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	<title>Sahel e.V. - A.M.P.O. &#187; Zivi-Rundbrief</title>
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	<description>Managré nooma - Das Gute geht nie verloren</description>
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		<title>Zivi-Rundbrief: Lukas letzter Bericht als AMPO-Zivi in Ouagadougou</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Feb 2010 05:34:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Webmaster</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivi-Rundbrief]]></category>
		<category><![CDATA[Burkina Faso]]></category>
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So steht es nach fast 13 Monaten auf dem Kilometerzähler meines Motorrads. Das sind etwas mehr als 20 Kilometer, die ich pro Tag in Ouagadougou zurückgelegt habe. Wohl kein einziges Mal, ohne an nicht mindestens einem Unfall vorbeizukommen. Einen davon habe ich passieren sehen und so bleibt er mir in Erinnerung: An einer roten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>8056 Kilometer</h3>
<p>So steht es nach fast 13 Monaten auf dem Kilometerzähler meines Motorrads. Das sind etwas mehr als 20 Kilometer, die ich pro Tag in Ouagadougou zurückgelegt habe. Wohl kein einziges Mal, ohne an nicht mindestens einem Unfall vorbeizukommen. Einen davon habe ich passieren sehen und so bleibt er mir in Erinnerung: An einer roten Ampel stehend, die Gedanken irgendwo verloren, nähert sich von hinten ein Roller, kommt beim Abbremsen ins Schlingern und überschlägt sich. Etwa 5 Meter entfernt von mir bleibt die Fahrerin, eine junge Frau in meinem Alter, liegen. Und stirbt. Ich denke oft an diesen Moment zurück, an dieses unerwartete Lebensende. Daran, wie hilflos ich neben dieser sterbenden Frau stand. Frage mich nach einem Sinn, und ernte jedes Mal weitere Fragen. Wie einfach aus Heiterkeit Trauer und aus Leben Tod werden kann. Unfassbar. Ich danke meinem Schutzengel, dass er mich all die Zeit auf meinem Motorrad so treu begleitet hat.</p>
<p>Die meisten Erlebnisse, die mir während meiner Zeit in Burkina meine Grenzen aufgezeigt haben, waren weniger existentiell, weniger dramatisch. Oftmals sogar banal und alltäglich, sie hätten sich genauso, zumindest aber ähnlich in Deutschland zuspielen können. Was tun zum Beispiel, wenn ein Kind sich partout nicht so verhalten will, wie man es möchte? Wenn kein freundliches Zureden, kein Locken und auch kein Drohen mehr hilft und man merkt, dass einem langsam aber sicher die Geduld ausgeht? Was tun, wenn der Mechaniker zum dritten mal innerhalb einer Woche die Lichtanlage reparieren muss, fünf Stunden später als vereinbart kommt und (zum dritten Mal) behauptet, die Scheinwerfer würden nun bis zum Erreichen des Paradieses halten- und wenn dann beim Starten des Motos die Glühbirnen, einer stillen Absprache folgend, eine nach der anderen durchbrennen? Oh, wie habe ich da zu angefangen zu schreien. Aus Verzweiflung, aus Wut über eine solches Ma&#223; an Unfähigkeit, Trägheit und Stillstand. Ob man in solchen Momenten sein Gegenüber aufwecken will oder nur die eigene Wut über die Willkür dieses Landes herausbrüllen muss &#8211; Ich wei&#223; es nicht und sicher ist das eine auch ebenso sinnlos wie das andere. Aber es ist eine dieser typischen Geschichten, welche sich stets ein wenig abgewandelt wiederholen und einen jungen Deutschen in Afrika von Zeit zu Zeit in den Wahnsinn treiben. Manchmal liegt die Lösung solcher Herausforderungen geradezu auf der Hand: ein viertes Mal habe ich den gleichen Mechaniker zum Beispiel nicht aufgesucht; Manchmal ist es wesentlich schwerer: ich konnte weder einzelne Kinder auswechseln, noch wollte ich es. Aber genauso wenig konnte ich mir auf die Schnelle mehr pädagogisches Geschick aneignen- geholfen hat die ein oder andere Nachfrage bei den Erziehern und den Psychologen, denn jedes Kind hat seine eigene (oftmals unfassbar traurige) Geschichte. Andere Herausforderungen habe ich noch nicht bewältigen können und auch das passt zu dem Bild eines Zivi-Lehrjahres; es gibt lehrreichen Stoff, weit<br />
über 13 Monate heraus.</p>
<p>Natürlich ist ein Zivildienst in Ouagadougou keine Aneinanderreihung von Grenzerfahrungen. Aber zwischen all den unvergesslich schönen Momenten die ich hier erleben durfte, sind es im Rückblick vor allem solche Erlebnisse, bei denen ich an innere Grenzen geklopft habe, die mich grade bewegen, sie niederzuschreiben &#8211; wohl einfach aus dem Grund, weil sie noch nicht abgeschlossen sind, weil die Erfahrungen als solche vielleicht gar nicht so existentiell, so final waren wie eben noch gedacht. Weil ich ahne, dass eine Grenze kein Ende bedeutet, dass dahinter neues Land anfängt und sei es das Land der Intoleranz, der Machtlosigkeit oder der Verführbarkeit. Diese 13 Monate haben mir auch Einblicke in innere Abgründe verschafft, für die ich durchaus dankbar bin.</p>
<p>8056 Kilometer. Das entspricht einer Wegstrecke, die Afrika vom nördlichsten zum südlichsten Punkt durchmisst. Soviel ich an mir selbst entdecken durfte während meiner Zivi-Zeit, so wenig habe ich vom weiten, gro&#223;en Afrika gesehen. Viel gereist bin nämlich nicht. Eine 2-wöchige Tour durch Togo und Ghana, eine Reise in den Osten von Burkina sowie einen Ausflug in einen Nationalpark im Süden des Landes. Stattdessen habe ich viel gearbeitet, es genossen das alltägliche Leben Afrikas in einer Art Mikrokosmos zu beobachten- denn nichts anderes ist ein Waisenhaus mit 400 Schutzbefohlenen sowie über 80 Angestellten. Burkina Faso ist schon ein verrücktes Land: Seit 2 Wochen gibt es beispielsweise kein Gas mehr in Ouaga, das erinnert an die Zustände im April, wo 2 der 3 Dieselgeneratoren der staatlichen Elektrizitätswerke ausgefallen sind. Nicht weiter schlimm, man teilte die Stadt in zwei Hälften und dann dufte ich mich auf 12 Stunden Strom pro Tag freuen. Wenn alles gut ging. Nur arbeiten wird dann natürlich schwerer, bei 45 Grad im Schatten, wenn dich kein Ventilator, keine Klimaanlage mehr vor dem Verdampfen im Büro retten kann. Fortschritt sieht anders aus, scheint fast unmöglich unter diesen Bedingungen. Manchmal vergesse ich, dass ich im drittärmsten Land der Welt lebe (wobei der Unterschied zu den anderen 20 sehr armen Staaten sicher nur gering ist). Auf den Boden der Realität zurückgeholt werde ich dann allerdings spätestens Abends, wenn ich von der Arbeit zurückfahre und die Studenten und Schüler bereits im Licht der Stra&#223;enlampen lernen, da es bei ihnen Zuhause keinen Strom gibt und das schwache Licht der Stra&#223;enlampen noch besser ist als das Licht der Petroleumlampen – denn es kostet nichts. Dafür werden dann auch die Geräusche von abertausenden vorbeifahrenden Mofas und Autos in Kauf genommen. Genauso wache ich auch jedes Mal auf, wenn das Benzin mit einer Handpumpe in mein Motorrad gepumpt wird oder ein Eselkarren mir die Vorfahrt nehmen will. Es bleibt natürlich die Frage ob es überall auf dem schwarzen Kontinent so ähnlich aussieht wie in Burkina Faso. Im Nachhinein bereue ich es deshalb ein wenig, mich irgendwie zu oft von einer Art Pflichtgefühlt hab übermannen lassen. Auf der anderen Seite bin ich jetzt 20 Jahre alt und so bleibt ja auch noch ein wenig Zeit, die anderen Länder Afrikas zu bereisen.</p>
<p>8056 Kilometer. Die Hälfte davon entspricht der Strecke Ougadougou – Paris (Luftlinie). Bereits am Montag werde ich diese Distanz hinter mich bringen um meine Zelte für einige Zeit wieder in Deutschland aufzuschlagen, ehe es weiter nach Frankreich geht. Ich freue mich sehr auf meine Heimat und verlasse AMPO deswegen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Mein Dank gilt den tollen Menschen in Burkina Faso, meinen Kollegen, den AMPO-Direktoren, Katrin, meinen beiden Mit-Zivis sowie meinem Mitbewohner Timo. Auch gilt er Sabine und Ricarda in der Sahel- Geschäftsstelle in Plön sowie meinen Spendern, mit denen alles angefangen hat und ohne deren Unterstützung all das nicht möglich gewesen wäre. Sie haben mir etwas Einmaliges ermöglicht, dessen Wert ich tatsächlich nur erahnen kann.</p>
<p>Bis bald ( in Deutschland)<br />
<em>euer Lukas</em></p>
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		<title>Zivi-Rundbrief: Bunt ist die sch&#246;nste Farbe Afrikas</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Feb 2009 23:20:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gela Schmidt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivi-Rundbrief]]></category>
		<category><![CDATA[Burkina Faso]]></category>
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		<category><![CDATA[Projekt]]></category>
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		<description><![CDATA[
Moi à Youba
Von Lukas Terwitte
Vorboten k&#252;ndigen den Markt an, bevor ich ihn erreicht habe; Geruchsschwaden, Stimmengewirr, ausgefahrene Wege. Die ersten Gem&#252;sefrauen sind bereits einige Stra&#223;enz&#252;ge vor dem eigentlichen Markt zu finden, ihre Ware im Schatten einer Mauer und am staubigen Stra&#223;enrand anbietend. Auf ausgebreiteten T&#252;chern liegen Tomaten, Bohnen, und Auberginen: Farbtupfer in einer ockerfarbenen Umgebung. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em></em></p>
<div id="attachment_1423" class="wp-caption alignright" style="width: 186px"><em><em><a href="http://www.sahel.de/wp-content/uploads/2009/02/moi-a-youba.jpg" rel="lightbox[id1406]"><img class="size-full wp-image-1423" title="Moi à Youba" src="http://www.sahel.de/wp-content/uploads/2009/02/moi-a-youba.jpg" alt="Moi à Youba" width="176" height="131" /></a></em></em><p class="wp-caption-text">Moi à Youba</p></div>
<p><em>Von Lukas Terwitte</em></p>
<p>Vorboten k&#252;ndigen den Markt an, bevor ich ihn erreicht habe; Geruchsschwaden, Stimmengewirr, ausgefahrene Wege. Die ersten Gem&#252;sefrauen sind bereits einige Stra&#223;enz&#252;ge vor dem eigentlichen Markt zu finden, ihre Ware im Schatten einer Mauer und am staubigen Stra&#223;enrand anbietend. Auf ausgebreiteten T&#252;chern liegen Tomaten, Bohnen, und Auberginen: Farbtupfer in einer ockerfarbenen Umgebung. Zu Fu&#223; habe ich mich an diesem Sonntag aufgemacht um die Vielfalt der auf dem Markt angebotenen Waren zu bewundern, um ein paar Zutaten f&#252;r das Mittagsessen einzukaufen (ich koche selten genug) und auch um die Gelegenheit zu nutzen, die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen.</p>
<p>Ich bin froh dar&#252;ber, dass monotone Stottern meines Motorrads zum ersten Mal seit l&#228;ngerer Zeit wieder bewusst gegen meine gleichm&#228;&#223;igen Schritte eingetauscht zu haben. Schritte, welche mich zuverl&#228;ssig zur&#252;ck in das sich zum Ende neigende Jahr 2008 tragen, in deren Takt sich meine Gedanken sanft wiegen.</p>
<p>Was waren das f&#252;r Monate, &#252;ber die ich bisher noch nicht berichtet habe? Ich finde eine passende &#220;berschrift f&#252;r diesen zeitlichen Abschnitt lautet gleich dem Motto des neuen US-Pr&#228;sidenten: Change. Ein Stichwort, welches ich nicht einmal mehr ins Franz&#246;sische &#252;bersetzen muss, der Sprache, die zuweilen schon die Vorherrschaft in meiner Gedankenwelt erobert hat. Ver&#228;nderungen hat es wahrlich gegeben und um es vorwegzunehmen, ich empfinde sie alle als positiv. Wichtig war die Ankunft von Timo Nadolny gegen Ende November.</p>
<p><span id="more-1406"></span></p>
<p>Vor 5 Jahren hat er die Berichte als AMPO-Zivi geschrieben und sich nach dieser Zeit ehrenamtlich bei Sahel e.V. engagiert. Aus diesem Grund eignet er sich hervorragend f&#252;r seine jetzige Position, die er nun nach seinem Studium ein Jahr lang ausf&#252;llen wird; als &#8220;Interface&#8221; von AMPO und Sahel e.V. m&#246;chte er den Kommunikationsfluss zwischen Burkina Faso und Deutschland verbessern, was selbst in Zeiten des Internets eine anspruchsvolle Aufgabe darstellt. Auch arbeitet er sehr eng mit Katrin zusammen, quasi als eine Art &#8220;Privatsekret&#228;r&#8221;, so dass er sie ein wenig entlasten kann.</p>
<p>Schneller werdend erreiche ich das gro&#223;e und zu dieser Uhrzeit ge&#246;ffnete Eisentor am Eingang des Marktes. Wie jedes Mal, kann ich es kaum erwarten und freue mich kindlich auf die Welt, die mich dahinter erwartet. Eine Welt in der, wie es scheint,) alle Farben, Ger&#252;che und Ger&#228;usche im &#220;berfluss vorhanden sind, ein Fest f&#252;r die Sinne, eine Manifestation afrikanischen Alltagslebens. Ich trete ein, links von mir sitzt ein alter, beinloser Bettler, die Hand zu einer Sch&#252;ssel geformt, um Almosen bittend. Einige wenige Meter weiter zu meiner rechten werden Fischk&#246;pfe in hei&#223;em &#214;l frittiert, das Fett spritzt zu allen Seiten.</p>
<p>Ich bleibe einen Moment stehen, schlie&#223;e meine Augen und erfreue mich an den vielen unterschiedlichen Ger&#228;uschen. Insgesamt ist es nicht wirklich laut auf dem Markt; H&#228;ndler die lauthals schreiend ihre Ware anbieten sucht man vergeblich. Doch an jeder Ecke wird gehandelt, geklopft und geraschelt und all das f&#252;gt sich harmonisch zu einer Einheit zusammen. Neben den Melodien des Marktes fallen mir im gleichen Moment die verschiedensten Ger&#252;che auf, welche an mir vorbeiziehen und sich mit jedem Schritt wandeln.</p>
<p>Die allermeisten davon sind unromantisch und profan, oftmals riecht es sogar nach Abfall und Verderben &#8211; diese Strenge h&#228;tte mich bei meinem ersten Marktbesuch fast r&#252;ckw&#228;rts wieder herausgef&#252;hrt. Doch je weiter ich vordringe, desto eher finde ich die Pl&#228;tze an denen sich die Ger&#252;che nicht zuordnen lassen, zu fremdl&#228;ndisch und wundervoll w&#252;rzig wird es dann. Pl&#228;tze an denen in gro&#223;en T&#246;pfen frische Erdnusssauce zubereitet wird, wo Hibiskusbl&#252;ten in riesigen Haufen lagern oder getrocknete Raupen auf gro&#223;en Matten getrocknet werden.</p>
<p>F&#252;r meine Arbeit bei AMPO bedeutet Timos Ankunft eine R&#252;ckbesinnung auf die &#8220;traditionellen&#8221; Zivi-Aufgaben. Auf diese kann ich mich nun wieder vollst&#228;ndig konzentrieren, denn vieles, was ich in den Monaten zuvor im B&#252;ro verrichtet habe, geh&#246;rt nun nicht mehr zu meinem Arbeitsbereich: Email-Korrespondenzen, &#220;bersetzungen, Tabellenarbeit, etc. pp. Ich bin dar&#252;ber aus zwei Gr&#252;nden sehr froh: Zum einen bietet jede Umstellung, wenn sie zun&#228;chst auch einmal mit etwas M&#252;hen und Investitionen verbunden sein sollte, doch auch die Chance Neues zu entdecken und die (AMPO-)Welt einmal mehr aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Zum anderen ist ein leises Gef&#252;hl latenter &#220;berforderung von mir gewichen, welches mich in den ersten Monaten wie ein Schatten begleitet hat.</p>
<p>Das liegt sicherlich daran, dass ich im Laufe der Zeit mit den Wegen (und den Abk&#252;rzungen) vertraut geworden bin und dank einer gewonnen Routine nun nicht mehr jedes zu l&#246;sende Problem zwei Weitere aufwirft. Doch ohne Zweifel liegt es auch daran, dass Timo einen Teil meiner fr&#252;heren T&#228;tigkeiten &#252;bernommen hat. Ein Gl&#252;ck! Somit bin ich nun haupts&#228;chlich verantwortlich f&#252;r die Boutique und den Export, den Computerraum sowie die Reparaturen in den AMPO-Projekten.</p>
