Zurück aus Deutschland

Liebe Freunde der Waisenkinder!

Zurück aus Deutschland fand ich , Gott sei Dank, alle unsere Kinder bei guter Gesundheit. Das war schon mal die Hauptsache! Abgesehen davon, gab es während meiner Abwesenheit einigen Ärger. Der Vorstand des afrikanischen Trägers A.M.P.O.verschleppt träge viele wichtige Dinge und zeigt überhaupt keinen Einsatz. Eigentlich wollte ich ja langsam aus dem Projekt aussteigen und mich wieder an mein eigenes Leben machen, andere sollten meine Aufgabe übernehmen. Afrika den Afrikanern, heißt es. Das aber sehe ich noch nicht so ganz, und darum bin ich zum l. Juli ins Waisenhaus gezogen in eines unserer Gästezimmer. Nun lebe ich also wieder mit mittlerweile 32 Kindern zusammen, die mich immerhin jubelnd begrüßten. Und das, obwohl nun strenge deutsche Abwaschordnung herrscht! Die Jungs selbst sind vergnügt und munter, gerade beginnen die Schulferien.Unsere 3 begabtesten Schüler haben soeben ihre Mittlere Reife bestanden, die hier im Alter von 12 Jahren abgelegt wird. Sie alle sollen jetzt auf die höhere Schule.Auch die Jüngeren, die auf staatliche Schulen gehen, sind erster, zweiter und dritter ihrer jeweiligen Klassen geworden, ( die hier aus 120 Schülern bestehen). Die Schneiderei besitzt nun 7 Nähmaschinen und bildet insgesamt jeweils halbe 14 Tage aus- die andere Hälfte des Tages gehört dem Alphabet. Hosen können wir schon, mittlerweile sind wir bei Kragen und Taschen! Auch die Lederarbeiten machen Fortschritte. Noch arbeitet alles zum Eigenbedarf von A.M.P.O., aber eines Tages können wir bestimmt zu unserem eigenen Unterhalt beitragen.
Unser senegalesischer Koch Kuka ist der Liebling aller Kinder. Er bewältigt alles mit schmalem Etat; trotzdem machen uns die steigenden Preise Sorgen. Unseren Fleischeinkauf haben wir schon sehr gekürzt, Brot gibt es nur sonntags, sonst jeden Morgen Hirsegrütze, was ja auch gesund ist. Mittlerweile haben wir 32 Jungen, das ergibt schon einige Fussballmanschaften! Manchmal helfe ich aus und bin linker Verteidiger. Wi haben schon echte Ballkünstler von internationaler Grösse unter uns.Neulich bekamen wir doch tatsächlich Besuch von einigen Spielern der burkinischen Nationalmannschaft: ein großer Tag für die Jungs. Aus Deutschland bin ich Dank einer einzigartigen musikalischen Initiative mit dem Geld für eine Brunnenbohrung zurückgekehrt. Für die Pumpe benötigen wir noch einmal 2800,-DM. Gibt es einige unter Ihnen, die dazu beisteuern würden ?Auch bräuchten 3 Kinder Fahrräder, weil ihre Mechanikerlehrstellen weit entfernt liegen. Selbst ein gebrauchtes Fahrrad kostet hier 150,- bis 200,- DM. Von unseren ewigen Schuhsorgen will ich garnicht reden. Sehr trostreich ist unser Garten.Wir hatten eine reiche Ernte an Mais und Okra, nun wachsen Kartoffeln und Auberginen. Wir sind darauf besonders stolz, weil sich die Kinder eigenständig und verantwortungsvoll darum kümmern. Die Tischlerei ist im Entstehen und soll ab August ausbilden könne Es wäre schön, wenn wir dafür noch einige einfache Maschinen anschaffen könnten.Wie immer, bitten wir auch in diesem Brief um Spenden.Ich will aber auch im Namen aller Kinder danken!Ohne Sie alle wäre hier viel Elend, stattdessen gibt es hier jetzt lernende und lachende Kinder! Dank Ihnen allen! Und bitte, kommen Sie uns doch mal besuchen, um alles selbst zu erleben.

Ihre Katrin Rohde

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