Rundbrief

Die Mädchen auf dem täglichen Weg zum Brunnen auf dem Gelände des JungenwaisenhausesLiebe Freunde, nun ist es schon wieder März, und ich habe seit dem Herbst keine Originalnachrichten aus Ouagadougou an Sie geschickt! Das soll sich gleich ändern!

Wenige Wochen nach der Eröffnung des Mädchenwaisenhauses bin ich zu meiner jährlichen Vortragsreise nach Deutschland gefahren. Das war wie immer eine sehr befriedigende Aufgabe: Neben Universitäten, Landfrauenvereinen, Rotary- und Lyonsclubs, Firmen, Privatveranstaltungen, Volkshochschulen und anderen Organisationen besuchte ich vornehmlich Schulklassen jeden Alters. Offensichtlich sind unsere, ja doch im Durchschnitt gut lebenden Kinder in Deutschland sehr interessiert am Leben im Elend, verständlicherweise, denn sie haben ja alles Notwendige und mehr als das. Alle Lehrer waren höchst erstaunt über die Stille und Disziplin während der Vorträge, über das Interesse und die Hilfsbereitschaft dieser Kinder, die oft ganze Tage an der Playstation und vor dem Fernseher sitzen. Oft haben wir am Ende des Vortrags über ihre eigenen Probleme gesprochen, die ja gewiss nicht kleiner sind als die afrikanischen, nur anders. Etliche Schulen haben daraufhin ihre Basare für unsere Projekte ausgerichtet.

Durch den großartigen Einsatz einer einzigen Lehrerin, die uns hier im letzten Jahr besuchte, ist Lübeck zu einer Spendenhochburg geworden! Sogar eine Internetseite hat sie zusammengestellt, es lohnt sich heineinzusehen: www.ernestinenschule.de, unter „Projekte“. – Durch den Sponsorlauf einer Schule in Köln kam ein erheblicher Betrag zusammen – liebe Kinder, danke für den ertragenen Muskelkater! – Auch der Landkreis Roth in Bayern hat mit seiner Aktion „Jeder Bürger eine Mark“ schon das dritte Mal bei vielen unserer Anschaffungen geholfen. Ja, das alles will bezahlt sein: Moskitonetze, Webstühle und unsere neue kleine Seifenfabrik!

Sogar im Ausland haben wir nun Freunde: In Österreich haben einige junge Fans von AMPO einen Landcruiser gekauft, sind damit Weihnachten in Wien gestartet und übergaben ihn nach erfolgreicher Wüstendurchquerung am 25. Januar 2000 unserem Behindertenprojekt als Geschenk! Nun können wir auch in der Regenzeit die Behinderten in den Dörfern mit Ersatzteilen für ihre Rollstühle erreichen. Ihre abenteuerliche Reise kommentierten sie täglich über das Internet, und sie hatten eine hohe Einschaltquote! Dank der Initiative einer jungen Tschechin, die sogar unseren Dokumentarfilm übersetzt hat, haben wir nun auch in Prag Unterstützung!

Durch alle diese Aktionen sind wiederum mehr Menschen auf AMPO aufmerksam geworden und helfen nun mit. Wir begrüßen die neuen Freunde und danken für die Treue und den Zusammenhalt unserer langjährigen Spender. Seien Sie alle herzlich bedankt, denn durch unsere sieben gutlaufenden Projekte sind wir nun wirklich hochbedürftig ! Obwohl alle Handwerksgruppen kräftig arbeiten und selbst versuchen, zu unserem Unterhalt beizutragen, können wir uns natürlich niemals alleine tragen. Alles will erst gelernt sein, und das kostet Geld! Bislang trägt sich nur das Marionettentheater selbst, hart gefolgt von unserem Behindertenprojekt, das Holzspielzeug herstellt – immerhin schon ein Erfolg, nicht wahr ? Die Kinder bemühen sich wirklich, ihr Ehrgeiz ist es, in den Handwerken gut genug zu sein, um nach Deutschland zu exportieren, ein hohes Ziel!

Auch die neue Krankenstation steht, und sie ist sehr schön geworden, gänzlich gekachelt, was wirklich hier wegen der Hygiene sehr wichtig ist, hell und einfach eingerichtet. Nun können wir sogar in eigenem Labor Malariauntersuchungen machen, und der neue Leiter ist Afrikaner. Wir haben täglich bis zu 100 Patienten, die meisten sind Kinder. Nirgendwo in Burkina Faso erhält man eine Behandlung für 30 Pfennige und dazu die Medikamente umsonst. Viele Frauen laufen kilometerweit mit ihren Babies, um morgens um 7 Uhr in der langen Schlange zu stehen in einer Stille und Demut, die uns alle beschämt. Als Helferinnen fungieren die ältesten unser Mädchen aus dem Waisenhaus, die alle zur Abendschule gehen und nun unbedingt Kranken- schwestern werden wollen. Was für ein wunderbarer Antrieb!

Das neue Mädchenwaisenhaus läuft nun so gut (unter der gestrengen, aber beliebten Direktorin Kristine Adamou), dass Ende März die nächsten 15 Mädchen einziehen werden. Wir wollten den ersten 25 girls erstmal Gelegenheit geben, sich gut zu verstehen, bevor wir alle 40 Plätze besetzen! Am herrlichsten finde ich die Mädchen, die im Restaurant kochen und servieren lernen. Mit unglaublichem Charme überwinden sie ihre Schüchternheit und fragen lispelnd nach den Wünschen des Gastes. Um eine Colaflasche zu öffnen braucht es zwei: Eine, die die Flasche festhält, die andere mit dem Öffner! Sie räumen jede Gabel und jeden Teller einzeln ab, weil sie nichts fallen lassen wollen und strahlen aus allen Knopflöchern, wenn man sie lobt.

So, nun will ich schließen.
Ihnen allen sei gedankt, wir verlassen uns weiterhin auf Ihre beispielhafte Treue zu uns! Einen schönen Frühling, grüßen Sie die Tulpen, wir schicken die Sonne!

Ihre Katrin Rohde

P.S. vom Förderkreis Sahel e.V.:

In diesem Brief hat Katrin Rohde berichtet, dass sich das Marionettentheater schon selbst trägt. Auch die anderen Werkstätten der Waisenhäuser, Tischlerei, Holzspielzeugherstellung und Schneiderei haben natürlich das gleiche Ziel. Der Absatz in Burkina Faso selbst ist sehr begrenzt. Die Produkte der Werkstätten sind aber so schön, dass wir meinen, sie würden auch hier in Deutschland Käufer finden. Wir überlegen uns daher, ob wir in diesem Jahr einige der selbstgefertigten Stücke nach Deutschland importieren und unserem Spenderkreis anbieten. Wenn die Reaktion positiv ist, werden wir im nächsten Rundbrief einige Artikel vorstellen. Wir meinen, dass so eine Aktion nicht nur finanziell ein starker Beitrag sein könnte, sondern vor allem die Jugendlichen zu großer Selbständigkeit anspornen würde, die ja so wichtig für ihre Zukunft ist.

Auch von mir herzlichen Dank für die schöne und abwechslungsreiche Zusammenarbeit mit Ihnen allen, und ich freue mich auf ein neues Jahr mit vielen interessanten Aktivitäten.

Ihre Heide Gorter.

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