<div id="attachment_1425" class="wp-caption alignleft" style="width: 185px"><a href="http://www.sahel.de/wp-content/uploads/2009/02/transport-mit-koepfchen.jpg" rel="lightbox[id1406]"><img class="size-full wp-image-1425" title="Transport mit K&#246;pfchen" src="http://www.sahel.de/wp-content/uploads/2009/02/transport-mit-koepfchen.jpg" alt="Transport mit K&#246;pfchen" width="175" height="104" /></a><p class="wp-caption-text">Transport mit K&#246;pfchen</p></div>
<p>Nachdem ich ein wenig rumgeschlendert bin, fange ich mit meinem Einkauf an. Es f&#228;llt mir auf, wie sehr Sprache verbinden -und im selben Ma&#223;e auch ausschlie&#223;en kann. Die alten Marktfrauen sprechen nur Moore und schmerzlich bemerke ich die fehlenden Anstrengungen, die ich in diese Richtung unternommen habe. Es reicht zwar aus f&#252;r die Begr&#252;&#223;ung und auch um zu sagen, dass ich gerne Karotten f&#252;r 100 CFA h&#228;tte, doch ein wirkliches Gespr&#228;ch dar&#252;ber hinaus, etwa ob die Karotten aus eigenem Anbau stammen, bleibt mir verwehrt. Tja, selbst Schuld &#8211; es &#228;rgert mich, da mir der Abbau dieser Sprachbarriere viel Freude br&#228;chte und vielleicht sogar dazu f&#252;hren w&#252;rde, nicht mehr das doppelte der normalen Preise zu bezahlen.</p>
<p>Im Allgemeinen wird die Ware entweder auf Tischen oder, h&#228;ufiger, auf aufgetrennten Plastiks&#228;cken eine Etage tiefer pr&#228;sentiert. Das sind recht haltbare Unterlagen, da das Plastik gewebt ist. Ich kenne diese Art S&#228;cke von unserem Service Sociale bei AMPO, denn darin wird auch der Mais f&#252;r die zumeist zahnlosen Alten und aidskranken M&#252;tter aufbewahrt. Ein Burkinabé w&#252;rde sich &#252;brigens niemals auf die nackte, staubige Erde setzen und, aus diesem Grund haben die meisten H&#228;ndler zwei Unterlagen: Eine, auf der in kleinen Pyramiden die Tomaten gestapelt werden und die andere f&#252;r sich selber.</p>
<p>Die vielen Stunden, die ich bei AMPO verbringe, empfinde ich zum einen als sehr sch&#246;n, zum anderen aber auch in der Summe als ziemlich anstrengend. Deshalb ist es wirklich angenehm und auch notwendig, dass mein Leben um einen richtigen R&#252;ckzugsort bereichert wurde: Anfang Dezember bin ich zusammen mit Timo in ein gr&#246;&#223;eres Haus gezogen, in dem es sogar ein kleines G&#228;stezimmer gibt. In unserem neuen Domizil w&#228;re der Garten sogar gro&#223; genug, f&#252;r die in meinem letzten Bericht angedeutete H&#252;hnerzucht.</p>
<p>Doch ich f&#252;rchte, der neue Zivi-Hund macht mir da einen Strich durch die Rechnung; der kleine Racker ist kaum zu b&#228;ndigen, womit sich der &#8220;Anforderungskatalog&#8221;, den wir an den n&#228;chsten Zivi stellen, um einen Punkt erweitert h&#228;tte. Die H&#228;lfte des Umzugs habe ich &#252;brigens stilecht mit dem Eselkarren abgewickelt, daf&#252;r hat es allerdings auch doppelt so lange gedauert als eigentlich n&#246;tig. Traditionell wird in Burkina Faso &#252;brigens im Dunkeln umgezogen, damit die Nachbarn eventuellen Reichtum nicht zu Gesicht bekommen.</p>
<p>Noch viel wertvoller als das neue Haus aber ist die Tatsache, dass ich mit Timo jemanden an meiner Seite habe, der die Probleme sowie die kleinen Freuden des Zivi-Alltags nachvollziehen kann wie kaum ein anderer.</p>
<div id="attachment_1422" class="wp-caption alignright" style="width: 185px"><a href="http://www.sahel.de/wp-content/uploads/2009/02/zivihund-aus.jpg" rel="lightbox[id1406]"><img class="size-full wp-image-1422" title="Zivihund" src="http://www.sahel.de/wp-content/uploads/2009/02/zivihund-aus.jpg" alt="zivihund-aus" width="175" height="132" /></a><p class="wp-caption-text">Zivihund</p></div>
<p>Ein Blick auf den Einkaufzettel sagt mir, dass ich unserem Hund eine Kleinigkeit mitbringen wollte. Der hei&#223;t &#252;brigens &#8220;Aus&#8221;. Dieses Wort hat er in seinen ersten Tagen bei uns (zu) oft zu h&#246;ren bekommen, so dass die Nachtw&#228;chter ihn irgendwann bei diesem Namen gerufen haben. Seitdem hei&#223;t er eben &#8220;Aus“ und es bleibt nur zu hoffen, dass es nicht zu weiteren Namenswechseln à la &#8220;Sitz&#8221; oder &#8220;Pfui&#8221; kommt.</p>
<p>Ich erreiche die Fleischst&#228;nde, grobgezimmerte Tische, auf denen das Fleisch in kleineren Vertiefungen liegt, die von unz&#228;hligen Beilschl&#228;gen herr&#252;hren. Mit jedem Schlag der riesigen Metzgerbeile l&#246;st sich eine unfassbar gro&#223;e Wolke Fliegen vom Fleisch und h&#252;llt mich ein in das Summen abertausender Fl&#252;gel. Ich bin davon derma&#223;en fasziniert, dass ich die Frage fallen lasse, ob es offizielle Hygienevorschriften gibt und wenn ja wer sie kontrolliert und wie viel es wohl kostet, diese Person zu bestechen.</p>
<p>Durch eine gro&#223;artige Spendenaktion in Deutschland konnten wir &#252;ber 100 Rollst&#252;hle herstellen und an ebenso viele Behinderte verteilen. Produziert wurde arbeitsteilig: die Schwei&#223;erei des Stra&#223;enjungenprojektes stellte die Rahmen her, w&#228;hrend in unserer Rollstuhlwerkstatt &#8220;Panga La Wende&#8221; die R&#228;der hergestellt wurden und auch die Endmontage stattfand. An bisher zwei Samstagen wurden die Rollis ausgegeben und da ich f&#252;r das Fotografieren verantwortlich war, lief ich die meiste Zeit durch die Reihen der gl&#252;cklichen Empf&#228;nger und dokumentierte die &#220;bergabe.</p>
<p>Die Eindr&#252;cke, die ich an diesen Tagen gesammelt habe, sind nur schwer in Worte zu kleiden: Ich erinnere mich an die querschnittsgel&#228;hmte Mutter, welche sich in den Rollstuhl hievt und die, kaum da sie richtig sitzt, schon anf&#228;ngt ihre beiden Zwillinge zu s&#228;ugen. Genauso an den Greis, der voller &#220;bermut seine Kr&#252;cken wegwirft und in seinen letzten Lebensjahren mit dem neuen &#8220;Tricycle&#8221; (Dreirad) zugleich auch einen Teil seiner W&#252;rde zur&#252;ckerh&#228;lt oder die junge Sch&#252;lerin, welche durch die neu gewonnene Mobilit&#228;t in eine hoffnungsvolle Zukunft schauen darf. Vergessen werde ich auch nicht den 6-j&#228;hrigen Mohamed, welcher seinen Rollstuhl noch nicht aus eigener Kraft in Bewegung setzen konnte, aber schon bald in der neuen Reha-Station von AMPO trainiert wird.</p>
<p>Es war so sch&#246;n, die strahlenden Gesichter am Ende des Tages an mir vorbeirollen zu sehen, Menschen, die noch vor wenigen Stunden gest&#252;tzt oder getragen wurden, die m&#252;hsam auf ihre neuen Rollst&#252;hle zugekrabbelt sind oder sich mit Hilfe eines Stocks den beschwerlichen Weg entlang gezogen haben. Ich war froh, dass mein Gesicht durch meine Kamera verdeckt blieb; zu bewegend ist das Ereignis und zu verp&#246;nt ist es in Afrika, die dadurch ausgel&#246;ste Gef&#252;hlsregung &#246;ffentlich zu zeigen.</p>
<p>Auf meinem R&#252;ckweg komme ich an einem Fischstand vorbei. Auf Nachfrage erfahre ich, dass zwar ein wenig in der Barrage, dem riesigen Wasserr&#252;ckhaltebecken von Ouaga, gefischt werden w&#252;rde, doch dass der Gro&#223;teil wohl aus der Côte d’Ivoire k&#228;me. Kaufen kann man den Fisch dann in zwei unterschiedlichen Konsistenzen: Frisch, wobei diese Beschreibung auf Ouagas M&#228;rkten in diesem Zusammenhang mit Vorsicht zu genie&#223;en ist, sowie getrocknet und in diesem Zustand in Kartons gepresst. Froh dar&#252;ber, die Szenerie nicht am Nachmittag bewertet haben zu m&#252;ssen, setze ich meinen Weg in Richtung Ausgang fort.</p>
<p>Die Blicke, die man mir zuwirft scheinen &#252;ber die nat&#252;rliche Neugierde hinauszugehen und so werfe ich einen Blick an mir herab um zu schauen, welchen Kleidungskodex ich wohl an diesem Sonntag gebrochen haben k&#246;nnte. Doch alles was ich sehe, f&#228;llt nicht aus dem gewohnten Rahmen; ein junger wei&#223;er Mann, auf einem der vielen M&#228;rkte Ouagas stehend, beladen mit einigen Einkaufst&#252;ten.</p>
<p>Einen Perspektivwechsel sowie Sekundenbruchteile sp&#228;ter, wird mir einiges klar: Das Geschlechterverh&#228;ltnis auf den M&#228;rkten betr&#228;gt in etwa 100 zu 1. Die allerwenigsten Verk&#228;ufer sind M&#228;nner, normalerweise &#252;berqueren diese den Markt nur im schnellen Laufschritt. Traditionell ist es Aufgabe der Frau einzukaufen und so wundert es nicht, dass der Markt vollkommen von Frauen beherrscht ist.</p>
<p>Ich bin ehrlich erleichtert, die verwunderten Blicke zumindest halbwegs deuten zu k&#246;nnen und wende mich dem Ausgang zu, freue mich am Anblick einer chaotischen Ansammlung vielfarbiger Flip-Flops. Daneben bestaune ich eine meterhohe Pyramide aus Wassermelonen. Eine Verk&#228;uferin, traditionell eingeh&#252;llt in ein farbenpr&#228;chtiges Gewand, spricht mich an und w&#228;hrend ich f&#252;r einen Augenblick stehen bleibe, wandert mein Blick die schier endlose Marktgasse entlang… bunt bleibt die sch&#246;nste Farbe Afrikas.</p>
<p>Aktuelle Bilder finden Sie wie immer auf: <a href="http://www.flickr.com/photos/lukasinafrika"title="www.flickr.com/photos/lukasinafrika"  class="extlink">www.flickr.com/photos/lukasinafrika</a></p>
<p><em><br />
</em></p>
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		<title>ZIVI-Rundbrief: Bericht Nr. 2 aus Ouagadougou: Warum ich meine H&#252;hner a&#223;</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Nov 2008 09:28:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Henkenius</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als ich am 15. Oktober mit einer dunklen Vorahnung meinen Reisepass aus meinem Rucksack hervorgeholt habe, stellte ich fest, dass mein Visum bereits zum 10. Oktober ausgelaufen war. Ganze 5 Tage hielt ich mich schon „illegal“ in Burkina Faso auf! Vieles wollte ich hier erleben, aber das sicherlich nicht!
Es erschien mir wie eine schlechte Parodie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich am 15. Oktober mit einer dunklen Vorahnung meinen Reisepass aus meinem Rucksack hervorgeholt habe, stellte ich fest, dass mein Visum bereits zum 10. Oktober ausgelaufen war. Ganze 5 Tage hielt ich mich schon „illegal“ in Burkina Faso auf! Vieles wollte ich hier erleben, aber das sicherlich nicht!<br />
Es erschien mir wie eine schlechte Parodie auf die Situation tausender Afrikaner die sich „illegal“ in Deutschland aufhalten. Mit 2 Besuchen in der  „Division du Controle de la Migration“, der „Direction Generale de la Police Nationale“, sowie einem recht einseitigen Finanzstrom von etwa 20.000 CFA (30 Euro) zu H&#228;nden eines herrlich desinteressierten Beamten konnte ich mich aus dieser misslichen Lage befreien. Ich bin nun stolzer Besitzer eines Jahresvisums f&#252;r dieses wundersch&#246;ne Land!<br />
<span id="more-1296"></span></p>
<p>Bis Gestern war ich auch Besitzer einer kleinen H&#252;hnerfamilie, die mich jeden Morgen zuverl&#228;ssig um halb 5 geweckt hat. Mein Vermieter war damit allerdings nicht einverstanden, wahrscheinlich hatte mein Hahn nicht nur mich zu einem Fr&#252;haufsteher gemacht. Um mich weder mit meinen Nachbarn noch mit meinem Vermieter zu &#252;berwerfen, l&#246;sten wir das Problem noch am selben Abend recht elegant; ein leckeres Festessen (so eine pers&#246;nliche Bindung zum Fleisch zahlt sich doch aus), zu dem ich 2 meiner Kollegen sowie Michael, unseren jetzigen Praktikanten eingeladen habe!</p>
<p>Morgens muss ich nun also auf meinen tierischen Wecker verzichten, schaffe es aber dennoch immer recht p&#252;nktlich aus dem Haus. Gegen halb 7 schwinge ich mich auf mein Moto und auf geht es zu AMPO, meinem Lebensmittelpunkt. Mein Weg dorthin f&#252;hrt mich  1,5 km lang auf einer f&#252;r Ouaga typischen Sandpiste, welche vor allem durch Schlagl&#246;cher und Multifunktionalit&#228;t beeindruckt: Markt, M&#252;llhalde, Parkplatz, Sandkiste, Auslauffl&#228;che f&#252;r H&#252;hner, Schafe und Ziegen sowie schlussendlich auch Stra&#223;e, je nach dem was grade gebraucht wird! Wie praktisch, dass sich diese Stra&#223;en in der Regenzeit regelm&#228;&#223;ig in kleinere Fl&#252;sse verwandeln, welche den M&#252;ll wie Abwasserkan&#228;le von dannen tragen.</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/lukasinafrika/2970812731/" class="extlink">http://www.flickr.com/photos/lukasinafrika/2970812731/</a></p>
<p>Viele AMPO-Kinder kommen mir zu dieser Uhrzeit entgegen, die gespendeten Schulranzen aus Deutschland auf dem R&#252;cken. Ihre Schule, das Lycée Bangré (das bedeutet Wissen auf More, der Sprache der Mossi), liegt nicht weit entfernt von meiner Wohnung. H&#252;bsch sehen sie aus in ihrer Schuluniform, sie besteht aus einer gr&#252;nen Hose sowie einem gr&#252;ngemusterten Hemd, auf dem mehrfach das wei&#223;e Schulemblem abgebildet ist (Motto: Arbeit und Disziplin &#8211; Erfolg garantiert!).<br />
In Deutschland gab es w&#228;hrend meiner Schulzeit einige Momente, in denen ich eine einheitliche Schulkleidung vermisst habe; in Burkina hingegen ist sie Pflicht, aber f&#252;r die oft kinderreichen Familien eine weitere, finanzielle Belastung- zus&#228;tzlich zum hohen Schulgeld. Etwa 8 000 CFA (12 €) kostet so eine Schuldress, die Geb&#252;hren f&#252;r ein Schuljahr betragen je nach Klassenstufe zwischen 40 000 CFA (60 €) und 111 000 CFA (170 €). Ein Chauffeur verdient &#252;brigens im Monat nur unwesentlich mehr als 50 000 CFA (75 €), hat aber durchschnittlich etwa 5 Kinder zu versorgen.<br />
Doch ehrlich gesagt denke ich daran kaum, wenn ich allmorgendlich unsere Sch&#252;tzlinge auf ihrem Schulweg treffe. Vielmehr freue ich mich, in diese zumeist strahlenden Gesichter zu blicken- was k&#246;nnte mich mehr f&#252;r die kommenden Arbeitsstunden motivieren?</p>
<p>Angekommen im B&#252;ro drucke ich zuerst die Mails f&#252;r Katrin aus, bereite einen kleinen Tagesplan vor und begebe mich dann zum Fr&#252;hst&#252;cken in das &#8220;Café&#8221; gegen&#252;ber von AMPO. In einem einfachen Bretterverschlag sitze ich neben einigen &#8220;Alten&#8221; des Viertels, trinke meinen Café au Lait, welcher mit ge&#252;bten H&#228;nden zubereitet wird. Aus gezuckertem Milchkonzentrat, einem Teel&#246;ffel Nescafé und hei&#223;em Wasser entsteht f&#252;r kurze Zeit ein faszinierend-3-farbiges Getr&#228;nk, ehe es nach dem umr&#252;hren die f&#252;r Burkina typische Sandfarbe annimmt. Ein echtes Nationalgetr&#228;nk also. Dazu gibt es meist ein Baguette, welches den Café ganz wunderbar aufsaugen kann- ich f&#252;hle mich jeden morgen an Taizé erinnert. (ein Kloster in Frankreich, an deren &#246;kumenischen Jugendtreffen ich oft teilgenommen habe)</p>
<p><a href="http://flickr.com/photos/lukasinafrika/sets/72157608360921783/show/" class="extlink">http://flickr.com/photos/lukasinafrika/sets/72157608360921783/show/</a></p>
<p>Danach geht es mit Volldampf in Katrins B&#252;ro. Dort bekomme ich dann einige Arbeitsanweisungen, kurz und knapp erkl&#228;rt, denn schlie&#223;lich gibt es immer „mille choses à faire“ und das  „tout de suite“. Kein Wunder, bei den vielen Kindern die von AMPO betreut werden.<br />
