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Zivirundbrief für August 2007

Liebe Freunde und Verwandte, liebe Spender
(von Jonas Lanz)

Zu Beginn starkes Wackeln und Rucken, dann Beruhigung und sanftes Dahingleiten im Einklang mit den Elementen. So begrüßte mich der Himmel über Afrika, als ich im Flugzeug in das Staatsgebiet von Burkina Faso, dem „Land der Aufrechten“, einflog.
Vielleicht ist dieses Ankommen eine Metapher wie es mir in Afrika noch ergehen soll, nach zwei Nächten finde ich es aber zu früh schon zu urteilen.

Eigentlich fühle ich mich auch noch nicht wirklich angekommen, eher wie ein Kind in einem riesigen Museum, das nicht weiß wo es überall hinschauen soll, so vielfältig sind die Eindrücke, so vielen Sachen müssen noch entdeckt und verstanden werden. ‘Zivirundbrief für August 2007′ weiterlesen


Zivi-Rundbrief für Mai von Jonathan Neuhoff

Liebe Spender, AMPO -Unterstützer und –Interessierte,

Es regnet wieder! Fast 6 Monate sehnsüchtiges Zum-Himmel-Blicken und darauf hoffen, dass ausnahmsweise doch ein Tropfen vom Himmel fällt, sind vorbei. Das waren 6 Monate triefenden Schweißes und trockenem Staubes. Schweiß, der einem das frisch gewaschene Hemd innerhalb von 2 min durchnässt, nur weil man es wagt in einem Raum ohne Ventilator das Türschloss auszutauschen und der rote Staub, der alles umgibt, durch jede Ritze dringt, einen schwer atmen lässt wie einen Kettenraucher und an manchen Tagen den Himmel so rötet, als würde die ganze Welt in einem Kakaoglas stecken. ‘Zivi-Rundbrief für Mai von Jonathan Neuhoff’ weiterlesen


Der neue Zivi Jonas stellt sich vor.

Hallo liebe Leserinnen und Leser

ich werde im September meinen ‘Anderen Dienst im Ausland’ bei AMPO beginnen und möchte mich Ihnen kurz vorstellen:

Ich heiße Jonas Lanz und wurde am 22.09.1987 in Karlsruhe geboren, wo ich noch immer lebe. Nach dem Kindergarten besuchte und besuche ich die Freie Waldorfschule Karlsruhe, die ich voraussichtlich mit dem Abitur abschließen werde. Wenn ich so auf meine Kindheit zurückblicke, kann ich sagen, dass war ne super Zeit. Viel draußen in der Natur, viel unterwegs mit meinen Eltern, Bruder und Freunden, viel erlebt. Die Liebe zur Natur habe ich mir bis heute bewahrt, in meiner Freizeit bin ich meistens sportlich draußen unterwegs, sei es beim Klettern, Joggen, Ski-Touren, Volleyball, oder andren Aktivitäten. Allerdings verbringe ich ebenfalls viel Zeit mit lesen, auch Zeitunglesen.

Dieses Zeitunglesen ist sicherlich ein Grund für mein Interesse am Weltgeschehen, dass mich dann auch bewog, mich bei Sahel e.V. zu bewerben, mit dem Ziel, meinen Anderen Dienst im Ausland in Afrika zu vollbringen. Auf die Frage, warum Afrika, kann ich selbst nicht wirklich antworten, ich kann nur sagen, das mich dieser Kontinent mit all seinen schönen und schrecklichen Aspekten seit jeher fasziniert, obwohl ich noch nie selbst dort war. Neben dieser Faszination für das Unbekannte ist es auch der Wunsch zu helfen, der mich in die Welt treibt. Es ist mir natürlich klar, dass ich allein, ohne besondere Ausbildung und Erfahrung, die Welt nicht aus den Angeln heben kann, ich werde aber mein Bestes versuchen, auch im Hinblick auf meine spätere Berufswahl. Soviel zu mir, lesen sie nun meinen Bericht über das Vorbereitungswochenende.

Vom 23.03 bis zum 25.03 trafen sich nun fünf LeiterInnen, zehn PraktikantInnen, ein Säugling und ich als Zivi im „Haus der Jugend“ in Hillesheim. Hillesheim liegt fernab jeder ICE-Strecke, mitten in der Eifel, sodass bei manchen die Frage aufkam, warum ausgerechnet dieser Ort gewählt wurde. Zum einen steht hier das Haus der Jugend, eine preiswerte Unterkunft, allerdings ohne Duschen, was aber nicht weiter störte, zum andren lebt hier eine Leiterin, Claudia Blech, die auch die Mutter des vorgestellten Babys Samuel ist und daher in ihrer Reisefreiheit nur eingeschränkt agieren konnte.

