Rundbrief

Liebe Freunde unserer Kinder hier in Afrika !

LandarbeitEinmal mehr bin ich tief erfreut, Ihnen mitteilen zu können, dass alle Kinder sich bei guter Gesundheit befinden.
Bei der generellen Kindersterblichkeitsquote hier ist allein das schon ein Anlass zu täglicher Freude und Zufriedenheit !
Rundherum und für die anderen ist das Leben zur Zeit gefährlich, da das einzige öffentliche Krankenhaus unserer Hauptstadt bestreikt wird – es finden keinerlei Operationen statt.

Unsere Kinder sind sehr aufgeregt, weil nach den vielen Jahren der Lehre nun erstmals die Handwerker einige Stücke nach Deutschland verkaufen sollen. Ein langgehegter Plan wird wahr – dank der Hilfe unseres deutschen Vereins Sahel.e.V. Nun sind wir ganz gespannt, ob wir „gut genug“ sind für den deutschen Markt !

Im August verlassen 9 Jungen das Haus nach ihrer Ausbildung bei uns. 6 von ihnen gehen zurück in ihre Großfamilie, das Traumziel der Resozialisation. Die anderen 3 machen sich mit einem Marionettentheater selbständig.

Mit unseren Marionetten haben wir viel vor – in dieser Stadt gibt es jährlich mehr als 2000 Verkehrstote, gar nicht zu sprechen von den Verletzten. Nun habe ich dem Polizeichef vorgeschlagen, einen Verkehrsunterricht an den Grundschulen zu beginnen und dafür unsere Marionetten als so eine Art „Verkehrskasper“ zu nutzen. Gerade sind wir bei den ersten Besprechungen darüber. Die Kinder haben schon Stücke und Lieder eingeübt. In einem Land mit 83 % Analphabetenquote ist dies noch immer die beste Art der Verbreitung von Verkehrsregeln.

Manche Leute schicken ihre 8-jährigen Kinder mit dem Moped zum Einkaufen ! Links abbiegen in Burkina heißt auf völlig überfüllten Kreuzungen so vielen und so schnell wie möglich allen anderen die Vorfahrt nehmen……!

Alle unsere Kinder sind zur Zeit oft im Garten und auf den Feldern. Hier hat die Regenzeit begonnen, und da die Kinder nun zwei einfache Häuser auf einer Farm 10 km außerhalb der Hauptstadt gebaut haben, können sie Wochenenden und Ferien auf dem Lande verbringen. Unser Esel Pixi geht hinter einem kleinen Pflug, und es werden Mais, Hirse und Erdnüsse gesät. Das bringt allen viel Spaß, dafür werden sogar die sonst so wichtigen Fußballspiele abgesagt ! Ein Wunder !

In der Schule geht es bis auf glorreiche Ausnahmen dieses Jahr nicht so gut, das muss ich leider zugeben. Zur Zeit überwiegt die Zahl der Kleinen zwischen 6 und 9 Jahren, und die haben allen möglichen Unsinn im Kopf und bestärken sich darin noch gegenseitig. Dazu kommt ein monatelanger Streik der Schulen, den wir trotz täglichen Lernens zuhause nicht auffangen konnten.

Auch das neue Mädchenwaisenhaus ist dann ab August komplett mit 40 Plätzen besetzt. Wir warten noch auf die Schulabschlüsse, um sie dann alle gleichzeitig aufzunehmen. Mit der Direktorin dieses Projektes haben wir einen Schatz gefunden, der uns hoffentlich lange erhalten bleibt. Madame Adamou ist von morgens bis abends im Zentrum, oft noch sonntags dazu. Sie liebt die Mädchen und ist trotzdem sehr streng mit ihnen, so wie auch ich mit den Jungen – nur diese Mischung geht ! Sie steht in ständigem Kontakt mit etwaigen verbliebenen Angehörigen und kümmert sich beispielhaft. Welch ein Glück für uns !

Bei P.P.Fille, unserer Beratungsstelle für junge Mädchen in der Stadt, ist es genauso. Das sind also schon zwei Projekte, um die ich mich nicht mehr sorge, Besuch und Kontrolle genügen. Trotzdem bin ich täglich da, allein schon aus Freude an den vergnügten Mädchen !

So, nun will ich mich um meinen Logiergast kümmern : gestern fanden wir ein frischgeborenes Schaf verlassen, nun habe ich eine fröhliche Nacht mit Saugflasche hinter mir. Aber auch dieses Waisenkind hat überlebt, und in einer Woche kann es dann zu den anderen auf die Farm, es hoppelt schon….

Ihnen allen danken wir herzlich wie immer !
Allen Segen aus Afrika und einen gesunden und fröhlichen Sommer !

Ihre Katrin Rohde

Beitrag weiterempfehlen