Meine Aufgaben sind &#252;brigens sehr vielf&#228;ltig, sie reichen von kleineren Reparaturen, &#220;bersetzungen, dem Anfertigen von Tabellen, Dokumentationen (eine Kamera befindet sich immer in meinem Rucksack), bis hin zur Organisation des Exports. Daf&#252;r m&#252;ssen bei vorliegender Bestellung die Ateliers angesprochen, der Kostenvoranschlag &#252;berpr&#252;ft, Geld f&#252;r das Material vorgestreckt, Rechnungen eingesammelt, der Fortschritt kontrolliert und die Endprodukte eingepackt und abgeschickt werden. Nat&#252;rlich muss auch eine Rechnung nach Deutschland gesendet und am Ende eine saubere Buchf&#252;hrung der Ein- und Ausgaben vorliegen. Ab n&#228;chster Woche werde ich anfangen, sonntags einen Deutsch- und Englischkurs f&#252;r interessierte Kinder anzubieten. Auf den freue ich mich schon fast mehr als die Kinder! </p>
<p>Seitdem unsere Kinder Anfang Oktober wieder mit der Schule angefangen haben, hat sich die Atmosph&#228;re tags&#252;ber ein wenig ver&#228;ndert; Es ist stiller geworden, ich habe das Gef&#252;hl ein wenig stressfreier arbeiten zu k&#246;nnen. Gleichzeitig ist es auch nicht komplett ruhig, vielmehr bekommt man das Gef&#252;hl, AMPO entbl&#228;ttert sich: Kindergeschrei &#252;berlagert nicht mehr alles, aus den zahlreichen Ateliers dringen typische Laute: Das Klappern der Webst&#252;hle, die Stichs&#228;ge der Behindertenwerkstatt und das Surren zahlreicher N&#228;hmaschinen aus der Schneiderei sind nun h&#246;rbar.  Mittags kehren die Kinder von der Schule zur&#252;ck, nicht lange, nur zum Essen. Dann mach auch ich meine Mittagspause, von vielen wird diese Siesta eingehalten. Oft gehe ich ins neu er&#246;ffnete AMPO-Restaurant „Mam Dunia“ (Meine Welt). Dort genie&#223;e ich Lasagne oder Spaghetti von unserem Meisterkoch und seinen Sch&#252;lerinnen. Ja, doch. Soviel Luxus leiste ich mir jeden Mittag. </p>
<p>Obwohl ich viel im Restaurant esse, wo alles hygienisch ist, war ich im letzten Monat oft krank. Zu gesund allerdings um wirklich ins Bett zu fl&#252;chten, zu schwach, um vern&#252;nftig zu arbeiten. Und dann f&#252;hle ich mich so nutzlos, sp&#252;re diesen Widerwillen gegen meine eigene Schw&#228;che- Was wohl meine Kollegen von mir denken, wenn ich mich krank melde? Doch um deren Meinung muss ich mir keine Sorgen machen, alle sagen mir immer: „La santé avant tout“ (Die Gesundheit geht vor!).</p>
<p>In diesen Schw&#228;cheperioden, auch „fatigue tropicale“ (Tropenm&#252;digkeit) genannt,  finde ich mehr Zeit zum nachdenken. Viele meiner Gedanken besch&#228;ftigen sich mit m&#246;glichen Studieng&#228;ngen oder Lehren, die ich im n&#228;chsten Jahr anfangen m&#246;chte und f&#252;r die es schon bald gilt, sich einzuschreiben; Einige Gedanken wandern auch nach Deutschland, Wehmut streift dann sanft mein Gem&#252;t; bunte Bl&#228;tter und laue Herbstabende- Jahreszeitenwechsel. Wikipedia schreibt sehr sch&#246;n: „Wehmut bezeichnet ein Gef&#252;hl zarter Traurigkeit, hervorgerufen durch Erinnerung an Vergangenes. Bei wehm&#252;tigen Regungen werden nicht notwendig die gegenw&#228;rtigen Umst&#228;nde gering gesch&#228;tzt.“ So ist es.</p>
<p>Nach der Mittagspause gehe ich gekr&#228;ftigt wieder an die Arbeit. Habe ich versucht, bis Mittags die Dinge f&#252;r Katrin zu erledigen, so besch&#228;ftige ich mich nachmittags haupts&#228;chlich mit den restlichen Aufgaben und bin froh wenn ich davon ein oder zwei streichen kann. Das beste Gef&#252;hl stellt sich bei mir ein, wenn ich am Ende des Tages zur&#252;ckblickend sagen kann: Heute habe ich was geschafft! Den daf&#252;r notwendigen Sieg gegen den inneren Schweinehund habe ich zugegebenerma&#223;en auch schon so manches mal verloren, doch das spornt mich nur an, am n&#228;chsten tag doppelt so viel zu arbeiten. Viele Arbeiten dauern zurzeit sicherlich auch noch doppelt so lang wie eigentlich n&#246;tig, doch so ist das in einem neuen System; es gilt sich zurecht zu finden. Aber Umwege verbessern die Ortskenntnis!</p>
<p>Oft bin ich total fasziniert von den Vorg&#228;ngen der Natur, die sich hier ganz anders, mir scheint viel beeindruckender und intensiver zeigen. Besonders die heftigen Regenschauer sind jedes mal wieder ein Erlebnis: Oft kommen sie pl&#246;tzlich am Sp&#228;tnachmittag, schlagartig wird es k&#252;hl, Wind kommt auf. Die Menschen kennen dieses Zeichen und die Stra&#223;en werden leer. Der st&#228;rker werdende Wind wirbelt allerlei Sand und Staub auf, Plastikt&#252;ten werden hunderte von Metern durch die Luft getragen. Manchmal, grade zum Ende der Regenzeit hin bleibt es bei diesem beeindruckenden Schauspiel, welches den Himmel innerhalb von Minuten verdunkelt. Doch oft genug folgt danach ein nicht zu beschreibendes, tosend-ohrenbet&#228;ubendes Unwetter. Regentropfen scheinen dem lieben Gott hier unbekannt, Wasserw&#228;nde und nichts weiter. Blitze erhellen die dunkle Szenerie und wenn man nicht grade unter einem Wellblechdach steht (was hier oft der Fall ist), h&#246;rt man die lauten, kurz hintereinander hereinbrechenden Donnerschl&#228;ge. Einfach wunderbar. </p>
<p>Abends fahre ich meist total ersch&#246;pft nach Hause und muss dennoch wachsam bleiben, der Verkehr in Ouaga ist m&#246;rderisch! Es herrscht Hauptverkehrszeit und es wimmelt nur so von &#252;berladenen LKWs, welche nicht anhalten, sondern anhalten lassen; viel zu schnellen Autos; gro&#223;en Gel&#228;ndewagen gestresster Botschaftsmitarbeiter, Eselkarren, fahrbaren Verkaufsst&#228;nden und einer un&#252;berschaubaren Zahl, sich permanent in Bewegung befindlicher Motorr&#228;der, Mofas und Fahrr&#228;der, die mal nach links oder nach rechts ausscheren, und dennoch alle eine Fahrtrichtung einhalten und einem gro&#223;en, gehetzten Fischschwarm gleichen.<br />
Um nach Hause zu gelangen, &#252;berquere ich eine der Hauptverkehrsadern, den so genannten „circulaire“. (Dieser schlie&#223;t &#252;brigens ein paar Kilometer weiter an das erste Autobahnkreuz  Burkina Fasos an.) Wenn ich mich grade noch auf den Mittelstreifen retten konnte, w&#228;hrend hinter mir der &#252;berladende Laster aus Ghana vorbeidonnert und nach Vorne noch keine L&#252;cke im dichtflie&#223;enden Verkehr zu ersp&#228;hen ist, offenbart sich f&#252;r mich oftmals noch eine andere Seite des Verkehrs. Eine Seite neben all dem L&#228;rm, der Umweltverschmutzung und den vielen Verkehrsunf&#228;llen: Wenn man gut hinschaut, bemerkt man, dass jedes Mofa eine eigene Geschichte erz&#228;hlt, zumindest Anlass f&#252;r phantasievolle Geschichten gibt … die allermeisten G&#252;ter werden hier mit dem Mofa transportiert. In Deutschland w&#228;re das vielleicht nicht anders, wenn sich nicht fast alle ein Auto leisten k&#246;nnten, in dessen Kofferraum alles hinein geschmissen wird. So ist der Inhalt nicht nur gut verstaut, sondern auch gut vor allzu neugierigen Blicken, noch neugieriger Nachbarn gesch&#252;tzt.  Fracht auf einem Mofa zu transportieren, ist hingegen schon eine echte Kunst (und die Burkinabé wahre Meister darin), doch sichtgesch&#252;tzt ist dabei eher nichts. Und so stehe ich dort auf dem Mittelstreifen, bekomme den Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu: 20 Gartenst&#252;hle fahren an mir vorbei, danach 2 Ventilatoren, festgehalten vom Beifahrer. Es folgt eine Tonne, welche sich bei n&#228;herer Betrachtung als Mann mit 30 Fahrradreifen um den Bauch zu erkennen gibt. Im halbdunkeln folgt ein Mofa, die 6 Meter lange Eisenstange auf der Schulter des Fahrers f&#228;llt mir nur rein zuf&#228;llig auf. Ehe ich den circulaire &#252;berquere, erhasche ich noch einen Blick auf jene Sorte 2-Takter, die man mit 3 gro&#223;en Kohles&#228;cken &#252;berladen hat und welche an der Ampel nicht stehen bleiben, aus Angst ohne Starthilfe nicht wieder loszukommen. Sogar eine junge Wei&#223;nase, beladen mit 2  H&#252;hnern und 3 Waisenkindern, hat man angeblich schon durch die Stra&#223;en Ouagas fahren sehen. Ist das nicht unglaublich?</p>
<p><a href="http://flickr.com/photos/lukasinafrika/sets/72157608360008483/show/" class="extlink">http://flickr.com/photos/lukasinafrika/sets/72157608360008483/show/</a></p>
<p>Herzliche Gr&#252;&#223;e<br />
Ihr Lukas Terwitte</p>
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		<title>Bericht aus Ouagadougou zu Kl&#228;ngen von Bach und Tou</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Sep 2008 11:53:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Henkenius</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivi-Rundbrief]]></category>
		<category><![CDATA[Burkina Faso]]></category>
		<category><![CDATA[Ouagadougou]]></category>

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		<description><![CDATA[Beim Klang von Bachs Goldbergvariationen sitze ich in meiner Ziviwohnung. M&#228;&#223;ige Hitze, es ist Sonntagsp&#228;tnachmittag. F&#252;r heute steht nur ein Punkt auf meiner To-Do-Liste: Den ersten, zaghaften Versuch zu wagen, Ihnen meine Eindr&#252;cke, Erfahrungen und Erlebnisse mitzuteilen.
Zuvor erfuhr ich, wie schwer das Schreiben von Berichten doch sein kann. H&#228;tte ich vorher nie gedacht. Meine ersten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Beim Klang von Bachs Goldbergvariationen sitze ich in meiner Ziviwohnung. M&#228;&#223;ige Hitze, es ist Sonntagsp&#228;tnachmittag. F&#252;r heute steht nur ein Punkt auf meiner To-Do-Liste: Den ersten, zaghaften Versuch zu wagen, Ihnen meine Eindr&#252;cke, Erfahrungen und Erlebnisse mitzuteilen.</strong></p>
<p>Zuvor erfuhr ich, wie schwer das Schreiben von Berichten doch sein kann. H&#228;tte ich vorher nie gedacht. Meine ersten Versuche scheiterten allesamt an meinem Anspruch. Jeder noch so wohl&#252;berlegte Satz, jedes Wort und jeder Buchstabe schien nicht das widerspiegeln zu wollen oder zu k&#246;nnen, was ich hier erlebe. Es hat ein wenig gedauert bis ich begriffen habe, dass ein Bericht kein Kampf ist, sondern ein flie&#223;en-lassen. Ein Bericht bietet die M&#246;glichkeit, in sich hineinzuhorchen, zu reflektieren, los zulassen. Eine sehr pers&#246;nliche Angelegenheit und ich m&#246;chte Sie gerne teilhaben lassen, Sie mitnehmen auf meine ganz pers&#246;nliche, innere Reise.</p>
<p><span id="more-1003"></span></p>
<p>Oh, und ich glaube ich bin schon mittendrin! Mittendrin in diesem Bericht. Mittendrin im Herzen Burkina Fasos, in Ouagadougou. Mittendrin bei AMPO und mittendrin in meiner Arbeit voller unglaublicher Momente, lehrender Begegnungen. Kinderlachen. Mittendrin im Leben. Und das tut so verdammt gut.</p>
<p>Dabei war ich letzte Woche diesbez&#252;glich noch voller Zweifel: Es war am letzten Sonntag um Viertel nach Acht, Zeit f&#252;r das Ende des Wetterberichtes. Doch statt Regenwettervorhersage und einem &#8220;Guten Abend&#8221; h&#246;rte ich den Vorbeter der n&#228;chstgelegenen Moschee&#8230; Da sa&#223; ich also in Burkina Faso, mir liefen die Schwei&#223;perlen &#252;ber mein Gesicht. Da sa&#223; ich also mit meinem Laptop im zweit&#228;rmsten Land der Welt.</p>
<p>Verwirrend der Kontrast von wei&#223;leuchtendem Laptop-Screen und Abendgebet, welches im Monat Ramadan das Fastenbrechen einl&#228;utet. Ein schrecklicher Verdacht regte sich in mir. K&#246;nnte es sein, dass ich vielleicht noch gar nicht wirklich angekommen war und auch nie richtig ankommen w&#252;rde? Bliebe ich als Wei&#223;er mit meiner ganzen Kohle nicht immer in einer Parallelgesellschaft h&#228;ngen? Diese Gedanken begleiten mich dieser Tage hier und die dunkle Ahnung, dass ich ein Zuschauer in dieser noch so fremden Welt bleiben k&#246;nnte missf&#228;llt mir. Kann das sein, darf das sein?</p>
<p>Immerhin Woche 4 von 52. Das hei&#223;t es ist inzwischen einen Monat her, seit ich aus dem Flugzeug gestiegen bin. Der Moment ist mir noch immer sehr bewusst: Ich stehe dort, Jan und Nils (meine beiden SEWA-Kollegen) vor oder hinter mir. Warte einen Augenblick ehe ich ganz aus dem Flugzeug trete (ist<br />
es ein Moment des Z&#246;gerns?). Der Gitarrenkoffer in meinen H&#228;nden. Es ist schw&#252;l hier, schie&#223;t es mir durch den Kopf. Tolle Erkenntnis. Viel wichtiger: Die Luft riecht nach allem M&#246;glichen, fast orientalisch, auf jeden Fall aber mit einem Wort: Fremdartig!</p>
<p>Es ist eine Duftmischung von der ich nicht genug bekommen kann, nicht auf dem Weg zur Passkontrolle, nicht auf der Ladefl&#228;che des Pick-Ups, der mich zum G&#228;stezimmer von AMPO f&#228;hrt. So ein weiterer, unvergesslicher Moment: Diese Nachtw&#228;rme in der die D&#252;fte stehen und welche mit dem schneller werdendem Pickup an mir vor&#252;ber fliegen. Ich stehe neben Jonas, meinem Vorg&#228;nger und blicke in Fahrtrichtung,/ /lasse mir den Wind durch die Haare und um den K&#246;rper wehen. Eine Metapher f&#252;r die kommende Zeit? Der Moment ist sch&#246;n, ist rein. Ich fange an zu l&#228;cheln. Klar, davor war Aufregung ohne Ende. Wie wird er sein, mein Vorg&#228;nger, der, der mir alles zeigen soll bei AMPO? Wie werden die Mitarbeiter sein, wie die Kinder mich aufnehmen, wie gesund bleiben? Doch bei diesem gro&#223;artigen Gef&#252;hl, diesem kindlichem Gl&#252;ck, bleibt all das beim Flughafen liegen, wie ein vergessenes Gep&#228;ckst&#252;ck.</p>
<p>Das gleiche Gef&#252;hl versp&#252;re ich 4 Wochen sp&#228;ter noch einmal, als ich Jonas zum Flughafen begleite. Nur steht diesmal nicht Jonas neben mir (der l&#228;sst es sich nicht nehmen bei seiner letzten Fahrt selber das Steuer zu &#252;bernehmen), sondern Alain, ein ehemaliges AMPO-Kind. Zusammen mit den Kindern baut und erweckt er die Marionetten zum Leben. Ja, dieser Platz auf dem Pick-up &#228;hnelt doch sehr dem einer Galionsfigur auf einem gro&#223;en Segler. Es wird mir klar, dass ich die Wellen schneide und alleine ins Unbekannte sto&#223;e, alleine zurechtkommen muss, alleine Arbeiten, mich in Ouaga zurechtfinden und Verantwortung &#252;bernehmen muss. Schaffe ich das? Wie kann ich eigene Wege gehen, mich auch von meinem Vorg&#228;nger absetzen? Wie m&#246;glichst Vorteilhaft da stehen oder einfach mal versuchen, schlicht und ergreifend &#8220;Lukas, er-selber zu sein&#8221; ?</p>
<p>Wie ich die Sorgen diesmal hinter mir lasse, bleibt f&#252;r mich r&#228;tselhaft. Vielleicht habe ich schon ein wenig von den Burkinabé gelernt: Gelassenheit tut gut, Vertrauen tut gut. Es wird schon&#8230; vielleicht ist es auch ein St&#252;ck weit Erkenntnis, dass ich immer jemanden bei AMPO haben werde, dem ich mich anvertrauen kann.</p>
<p>Dabei hat Katrin mich heute Morgen doch noch gefragt, ob ich Angst davor habe, jetzt alleine die Ziviaufgaben bei AMPO zu &#252;bernehmen. Im Vertrauen und ohne gro&#223;e Umschweife habe ich gesagt, was ich f&#252;hle: Ja, Klar habe ich Angst davor. Und dann haben wir beide gelacht. Sie, weil ich nicht der erste Zivi bin und ich, ich wei&#223; nicht. Mit Katrin kann man gut lachen. Ich sehe gerne in ihre Augen, in denen ein kraftvolles Feuer lodert. Es tut gut, mit jemanden einfach mal so ein paar Worte auf deutsch zu wechseln, einen R&#252;ckhalt haben zu k&#246;nnen, wenn die neuen Eindr&#252;cke zu viel werden und die ungeschriebenen Regeln des Gastlandes noch nicht ganz verstanden wurden oder zu tr&#246;sten, wenn der Maler einmal mehr die Theorie des gr&#246;&#223;er werdenden Chaos plastisch unter Beweis gestellt hat. Irgendwie habe ich das Gef&#252;hl, Katrin schon l&#228;nger als diese 4 Wochen zu kennen. Vielleicht kommt mir das so vor, weil ich durch meine eigene Mutter viel Erfahrung besitze mit dieser explosiven Mischung aus Energie, norddeutschem Pflichtbewusstsein und sehr viel Freude am Detail!</p>
