Rundbrief

Der 2. Rundbrief des Jahres kommt mit reichlicher Verspätung und daran ist ein Elefant auf den Bahnschienen in der Nordelfenbeinküste schuld.

Seit Wochen warten wir hier aufgeregt auf unseren am 4. Juni in Deutschland abgeschickten Container, :und eigentlich sollte dieser Rundbrief jubelnd die Ankunft von Nähmaschinen, Werkzeug und vor allem unserem neuen (gebrauchten) Toyota Pick-up verkünden. Leider entgleiste letzte Woche der Zug, der den Container von Abidjan nach Ougadougou bringen sollte, und nun harren wir der weiteren Ereignisse. Im Container befinden sich unter anderem 37 Fußbälle. Ich glaube, das ist die Hauptsorge unserer Jungs!

Das Waisenhaus ist im Moment geschlossen, die Großen sind in ihre Dörfer gefahren, um bei der Feldarbeit zu helfen und auch die meisten Kleinen konnten wir für 10 Tage in den Familien unterbringen. Die restlichen 8 sind auf Erzieher, Koch und mich verteilt. Ich selbst habe 3 Jungs zwischen 8 und 9 bei mir in meinem Haus, das dabei natürlich aus allen Nähten platzt. Aber es bringt viel Spaß, sie mal ein bißchen zu verwöhnen.

Daneben arbeiten wir an der Renovierung des Waisenhauses: Dächer werden ausgebessert; Küche und Hütten gestrichen, Türen aus- und wieder eingebaut, Schlösser repariert und Vordächer neu einzementiert. Der Wind ist oft stark und die Böen können leicht die Dächer abdecken. Und natürlich hinterlassen 100 Kinderhände reichlich Spuren..!

Etliche Kinder haben wieder gute Schulergebniss nach Hause gebracht. Für uns alle am wichtigsten ist jedoch der Neuanfang von 7 Großen (davon hatte ich ja schon im letzten Rundrief erzählt). Sie werden am l. August bei uns ausziehen und eine fortführende Lehre beginnen: Für die ersten 6 Monate kommen wir weiterhin für die Kosten der Lehrstelle, für Miete und jeden Monat einen Sack Reis auf. Natürlich werden wir die Jungs auch später nicht aus dem Auge verlieren.

Ich selbst habe sehr viel zu tun. Wir verbringen viel Zeit mit Witwen, jungen Frauen und Mädchen mit Problemen, die jeden Morgen vor unserer Tür sitzen, weil sie nicht mehr weiter wissen. Mit Unterstützung der Ministerin für Frau und Familie bauen wir nun ein Beratungszentrum für Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 22; alle jene mit sexuellen Problemen, Schwangerschaft (mit 12!) oder Aids. Auch davon hatte ich ja schon erzählt. Es soll möglichst Ende November eröffnet werden: Also bin ich mal wieder Bauunternehmer.

Gleichzeitig gibt es, ein „Ernährungsprojekt für kinderreiche Witwen“ in Zusammenhang mit Hühnerhaltung auf dem eigenen Hof. Ab September starten wir einen Versuch mit 25 bis 30 Frauen. Später sollen 100 bis 150 Frauen darin eingebunden sein.

Dazu arbeite ich zusammen mit Experten von der Universität und mit den jeweils verantwortlichen Frauen in ihren verschiedenen Vororten. Diese Frauen können weder lesen noch schreiben; noch sprechen sie französisch, was die ganze Sache sehr spannend für mich macht!

Das ist aber noch nicht alles: Ich betreue 2 Behindertenprojekte: Bei einem davon können Sie mir vielleicht weiterhelfen: Wendlamita ist eine Gruppe von 15 Behinderten, die sehr schönes Holzspielzeug herstellt, auch Puzzles und Memories. Dafür suchen wir Absatzmöglichkeiten in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Ich finde, sie arheiten seit Jahren sehr ernsthaft. Wir versuchen zwar auch hier einen Markt aufzubauen, das ist aber sehr schwierig und langwierig. Wer also interessiert ist, ab Oktober liegen Fotos bei Frau Gorter in unserer Geschäftsstelle in Bühnsdorf bereit, die sie dann gerne auf Anfrage verschickt. Das gleiche gilt für kleine Tische, die die Tischlerei im Waisenhaus herstellt -ich bereite das alles vor.

Am 6. August, wenn alle Kinder zurück sind, fahren wir gemeinsam nach Sabou, um 800 Bäume zu pflanzen. Eigentlich war das schon mit dem neuen Auto geplant, aber wie gesagt, der Elefant…! Ab September gibt es 5 neue Kinder im Waisenhaus und wir freuen uns schon auf ein neues arbeitsreiches Jahr.

Ich bin sehr begeistert von unseren Patentanten und -onkeln: Es wird treu hin- und hergeschrieben und unsere Erzieherin paßt auf, daß alles seine Richtigkeit hat. Bei 50 Kindern kommen wir adressenmäßig schon mal durcheinander. Aber alle Päckchen kommen hier gut an und werden mit strahlenden Augnen entgegengenommen. Dankeschön Ihnen allen!

Sehr herzliche Grüße aus einem regenarmen Sommer – wir haben schon wieder Wasserkürzungen; und das mitten in der Regenzeit. Die Bauern stöhnen, ihr erstes Saatgut ist vertrocknet, und wer hat schon genügend für eine 2. Aussaat. Wie immer beten wir jeden Tag um Wasser.

Ihnen Gesundheit, Freude am täglichen Leben und Hoffnung!

Ihre Katrin Rohde

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