Dennoch kamen alle mehr oder weniger pünktlich an und die Vorbereitung für Burkina Faso begann – mit Abendessen. Danach ging sie dann aber wirklich los, mit Gruppen-spielen zum Kennenlernen und verschiedenen Ansagen und Infos der Leiter. Das Ziel dieses Wochenende sollte sein, die PraktikantInnen und mich für die Arbeit bei AMPO und den Aufenthalt in Burkina Faso fit zu machen. Außerdem sollte zumindest offiziell noch einmal die Tauglichkeit der PraktikantInnen geprüft werden und ihnen die Möglichkeit gegeben werden, doch noch „nein“ zu sagen, denn Katrin Rohde teilte uns in einer Mail mit, lieber ein „nein“ als ein lauwarmes „ja“, nur wer wirklich „ja“ sagen könne, der solle auch kommen. Somit hatte das Wochenende zwei Seiten. Vorbereitung auf der einen Seite und Prüfung auf der anderen.

Am Abend des ersten Tages stand noch eine Hillesheimer Spezialität auf dem Programm, die auch zum weiteren Kennenlernen diente, nämlich eine Kneipentour durch das rege Nachtleben des 2000 Seelen Dorfes. Trotz dieses kulturellen Höhepunkts unseres Aufenthaltes in Hillesheim waren die meisten am nächsten Morgen gut gelaunt und voller Tatendrang am Frühstückstisch, dementsprechend lief auch das Aufwärmen für das Tagesprogramm, was sich aus verschiedenen Spielen, Planungen, Fragen und Inforunden zusammensetzte. Am Abend dieses relativ anstrengenden Tages gab es dann noch den „Amponiken“, im Stil von „Wer wird Millionär“ wurde das erlangte Wissen über AMPO vertieft. Am Morgen des letzten Tages wurden noch letzte Unklarheiten beseitigt und die Gruppe löste sich allmählich auf.

Von meiner Seite kann ich sagen, dass mir diese Wochenende sehr viel Spaß gemacht hat und ich viele wichtige Infos und Anregungen bekam, die mir in Burkina Faso sicherlich hilfreich sein werden. Abschließend möchte ich mich bei allen bedanken, vor allem bei den Leitern, aber auch bei den anderen,es war ein tolles Wochenende.

Soweit einmal, die nächsten Berichte und Nachrichten werden Sie von mir aus Ouagadougou bekommen, allerdings erst ab September. Bis dahin wünsche ich ihnen eine schöne Zeit,

Jonas Lanz


Zivi-Rundbrief

Liebe Spender, AMPO -Unterstützer und -Interessierte

Mir ist zu Ohren gekommen, dass ich mich im ersten Brief noch gar nicht vorgestellt hätte. Das ist wahr! Um diese Unhöflichkeit schnell wieder gutzumachen, möchte ich das eben nachholen:

Mein Name ist Jonathan Neuhoff, ich werde in diesem Monat 20 Jahre alt und bin den Großteil meines Lebens in München aufgewachsen. Im Sommer dieses Jahres habe ich mein Abitur erfolgreich gemeistert und mich sogleich in die Vorbereitungen auf mein Jahr bei AMPO gestürzt. Am 1. September habe ich zum ersten Mal afrikanischen Boden betreten und seither schlage ich mich als Zivildienstleistender des Waisenhauses AMPO durch, in einer Welt und einem Projekt, das mich immer wieder staunen lässt und mir Horizonte eröffnet, vom denen ich vorher nur träumen konnte.

So, da nun die Förmlichkeiten erledigt wären, möchte ich mich wieder meinen Eindrücken und Erlebnissen widmen und Ihnen von diesen erzählen:
Eigentlich hatte ich ja versprochen über meine Arbeit bei AMPO zu berichten, doch da ich vor einigen Wochen der Malaria erlegen war, hatte ich eher damit zu kämpfen, wieder auf die Beine zu kommen, als dass ich viel arbeiten konnte. Insofern werde ich in diesem Rundbrief von zwei Krankenhausgeschichten berichten, die eine habe ich erzählt bekommen, die andere selbst miterlebt.