<p>Heute habe ich zum Abschluss eines besonders hei&#223;en Tages den K&#252;hlschrank meiner kleinen Wohnung angeschlossen. Irgendwie in Vorfreude auf den gek&#252;hlten Fr&#252;chtetee an hei&#223;en Tagen, irgendwie mit einem komischen Geizgef&#252;hl, steigt die Stromrechnung mit diesem Energiefresser doch deutlich an. Auch weil ein K&#252;hlschrank hier Manifestation von Luxus ist. Ich m&#246;chte nicht wissen, wie viele Monate ein Nachtw&#228;chter daf&#252;r arbeiten m&#252;sste. Aber die eisgek&#252;hlte Schokolade wirkt wie eine Droge, l&#228;sst den Gedanken an die st&#228;ndige, allumgebende Armut f&#252;r einen Moment fast erfolgreich verdr&#228;ngen. Doch da ist es wieder, dieses unbestimmte Gef&#252;hl, dass ich nur Zuschauer bleiben k&#246;nnte. Ich suche schnell, fast fieberhaft in meinen Gedanken nach Szenen die mich beruhigen k&#246;nnten, lasse den Tagesablauf revue passieren und werde zufriedenstellend f&#252;ndig: Da war heute der Kirchgang; bin mit vielen AMPO-Kindern gegangen. Welch ein Erlebnis zu erfahren, was Glauben hier bedeutet! Morgens um 9 Uhr (Die Priester haben schon 2 Messen hinter sich, um 5 und um 7) bei 35 Grad, wenn die Kirche gerammelt voll ist und daher ein gro&#223;er Rest der Kirchg&#228;nger drau&#223;en bleibt. Undenkbar, dass es jemandem einfallen k&#246;nnte, entt&#228;uscht wieder nach Hause zu gehen.</p>
<p>Unter den AMPO-Mitarbeitern und Kindern war &#252;brigens schon so etwas wie Erstaunen, fast Freude dar&#252;ber, dass ich zur Messe gehe. Seit langem mal wieder ein AMPO-Zivi, der &#8220;croyant&#8221;, also gl&#228;ubig ist. Ob Muslim oder Christ, ist in diesem, in Bezug auf Religion, wunderbar toleranten Land nicht wirklich von Bedeutung. Wunderbar tolerant, mit einer kleinen Ausnahme: Atheismus st&#246;&#223;t auf Unverst&#228;ndnis und Ablehnung. So bleibt mir doch einiges erspart, keine heiklen Diskussionen, keine Verst&#228;ndnislosigkeit dar&#252;ber, dass es auch Menschen gibt, die eben nicht an Gott glauben. Stattdessen erinnere ich mich an das, was mir mein Onkel, ein M&#246;nch, vor meiner Abreise erz&#228;hlt hat: &#8220;F&#252;r die wirklich &#220;berzeugten ist ein Mensch, der nicht an Gott glaubt, wie ein Fisch, der das Wasser verneint.&#8221; &#8211; Ich lasse diesen Satz im Kreise der AMPO-Kollegen fallen, zustimmende Rede folgte&#8230;</p>
<p>Ja, und jetzt sitze ich hier immer noch, mir gegen&#252;ber die Fotowand mit den Bildern meiner Liebsten aus Deutschland. Ich wollte nicht darauf verzichten sie mitzunehmen. Innerhalb der n&#228;chsten Viertelstunde wird es stockdunkel sein, denn in Burkina l&#228;uft die wundersch&#246;ne Tageszeit der D&#228;mmerung wie im Zeitraffer ab. Inzwischen laufen auch nicht mehr Bachs &#8220;Goldbergvariationen&#8221;, sondern Ali Farka Toures &#8220;Goydiotodam&#8221;&#8230;</p>
<p>Bis zum n&#228;chsten Mal, und dann mehr, viel mehr von AMPO, den Kindern und Dingen, die mich hier jedesmal aufs Neue verzaubern oder erschrecken.</p>
<p>Herzliche Gr&#252;&#223;e<br />
Ihr Lukas Terwitte</p>
<p>PS: Wenn Sie interessiert sind, dann lade ich Sie herzlich ein, unter <a title="Weiter zum fotoalbum auf Flickr" href="www.flickr.com/photos/lukasinafrika" target="_blank">www.flickr.com/photos/lukasinafrika</a> Fotos von meiner Zeit hier in Ouaga zu betrachten.</p>
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		<title>Zivi-Rundbrief Nr. eins&#8230; von Lukas Terwitte</title>
		<link>http://www.sahel.de/2008/08/11/zivi-rundbrief-nr-eins-von-lukas-terwitte</link>
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		<pubDate>Sun, 10 Aug 2008 23:49:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Henkenius</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Liebe AMPO-Freunde,
mein Name ist Lukas Terwitte. Anfang August habe ich die Nachfolge von Jonas Lanz, dem aktuellen AMPO-Zivi, angetreten. Bis zu seiner Abreise im September wird er mich einarbeiten und mir alle wichtigen Dinge bei AMPO und in Ouagadougou zeigen.
Zun&#228;chst m&#246;chte Ich mich Ihnen kurz vorstellen, damit sie ein ungef&#228;hres Bild haben, wer f&#252;r Sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe AMPO-Freunde,<br />
mein Name ist Lukas Terwitte. Anfang August habe ich die Nachfolge von Jonas Lanz, dem aktuellen AMPO-Zivi, angetreten. Bis zu seiner Abreise im September wird er mich einarbeiten und mir alle wichtigen Dinge bei AMPO und in Ouagadougou zeigen.</p>
<p>Zun&#228;chst m&#246;chte Ich mich Ihnen kurz vorstellen, damit sie ein ungef&#228;hres Bild haben, wer f&#252;r Sie in den n&#228;chsten 13 Monaten den Zivi-Rundbrief schreibt: </p>
<p><span id="more-509"></span><br />
Geboren wurde ich in Kiel und bin dort mit meinen 3 Br&#252;dern aufgewachsen. Meine Freizeit widme ich der Musik, spiele Klarinette sowie Gitarre und singe im Chor. Ebenso gerne leite ich die Kindergruppe meiner Kirchengemeinde. Mit 19 habe ich in diesem Jahr mein Abitur an einer Kieler Gesamtschule gemeistert und freue mich nun darauf, all meine Energie in mein n&#228;chstes gro&#223;es Projekt zu investieren: AMPO! Wie kam es dazu?</p>
<p>Nach meiner Interrail-Reise im Sommer 2007 versp&#252;rte ich verst&#228;rkt den Wunsch, f&#252;r l&#228;ngere Zeit im Ausland zu leben. Zeitgleich wurde ich als „wehrdiensttauglich“ eingestuft und es war klar, dass ich mit einem „Anderen Dienst im Ausland“ das N&#252;tzliche mit dem Notwendigen verbinden k&#246;nnte. Eine Recherche im Internet und einen Vortrag von Katrin in Bremen sp&#228;ter stand f&#252;r mich fest: Ich muss zu AMPO, unbedingt! Timo und Eric, welche das Auswahlverfahren geleitet haben, m&#252;ssen einen &#228;hnlichen Eindruck gehabt haben und so bekam ich im Februar die Zusage f&#252;r das „wohl beste, aber auch h&#228;rteste Jahr meines Lebens“ (Zitat von einem meiner Vorg&#228;nger). Bis zu meiner Abreise aus Deutschland stand allerdings noch so einiges auf dem Programm: Ein Sahel-internes Vorbereitungswochenende Anfang M&#228;rz in Marburg, zusammen mit neuen und alten Praktikanten sowie Zivi-Vorg&#228;ngern. Auf diesem Seminar ging es darum, mehr &#252;ber AMPO zu erfahren, &#252;ber Strukturen, &#252;ber Richtlinien vor Ort und auch &#252;ber Burkina Faso im Allgemeinen. Das Treffen war nicht zuletzt auch deswegen sehr sch&#246;n, weil abends genug Zeit blieb alten „AMPO-Geschichten“ zu lauschen oder einfach mal &#252;ber ganz andere Dinge zu reden. Diese Ablenkung von meinem Abiturstress tat gut, immerhin stand 2 Tage sp&#228;ter die erste Klausur an. Zus&#228;tzlich zu den notwendigen Vorbereitungen wie dem Buchen eines Fluges (One Way – ein gutes Gef&#252;hl), dem Impfen (Tetanus, Polio, Tollwut, Gelbfieber, Typhus, Cholera, &#8230; Ich glaube, zu einem gewissen Zeitpunkt meiner Vorbereitung bestand ich mehr oder weniger nur noch aus Einstichl&#246;chern und Impfstoff) und der Beschaffung meines Visums kam ich in den Genuss eines 10-t&#228;gigen Vorbereitungsseminars in K&#246;ln. Auf diesem Seminar wurde ich zusammen mit anderen Gleichaltrigen auf mein Auslandsjahr vorbereitet. Programmpunkte waren unter anderem Einheiten in interkultureller Kommunikation, ein Vortrag eines Tropenmediziners und Kleingruppenarbeiten, in denen es vor allem um die &#220;berpr&#252;fung der eigenen Motivation und Erwartung ging. Ganz besonders erfreulich war es, Jan und Nils dort kennen zu lernen. Mit einem Verein namens SEWA (Solar-Energie f&#252;r Westafrika) gehen die beiden f&#252;r ihren „Anderen Dienst im Ausland“ ebenfalls nach Ouaga. Traditionell unternehmen die AMPO- und SEWA-Zivis viel miteinander und unterst&#252;tzen sich gegenseitig. Wenn mich der erste Eindruck nicht komplett t&#228;uscht, wird das zwischen uns „Ouaga-Boys“ in diesem Jahr nicht anders sein. Daf&#252;r bin ich den Beiden schon im voraus dankbar.</p>
<p>Nach diesem Seminar Ende Juli gehe ich gest&#228;rkt und mit einem zus&#228;tzlichen Motivationsschub in die letzte und schwierigste Phase meiner Vorbereitung, dem Abschiednehmen. Es f&#228;llt mir nicht leicht meine gewohnte Umgebung, meine Familie, meine Freundin und meine Freunde in Deutschland zu lassen. Also den Gro&#223;teil dessen, was mir Kraft gibt und worauf ich bisher vertraut habe. Im Grunde genommen geht ein Lebensabschnitt zu Ende und ein neuer beginnt &#8211; traurigsch&#246;n. Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.</p>
<p>In diesem Sinne freue ich mich darauf Ihnen in wenigen Tagen von meiner Ankunft in Afrika und meinen ersten Eindr&#252;cken zu berichten.</p>
<p>Herzliche Gr&#252;&#223;e ihr<br />
Lukas Terwitte</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Zivi-Rundbrief f&#252;r Juni 2008</title>
		<link>http://www.sahel.de/2008/08/01/zivi-rundbrief-fuer-juni-2008</link>
		<comments>http://www.sahel.de/2008/08/01/zivi-rundbrief-fuer-juni-2008#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 01 Aug 2008 11:13:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Dirk Henkenius</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivi-Rundbrief]]></category>
		<category><![CDATA[Burkina Faso]]></category>
		<category><![CDATA[Ouagadougou]]></category>
		<category><![CDATA[Projekt]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>
		<category><![CDATA[Waisenhaus]]></category>

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		<description><![CDATA[Bericht Nr. 6
&#160;
Es prasselt und rauscht, flie&#223;t und windet, dr&#246;hnt und donnert. T&#252;ren schlagen, schemenhafte Gestalten rennen geduckt durch Wasserw&#228;nde. Aus Stra&#223;en werden Rinnsale, dann B&#228;che und schlie&#223;lich umflie&#223;en brodelnde Fl&#252;sse die Mauern und H&#228;user. Der Geruch der feuchten Luft gleicht dem von Rohbauten und nach langer Zeit ist die Temperatur wieder unter 30 Grad [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="justify"><strong><font face="Arial, sans-serif">Bericht Nr. 6</font></strong></p>
<p align="justify">&nbsp;</p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Es prasselt und rauscht, flie&#223;t und windet, dr&#246;hnt und donnert. T&#252;ren schlagen, schemenhafte Gestalten rennen geduckt durch Wasserw&#228;nde. Aus Stra&#223;en werden Rinnsale, dann B&#228;che und schlie&#223;lich umflie&#223;en brodelnde Fl&#252;sse die Mauern und H&#228;user. Der Geruch der feuchten Luft gleicht dem von Rohbauten und nach langer Zeit ist die Temperatur wieder unter 30 Grad gesunken. Durch Staubwinde und schwarzen Himmel angek&#252;ndigt, bricht nach mehr als acht Monaten der erste richtige Regen &#252;ber Ouagadougou herein. Welch eine Erleichterung f&#252;r die staubbedeckten Pflanzen, welch Segen f&#252;r die ausgetrocknete Landschaft. Die Lunge protestiert auch bei tiefem Luftholen nicht mehr und das Auge erfreut sich an frischem Gr&#252;n.</font><span id="more-383"></span></p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Bedingt durch den Regen l&#228;sst auch endlich die Hitze nach. Mehr als 45°C im Schatten bei stehender Luft lie&#223;en die ganze Stadt ein paar Takte herunter schalten. Sogar „Cowboy“, der AMPO-Wachhund, verlegte seinen Lieblingsplatz in Johns und mein B&#252;ro, da in unserem B&#252;ro immerhin ein Ventilator die hei&#223;e Luft umeinander schaufelt. </font></p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Schaufeln m&#252;ssen auch die Arbeiter f&#252;r das erste und bisher einzige „Autobahn Kreuz“ in Burkina Faso, welches eigentlich schon im April h&#228;tte fertig sein sollen. Vor den Toren von „Ouaga 2000“ (siehe Bericht 2) verbindet es auf prestigetr&#228;chtige Weise die Ausfallstra&#223;e in Richtung Ghana mit der Allee zum Pr&#228;sidentenpalast und dem „Circulair“, der gro&#223;en Kreisstra&#223;e von Ouaga. Trotz der offensichtlichen Verschwendung von Geldern findet dieses Projekt auch Zuspruch, hat ja Ouaga jetzt auch die erste und bisher einzige Br&#252;cke mit darunter laufender Stra&#223;e und sogar Beleuchtung in ganz Burkina. Da im Benutzen solch komplexer Verkehrsbauten ungewohnt, wird &#252;ber das Fernsehen und in Zeitungen in ansprechenden Animationen und Bildern aufgekl&#228;rt, wie man dieses Monument zu nutzen hat, welche Abzweigungen wo hin f&#252;hren. </font></p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Fernsehen, eine relativ beliebte Freizeitbesch&#228;ftigung in d</font><font face="Arial, sans-serif">er Welt, ist ja e</font><font face="Arial, sans-serif">her eine passive Sache. Man sitzt vor der Kiste, schaut gebannt auf die bewegten Bilder und ab und zu springen alle auf, wenn ein Tor f&#228;llt </font><font face="Arial, sans-serif">beispielsweise oder der S</font><font face="Arial, sans-serif">chiedsrichter unfair pfeift – wow! Bei AMPO hatten wir nun das Gl&#252;ck, einmal auf die andre Seite der Mattscheibe zu gelangen, mit einem Auftritt bei „Planet Enfant“ (Planet der Kinder). Diese Sendung l&#228;dt einmal die Woche Schulen, Waisenh&#228;user oder &#228;hnliche Einrichtungen ins Studio, wo dann immer nach gleichem Schema getanzt, geschauspielert und geredet wird. So wurden in den Wochen vor der Sendung eifrig T&#228;nze und Sketsche einstudiert, Kost&#252;me gen&#228;ht und Text gelernt. Kurz vor dem gro&#223;en Tag bekamen Kleider und Schuhe eine besonders gr&#252;ndliche W&#228;sche und die Frisuren wurden noch kunstvoller als gew&#246;hnlich. </font></p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Wir hatten zwar keine Gelegenheit vor dem Auftritt im Studio zu &#252;ben, dennoch lief die Sendung bis auf kleinere Aussetzer super. Von traditionellem Tanz &#252;ber Appelle gegen Aids und Aufkl&#228;rungsst&#252;cke bis Hip Hop und einer Modeshow war alles dabei. Selbst die kleinen Kinder aus dem Hause MIA (ein Heim f&#252;r versto&#223;ene schwangere M&#228;dchen und junge aidskranke M&#252;tter) waren singend</font><font face="Arial, sans-serif"> am Geschehen</font><font face="Arial, sans-serif"> beteiligt. Nach gut zwei Stunden war dann alles im Kasten und mit dem Gef&#252;hl, einen guten Auftritt hingelegt zu haben,</font><font face="Arial, sans-serif"> hie&#223; es ab i</font><font face="Arial, sans-serif">n die Vehikel und nach Hause. </font></p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Anscheinend war er aber nicht so ganz toll gewesen, jedenfalls wurden wir nochmal ins Studio gebeten, die Sendung wurde wiederholt. Also wieder die gleiche Prozedur, wenn auch mit deutlich weniger Elan und inzwischen abgebr&#252;ht von unserer reichhaltigen Erfahrung. Subjektiv betrachtet lief es dann auch schlechter als beim </font><font face="Arial, sans-serif">ersten Mal, </font><font face="Arial, sans-serif">lag es an der mickrigen </font><font face="Arial, sans-serif">Musikanlage, die</font><font face="Arial, sans-serif"> bei den T&#228;nzen kein Feeling aufkommen lie&#223;, oder vielleicht an den h&#228;ufigen Unterbrechungen (u.a. war das Band zu kurz)? Jedenfalls stiegen wir </font><font face="Arial, sans-serif">dieses Mal</font><font face="Arial, sans-serif"> nach mehr als f&#252;nf Stunden m&#252;de und eher ern&#252;chtert in die Autos. </font></p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">W&#228;hrend in Europa bei vielen wohl keine gr&#246;&#223;erer Wunsch besteht als ins Fernsehen zu kommen (siehe DSDS, Germanies Next Topmodel und so ein Kram) nahmen die Kinder ihren Auftritt eher gelassen, als er gesendet wurde, blieben manche lieber bei ihrem Fu&#223;ballspiel oder gar auf ihren Schlafmatten. </font></p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Das Teuerungsproblem, inzwischen auch im europ&#228;ischen Bewusstsein angekommen, ist hier gravierend. Ab einem gewissen Einkommen m&#252;ssen manche Familien drei Viertel ihres Einkommens f&#252;r Essen ausgeben. DREI VIERTEL. Hier ein paar Beispiele f&#252;r die Steigerungen:</font></p>
