Rückblick auf 1997

Liebe Freunde der Waisenkinder !

Im letzten Rundbrief dieses Jahres möchte ich Ihnen wieder von Herzen danken für Ihre Treue und Unterstützung. Viele gute Dinge sind wieder in Gang gesetzt worden, Dank Ihrer Hilfe.

Inzwischen wohnen nun 50 Kinder zwischen 6 und 18 Jahren hier. Ich muß sagen, daß damit die Grenze so ziemlich erreicht ist. Wenn ich nicht einen so wunderbaren neuen Mitarbeiter gefunden hätte, wäre es sozusagen „unschaffbar“. Es ist unser Patron Ben, schon im gesetzteren Alter und ein ehemaliger Apotheker. Er ist sehr rege, an allen Kindern interessiert und er übernimmt viele strategische Aufgaben: Zollverhandlungen, das Auffinden von verschollenen oder niemals existenten Geburtsurkunden, Verhandlungen im Aussenministerium, um unseren hiesigen Vereinsstatus zu verbessern. Alle diese Dinge, für die man hier sehr gute Beziehungen braucht, da sonst nichts läuft – immer muß man einen entsprechenden Onkel oder Neffen im Wasserwerk oder in einer Botschaft haben…!

Unsere sehr nette Buchhalterin Aline verwaltet streng unsere Gelder. Ich selbst kümmere mich um die vielen europäischen Besucher, um die Schule, die Handwerke und die Küchenorganisation. Damit steht unsere Administration, aber das Wichtigste bleiben immer die Kinder mit all ihren kleinen und großen Sorgen.Da muß ich mir schon viel Zeit nehmen bei Stücker 50…!

Vorgestern hat unser Koch Kuka geheiratet und uns alle eingeladen, nächste Woche gibt es ein Fest mit der I.S.0., der amerikanischen Schule hier. Diese hat uns als ihr „Sozialprojekt“ für dieses Jahr ausgewählt. Ansonsten ist der Alltag streng eingeteilt in Schule, Handwerk, Ausruhen, Fußball und abendliches Lernen. 3 mal in der Woche darf abends ferngesehen werden. Wenn hier dann 20 Jahre alte Folgen vom „Kommissar“ gezeigt werden, habe ich immer viel Spaß: Fritz Wepper ist der Schwarm unserer Mädchen; Welten prallen aufeinander!

Durch eine besondere Spendenaktion in der Schweiz werden wir in die Lage versetzt, endlich ein Grundstück nebenan dazu kaufen zu können.Wir bauen ein Mädchenhaus mit zwei Werkstätten für Weben und Färben.Unsere Ältesten sind zwar erst 11 Jahre alt, aber die Zeit der Pubertät ist abzusehen. Dann können wir auch einige ältere Mädchen aufnehmen, die schon lange auf einen Platz bei uns warten und in ausgesprochen schlechten Situationen leben.

Ich habe eine herrliche, wuchtige, arbeitsame Frau gefunden ,die dort alles gut verwahren wird. Zum Essen kommen die Mädchen ins Waisenhaus, und der Bürokram wird auch von hieraus erledigt. Gemäß meines ehemaligen Lebens, möchte ich für die Kinder eine Bibliothek einrichten. Alle Bücher müssen auf Französisch sein, deswegen kann ich in Deutschland keine Verlags Sammelaktion veranstalten, was mir ein Leichtes wäre, sonder ich muß alles hier kaufen.Inzwischen lesen viele Kinder schon so gut und sind allgemein sehr interessiert, daß es schade wäre, dieses Potential nicht zu nutzen.

Eine Bitte an die „Pateneltern“: einige Kinder bekommen regelmäßig Briefe, Fotos, selbst ganze Päckchen geschickt; andere bekommen überhaupt nichts geschickt und schreiben seibst 2 oder 3 mal, ohne je Antwort zu bekommen. Das ist traurig. Eigentlich zeichnet sich A.M.P.O. durch das „Direkte“ aus, jede Spende kommt an und wird direkt umgesetzt. Es wäre schön, wenn auch einige Briefe mehr direkt bei den Kindern ankämen; sie nehmen das sehr ernst.

Nach dem sich nun alles recht gut eingespielt hat, und ich auch öfter mal einen halben Tag abwesend sein kann, möchte ich mir einen bezahlten Job suchen, um meinen Traum von einem eigenen kleinen Haus in der Nähe vom Waisenhaus finanzieren zu können. 3 Jahre Tag und Nacht mit sovielen Kindern hinterlassen doch ihre Spuren; wenigstens an den Wochenenden möchte ich mich hin und wieder zurückziehen können. Momentan herrschen hier 37 Grad; leider hat es sehr wenig geregnet und die Bauern (90% der Bevölkerung) sind voller Sorge. Es ist abzusehen, daß auf den Dörfern ab dem Frühjahr gehungert werden muß… die Preise für Reis und Mais werden hoch steigen. Bitte bleiben Sie unsere stetigen Spender.

Alle Kinder von A.M.P:O.,- alles Personal und ich selbst wünschen Ihnen einen ruhigen, schönen, kalten und klaren Winter, gute Gesundheit, viele schöne Spaziergänge, keine Hektik, viel Liebe untereinander.

Dank und Segen aus Afrika

Ihre Katrin Fatima Rohde

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