Rundbrief

Liebe Freunde in Deutschland !
Einen herzlichen Gruß aus Afrika von allen Kindern !

Ja, wir sind bei guter Gesundheit, die wenigen Malariafälle dieses Jahres haben wir relativ schnell überstanden – mit anderen Worten: richtig ernährte Kinder sind natürlich auch widerstandsfähig ! Leider kann man das von vielen Familien in der Stadt nicht sagen, sodass es dieses Jahr viele neue kleine Gräber gab….

Auch machen wir uns große Sorgen: der erhoffte Regen ist ausgeblieben. Er fing gut an, aber nun vertrocknet den Bauern seit Wochen die Hirse auf dem Halm, nur noch die Stengel können als Viehfutter verwendet werden. Die Ernte bleibt in den meisten Fällen ganz aus oder ist sehr mager – ein banges Jahr steht uns ins Haus. Unsere eigenen Felder, liebevoll von den Kindern eingesät, bringen außer Erdnüssen nichts.

Nun haben wir ja immer noch Glück, denn wir haben Sie, unsere Spender in Deutschland. Aber in Afrika leben heißt : alles zu teilen. Einmal monatlich vergeben wir 250 kg Mais an die Frauen, die mehr als 5 Kinder haben und keinen Mann. Jeweils am Monatsbeginn warten viele Frauen im Hof, mager, in ausgewaschenen Kleidern, mit meist kranken Kindern an der Hand oder auf dem Arm – und trotzdem lachen sie: Ein Eimer Mais heißt – eine Woche Essen ! Sie werden nach Listen aufgerufen und ziehen dann selig ab. Abgesehen davon allerdings ist alle unsere Hilfe auf längere Zeit ausgelegt, und darauf bestehen wir auch sehr.

Unbeugsam bestehe ich auf Schule für alle Kinder, wie auch immer. 16 von ihnen lernen täglich einen Beruf und gehen dann auf die Abendschule, dort werden sie um 22 Uhr von einem unserer Erzieher mit unserem PickUp abgeholt, erstens damit sie auf dem Nachhauseweg so spät nicht verloren gehen, zweitens können wir so besser kontrollieren ob sie auch alle da sind, und drittens müssen sie ja schlafen gehen, da der Tag spätestens um 5 Uhr 30 wieder beginnt.

Die tägliche Disziplin hat wieder begonnen, nachdem wir 2 herrliche Ferienwochen hatten, die Jungen mit Angeln und viel Sport in Sabou, die Mädchen durften auf der Farm sogar reiten – ihr Selbstbewusstsein steigt ! Leider hat wegen verschiedener Streiks die Schule immer noch nicht begonnen, d.h. seit Ende Mai gibt es keinen geregelten Unterricht – außer bei AMPO, täglich wird 3 Stunden der Stoff wiederholt, anschließend dürfen die Kleinen in den Lehrwerkstätten helfen, z. B. lernen, wie man Knöpfe annäht oder Holztiere herstellt. Nachmittags gibt es dann Sport, Singen, es wird gemalt, gebastelt oder Theater gespielt Manchmal werden auch kleine Kuchen gebacken, zumal wenn einer Geburtstag hat !

8 neue Jungen haben wir nun und 14 neue Mädchen. Alle sind noch dünn und krank, aber das wird sich bald geben. Das Wichtigste: die Impfungen ! Aber darauf sieht unser Doktor, der auch in Notfällen nachts kommt, er wohnt gleich um die Ecke, Gott sei Dank .

Ich selbst habe in der letzten Woche etwas ganz Neues gelernt: Zusammen mit etlichen afrikanischen Schauspielern und einem holländischen Kameramann habe ich als Regisseur 6 Kurzfilme gedreht. Die Themen sind: Fahren ohne Licht, Fahren ohne Bremse, Überfahren von roten Ampeln, Transport von 5 (fünf!) Personen auf einem Moped, und natürlich: Alkohol am Steuer. Kameramann und Schauspieler haben umsonst gearbeitet, dieses Thema geht hier alle an.
Da Burkina Faso jährlich 2000 Verkehrstote hat und viele davon Kinder sind, konnte ich diesem unsäglich gefährlichen Verkehr nicht mehr tatenlos zusehen. Mit einem fast nicht vorhandenen Budget und der Unterstützung von Polizei und Feuerwehr ist uns alles gelungen, und oft konnten wir am Drehort vor Lachen gar nicht mehr weiterfilmen, so viele lustige Sachen sind passiert ! Das war nun wirklich mal was anderes, und dem Kameramann und mir sind noch viele dringende Filme eingefallen: auch Tiertransporte und der Umgang mit Plastiktüten hier wären so einige Aufklärungsfilme wert !

Was den Kindern und mir sehr gefällt, sind die steigenden Verkaufszahlen unserer exportierten Holztiere, Stühle, Tische und so weiter – ach bitte, es wäre schön wenn Sie recht viel davon zu Weihnachten verschenken würden! Bitte bedenken sie die Herstellungs- und Transportzeit dabei, wir sind kräftig am arbeiten. So können wir doch endlich selbst zu unserem Unterhalt beitragen, darauf sind wir alle sehr stolz.

Im Oktober nun reise ich in Deutschland und halte etliche Vorträge – sollten Sie dabei sein, so kommen Sie danach doch gerne auf mich zu, dann können wir uns noch ein wenig privat unterhalten. Viele von Ihnen haben ja Patenkinder bei uns und dann kann ich selbst dazu etwas sagen.

Einen hoffentlich schönen Herbst, seien Sie behütet und seien Sie bedankt !

Ihre Katrin Rohde

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