entnehmen können, läuft bei AMPO trotz der schwierigen Zeiten in Burkina Faso alles seinen guten Gang.

In der Geschäftsstelle sind die Arbeiten zum Jahresabschluss 2010 abgeschlossen. Die Jahresberichte der einzelnen AMPO – Einrichtungen sind übersetzt und mit dem Tätigkeitsbericht von Sahel e.V. für alle Interessierten auf unserer Website www.sahel.de ab sofort einsehbar. Auch den hier angefügten Reiseplan für die bevorstehende Vortragstour von Katrin Rohde im Mai 2011 durch Deutschland können Sie dort finden. Vielleicht können Sie es einrichten, an der einen oder anderen Veranstaltung mit Katrin Rohde teilzunehmen, es wäre uns eine große Freude! Abschließend noch ein letzter Tipp von uns – seit einiger Zeit sind wir im Internetportal “Bildungsspender” registriert. Hier haben Sie auf ganz einfache Art und Weise die Möglichkeit, uns durch Ihre Einkäufe im Internet zu unterstützen. Wenn Sie mögen, schauen Sie doch einmal unter http://www.bildungsspender.de/ampo vorbei.

Bei allen Fragen und Anregungen stehen wir Ihnen gern und jederzeit zur Verfügung.
Wir wünschen Ihnen einen sonnigen Frühling, danken Ihnen für Ihre Verbundenheit und grüßen Sie ganz herzlichen

Ihre Ricarda Dittrich und Sabine Duwe
aus dem Plöner Büro

SAHEL e.V.
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AMPO-Rundbrief Februar 2011

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe AMPO-Freunde,

hier kommt nun mal ein etwas dickerer Brief aus Afrika – mit der Extrapost. Allen AMPO-Kindern geht es gut, dies einmal zu allererst. Dies ist mein 50. Rundbrief an Freunde und Spender unserer Einrichtungen für Kinder in Ouagadougou, ich bin stolz: bis hierhin haben wir es alle zusammen, Sie dort und wir hier, gut geschafft! Ich nehme diesen Anlass, um Sie über eine neuerliche geplante Einrichtung hier in BF zu informieren. Eigentlich hatte ich ja verbindlich geschworen nun nichts Neues mehr zu beginnen. In Ruhe und mit guter Planung sollte das bereits vorhandene Werk gedeihen und fortgesetzt werden.

Normalerweise halte ich meine Versprechen, aber diesmal hatte ich keine Wahl, denn aufgrund unseres großen Einsatzes für die Flutopfer im vorletzten Jahr schenkte uns der Bürgermeister als Dank ein Grundstück von 3.200 qm, für soziale Zwecke. Dies ist ein ganz unglaublich großzügiges Geschenk hier in Ouagadougou, wo die genormten Grundstücke 250 qm haben. Ich konnte nicht ablehnen!

Das Grundstück

Das Grundstück

Nach gehöriger Bedenkzeit entstand folgender Plan: Da das Grundstück im Außenbezirk der Hauptstadt liegt, wollen wir eine kleine Gemüsefarm für zwanzig Mädchen bauen, auf der gleichzeitig fünf alte Frauen, Bettlerinnen in erschreckenden Lebensumständen, leben sollen. Wir wollen der Landflucht entgegenwirken, denn diese Mädchen können ihre Kenntnisse über biologischen Anbau und Kleintierzucht in ihren eigenen Dörfern später weitergeben. Mit diesem System haben wir mit unserer großen Landwirtschaftsschule für Jungen bereits beste Erfolge erzielt. Die jungen Mädchen sollen sich um die alten Frauen kümmern, gleichzeitig sollen sie bei ihnen Rat einholen können über gute Traditionen, die auch hier langsam verloren gehen, wenn sie nicht beizeiten weitergegeben werden. Es wird ein Generationenhof. Eine kleine Töpferei ist angeschlossen, denn auch das Töpfern kann später auf dem Dorf ohne großen Aufwand betrieben werden und bildet eine Einkommensquelle.

Liebe AMPO-Freunde, bislang ist diese neue Einrichtung den meisten von Ihnen noch ganz unbekannt. Wir haben im letzten Jahr erst einmal die Finanzierung der alles umschließenden Mauer betrieben, ohne die es nun einmal in Afrika nicht geht. Wir verkaufen sie pro Meter und ungefähr die Hälfte ist bereits geschafft. Jeder Meter kostet 80 Euro und bekommt die gewünschte Farbe des Spenders. Von knallrot über mintgrün und dunkelblau wird diese Mauer einzigartig in Burkina Faso sein! Auch die Brunnenbohrung, einige der Gebäude und die Töpferei sind schon finanziert. Es ist (nach zwanzigjähriger Erfahrung in der Entwicklungshilfe dieses Landes kann ich dies sagen) relativ leicht, Spender für ein Haus, einen Brunnen oder auch einen Hühnerstall zu finden. Gerne haben Geber am Ende einen guten Bericht, alle abgerechneten Kostenvoranschläge und ein veritables Foto ihres gespendeten Werkes in den Händen. Ich kann das gut verstehen, selbst die deutsche Regierung betreibt in Afrika keine sozialen Einrichtungen, sondern gibt ausschließlich technische Hilfe.