Zunächst die Geschichte, die mir von Lena, unserer derzeitigen Praktikantin, erzählt wurde. Sie war mit einem unserer Betreuer unterwegs, um Sachen in der Stadt zu besorgen und als alles erledigt war, fragte er sie, ob sie nicht noch kurz bei seinem Onkel im Krankenhaus vorbeifahren könnten, um ihm einen Besuch abzustatten. Sein Onkel läge im Koma und man wisse nicht, ob er je wieder aufwachen würde. Angekommen beim Krankenhaus, stellte sich heraus, dass sie nicht die einzigen Besucher des Onkels werden würden. Der Vorplatz des Krankenhauses war überfüllt, überall tummelten sich Leute, es herrschten Zustände, wie auf einem Campingplatz zur Hauptsaison am Gardasee. Als sie ihn fragte, ob hier immer so viel los sei und all diese Leute auf eine Behandlung warteten, antwortete er, „Nein, nein, das ist das Dorf meines Onkels, das in die Stadt gefahren ist, um meinen Onkel zu besuchen und auf ihn aufzupassen. Die verbringen hier Tag und Nacht, und sie reisen erst in ein paar Tagen wieder ab.“

Die zweite Geschichte handelt von meinem eigenen Krankenhausaufenthalt. Vor einiger Zeit schon, hatte ich immer mal wieder kurze Fieberschübe, die zwar oft recht heftig ausfielen, jedoch nach 2 Stunden vorüber waren. Doch an einem Mittwoch ging das Fieber hoch bis 40,5, da fackelte Katrin nicht lange und brachte mich schnurstracks ins Krankenhaus. Dank des großen Bekanntheitsgrades von Katrin dort, hatte ich innerhalb von 20 min einen Tropf im Arm, ein eigenes Zimmer und war voll gestopft mit Malariamedikamenten und Antibiotika. Drei Tage verbrachte ich in meinem Einzelzimmer, doch es gab Tag und Nacht jemanden von AMPO, der auf einer Matte neben meinem Bett schlief, um auf mich aufzupassen. Von überall her kamen Besuche oder Anrufe von Mitarbeitern und Freunden. Es war wirklich bezaubernd, wie man sich um mich kümmerte.

Beide Geschichten zeigen eine der eindrucksvollsten Eigenschaften dieses Landes: man ist hier nie allein, es gibt immer jemanden, der sich um einen kümmert und einem auf die Beine hilft, wenn es einem schlecht geht.
Dass Leute alleine in ihren Wohnungen sterben und erst Wochen später gefunden werden, wie es bei uns in Deutschland an der Tagesordnung ist, passiert hier niemals und ist für jeden Afrikaner völlig unvorstellbar.
Allein gelassen zu werden in diesem Land bedeutet ungefähr das gleiche wie Sterben. Deshalb nimmt die Familie hier den höchsten Stellenwert ein, denn die Familie gibt Halt, finanzielle Unterstützung, sie ist ein Zufluchtsort und vieles mehr. Wer seine Familie verliert oder noch schlimmer, von seiner Familie verstoßen wird, der hat nichts mehr und dem steht ein besonders hartes Leben bevor.

Somit ist mir auch erst wirklich bewusst geworden, welchen unschätzbaren Wert und welche große Chance die Institution AMPO in einem Land wie Burkina Faso in sich birgt. Bei AMPO finden Kinder oder auch verstoßene Frauen, die ihre Familie verloren haben, ein neues Zuhause, eine neue Familie, eine neue Zukunft.

Wenn ich morgens zu AMPO fahre habe ich manchmal das Gefühl, ich würde in einem großen afrikanischen Familienbetrieb arbeiten. An dessen Spitze steht die Mutter von allem, Mama Tenga, die versucht so gut wie möglich alles im Blick zu haben und die Familie zusammenzuhalten. Ältere Mitarbeiter sind wie Tanten und Onkels, die Jüngeren wie Cousins und Cousinen und die Kinder sind wie ein großer Haufen kleiner Brüder und Schwestern, mit denen man wunderbar Spaß haben und toben kann, denen ich als großer Bruder aber auch ein Vorbild bin und auf sie Acht geben muss. Jedes Jahr nimmt Familie AMPO einen Austauschschüler aus Deutschland auf (alias der Zivi), der sich schon nach kurzer Zeit wie ein weiteres Familienmitglied fühlen darf. Wie in jeder anderen afrikanischen Familie hilft man sich aus, achtet aufeinander, sorgt sich um den anderen, feiert und trauert, lacht und weint zusammen.

