Rundbrief

Liebe Freunde,

in den drei Monaten seit dem letzten Rundbrief hat sich viel ereignet, nicht nur in Burkina Faso, sondern auch hier in Deutschland. Und wir dachten, daß wir Ihnen von nun an zusätzlich zu Frau Rohdes Bericht über die Projekte in Ouagadougou auch ein wenig über unsere Aktivitäten hier erzählen. Der Anlaß ist die Containeraktion, die wir dank Ihrer Unterstützung vor ein paar Tagen erfolgreich abschließen konnten. Nach unserem Aufruf im März stand das Telefon kaum still, und ununterbrochen rollten Päckchen und Pakete, ganze Auto- oder Anhängerladungen, ja Lastwagen voll, aus ganz Deutschland mit den wundervollsten Spenden ein. Auch unserer Bitte um Medikamente wurde reichlich nachgekommen, und schließlich haben eine Reihe von Ärzten dazu beigetragen, daß wir ein nahezu vollständiges zahnärztliches Behandlungszimmer sowie die Einrichtung für eine gynäkologische Krankenstation verladen konnten. Nun ist der Container auf dem Seeweg von Hamburg nach Abidjan, bevor er mit dem Zug nach Ouagadougou transportiert wird.

Dies alles war nur möglich unter besonderem Einsatz, mit kreativen Sammelaktionen und unermüdlicher Unterstützung von vielen, vielen Helfern. Dafür möchten wir Ihnen recht, recht herzlich danken! Daß all die Dinge, die Sie gespendet haben, nötig gebraucht werden, können Sie auch unserem neuen Faltblatt entnehmen, das wir Ihnen heute mitsenden. Wie Sie daraus ersehen, sind wir längst nicht mehr nur für ein Waisenhaus verantwortlich, sondern für acht verschiedene Projekte, die aber alle Kinder und Jugendliche in Not versorgen. Frau Rohde kümmert sich um alle diese Projekte, hat aber zur Zeit besonders viel zu tun mit dem Bau des Mädchenwaisenhauses und der gynäkologischen Krankenstation. Hier spricht sie selbst:

Wir hier in Afrika freuen uns auf das Auspacken des Containers mit den märchenhaften Mengen von Decken, Kleidungsstücken, Fahrrädern, Küchenutensilien und Papier, alles Mangelware in Burkina Faso. Die Krankenstation freut sich auf die Medikamente und nicht zu vergessen: Nähmaschinen in großer Zahl und Werkzeug für die Tischlerwerkstatt.

Wie sollen wir lhnen allen danken? Alles was unsere Kinder hier tun können ist: weiter gut in der Schule zu sein, sich anzustrengen in den verschiedenen Lehren, und lernen, Vertrauen in die Zukunft zu haben.

Uns geht es gut, alle sind gesund, alle Projekte gehen ihren Gang. Am meisten freuen wir uns zur Zeit an unserer Arbeit mit den Straßenjungen, die alle gut zusammenhalten und fleißig mit ihren Eseln und Karren arbeiten, keine leichte Arbeit bei so durchschnittlich 46 Grad momentan!
Unsere Krankenstation läuft wie gewünscht, und die italienische Ärztin Elisabetta ist wirklich fleißig. Einige Frauen bringen nach der Behandlung für ihre Kinder eine Handvoll Erdnüsse oder Mangos als Dank, dann sind wir immer sehr gerührt. Viele Kinder erhalten bei uns die essentiellen Impfungen, und alle unterernährten Babies bekommen Trockenmilch. Viele offene Wunden und Verbrennungen werden geduldig von unserem Krankenpfleger behandelt, und etliche Mütter müssen wir auf Oktober vertrösten, dann nämlich soll unsere gynäkologische Station eröffnet werden.

Gut angenommen wird auch das Mädchenberatungszentrum in der Stadt. Es wurde am 3. März (zu Ehren des Geburtstages meiner Mutter!) von der deutschen Botschafterin und einigen Abgeordneten eröffnet. An bestimmten Tagen werden Filme über Aufklärung, Aids, Hygiene, Krankheiten und Partnerverhalten gezeigt, immer vor großer Mädchenmenge, und anschließend diskutiert. Wir haben schon richtige Fans, die immerzu kommen. An den anderen Tagen haben wir Termine mit den Mädchen selbst oder mit Müttern und Großmüttern, die sich Sorgen machen. Neulich kam doch tatsächlich ein junger Mann und erbat Einlaß – wir sagten ihm, daß nur Frauen hier erlaubt sind. Aber als wir seine Frage hörten, haben wir ihn dann doch angehört: „Wie mache ich, daß meine Freundin jetzt noch kein Baby bekommt? Wir machen gerade beide Abitur, und niemand will mir die Wahrheit übers Kinderkriegen sagen!“ Nun, wir haben ihm alles erklärt und er zog sehr glücklich ab… vielleicht demnächst ein Beratungszentrum für junge Männer… ? Auf jeden Fall hatten wir herzlich zu lachen!

Wir haben großes Glück gehabt: auf einem Grundstück außerhalb dieser entsetzlichen Großstadt können wir ein einfaches Haus für alle Kinder bauen. Das heißt, wir werden unsere eigenen Felder mit Mais und Hirse bebauen können und alle Kinder freuen sich auf die Wochenenden auf dem Lande!

Am meisten bin ich mit dem Bau des Mädchenwaisenhauses beschäftigt, das im September eröffnet werden soll. Im Dezember werde ich kurzfristig in Europa sein und für einige Vorträge zur Verfügung stehen.

So, nun will ich mich wieder an die Arbeit machen. Ihnen allen herzlichen Dank für jegliche Unterstützung, ich wünschte, Sie könnten zur Einweihung des Mädchenhauses kommen und alles mit eigenen Augen sehen!

Einen fröhlichen Sommer Ihnen allen, Segen aus Afrika

Ihre Katrin Rohde

Auch von uns hier in Deutschland herzliche Grüße, Sahel e.V.(Heide Gortner)

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