Warten auf die Baugenehmigung für das Jungenwaisenhaus

Liebe Freunde, Helfer und Interessierte!

Hier in Burkina geht das Leben seinen ruhigen Gang – im Gegensatz zu Europa. Seit 4 Monaten warten wir nun auf unsere Baugenehmigung für das Waisenhaus. Ich muß zugeben, ich hatte geglaubt, dieser Teil des Ganzen ginge schneller! Ich warte sehr aktiv und bin täglich in den diversen Büros der Sozialministerien,Gesundheitsministerien; alle Baubehörden kennen mich gut. Ich habe den Fall bereits in die Zeitung und ins Radio gebracht, kenne die Familienministerin persönlich und habe eine Audienz beim Präsidenten beantragt – leider hat der neue Bürgermeister der Stadt sämtliche Grundstücksangelegenheiten blockiert und ist verreist! Trotzdem habe ich täglich mit vieIen Kindern zu tun – schließlich wohne ich mit 8 von ihnen in meinem kleinen Haus! 6 davon stammen aus einer langjährig zusammengehörigen Straßenkinderbande, 2 sind später aus verheerenden Verhältnissen dazugekommen. So haben wir also schon ein kleines Waisenhaus; Essen, Bekleidung, Medikamente etc. werden vom deutschen Spendenkonto bezahlt. Täglich gibt es 3 Mahlzeiten, morgens Brei, mittags Reis mit Sauce und abends To, den traditionellen Hirse- oder Maiskloß mit Blättersause. Fleisch existiert nicht bei uns, höchstens Trockenfisch. All dies ist ein kleines Wunder für unsere Jungens, die alle zwischen 9 und 14 Jahre alt sind und zum Teil 3 – 4 Jahre Straßenleben ohne Zukunft hinter sich haben. Nun kommt jeden Tag ein Lehrer, innerhalb von 3 Wochen haben sie schon ganz gut lesen gelernt; sie sind eifrig dabei – anders als viele europäische Kinder sind sie wild aufs Lernen. Jedes einzelne Kinderleben haben wir bis in die Großfamilie zurückverfolgt, oft sind wir bis zu 300 km weit von hier mit ihnen unterwegs auf der Suche nach Großeltern oder Tanten. Manche finden wir, in Tränen um den verloren geglaubten Sohn der Familie.

Es ist eine sehr glückliche Arbeit für mich, ich wünschte Sie alle könnten das einmal erleben. Zwischendurch heilen wir viele kleine Wunden; mein Auto ist stadtbekannt und dank einer Initiative der Frauen vom Weltladen in Preetz ständig voller Pflaster und Verbandszeug. Wo immer ich anhalte, bin ich umringt von Straßenkindern, jeder mit eine anderen Sorge. Wenn gar nichts mehr geht, kommen sie bis vor mein Haus und warten oft stundenlang – auf Essen, auf Medikamente , auf ein fröhliches Wort. Ja, wir brauchen immer Pflaster, Aspirin, Desinfektionsmittel, Läusepulver, Flohschampoo und jede Menge Säcke Mais, Reis, Hirse! Wenn nur der Transport und der Zoll aus Europa nicht so teuer wären! Und Schuhe! Bei diesem Wetter (Regenstürme und Hitzewellen) und bei diesen Straßen (?) halten selbst taiwanesische Einheitsschlappen nur 1 – 2 Wochen, dann sind sie hin! Alle barfußlaufenden Kinder haben narbenübersäte Füße. Zusätzlich ist jetzt die gefährlichste Malariazeit, und immer wieder finden wir fiebernde Kinder, die einen Arzt brauchen und dann für eine Woche bei einer „Ersatz“-Mutter untergebracht werden – manchmal werde ich noch nachts dorthin gerufen. Dies alles ist eine herzerfüllende Aufgabe, manches wäre leichter, wenn das Waisenhaus erst fertig wäre. Aber lange kann es nicht mehr dauern, wir warten mit afrikanischer Geduld – leicht gemischt mit deutscher Ungeduld! .

Ihnen allen wünsche ich Gesundheit und Freude im täglichen Leben. Vor Weihnachten melde ich mich bestimmt noch einmal, hoffentlich mit den besten Nachrichten!

Herzlichst Ihre Katrin Rohde

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