<p align="justify">
<table border="0" cellpadding="0" cellspacing="0" width="100%">
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><strong><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Produkt</font></font></strong></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><strong><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Preis 			Mitte 2007</font></font></strong></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><strong><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Preis 			Mai 2008</font></font></strong></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><strong><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Grundnahrungsmittel</font></font></strong></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"></td>
<td width="25%">
<p align="justify"></td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Reis 			(aus Thailand oder Vietnam) 1kg</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,38 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,68 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Reis 			(aus Burkina) 1kg</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,60 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,90 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Mais 			1kg</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,15 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,20 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Maniok 			1kg</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,20 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,28 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Maismehl 			(f&#252;r das Nationalgericht Tô) 1kg</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,30 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,38 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Weizenmehl</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,53 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">1,13 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Kartoffeln 			1kg </font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,60 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,90 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><strong><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Gem&#252;se</font></font></strong></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"></td>
<td width="25%">
<p align="justify"></td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Bohnen 			(f&#252;r das Nationalgericht Benga) 1kg</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,30 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,40 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Gr&#252;ne 			Bohnen 1kg</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,60 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,90 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Auberginen 			1kg</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,30 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,45 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Tomaten 			1kg</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,08 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,20 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Zwiebeln 			1kg</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,15 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,28 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><strong><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Fleisch/Fisch</font></font></strong></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"></td>
<td width="25%">
<p align="justify"></td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Fleisch 			(Rind und Lamm) 1kg</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">2,63€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">3,38 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Fisch 			1kg</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,90 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">1,35 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><strong><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Sonstiges</font></font></strong></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"></td>
<td width="25%">
<p align="justify"></td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Wasser 			(Zum Trinken, Kochen, Waschen und Putzen) 100l</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,45 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,75 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Spaghetti 			250g-Packung</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,19 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,38 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">&#214;l 			1l</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,90 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">1,50 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Salz 			1kg</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,15 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,38 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Petroleum 			(f&#252;r das einzige Licht) 1l</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,83€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">1,13 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">Seife 			St&#252;ck</font></font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,45 			€</font></font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font color="#000000"><font face="Arial, sans-serif">0,83 			€</font></font></p>
</td>
</tr>
<tr>
<td width="47%">
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Holz 1kg</font></p>
</td>
<td width="28%">
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">0,07 €</font></p>
</td>
<td width="25%">
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">0,09 €</font></p>
</td>
</tr>
</table>
<p align="justify">
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Eine durchschnittliche burkinische Familie hat im Jahr ca. 250 bis </font><font face="Arial, sans-serif">350 Euro zur Verf&#252;gung</font><font face="Arial, sans-serif">. Eine burkinische Frau bekommt durchschnittlich sieben Kinder, es m&#252;ssen also (ohne die Gro&#223;eltern mit einzurechnen) </font><font face="Arial, sans-serif">neun Menschen </font><font face="Arial, sans-serif">mit weniger als einem Euro </font><font face="Arial, sans-serif">pro Tag </font><font face="Arial, sans-serif">auskommen. Dazu kommt eine Erh&#246;hung der Schulgeb&#252;hren um 15% im vergangenen Jahr. Wenn eine Familie ihre Kinder zumindest einige Jahr auf die Schule schicken kann, damit diese lesen und schreiben lernen, ist das schon ein wirkliches Gl&#252;ck. </font></p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Dennoch gibt es auch in Ouagadougou eine Universit&#228;t mit ca. </font><font face="Arial, sans-serif">35.000 Studierenden</font><font face="Arial, sans-serif">, darunter auch etwa 200 Deutschstudenten. (Warum jemand in Burkina deutsch </font><font face="Arial, sans-serif">studiert mit</font><font face="Arial, sans-serif"> den zwei </font><font face="Arial, sans-serif">M&#246;glichkeiten,</font><font face="Arial, sans-serif"> entweder Lehrer zu werden oder nach Europa zu </font><font face="Arial, sans-serif">kommen, sei </font><font face="Arial, sans-serif">dahingestellt, vielleicht </font><font face="Arial, sans-serif">aus Liebe</font><font face="Arial, sans-serif"> an der deutschen Grammatik?) </font></p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Jedenfalls ist es in Burkina nicht gerade </font><font face="Arial, sans-serif">leicht, an</font><font face="Arial, sans-serif"> deutsche Literatur zu kommen und so gibt es jedes Jahr einen B&#252;chertisch in der </font><font face="Arial, sans-serif">Universit&#228;t, wo</font><font face="Arial, sans-serif"> wir zu Gunsten</font><font face="Arial, sans-serif"> von Babyoperationen</font><font face="Arial, sans-serif"><strong> </strong></font><font face="Arial, sans-serif">die B&#252;cher f&#252;r wenig Geld an die Studenten verkaufen (AMPO finanziert etwa f&#252;nf bis sechs Operationen f&#252;r Babys pro Monat, durch den B&#252;chertisch kommt noch eine hinzu).</font></p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Um dem Stadtleben samt Staub und L&#228;rm zu entfliehen, standen f&#252;r Hannes und mich wieder einmal einige Tage Tond Tenga (die AMPO Farm/Internat) auf dem Programm. Auf TT steht seit neuestem ein &#252;beraus gro&#223;z&#252;giges Geschenk der Evers-Stiftung, ein Wasserturm mit einer Kapazit&#228;t von 17.000 Litern und etwa 15m H&#246;he. Die Spitze dieses silbernen Dreibeins ist vor allem in den Abendstunden ein super Aussichtspunkt, von sanften Winden umweht reicht der Blick &#252;ber ganz Ouaga. </font></p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Und Ouaga ist gro&#223;. Am Tage gleicht Ouaga einer riesigen Am&#246;be, die ihre Pseudopodien in die Landschaft streckt und St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck die baumbesetzte Savanne verschlingt. Bei Nacht hingegen &#228;hnelt Ouaga eher einer Kleinstadt, da nur die wenigsten Viertel und Stra&#223;en beleuchtet sind. Da irgendwann auch Ouagagucken</font><font face="Arial, sans-serif"><strong> </strong></font><font face="Arial, sans-serif">an Reiz</font><font face="Arial, sans-serif"> verliert, machten wir uns mit den Jungs von TT an die Vorbereitung zum Maispflanzen. In Europa w&#252;rde man jetzt an Traktor, Pflug und Egge denken, hier aber l&#228;uft </font><font face="Arial, sans-serif">das Ganze</font><font face="Arial, sans-serif"> ein bisschen anders. F&#252;r jeden Samen wird mit einer kleinen Hacke ein eigenes Loch gegraben, mit Kompost gef&#252;llt und wieder mit Erde bedeckt. Sobald der Kompost in die Erde eingebracht ist, graben Termiten G&#228;nge zu der f&#252;r sie &#252;beraus verlockenden Nahrung und bewirken zweierlei. Zum einen lockern die G&#228;nge die Erde und erleichtern so Wasser und Wurzeln das Eindringen. Zum anderen sind ihre Ausscheidungen ein wertvoller Beitrag f&#252;r die Qualit&#228;t des Bodens. Reihe um Reihe wird so stundenlang mit gebeugtem R&#252;cken unter der brennenden Sonne gescharrt und geschaufelt, bis das ganze Feld mit kleinen Dellen &#252;berzogen ist. Mit dem Beginn der Regenzeit wird dann die wertvolle Saat gepflanzt und mit Gl&#252;ck w&#228;chst aus jeder Grube eine Pflanze. </font></p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Warum diese Technik der Feldvorbereitung auch heute noch beibehalten </font><font face="Arial, sans-serif">wird, hat </font><font face="Arial, sans-serif">viele Gr&#252;nde (Boden vielleicht zu hart f&#252;r Hand- oder Tierpflug, sicherere Erfolgsaussichten bei individuellen Pflanzl&#246;chern, Bodenschonung), aber soll es wirklich keine andre M&#246;glichkeit geben? Wer wei&#223;, vielleicht kommt Ihnen oder mir ja irgendwann eine z&#252;ndende Idee.</font></p>
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">In diesem Sinne w&#252;nsche ich Ihnen eine sch&#246;nen </font><font face="Arial, sans-serif">Sommerbeginn</font><font face="Arial, sans-serif">, viele liebe Gr&#252;&#223;e aus Ouaga</font></p>
<p align="justify">
<p align="justify"><font face="Arial, sans-serif">Jonas</font></p>
<p align="justify">
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		<title>Zivirundbrief im M&#228;rz 2008</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Mar 2008 20:01:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Lanz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivi-Rundbrief]]></category>
		<category><![CDATA[Zivildienst]]></category>

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		<description><![CDATA[Bericht Nummer 5 
Liebe Freunde und Verwandte, liebe Spenderinnen und Spender 
Weihnachten, das Fest der Familie, mit ca. 400 Menschen bei &#252;ber 25°C, einem Eselkarren f&#252;r den Weihnachtsmann und nach der Feier unter anderem Hip Hop? Nicht nur f&#252;r meinen Familienbesuch aus Deutschland eine interessante Erfahrung. Der Kontrast zwischen von Kerzenlicht beschienenen „Oh- Tannenbaum“ singenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bericht Nummer 5 </p>
<p>Liebe Freunde und Verwandte, liebe Spenderinnen und Spender </p>
<p>Weihnachten, das Fest der Familie, mit ca. 400 Menschen bei &#252;ber 25°C, einem Eselkarren f&#252;r den Weihnachtsmann und nach der Feier unter anderem Hip Hop? Nicht nur f&#252;r meinen Familienbesuch aus Deutschland eine interessante Erfahrung. Der Kontrast zwischen von Kerzenlicht beschienenen „Oh- Tannenbaum“ singenden Kindern, die danach Break-dancen war einfach kurios. Zwar steckte der Container mit den Geschenken aus Deutschland noch im Zoll fest und der Weihnachtsmann hatte „nur“ T-Shirts und S&#252;&#223;igkeiten zu vergeben, gl&#252;cklichere Weihnachtskinder habe ich aber bisher nicht erlebt.<br />
<span id="more-323"></span><br />
Dieses Fest setzte aber auch neben der t&#228;glichen Arbeit eine umfangreiche Vorbereitung voraus, und mein st&#228;ndiges Pendeln zwischen meiner Familie und DER Familie forderte seinen Tribut, Malaria und eine Ohrenentz&#252;dung waren die Folge. Trotzdem ging es anschlie&#223;end mit meiner Familie in Urlaub nach S&#252;den, Ghana versprach Erholung am Strand. Erholung war schlussendlich aber f&#252;r alle Reisenden angesagt, 35 Stunden dauerte unsere Hinfahrt mit Bussen, Tro Tros (Kleinbusse, die mit bis zu 16 Passagieren voll gestopft werden) und Taxi. </p>