Viele gespendeten Gebäude hier stehen leer, weil niemand den Unterhalt für ein Projekt aufbringt. Dies ist sehr schade und ein veritables Zeichen mangelnden Vertrauens in Afrika – und zwar ganz zu recht, in meinen Augen. In diesem Land mit 80% Analphabeten (wie Quittungen ausschreiben? Unterzeichnet wird oft mit drei Kreuzen oder Daumenabdruck…) ist es außerordentlich schwierig eine korrekte Buchhaltung zu betreiben und sämtliche Ausgaben unter strenger Kontrolle zu halten! AMPO kann ́s. Die langjährige Übung lässt uns jede Buchprüfung mit Bravour bestehen.

Allerdings ist es die größere Aufgabe, ein Haus mit Leben zu erfüllen. Die Jugend braucht eine Menge Unterstützung um später im Leben ein Auskommen zu finden. AMPO hat in den letzen 15 Jahren bewiesen, dass es möglich ist, eigentlich bereits aufgegebenen Kindern eine Zukunft zu ermöglichen. Gerade gestern Abend hatte ich Besuch von Bouba, ein Vollwaise, der in AMPO groß wurde. Er hat sein Abitur und sein Diplom als Krankenpfleger und arbeitet seit nun drei Jahren 400 km entfernt praktisch in der Wüste im Norden des Landes. Ohne die Hilfe von Laborergebnissen und Röntgenbildern behandelt er als zweiter Mann in einer Krankenstation alle Armutskrankheiten und begleitet Geburten im Schein der Petroleumlampe.

Er gibt nicht auf, ab dem nächsten Jahr besucht er neuerlich eine Schule und wird nach zwei Jahren Attaché de Santé, hier bereits ein gut bezahlter Posten. Solche Menschen tragen die Zukunft Afrikas. Und solche Menschen wollen wir auch im neuen Farmprojekt für Mädchen finden!

Noch fehlt uns die jährliche Finanzierung mit ca. 3.100 Euro monatlich. Darin ist alles enthalten, von medizinischen Kosten bis zur Morgengrütze, von Kaninchenfutter bis zu den Gehältern der Betreuer, von Gummistiefeln bis zum Saatgut. Im Jahr macht das 37.000 Euro aus, und auch diese Summe könnten sich verschiedene Geber teilen. Bislang habe ich aufgrund meiner Erfahrung noch niemals eine Einrichtung angefangen ohne eine finanzielle Absicherung des täglichen Bedarfes auf drei Jahre. Darum setze ich Sie nun in Kenntnis unseres Vorhabens, in der Hoffnung auf Ihr Vertrauen in AMPO. Viele von Ihnen spenden regelmäßig und sprechen auch mit Freunden darüber, so gewinnen wir über die Jahre immer mehr Freunde. Ein zusätzlicher Beitrag zu diesem neuen Projekt sollte Ihre sonstigen und bereits “gewohnten” Spenden an uns aber lieber nicht beeinträchtigen, sonst kommen wir mit den laufenden Kosten für die vielen Kinder nicht aus. Es sollte also eine “Extraspende” sein. Wenn wir zwölf Menschen finden, die jeweils 3.100 Euro jährlich geben, ist der Unterhalt für alle Farmbewohner bereits für ein Jahr gesichert. Auf diese Absicherung warten wir, um den Bau fertigzustellen. “Dieu est grand”, wie man hier beständig sagt, und daran glaube ich. Gerne möchte ich ein Signal setzen, und dies soll die einzigartige Mauer sein! Mit deren Bau, finde ich, sollten wir schon mal anfangen, denn sonst muss ich dem Bürgermeister sein Grundstück zurückgeben. Kommt ja gar nicht in Frage! Dann kommt ab Mai die Regenzeit und zu dieser Jahreszeit ist jegliches Bauen ausgeschlossen. Und bis zum Oktober, dessen bin ich sicher, werden wir genügend freundliche Menschen finden, die unseren Mädchen eine gute Chance geben wollen. Wenn wir dann so richtig loslegen – und das können wir – sollte die neue Einrichtung zum Beginn 2012 fertiggestellt sein, von Leben erfüllt.

Ich freue mich sehr über Sie alle, jeden Tag von morgens bis abends, denn ohne Sie wäre ein AMPO und das Leben aller unserer Waisenkinder und von buchstäblich Tausenden von Menschen undenkbar. Alleine (gerade machen wir unsere Jahresstatistik, darum weiß ich dies so genau) in unserer Krankenstation behandelten wir im Jahre 2010 mehr als 60.000 Patienten. In unserer Sozialstation hörten wir die Sorgen von fast 100.000 Menschen, meist Frauen und Müttern. Oft finden wir Lösungen mit ihnen gemeinsam.

Und auch für die neue Mädchenfarm finden wir Geber, dessen bin ich gewiss! Es ist, wie immer bei uns, ein kleines Projekt, es soll auf afrikanische Art und Weise wachsen. Große Vorhaben gehen hier oft kaputt in der Wirklichkeit des rauen und so armen Lebens. Dieses Konzept aller unserer Einrichtungen erweist sich nach 15 Jahren Arbeit als richtig. Alle Zahlen, Budgetplanungen, Einzelkosten, Anträge und offene Postionen können Sie jederzeit im Büro abfragen. Frau Sabine Duwe weiß bestens Bescheid, wir arbeiten eng zusammen.

Das neue Vorhaben heißt “Emma Yiri”, der Hof von Emma, und Emma ist mein neues kleines Enkelkind.

Ich wünsche Ihnen einen besonders schönen Tag – mit unserer Idee in Kopf und Herz!
Ihre Katrin Rohde aus Ouagadougou

SAHEL e.V.
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Viele Grüße
Ihr Sahel e.V. in Plön