Besonders diese familiäre Stimmung ist es, die mir das anfängliche Einleben in dieser neuen Welt so erleichtert hat und mich immer wieder zu AMPO zieht, obwohl die Arbeitszeiten schon längst vorüber sind. Es ist wahrscheinlich auch eben diese familiäre Stimmung, die jedem Mitarbeiter und Kind immer wieder neue Kraft gibt und dieses Projekt bisher so erfolgreich gemacht hat.

Soweit so gut. Es beginnt die Weihnachtszeit und damit auch ein Haufen Arbeit, in die ich mich jetzt stürzen werde. Im letzten Brief hatte ich, so weit ich weiß, eine Internetseite mit Fotos angekündigt. Leider funktioniert diese Seite nicht mehr, ich werde mich aber darum kümmern und hoffe, dass ich schon bald eine Lösung finden werde.

Ich hoffe Sie feiern Ihr Weihnachten wie wir hier – in der Familie!

Ich wünsche allen eine schöne Adventszeit und ein frohes Fest.

Viele Grüße aus Ouagadougou

Jonathan ‚Johnny’ Neuhoff
Zivildienstleistender AMPO


Der neue AMPO-Zivi stellt sich vor

Liebe Ampo –Unterstützer und -Interessierte,

Ich möchte mich als den neuen Zivildienstleistenden bei AMPO vorstellen und mich gleich dafür entschuldigen, dass es so lange gedauert hat bis der erste Brief fertig war, doch am Anfang prasseln so viele Eindrücke auf einen hinein, so dass ich noch gar nichts ordnen und beschreiben konnte. Mittlerweile kann ich behaupten angekommen zu sein in dieser völlig neuen Welt.

Es ist doch wirklich alles sehr anders hier und mit nichts vergleichbar, was ich vorher gesehen habe: Die Farben des Landes, der ständige Geruch von Erde und Sand, der alles umgibt, das Klima, die Laute, die Mensch und Tier von sich geben, der Geschmack des Essens und des Wassers, die Art sich zu begrüßen und miteinander zu reden, etc. Dieses Land fordert jeden meiner Sinne neu heraus und hinterlässt mal gute, manchmal auch eher weniger gute Eindrücke.

Ich möchte anfangen mit dem, was mir schon aufgefallen ist kurz nachdem ich Gibraltar hinter mir gelassen hatte. Hier sieht alles anders aus. Über Marokko war alles noch ziemlich gelb mit gelegentlichen Rottönen, doch sobald ich die Sahara überquert hatte, war überall ein saftiges Rot zu sehen mit erstaunlich viel Grün dabei, da ich ja in der Regenzeit angekommen bin. Dies bekam ich dann natürlich gleich zu spüren, denn sobald ich über die Dächer von Ouagadougou hinweggesegelt war und am Flughafen, der sich genau im Zentrum der Stadt befindet, meine ersten vorsichtigen Schritte auf Burkinisches Gebiet setzte, fing es an aus Kübeln zu schütten, so dass ich schon Angst hatte, wir würden auf dem Weg zu AMPO in einem der vielen Wasserlöcher der ungeteerten roten Erdstraßen versinken.

Die folgenden zwei Wochen habe ich dann bei AMPO verbracht, bis mein Vorgänger sich auf den Heimweg machte und ich in meine erste eigene Wohnung einziehen konnte. In dieser ersten Zeit hatte ich keine andere Wahl als mit den Kindern zusammen zu essen und leider musste ich dabei feststellen, dass die burkinische Küche meinem Gaumen nur wenige Glücksgefühle entlocken konnte, so dass ich in dieser Zeit gleich erstmal 5 Kilo abgenommen habe. Jetzt habe ich aber meine eigene Küche mit Gasherd und riesigen Kühlschrank und bin schon immer fleißig dabei, mir neue Gerichte einfallen zu lassen um diesem Rückgang entgegenzuwirken.

Mein, für mich alleine, viel zu großes Haus liegt etwa 5 min per Mofa von meiner Arbeitsstelle AMPO entfernt. Auf halben Weg muss ich den großen Außenring, der Ouaga umgibt, überqueren und was ich dort tagtäglich sehe, versetzt mich immer wieder in großes Staunen. Transportunternehmen Afrika! Ob ein Schreiner sein 4m langes Brett auf dem Kopf beim Fahrradfahren balanciert, ob ein Mofa mit 4 Ziegen beladen wird, die beim Vorbeifahren schreien wie kleine Kinder mit Zahnschmerzen, ob ein kleiner Lieferwagen dessen Windschutzscheibe zweifach zertrümmert ist und deswegen der Fahrer den Kopf zum Fenster raus hält mit Holzstämmen doppelt so hoch wie der Wagen selbst beladen wird, ob die Lastwagen mit lauten Gehupe an jeder Kreuzung vorbeirauschen, da sie meist keine Bremsen besitzen, um an roten Ampeln zu halten oder ob man eine Kuh auf das Dach eines Taxis bindet, dem Transport von Lebensmitteln, Tieren und Menschen sind keine Grenzen gesetzt.