<p>Die Reisegesellschaft der Wahl in Bezug auf Sicherheit, P&#252;nktlichkeit und Komfort ist STC, ein ehemaliges ghanaisches Staatsunternehmen. Leider hatte uns niemand vor der penetranten Radioberieselung und den uns&#228;glichen Filmen in den Bussen gewarnt, die selbst das burkinische Fernsehprogramm (&#228;u&#223;erst beliebt: schlecht synchronisierte s&#252;damerikanische Telenovelas) in den Schatten stellte. Der Inhalt reichte &#252;ber den erhobenen Zeigefinger bis zu Diffamierung von Tradition, finanziert von christlichen Sekten, die hier ihre „Werte“ unters Volk bringen. Huh! </p>
<p>Erleichterung also auf allen Gesichtern, als wir endlich unseren Strand erblickten. Und was f&#252;r ein Strand! Zwar war das Meer durch den Harmattan (Staubwind aus der Sahara) etwas br&#228;unlich, aber der Rest vom Klischee stimmte. Wei&#223;er Strand, Palmen, die Fischer mit ihren pittoresken Booten, sensationelle Sonnenunterg&#228;nge und das Ganze mit frischen Kokosn&#252;ssen genossen, wow! Gigantisch der Kontrast zwischen der verstaubten, abgasgeschw&#228;ngerten Luft aus Ouaga und der sanften Brise hier. Statt H&#228;user oder kahler B&#252;sche eine Umgebung von gr&#252;nen Pflanzen, Regenwald. Statt des Verkehrsl&#228;rms das Rauschen der Wellen. </p>
<p>An diesen Unterschieden wurde aber wieder einmal deutlich, aus welchen Verh&#228;ltnissen wir eigentlich stammen. Zwar ist auch Ghana kein reiches Land, aber Burkina steht nicht zu unrecht auf dem zweitletzten Platz des HDI (Human Developpment Index, er ber&#252;cksichtigt Dinge wie Bildung, medizinische Versorgung, Ressourcen, Einkommen&#8230;). Und dann wir. Urlauber in der „Touristenanlage“,  die sich kaum ein Einheimischer leisten kann, &#252;berhaupt ist Urlaub f&#252;r viele ein Ding der Unm&#246;glichkeit. Dennoch genoss ich diese 10 Tage Strand und Regenwald wie kaum einen anderen Urlaub davor. Da wir nicht die ganze Zeit am Strand verbringen konnten, unternahmen wir eine Tour auf dem Ankobra-River. Mit unseren Einb&#228;umen ging es unter den Luftwurzeln von Mangroven dahin, im Uferschlamm hunderte schwarze Krabben, beschienen vom gr&#252;nlichen Licht zwischen den Bl&#228;ttern, leises Gluckern und andere unbekannte Ger&#228;usche ringsherum, dazu ein Halt an einer selbstkonstruierten Destille f&#252;r Kokosschnaps, Dschungel eben. </p>
<p>So vergingen drei interessante und sch&#246;ne Wochen mit meiner Familie. Es war schon etwas ganz Besonderes, nach so langer Zeit meine Mutter und meinen Bruder wieder um mich zu haben. </p>
<p>In Ouaga stand die Zeit aber auch nicht still und f&#252;r AMPO r&#252;ckte ein gro&#223;er Tag heran, die Er&#246;ffnung von Haus ALMA. Finanziert von der Familie Trienekens entstand ein weiteres, bitter ben&#246;tigtes Heim f&#252;r M&#228;dchen/Frauen in schwierigen Situationen, was hier soviel hei&#223;t wie ohne Ehemann schwanger, leben mit HIV/Aids, von der Familie versto&#223;en&#8230; In Haus ALMA werden die M&#228;dchen mit ihren Kindern betreut und versorgt, sie erhalten eine Ausbildung und im Falle einer HIV/Aidserkrankung auch antiretrovirale Medikamente. </p>
<p>Zwar dauerte die eigentliche Feier unter der Schirmherrschaft des deutschen Botschafters nur ca. zwei Stunden, aber die Organisation hierzu hielt AMPO mehr als zwei Wochen im Griff. Da m&#252;ssen Einladungen designt, gedruckt, kontrolliert und nochmal gedruckt werden, Listen mit potentiellen G&#228;sten erstellt und erfragt werden, ob die Leute &#252;berhaupt kommen; es m&#252;ssen St&#252;hle und ein Zelt gemietet, die Mikrophonanlage bestellt und aufgebaut werden. Das Protokoll muss stimmen, an die Sitze geh&#246;ren Namensschildchen, wobei nie sicher ist ob z.B. der Minister XY vielleicht noch Begleiter mitbringt. Die Presse braucht einen &#220;bersichtsplan und das Fernsehen wird bestellt. Einige Leute m&#252;ssen abgeholt und zu ALMA gekarrt werden, das musikalische Programm muss stimmen, das Buffet und die Getr&#228;nke bestellt und aufgebaut sein, bla bla bla. F&#252;r mich als Zivi haben derartige Anl&#228;sse dennoch auch eine interessante Seite, sind wohl selten die Wege so kurz wie in Burkina (wenn man das Gl&#252;ck hat bei AMPO zu arbeiten). Da plaudert man mit dem Botschafter, begr&#252;&#223;t VIPs aus Burkina und anderen L&#228;ndern, bekommt eine Einladung zum Besuch von unserem Au&#223;enminister Frank Walter Steinmeier, der f&#252;r ganze sechs Stunden Burkina besuchen wird und genie&#223;t nebenbei die leckeren H&#228;ppchen unseres K&#252;chenteams. </p>
<p>Das Treffen mit dem Minister musste ich leider absagen, das Zwischenseminar stand vor der T&#252;r. Zu dem „Anderen Dienst im Ausland“, wie sich mein Zivildienst nennt, geh&#246;ren ua. ein Vorbereitungs-, Zwischen- und Abschlussseminar. Organisiert werden diese in meinem Fall von „fid“, einem Anh&#228;ngsel der „AGEH“ (Arbeitsgemeinschaft f&#252;r Entwicklungshilfe). Das Zwischenseminar f&#252;r Westafrika findet traditionell in Ghana statt, so ging es f&#252;r mich zum zweiten mal in Richtung &#196;quator, begleitet von den zwei SEWAs und noch einer Freiwilligen, die fast schon ein Jahr in Ouaga arbeitet. </p>
<p>Diesmal ging es nicht mit STC; STKF versprach uns ans Ziel zu bringen. Nun ja. In diesem Bus gab es f&#252;nf Pl&#228;tze pro Reihe, die Sitze lie&#223;en sich nicht verstellen, manche Fensterscheiben fehlten, und wir mussten dreimal anhalten um den Bus fahrt&#252;chtig zu halten. Interessant war zum Beispiel die Reparatur des Unterbodens mit Hilfe einer eben gef&#228;llten Astgabel&#8230; Immerhin blieben diesmal unsere Ohren und Augen von Radio und Fernsehen  verschont und nach 17 Stunden erreichten wir Kumasi, von wo es dann auch wieder mit Tro Tro und Taxi nach Abetifi, unserem Tagungsort ging. Abetifi ist ein Dorf von ca. 8.000 Einwohnern und liegt idyllisch in den waldbedeckten H&#252;geln am S&#252;d- Westende des Voltasees. </p>
<p>Wir waren bereits ein paar Tage vor Seminarbeginn losgefahren, einerseits um einen Zeitpuffer und andererseits noch Zeit f&#252;r eine Wanderung an den nahen Voltasee (dem von der Oberfl&#228;che her gr&#246;&#223;ten Stausee der Welt) zu haben. Nach einer entspannten Nacht und leckerer Verk&#246;stigung packten wir Moskitodome (eine Art Zelt), eine Gitarre, Verpflegung und unsere Fotoausr&#252;stung, fuhren in ein nahe gelegenes Dorf und stiefelten los. Entgegen unserer Hoffnungen von schattigen Pfaden f&#252;hrte unser Weg an den See &#252;ber eine kahle Ebene, der man Buschbr&#228;nde und exzessive Rodung deutlich ansah. Kaum ein Baum spendete uns noch Schatten vor der brennenden Sonne, der leichte Staubwind, eine verrostende Pipeline und die Skelette von alten Autos am Wegesrand schufen eine Art Endzeitstimmung. Da kam uns ein Leck in der beschriebenen Leitung gerade Recht, das hervor sprudelnde Wasser hatte eine kleine gr&#252;ne Oase geschaffen. Endlich bekamen wir den See zu Gesicht und machten auf einem Felsblock Pause. Nach kurzer Zeit wurde unsere Ruhe von einem lauter werdenden Prasseln gest&#246;rt, einem Buschfeuer. Die Feuer werden entweder von J&#228;gern gelegt, die Kleinwild aus dem Busch treiben, oder entstehen auf „nat&#252;rlichem“ Wege, z.B. durch weggeworfene Flaschen.  In der Senke unterhalb dieses Blocks und oberhalb des Fischerdorfes am See schlugen wir unser Lager auf. In gerechter Arbeitsteilung ging ein Teil unserer Gruppe hinunter ins Dorf (k&#252;hles!) Bier holen und Jan (ein „Solar-Zivi“ aus Abstifi) und ich schlugen das Lager auf. </p>
<p>Wir hatten nicht genug Isomatten dabei, so f&#252;hrte ich das harte und vertrocknete Gras der Umgebung mit Hilfe eines Taschenmessers und einer gefundenen Machete seiner neuen Bestimmung als Matratze zu. Au&#223;erdem sammelten wir Holz, stellten die Dome auf und bauten eine Feuerstelle. Als wir die Umgebung erkundeten, stie&#223;en wir auf ein weiteres Leck in der Pipeline. Hier erlebten wir einen f&#252;r uns positiven Aspekt von verschleppten Wartungsarbeiten und konnten uns den schwarzen Staub der Umgebung abwaschen. Schlie&#223;lich verbrachten wir einen sch&#246;nen Abend am Lagerfeuer mit Gitarrenkl&#228;ngen und reger Teilname der &#246;rtlichen M&#252;ckenpopulation. In Europa fragt man sich oft, was es hier eigentlich so zu trinken gibt. Der ein oder andere hat schon etwas von „Dolo“, Hirsebier, geh&#246;rt (schmeckt scheu&#223;lich), oder von dem in Plastiks&#228;cken verkauften Wasser. Die Wahrheit ist, in jedem noch so kleinen Dorf, egal wie abgeschieden, gibt es mindestens eine Bude, in der Cola Cola und Fanta verkauft werden, und auch verschiedene Guinness-Biere kann man allerorten antreffen. Am n&#228;chsten Morgen ging es dann schon wieder zur&#252;ck und noch einen Tag sp&#228;ter fing das Seminar an. </p>
<p>Von unseren Vorg&#228;ngern hochgelobt waren wir Ouaga-Leute gespannt auf das Seminar, motiviert, mit Menschen in &#228;hnlichen Situationen Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen, Blicke von Au&#223;en auf unsere Projekte und Situationen zu werfen und allgemein den Horizont zu erweitern. In kleinen Gruppen unter den „Zivis“ lief das auch super, nur von den Leitern waren wir entt&#228;uscht. Menschen ohne wirkliche Afrika- erfahrung auf ein solches Seminar zu schicken r&#228;chte sich, allgemeine p&#228;dagogische Weisheiten waren hier leider gr&#246;&#223;tenteils fehl am Platz. Trotzdem eine sch&#246;ne Zeit, die Hannes, eine „Zivi“ aus dem Seminar und ich mit einem kurzen Badeurlaub am Bosoumtwi-See unterhalb von Kumasi abrundeten. Dieser See entstand vor ca. 1,5 Mio Jahren durch einen Meteoriten und hat die Form eines Kraters. Nur an einer Stelle f&#252;hrt eine Stra&#223;e &#252;ber die umliegenden H&#252;gel zwischen dichtem Dschungel hinunter an den See zu einem Fischerdorf und dann weiter zu einer Bungalow-Anlage, wo wir zwei N&#228;chte verbrachten. Eine Besonderheit des Sees ist der Glaube der ans&#228;ssigen Menschen, dass in diesem See eine Gottheit wohnt, die kein Metall vertr&#228;gt. So waren bis vor wenigen Jahren die einzigen Boote einfache Holzplanken ohne Aufbauten, die mit den H&#228;nden vorw&#228;rts gepaddelt wurden. Selbstversuche auf einem dieser &#228;u&#223;erst wackligen Schwimmk&#246;rper f&#252;hrten beinahe immer zum Kentern.</p>
<p>Schon w&#228;hrend des ganzen Ghanaaufenthaltes war uns der Harmattan bewusst, wie Nebel lag der Staub in der Luft (im Gegensatz zu Ouaga nur f&#252;r das Auge st&#246;rend). Hier am See war es, bedingt durch die Kraterform, besonders auff&#228;llig, das andere Ufer war nicht zu sehen. Nach drei sch&#246;nen Tagen hie&#223; es dann leider Ende der Reise, auf nach Kumasi und Heim. Der Bus sollte um 17 Uhr fahren, wir waren schon ein paar Stunden fr&#252;her da um uns Kumasi noch ein wenig anzuschauen. Kumasi hat den gr&#246;&#223;ten Markt Westafrikas. Auf einer Fl&#228;che von elf Fu&#223;ballfeldern (!) gibt es hier alles Erdenkliche zu kaufen. Von Schuhen aus alten Reifen &#252;ber halbe Ziegen bis zu Handys reichte das Angebot. Aufgebaut ist das ganze in Form von Wellblechverschl&#228;gen, die etwa vier Meter in die H&#246;he reichen und zwischen denen enge G&#228;nge liegen. Hier presst sich eine unglaubliche Menschenmenge hindurch. Was im Falle eines Feuers passieren w&#252;rde, stellt man sich lieber nicht vor.  Zur&#252;ck am Busbahnhof wurde verk&#252;ndet, der Bus kommt erst um halb elf (vor diesem Hintergrund d&#252;rften die Versp&#228;tungen der Deutschen Bundesbahn eher vernachl&#228;ssigbar wirken), also nochmal f&#252;nf Stunden warten. Diese Zeit nutzten wir f&#252;r den<br />
Besuch von Jan, einem Zivi vom Zwischenseminar, der in Kumasi seinen Dienst leistet. Endlich im Bus hie&#223; es leider gleich wieder aussteigen, Panne. Kein Problem, einfach noch eine Stunde gewartet und auf geht es Richtung Grenze. Dort dauerte es dann nochmal 180 Minuten und die Wahrheit l&#228;sst sich nicht mehr verschleiern: Grenzbeamte sind einfach die wichtigsten Personen auf unserer Erde. 37 Stunden dauerte es letztendlich, Ouaga hatte uns wieder und die  auf der Reise gewonnene Erholung  war auch fast wieder dahin. </p>
<p>Durch die Reise entgingen wir immerhin der Hochphase des Harmattan in Ouaga. In dieser Zeit verhindert der allgegenw&#228;rtige Staub Sichtweiten &#252;ber 50 Meter und f&#228;rbt das Duschwasser braun. Langsam merkt man auch wieder die Hitze. Tags&#252;ber erreicht das Thermometer nun wieder mehr als 35°C und meine abendliche Stunde Sport mit Springseil und Klimmzugstange wird noch schwei&#223;treibender als gew&#246;hnlich. Gespannt bin ich auf den April, dann steigen die Temperaturen auf bis zu 47°C &#8211; und das erlebe ich alles freiwillig.</p>
<p>Seit einiger Zeit macht sich auch die in fr&#252;heren Rundbriefen beschriebene schlechte Ernte bemerkbar, die Lebensmittelpreise steigen unaufh&#246;rlich und in der Innenstadt gab es diesbez&#252;glich schon Demonstrationen und Schie&#223;ereien, bei denen leider auch ein Auto von AMPO verbrannt wurde. Ich pers&#246;nlich bekomme davon zum Gl&#252;ck nicht allzuviel mit, es muss sich also diesbez&#252;glich niemand Sorgen um mich machen. Das Gef&#228;hrlichste an Ouaga f&#252;r Ausl&#228;nder ist und bleibt der Verkehr. </p>
<p>Soviel also wieder von mir, wie immer sind Fragen willkommen.<br />
Ich w&#252;nsche allen frohe Ostern und sende liebe Gr&#252;&#223;en aus Ouaga, </p>
<p>Jonas </p>
]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Zivi-Rundbrief f&#252;r Dezember</title>
		<link>http://www.sahel.de/2008/01/06/zivi-rundbrief-fuer-dezember</link>
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		<pubDate>Sun, 06 Jan 2008 15:44:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Lanz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivi-Rundbrief]]></category>
		<category><![CDATA[Spenden]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebe Freunde und Verwandte, liebe Spenderinnen und Spender
Ich sitze hier am Computer, versuche die letzten eineinhalb Monate Revue passieren zu lassen und die wichtigsten Ereignisse f&#252;r diesen Bericht heraus zu fischen. Da ich inzwischen doch einige Mails mit der Frage nach meiner genauen Arbeit hier bei AMPO bekommen habe, werde ich dieses Informationsloch stopfen. Au&#223;erdem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Freunde und Verwandte, liebe Spenderinnen und Spender</p>
<p>Ich sitze hier am Computer, versuche die letzten eineinhalb Monate Revue passieren zu lassen und die wichtigsten Ereignisse f&#252;r diesen Bericht heraus zu fischen. Da ich inzwischen doch einige Mails mit der Frage nach meiner genauen Arbeit hier bei AMPO bekommen habe, werde ich dieses Informationsloch stopfen. Au&#223;erdem kam am 11. November Katrin wieder gesund aus Deutschland zur&#252;ck, der Advent h&#228;lt Einzug und Hannes fiel vom Pferd.<br />
<span id="more-309"></span><br />
Eine treffende Stellenausschreibung f&#252;r meine Arbeit hier w&#228;re &#8220;M&#228;dchen f&#252;r Alles&#8221;. So umfasst meine T&#228;tigkeit die Bereiche &#8220;Fachmann f&#252;r Oberfl&#228;chen&#8221; bis zur Teilnahme an der Direktorenrunde. Ich repariere kaputte Gegenst&#228;nde, meist Lampen, schreibe Berichte, Listen, Formulare, Tabellen, bin f&#252;r Besucher und Praktikanten zust&#228;ndig, mache AMPO-F&#252;hrungen, Fotos von Spenden f&#252;r Spender, gebe Kurse, begleite den Schwimmunterricht, bin teilweise f&#252;r die hiesigen Computer verantwortlich, entwerfe Flyer, organisiere B&#252;chertische, nehme an offiziellen Buffets teil, backe Kuchen und wenn auch ich nicht mehr weiterwei&#223;, delegiere ich die Arbeit an andere. </p>
<p>Mein normaler Arbeitstag beginnt um 7h 30, geht bis ca. 12h30, weiter dann von 15h bis Open End, in der Regel etwa 18h. Montags und Freitags findet morgens die &#8220;Réunion&#8221; statt, die Direktorenrunde. Hier wird die Arbeit der einzelnen Projekte koordiniert und allgemeine Anliegen besprochen. Donnerstags und samstags ist der Schwimmunterricht f&#252;r die Kinder, immer eine Riesen-Gaudi, mit jeweils 20 Kindern schwimmen zu gehen, macht auf beiden Seiten einfach gro&#223;en Spa&#223;. Sonntags gebe ich morgens Englisch- und nachmittags Deutschunterricht, zurzeit &#252;ben wir vor allem Weihnachtslieder, mit der afrikanischen Aussprache ein doppelter Genuss…</p>
<p>Hatte ich vor dem 11. November viele Stunden, wo ich mir die Arbeit selbst suchen konnte, gingen diese mit der Ankunft Katrins doch sehr zur&#252;ck. Seit sie wieder hier ist, scheint ganz AMPO ein oder zwei G&#228;nge schneller, zackiger zu laufen, jeder hat aufeinmal etwas zu tun und alle sind in Bewegung. Zu der allgemeinen Ger&#228;uschkulisse kommen nun noch laute Rufe nach allem M&#246;glichen hinzu, und wehe man kommt ihnen nicht nach <img src='http://www.sahel.de/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':-)' class='wp-smiley' /><br />
Meine Arbeit hier macht mir aber auch weiterhin gro&#223;e Freude, es ist einfach super, morgens mit dem Mofa zu AMPO zu brausen (meine Wohnung liegt ca. &#8230; km entfernt) und zu wissen, hey, hier wird was bewegt und auch ich kann etwas beitragen. </p>
<p>Klingt in manchen Mails aus Deutschland seit Dezember vermehrt eine gewisse Weihnachts- und Winterstimmung mit, konnte ich von Derartigem bisher noch nicht viel sp&#252;ren. Gut, die kleinen Kinder frieren beim Schwimmunterricht schneller und auch mir wird die kalte Dusche am Morgen bei knapp 20 Grad unangenehm, aber tags&#252;ber sind die Temperaturen doch noch sehr sommerlich. Umso erstaunter war ich, neulich in der Stadt vereinzelt leuchtende und blinkende Weihnachtsm&#228;nner, Plastiktannenb&#228;ume und derartigen Stra&#223;enschmuck zu sehen. Mit T-Shirt bekleidet, wirken sie auf mich immer noch ein wenig bizarr.<br />
Daran kann man aber immerhin die ungemein gro&#223;z&#252;gige Toleranz der Burkinabé bez&#252;glich verschiedener Religionen feststellen, sind doch immerhin 50% Muslime. Das man nicht an Gott glauben k&#246;nnte ist zwar f&#252;r alle sehr unverst&#228;ndlich, aber ob er nun Allah oder Gott genannt wird, ist eher nebens&#228;chlich. So wird Weihnachten hier von allen begangen, f&#252;r die einen ein wichtiges religi&#246;ses Ereignis, f&#252;r die anderen einfach ein sch&#246;nes Fest. </p>
<p>Hannes fiel vom Pferd? Ja! Wie sie wahrscheinlich wissen, hat AMPO eine Lehr-Farm, das Projekt Tond Tenga (unsere Erde). Hier verbrachte ich mit den beiden Zivis von SEWA (Sonnenenergie f&#252;r Westafrika) drei lehrreiche und vergn&#252;gliche Tage. Unsere Motivation, f&#252;r zwei N&#228;chte nach TT zu gehen waren die gute Luft, gute k&#246;rperliche Arbeit und eine Art Zwischenseminar. Die gute Luft sp&#252;rt man augenblicklich, wenn man aus dem Auto steigt, liegt TT doch immerhin 30 Kilometer au&#223;erhalb von Ouagadougou, hier geht ein angenehmes L&#252;ftchen ohne Ru&#223;, Abgase oder sonstige Verunreinigungen.<br />
TT ist ein sieben Hektar gro&#223;es Areal, auf dem ca 100 Menschen leben, davon zurzeit 87 Jugendliche, die hier f&#252;r zwei Jahre in biologischem Landbau und Tierhaltung ausgebildet werden. Das Ziel von TT ist, diese Jugendlichen so mit Wissen auszustatten, dass sie bei der R&#252;ckkehr auf ihre D&#246;rfer mit ihrem Land optimal, umweltfreundlich wirtschaften und sich davon ern&#228;hren k&#246;nnen. So wird die Landflucht verhindert, da die Jugendlichen nicht mehr in die Stadt gehen m&#252;ssen, um Arbeit zu suchen. </p>
<p>Der Alltag der Jugendlichen auf TT beginnt normalerweise um halb sieben mit dem Gie&#223;en der Gem&#252;sebeete und dem F&#252;ttern der Tiere. Es folgt das Fr&#252;hst&#252;ck und noch einmal Feldarbeit bis halb zehn. Um zehn beginnt dann der theoretische Unterricht in Klassenr&#228;umen, um 12 h gibt es Essen und bis 14h 30 ist Mittagspause. Danach wieder Feldarbeit, Theorie, Fu&#223;ball, Abendessen und Schlafen. </p>
<p>Wir drei Zivis begannen unsere Tage mit dem Fr&#252;hst&#252;ck, ein Reisbrei von interessanter Konsistenz, aber genie&#223;bar. Auch wir st&#252;rzten uns dann in Arbeit, die bei uns aus Reparationen, Heuballen pressen und L&#246;cher buddeln bestand. In den von der Sonne geh&#228;rteten, seit Monaten ausged&#246;rrten Boden L&#246;cher zu treiben, ist wirklich Schwerstarbeit, und mein Respekt vor den Stra&#223;enarbeitern hier, die jeden Tag in der br&#252;llenden Hitze Gr&#228;ben ziehen und Stra&#223;en bauen, ist noch einmal betr&#228;chtlich gestiegen. </p>
<p>Zum Mittagessen gab es Benga, ein Art Bohnenbrei, f&#252;r den europ&#228;ischen Gaumen sehr geschmacklos, aber s&#228;ttigend. Nach einer Mittagspause durften wir dann von den Freizeitangeboten unserer Luxusunterkunft profitieren. Der Pool stellte sich zwar als Biogasanlage heraus und die im Prospekt beschriebene Meersicht lie&#223; sich ohne gr&#246;&#223;ere Anstrengungen auch nicht realisieren, aber wir konnten reiten. Gesagt getan, Pferd gesattelt und los. Meine Reiterferienlager-Erfahrung als einziger Junge unter etwa 20 M&#228;dchen, die ich als etwa 11-J&#228;hriger sammeln durfte, kam mir nun zugute und einigerma&#223;en kontrolliert konnte ich &#252;ber TT reiten. Wenn ich gro&#223;z&#252;gig &#252;ber die Geb&#228;ude und sonstigen Verbauungen hinweg sah, stellte sich immerhin ein leichtes Abenteuer-, Safarigef&#252;hl ein, war jedenfalls sehr sch&#246;n. Auch Hannes fand es wohl sehr sch&#246;n, zumindest bis zu seinem (glimpflich ausgegangenen) Sturz. </p>
<p>Das angesprochene Zwischenseminar bezieht sich auf ein solches in Ghana, wo im Februar viele Freiwillige aus Afrika zusammentreffen und ihren bisherigen Dienst reflektieren werden. Wir taten Dasselbe in Klein und f&#252;llten so unsere Abende unter dem afrikanischem Sternenhimmel mit langen Gespr&#228;chen und Diskussionen. </p>
<p>Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, w&#252;nsche ich nun eine wunderbare Adventszeit und ein sch&#246;nes Weihnachtsfest, noch einmal ein gro&#223;es und herzliches Dankesch&#246;n an alle Spender, bis demn&#228;chst wieder </p>
<p>Jonas Lanz</p>
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		<title>Zivi-Rundbrief 2 f&#252;r Oktober von Jonas Lanz</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Oct 2007 10:55:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Lanz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivi-Rundbrief]]></category>
		<category><![CDATA[Spenden]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebe Spenderinnen und Spender, liebe Freunde und Verwandte,
vor sieben Wochen landete mein Flugzeug in  Ouaga, und seit dem letzten Bericht ist wieder allerhand geschehen, an dem ich Sie hier nun teilhaben lassen m&#246;chte.
Als ihr Live-Korrespondent vor Ort bin ich nat&#252;rlich verpflichtet, Ihnen nicht immer nur von einem Ort zu berichten, sondern Sie haben das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Spenderinnen und Spender, liebe Freunde und Verwandte,</p>
<p>vor sieben Wochen landete mein Flugzeug in  Ouaga, und seit dem letzten Bericht ist wieder allerhand geschehen, an dem ich Sie hier nun teilhaben lassen m&#246;chte.</p>
<p>Als ihr Live-Korrespondent vor Ort bin ich nat&#252;rlich verpflichtet, Ihnen nicht immer nur von einem Ort zu berichten, sondern Sie haben das Recht auf weiterf&#252;hrende Informationen aus mehreren Regionen. Die Einladung einer anderen NGO f&#252;r eine Reise durch den Osten von Burkina Faso kam f&#252;r mich so &#228;u&#223;erst g&#252;nstig. Diese NGO nennt sich ASAO, wird mit betr&#228;chtlichen Mitteln vom BMZ unterst&#252;tzt und baut Schulen, Brunnen und Lehrerh&#228;user in ganz Burkina. Einmal im Jahr werden einige dieser Schulen auf einer Rundreise von einer deutschen Delegation besucht, zu der dieses Jahr freundlicherweise auch die Zivis von SEWA und ich geh&#246;rten. Hier der Bericht einer Reise durch den Busch.</p>
<p><span id="more-302"></span></p>
<p>Eingezw&#228;ngt in einem winzigen „Taxi Brousse“, mit vier statt den vorgesehenen drei Leuten in einer Sitzreihe, das Dach einen Meter hoch mit Gep&#228;ck beladen und ohne Klimaanlage ruckelte die Reisegesellschaft los. 13 Menschen in dem eben beschriebenen Vehikel, f&#252;nf andere in einem Allrad mit Klimaanlage, so setzte sich unsere Reise-/Touristengruppe zusammen.</p>
<p>Der Zweck der Reise lag in verschiedenen Schulinspektionen und Einweihungen, au&#223;erdem sollten zuk&#252;nftige Bauprojekte mit den jeweils Verantwortlichen in verschiedenen D&#246;rfern besprochen werden. Wasser und Foto griffbereit, potentiellen Motiven immer offen, fuhren wir auf einer erstaunlich guten Stra&#223;e aus Ouaga in Richtung Wildnis.</p>
<p>Nach den letzten H&#252;tten er&#246;ffnete sich unseren Blicken ein Landschaftsbild, dessen Gestalt sich in den n&#228;chsten Tagen nicht sonderlich &#228;ndern w&#252;rde. Eine gigantische Grasebene, durchschnitten von der schwarzen Asphaltstra&#223;e, durchsetzt von verschiedensten B&#228;umen und B&#252;schen, reich mit Sogrom (eine Hirseart), wei&#223;er Hirse und Mais bepflanzt, durchzogen von ausgetrockneten Fluss- und Bachl&#228;ufen und immer wieder &#252;berragt von h&#252;gelartigen Formationen, teils abstrakt und mit Findlingen bedeckt, teils einfache Erhebungen in der Landschaft. Das ganze bestrahlt von einer klaren, hei&#223;en Sonne, die jedes Lebewesen in den Schatten treibt. Aufgelockert wurde diese Szenerie durch h&#228;ufige Rinder- und Schafherden, die, von kleinen Kindern geh&#252;tet, gem&#228;chlich durch die Steppe zogen. Dagegen bekamen wir au&#223;er den allgegenw&#228;rtigen Insekten keinerlei wilde Tiere vor die Linse, L&#246;we und Elefant sind in Burkina leider selten geworden und leben nur noch in bestimmten Gegenden im S&#252;den und Westen.</p>
<p>Auf unserer Reise durch die D&#246;rfer begegneten wir verschiedenen Dorftypen. Je nach Gr&#246;&#223;e scheinen sie traditionell wie vor hunderten von Jahren, die gr&#246;&#223;eren haben dann schon teilweise Strom, modernere Architektur und die ersten kleinen L&#228;den.</p>
<p>Ein traditionelles Dorf muss man sich als Zusammenschluss mehrerer H&#246;fe vorstellen, die jeweils von einer niedrigen Lehmmauer umgeben sind. Auf diesen Arealen stehen dann die Rundh&#228;user der Familienmitglieder, gebaut aus Lehm und Holz und mit Schilf gedeckt, von der Gr&#246;&#223;e mit einem kleinen deutschen Badezimmer zu vergleichen. So ein Haus beherbergt dann zwei Erwachsene samt ihrer Kinder, also durchaus 8 Personen. Dazu kommt dann noch ein Basthaus auf Stelzen, worin die Vorr&#228;te dem Hochwasser und allerlei Getier entzogen sind. Erreichbar sind diese D&#246;rfer meist nur &#252;ber Buschpisten und die einzigen Vehikel des Dorfes sind Eselskarren und klapprige Fahrr&#228;der, manchmal sogar ein altes Mofa. So war es in der Abgeschiedenheit dieser D&#246;rfer stets ein besonderes Ereignis, wenn auf einmal unser Bus auftauchte, ein Dutzend „Nasaras“ ausspuckte, einige Stunden blieb und danach wieder aus dem Alltag der Einheimischen verschwand.</p>
<p>Den folgenden Schulbesuchen lag eigentlich immer das gleiche Protokoll zugrunde. Wir kamen an, wurden von mehreren Dutzend bis 300 Menschen empfangen, nach gesalbten Dankes- und Begr&#252;&#223;ungsworten und einem Willkommensgetr&#228;nk wurden offene Fragen er&#246;rtert und am Ende gegenseitig Geschenke &#252;berreicht. Meist erhielten wir als Symbol des Dankes und der Freundschaft wei&#223;e H&#228;hne, bei wohlhabenden D&#246;rfern auch Schafe. Die Schafe gaben wir weiter, die H&#228;hne wanderten in unseren Kochtopf und dienten uns als leckere Grundlage f&#252;r unser Abendessen.</p>
<p>Ein Schulbesuch der anderen Art war die zeremonielle Schl&#252;ssel&#252;bergabe in XXX. Hier war die Bauphase mit allerlei Problemen behaftet gewesen, da der &#246;rtliche Naba („K&#246;nig“), seines Zeichens Dorfchef, Z&#246;llner, Inmobilienbesitzer, Bauunternehmer und absurderweise auch Leiter einer „Einheit gegen Betrug“ den Bau der Schule immer wieder torpedierte, da nicht sein Bauunternehmen den Auftrag erhielt. Nun war sie aber dennoch fertig gestellt und der erlauchte Naba sonnte sich im Licht der &#214;ffentlichkeit als Wohlt&#228;ter der Region. Warum er nicht einfach eines seiner drei Autos verkaufte, oder vielleicht seine Residenz mit einem Zimmer weniger ausstattete und mit dem Geld selbst in die Zukunft seines Landes investierte, blieb ungel&#246;st. Jedenfalls wurden wir hier abends mit Champagner, Wein und Orangensaft  bewirtet, dazu leckere Kartoffeln, Gurken und Gem&#252;se und dies in einem Haus mit Klimaanlage und Fernseher. Nun, f&#252;r Europ&#228;er vielleicht normal, aber diese ganze Szenerie in einer Umgebung, wo vor der Haust&#252;r die Kinder Hungerb&#228;uche haben, kein flie&#223;end Wasser oder gar ein Stromanschluss existiert…</p>
<p>Eigentlich hatte ich vor, die Gruppe f&#252;r eine Woche lang zu begleiten und danach mit den SEWAs zur&#252;ckzukehren, allerdings wurde Markus krank, so beschlossen wir, schon am f&#252;nften Tag aus Tenkondo zur&#252;ckzukehren.</p>
<p>In Burkina Faso gibt es keine staatlichen &#246;ffentlichen Verkehrsmittel f&#252;r &#220;berlandreisen, aber zahlreiche private Busunternehmen. Den besten Ruf in Bezug P&#252;nktlichkeit, Bequemlichkeit und Sicherheit hat das Unternehmen STMB, also auch f&#252;r uns die erste Wahl. Als denn, hin zum Schalter und Bustickets kaufen. Haha!</p>
<p>Zivis erreichen den Schalter, freundlich, fragen: „Wir w&#252;rden gerne nach Ouaga fahren“</p>
<p>Schaltermensch: „Geht nicht…“</p>
<p>Schweigen</p>
<p>Zivis: „Warum denn nicht?</p>
<p>Schaltermensch: „Kann euch keine Tickets verkaufen“</p>
<p>Schweigen</p>
<p>Zivis, irritiert: „Aha, warum denn nicht?“</p>
<p>Schaltermensch: „Bus ist voll“</p>
<p>Desinteressiertes Abwenden, Schweigen</p>
<p>Zivis schon ein wenig genervt: „Ja und jetzt?“</p>
<p>Schaltermensch mit missbillig gerunzelter Stirn: „Wie jetzt, nix jetzt“</p>
<p>Abwenden, Schweigen</p>
<p>Zivis, ein wenig mehr genervt: „Wir m&#252;ssen aber heute nach Ouaga“</p>
<p>Schaltermensch: „ – „</p>
<p>Zivis leicht s&#228;uerlich: „Haaaaaaallooooo, wir haben hier einen kranken Freund, keine Unterkunft in dieser Stadt und m&#252;ssen heute noch nach Ouaga, also gibt es denn gar keine M&#246;glichkeit?“</p>
<p>Schaltermensch, nun auch leicht genervt: „ Doch“</p>