Bin ich selbst auf meiner schicken P(eaugeot) 50 (mein Mofa) unterwegs werde ich überall von Kindern begrüßt, die mir aufgeregt „Nassara“(Weißer) oder „le blanc“ hinterher rufen, winken und hinter meinem Mofa herlaufen. Einige Male habe ich kleine Kinder mit meinem Aussehen schon zum Weinen gebracht, wobei eines sogar laut schreiend zu seiner Mutter gelaufen ist, um dort in Deckung zu gehen vor dem großen weißen Geist. Es wurde mir erzählt, dass sehr alte Burkinabé denken wir Weiße wären so bleich, weil wir einen Reinlichkeitsfimmel hätten und uns durch das ewige Waschen die Farbe abgegangen ist. Wie dem auch sei, hier kann ich mich nicht verstecken, ich bin ständig unter Beobachtung und jede meiner Handlungen wird aufgenommen und kommentiert. Meine Hautfarbe alleine sagt den Leuten wie viel Geld ich habe, wo ich herkomme und dass ich jederzeit Burkina Faso verlassen könnte, wenn ich dazu Lust hätte. Dies führt dann dazu, dass ich täglich um Geld gebeten werde, für Essen, Medizin für Familienangehörige oder sonstiges, dass mir auf der Straße beim Bananeneinkauf die Schwester zur Heirat angeboten wird oder man mir die eigenen Kinder geben will, damit ich sie mit nach Deutschland nehme, dort großziehe und sie später wenn sie eine ertragreiche Arbeitstelle gefunden haben, die einem Millionen im Monat einbringt (Europa wird hier als großes Paradies gepriesen, wo das Geld auf Bäumen wächst und man es nur abzupflücken braucht) etwas Geld nach Burkina schicken können um die Familie zu unterstützen.

Aber im Großen und Ganzen ist Burkina Faso ein bemerkenswert charmantes Land, das vor allem durch seine Gastfreundschaft, Freude und Hilfsbereitschaft lebt. Die Menschen hier sind so ausgelassen und fröhlich, dass man kaum glauben mag, dass sie eigentlich so arm sind. Es kommt mir manchmal so vor als versuche jeder den Preis des schönsten Lächelns, breitesten Grinsen oder des ausgiebigsten Lachens zu erhaschen. Alles Schlechte wird grundsätzlich mit einem Lachen abgetan oder in eine witzige Geschichte verpackt, um andere damit zu unterhalten. Kraftausdrücke und Schimpfwörter wie „Sch….“ werden selbst von pubertierenden 15 jährigen absolut nie in den Mund genommen und wenn halt gerade etwas nicht funktioniert, dann regt man sich nicht auf, sondern nützt die Zeit um erstmal gemütlich einen Kaffee zu trinken. Letztens habe ich eine äußerst heftige Diskussion mitbekommen, in der die Anwesenden auf Stühle gestiegen sind, um sich Gehör zu verschaffen und sich gegenseitig fast an den Kragen gegangen sind. Nach kurzer Zeit des Mithörens musste ich feststellen, dass es darum ging, wer den Titel des besten Torhüters der Welt verdient hätte.

Soweit so gut. Dies sind meine ersten Eindrücke von Burkina Faso, Ouagadougou und den Leuten hier, beim nächsten Mal werde ich mehr über Ampo und meine Arbeiten dort berichten.

Wenn ihr Lust habt, schaut doch mal auf meiner Fotoseite vorbei, die ich extra für dieses Jahr angelegt habe um euch einen visuellen Eindruck meiner Erlebnisse zu geben. Hier möchte ich auch kleinere Berichte einfügen, wenn zwischendurch mal etwas passiert. Die Adresse lautet:

http://www.photobloggers.net/photoblog3.php?username=ampo&

Ich hoffe euch allen geht es auch ganz gut und ihr genießt den deutschen Herbst. (Kaum vorzustellen für mich bei hiesigen 38 Grad)

Viele Grüße aus Ouagadougou,
Jonathan

Zivildienstleistender bei AMPO