<p>Zivis, immer noch s&#228;uerlich: „Und welche M&#246;glichkeit?“</p>
<p>Schaltermensch: „Es gibt in der N&#228;he noch eine andere Busgesellschaft“</p>
<p>Zivis, interessiert: „Und wo?“</p>
<p>Schaltermensch: „An der Hauptstra&#223;e, rechts“</p>
<p>Ende des Gespr&#228;chs, Zivis ziehen ab, Schaltermensch hat endlich wieder seine Ruhe.</p>
<p>Diesem freundlichen Service begegnet man &#246;fters, sei es in kleinen Restaurants oder kleinen Boutiquen und man fragt sich, ob diese Menschen eigentlich kein Interesse an Gesch&#228;ften haben. Naja.</p>
<p>Jedenfalls sa&#223;en wir am Ende in einem „Bus“ mit den gesch&#228;tzten Innenma&#223;en von zwei Metern Breite und vier Metern L&#228;nge, mit sechs Sitzreihen zu jeweils vier Sitzen, au&#223;erdem einem Klappsitz f&#252;r den Gang. In diese Sardinenb&#252;chse wurden nun 36 Menschen gepresst, teilweise sa&#223;en sechs Menschen nebeneinander und vorne mussten sie stehen. Es war so eng, dass das Anlehnen nach einem komplexen System von Zeitfenstern und Bewegungsmustern von statten ging, da wir schlicht zu breit waren, um die Schultern auf einer H&#246;he nebeneinander zu haben.</p>
<p>Dennoch war die Reise ein tolles Erlebnis, mein erster Blick aufs Land der Aufrichtigen und f&#252;r mich die M&#246;glichkeit, eine Woche Abstand zu AMPO zu gewinnen, meine bisherige Zeit zu reflektieren und &#252;ber die Zukunft nachzudenken. F&#252;r die &#214;ffentlichkeit, also f&#252;r Sie liebe Leserinnen und Leser, habe ich noch drei Ereignisse aus den letzten drei Wochen ausgesucht, die hoffentlich Ihre gesch&#228;tzte Aufmerksamkeit finden.</p>
<p>Zum ersten mein Umzug. Ich bin nun stolzer Mieter eines Reihenhauses mit zwei Zimmern, einem Bad und einer K&#252;che, au&#223;erdem habe ich Strom, Wasser und einen K&#252;hlschrank, f&#252;r afrikanische Verh&#228;ltnisse also schon sehr luxuri&#246;s. Die K&#252;che hat die gigantischen Ausma&#223;e von ca 3 qm, aber immerhin kann ich mich in ihr um die eigene Achse drehen. Das Bad ist annehmbar, auch wenn die Wand dem Klo sehr nahe kommt, sodass mir auf dieser &#214;rtlichkeit nur eine schr&#228;ge Sitzhaltung verg&#246;nnt ist. Auch meine bisherige Matratze hat eher bescheidene Ausma&#223;e, aber die Technik des diagonalen Liegens hilft mir hier sehr. Vor meiner Wohnungst&#252;r, die leider keine Klinke mehr hat und nur noch mit Zange zu &#246;ffnen ist, liegt noch eine kleine Terrasse. Im Moment noch w&#252;st und leer, in Zukunft aber mit Pflanzen begr&#252;nt, wandelt sich mein Haus langsam in einen angenehmen Lebensraum.</p>
<p>Das zweite Erlebnis war schon erlauchterer Natur. Zum ersten kamen zwei Bundestagsabgeordnete auf Dienstreise samt Botschafter, um sich AMPO anzuschauen. Zum zweiten Delegierte des Hauptsponsors (der ungenannt bleiben m&#246;chte, désolé) und zum dritten die „No Angels“, eine (unter j&#252;ngeren Semestern) relativ bekannte Girl-Band. Schon lustig, wer einem hier alles &#252;ber den Weg l&#228;uft und welche Themen hier mitten in Afrika besprochen werden. Zum Beispiel deutsche Frauenpolitik &#8211; und das mit einem SPD- und einem CDU Abgeordneten &#8211; an einem Tisch.</p>
<p>Nun zu meinem dritten Erlebnis.</p>
<p>Vor etwa zwei Wochen geriet ich mit einem afrikanischen Mitarbeiter von AMPO in eine Diskussion, die aus einem Missverst&#228;ndnis geboren ward und in einem regelrechten Streit endete. Eine von mir gestellte Frage, in meinen Ohren harmlos und in keinster Weise verletzend, nahm er als Angriff auf seine Pers&#246;nlichkeit. Zu Beginn ein wenig erstaunt ob seiner heftigen Reaktion und bem&#252;ht hier schnell wieder die Wogen zu gl&#228;tten, versuchte ich, die Frage im Kontext und neutral zu „erkl&#228;ren“. Allerdings war jeder Versuch nutzlos, da er in seiner Ehre verletzt sehr emotional auf seinem Standpunkt beharrte und ich mit logischen Aussagen versuchte zu argumentieren, wir also v&#246;llig verschiedene Ausgangspunkte hatten. Jedenfalls dauerte es bestimmt eine halbe Stunde, bis wir uns beide wieder ein wenig beruhigt hatten und zum Tagesgesch&#228;ft &#252;bergehen konnten.</p>
<p>Wie man sieht, stehen einer in europ&#228;ischen Augen sinnvollen Diskussion hier in Burkina zwei Dinge im Weg. Der sehr leicht verletzbare Stolz der Menschen und die gro&#223;e Emotionalit&#228;t, die jede neutrale, objektive Argumentation verhindert. Diese Behauptungen klingen vielleicht wie typisch verallgemeinernde Vorurteile, aber oft treffen sie zu. Inzwischen habe ich es mir angew&#246;hnt, schon beim ersten Hauch einer Auseinandersetzung jedes einzelne Wort auf die Goldwaage zu legen, um ja keine pers&#246;nlichen Gef&#252;hle zu verletzten und um ein ruhiges, konstruktives Gespr&#228;ch zu erm&#246;glichen.</p>
<p>Dem schnellen Beleidigtsein steht aber auch eine gro&#223;e Kultur der Verzeihung gegen&#252;ber, ein ehrliches „Pardon“ an der richtigen Stelle sorgt meist wieder f&#252;r ruhige Gew&#228;sser, so dass das Leben hier in Burkina Faso insgesamt sehr viel herzlicher abl&#228;uft als in Deutschland.</p>
<p>An dieser Stelle m&#246;chte ich noch allen gro&#223;z&#252;gigen Menschen, die mit ihren Spenden meine Arbeit hier erm&#246;glicht haben, ein tiefes, herzliches Dankesch&#246;n sagen.Soviel aus Ouaga, mit herzlichen Gr&#252;&#223;en, Ihr</p>
<p>Jonas Lanz</p>
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		<title>Zivi-Rundbrief f&#252;r Oktober von Jonas Lanz</title>
		<link>http://www.sahel.de/2007/10/20/zivi-rundbrief-fuer-oktober-von-jonas-lanz</link>
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		<pubDate>Sat, 20 Oct 2007 16:08:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jonas Lanz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zivi-Rundbrief]]></category>
		<category><![CDATA[Spenden]]></category>

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		<description><![CDATA[Liebe Freunde, Verwandte und Spender
Nun ist es eine Woche her seit meine F&#252;&#223;e den ersten Sand Afrikas ber&#252;hrten und langsam f&#252;hle ich mich angekommen. Die D&#252;fte, Kl&#228;nge und Bilder sind schon vertrauter, Muster werden erkennbar. Einen f&#252;r mich neuen Aspekt von Afrika durfte ich auch schon kennen lernen, wenn hier der Himmel seine Schleusen &#246;ffnet, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Freunde, Verwandte und Spender</p>
<p>Nun ist es eine Woche her seit meine F&#252;&#223;e den ersten Sand Afrikas ber&#252;hrten und langsam f&#252;hle ich mich angekommen. Die D&#252;fte, Kl&#228;nge und Bilder sind schon vertrauter, Muster werden erkennbar. Einen f&#252;r mich neuen Aspekt von Afrika durfte ich auch schon kennen lernen, wenn hier der Himmel seine Schleusen &#246;ffnet, dann richtig. Die Wassermassen verwandeln manche Stra&#223;en in knietiefe Fl&#252;sse und meinen Zimmerboden in eine Unterwasserlandschaft. Den Kontrast zwischen staubiger, vor Hitze flirrender Stadt und Regenschwaden &#252;ber den D&#228;chern muss man eigentlich direkt erleben.<span id="more-301"></span></p>
<p>In den Vergangenen Tagen ist vieles passiert, von einigem m&#246;chte ich hier berichten.</p>
<p>An erster Stelle der zu erledigenden Dinge stand der Kauf eines fahrbaren Untersatzes, eines Mofas. Das Mofa ist hier (leider!) <strong>das</strong> Verkehrsmittel. Es ist mit 650 bis 1200 Euro noch relativ erschwinglich, einfach zu warten, meist schneller als die im Chaos steckenden Autos, mit bis zu zehn Ziegen (!) samt Fahrer beladbar und steht in der Stra&#223;enhierarchie immerhin noch &#252;ber dem Fahrrad. Und, da ich ein armer Zivi bin, der mit seinen Spendengeldern gut haushalten muss, auch f&#252;r mich das Fahrzeug der Wahl. Also, auf zum H&#228;ndler, kaufen und fertig.</p>
<p>Doch haaaalt, sooo einfach geht das in Afrika nicht. Hier braucht es erstmal einen Einheimischen, der weiss, welche H&#228;ndler &#252;berhaupt in Frage kommen. Dann geht man zum H&#228;ndler, und der Europ&#228;er wundert sich, warum erstmal alle f&#252;r eine Viertelstunde herumsitzen, sich unterhalten und nichts (?) passiert. Ja, gem&#228;chlich geht es zu, denn nun m&#252;ssen die Preise erfragt werden. Dazu wird telefoniert und geredet und telefoniert und geredet und so weiter und so weiter, bis endlich der Preis  in Erfahrung gebracht ist. Doch haaaalt, nicht so schnell. Dieser Preis war f&#252;r das erste Modell. Ein anderes genehm? Nun denn, mal schauen was dies so kostet. Und wieder. Telefonieren, reden, telefonieren, ja, also das zweite kostet so und so viel. Super, toll, aber haben sie denn &#252;berhaupt mein gew&#252;nschtes Modell? Nein? Zu dumm, auf zum n&#228;chsten H&#228;ndler. Mhm, auch hier nicht erh&#228;ltlich, nur munter weiter.</p>
<p>Wie sie sehen liebe Leser, es hat eine Weile gedauert bis ich ein Mofa, Modell Ninja von Peugeot, Zweitakter, eingefahren bis zu 70 km/h schnell, unter dem Hintern sp&#252;ren durfte. Jedenfalls bin ich nun, nach mehreren Aufenthalten bei Mechanikern, selbstst&#228;ndig in Ouaga unterwegs. So auch heute, als erste Erfahrungen mit den Geldbeschaffungsma&#223;nahmen der hiesigen Freunde und Besch&#252;tzer machen durfte:</p>
<p>Es waren einmal zwei unbedarfte Zivis in Ouaga. Sie fuhren lustig mit ihren Mofas durch die Stra&#223;en und freuten sich am Leben. Als sie schauten nach nem Laden, der f&#252;r die Zukunft interessant, kam ein Bulle angerannt. B&#246;se schaut er, gar nicht lustig. &#8220;Ihr da,&#8221; ruft er, &#8220;kommt heran, dass ich euch bestrafen kann.&#8221;. &#8220;Denn,&#8221; so  sagt er &#8220;dies da war die falsche Bahn, nur in eine Richtung darfste fahrn&#8221;. &#8220;Soso&#8221; die Antwort unsrer Zivis, &#8220;Woher solln denn wir das wissen? Ein Schild/Zeiger tun wir n&#228;mlich missen.&#8221; Ganz egal dem Polizist, nimmt einfach unsre Mofas mit. Und so blieb ihnen nichts zu tun, als abends 12000 (CFA, etwa 18 Euro) in die Kass zu tun. So hatten sie die Mofas wieder, damit nachhaus und aus die Maus.</p>
<p>An dieser Stelle m&#246;chte ich einige Worte &#252;ber den Verkehr in Ouagadougou verlieren. Er ist kurz gesagt – m&#246;rderisch. Regeln? Au&#223;er roten Ampeln (und wie ich heute festellen musste, Einbahnstra&#223;en) gibt es keinerlei Regeln. Vorfahrt? Blinker? Lichter? Spuren? Nur links &#252;berholen? Abstand zum Vordermann? R&#252;ckspiegel? F&#252;hrerscheine? Pustekuchen! Jeder f&#228;hrt wie es nur irgend geht, aber dennoch funktioniert es. Vielleicht &#228;hnlich wie in einem Ameisenstaat der vor allem durch Selbstorganisation am Leben erhallten wird.</p>
<p>Nur ist das mit dem am Leben erhalten leider keine einfache Sache. Hier kommen wir in ein neues Gebiet, das medizinische System, dazu aber an anderer Stelle mehr.</p>
<p>Ich hatte nun also ein Mofa, allerdings musste es noch eingefahren werden. K&#228;ufer neuer Spielzeuge, zum Beispiel K&#228;ufer von Autos, wissen vielleicht um diesen Vorgang. Beim Einfahren muss das Vehikel einige Zeit unter Vollgas gefahren werden, damit es zu einem spritzigen Zeitgenossen heranreift der seine vollen St&#228;rken zeigen kann. Warum ich das hier schreibe ist nicht wegen des eher langweiligen Vorgangs des Mofaeinfahrens,  sondern wegen dem Ort an dem jenes stattfand. Um Vollgas geben zu k&#246;nnen brauchten ich und mein Vehikel freie Strecken und solche gibt es zuhauf in „Ouaga 2000“. „Ouaga 2000“, gesprochen „waga d&#246; mil“ ist ein seltsames Ding. Geradezu ein Ph&#228;nomen, von daher folgendes M&#228;rchen:</p>
<p>Vor nicht allzu langer Zeit beschloss der Pr&#228;sident/Diktator eines kleinen, armen afrikanischen Landes,  anl&#228;sslich eines ganz ganz wichtigen Besuches anderer Pr&#228;sidenten/Diktatoren ein ganz ganz sch&#246;nen Ort zu schaffen, damit sie in Ruhe  und Geborgenheit reden konnten. Die besten Baumeister des Landes wurden beauftragt diesen Ort zu schaffen, eine Stadt an der Stadt.  Die Baumeister bauten die Stra&#223;en der Stadt, ein ganz gro&#223;es Haus f&#252;r den Pr&#228;sidenten, einige andere H&#228;user f&#252;r andre ganz wichtige Menschen, aber irgendwann schienen die Baumeister keine Lust mehr zu haben und h&#246;rten einfach auf. Das war aber gar nicht schlimm, die Pr&#228;sidenten konnten trotzdem sch&#246;n reden und danach wieder nach Hause fahren.</p>
<p>Und heute? Was wurde nun aus der Stadt an der Stadt? Nun, ge&#228;ndert hat sich nichts. Noch immer f&#252;hren Stra&#223;en durch Brachen, noch immer ist es nur eine Stadt auf dem Papier und in den K&#246;pfen mancher Menschen.</p>
<p>Au&#223;er eben den Stra&#223;en. Hier konnte ich mich nun austoben, leider aber keine Fotos machen, das ist in „Ouaga 2000“ verboten. Schlie&#223;lich k&#246;nnte sich wohl niemand mehr retten vor Bewunderern dieses tollen Projekts, das den Menschen in ganz Ouaga eine entscheidende Hilfe auf ihrem Weg der Entwicklung gegeben hat, ein Musterbeispiel richtig und bedacht eingesetzten Geldes in einem Land das ja sowieso in selbigem schwimmt.</p>
<p>Ein weiterer Aspekt von „Ouaga 2000“ ist eine (geplante) Autobahn und eine (fertige) Br&#252;cke, die zu einigen Umleitungen f&#252;hrt. Diesen Umleitungen habe ich auch meinen ersten Aufenthalt auf dem „Land“ zu verdanken. Irgendwann erschien uns (die beiden Zivis von SEWA waren auch mit dabei) die Richtung als spanisch, so bogen wir von der Stra&#223;e in den Busch, allerdings sehr stadtnah, keine Wildnis aus Abenteuerromanen. Dennoch sehr malerisches, lebendiges gr&#252;n der B&#252;sche, ab und zu &#252;berragt von B&#228;umen, einmal sogar von einem riesigen Baobab, dessen m&#228;chtiger Stamm felsengleich &#252;ber den Str&#228;uchern thronte und der seine dicken &#196;ste nur sp&#228;rlich bewachsen wie Arme in den Himmel streckte.</p>
<p>Dazwischen immer wieder Lehmh&#228;user und spielende Kinder, die mit lauten „Nasara!“s ( „Wei&#223;er“)  ihr Vergn&#252;gen &#252;ber diese komischen drei wei&#223;en Mofafahrer kundtaten, die da &#252;ber ihre Pfade irrten.</p>
<p>Zur&#252;ckblickend auf den bisherigen Bericht habe ich drei, zumindest in meinen Augen, wichtige Problemfelder von Burkina Faso auf eher humorvolle Weise geschildert. Das Problem der Zeit, das Problem der Korruption und das Problem fehlgeleiteter Gelder. Ich m&#246;chte mich aber nach so kurzer Zeit noch nicht n&#228;her zu diesen Problemen, die</p>
<p>vielleicht nur auf den ersten Blick und nur f&#252;r einen unerfahrenen Europ&#228;er als solche erscheinen, &#228;u&#223;ern, oder gar &#252;ber sie urteilen. Vielleicht bin ich nach einem Jahr ein wenig weiser und habe ein gr&#246;&#223;eres Verst&#228;ndnis entwickelt, dann und nur dann werde  ich es mir erlauben tiefergehend dar&#252;ber zu schreiben</p>
<p>An dieser Stelle beende ich nun die allgemeinen Beschreibungen von Ouaga, ich werde versuchen in Zukunft  jedem Bericht zwei Gesichter zu geben, das Gesicht des allt&#228;glichen Lebens in Burkina Faso und das Gesicht meiner Erlebnisse mit AMPO.</p>
<p>Vielen Dank nun f&#252;r Ihr Interesse an meinen Erlebnissen in Afrika, bis zum n&#228;chsten mal, herzlichst</p>
<p>Jonas Lanz</p>
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