Rundbrief

Liebe Sahel und AMPO-Freunde in Europa !
Kinder und Schule auf Hochglanz für den hohen Besuch... Das Jahr begann mit einem Knall : der französische Botschafter ( ein Mann mit viel Macht in diesem ehemals französisch kolonialisierten Land), ein sehr netter Mensch, fragte mich, ob ich mit einem Besuch von Frau Chirac einverstanden wäre…ich freute mich sehr. Der deutsche Botschafter war hocherfreut, noch nie hatte eine französische Staatsperson im Ausland ein deutsches Projekt besichtigt, es war uns also eine große Ehre. Madame Chirac sollte gemeinsam mit der Frau des Präsidenten von Burkina Faso für eine Stunde kommen, dazu der Minister für Soziales, der Gesundheitsminister, der Bürgermeister, die Botschafter etc etc – ein Staatsbesuch bei AMPO !

Nun ging alles los: tagelange Vorbereitungsbesuche der Sécurité und des Protokolls, stundenlange Gespräche mit den Privatsekretären von Frau Chirac und Frau Compaoré, jeder Schritt der hohen Damen wurde geplant, jedes Kind wusste, zu welcher Minute es an welchem Ort sein sollte. Ein heilloses Durcheinander zu Beginn, vor Lachen konnten wir oft nicht weiterüben. Tagelang wurden die Geschenke vorbereitet, die weißen T-Shirts gewaschen und verwahrt (wohlweislich, schließlich weiß ich ganz genau, dass der kleine Issouf seines zur richtigen Minute nicht mehr finden wird!), der Hof auf Hochglanz geputzt.

Und nun die große Stunde:
Der gepanzerte Mercedes fuhr durch das AMPO-Tor ein, begleitet von vielen Sicherheitsmotorrädern. Zwischen unseren beiden Waisenhäusern parkten mindestens 30 hochgepflegte schwarze Limousinen – welch ein Glanz neben unserer Müllkippe und in unserem armen Vorort…. Frau Chirac wollte alles ganz genau wissen und war schon nach 5 Minuten offensichtlich hocherfreut über unsere bescheidene Bau- und Lebensweise. Nein, wir haben kein Angeberprojekt, bei uns ist alles angemessen. Sie ließ sich von den Kindern aus ihren Schulbüchern vorlesen, begrüßte die Behinderten mit Handschlag und staunte über die fähigen kleinen Weberinnen – es hat sehr viel Spaß gemacht, ihr alles zu zeigen. Dann tranken wir Tee zusammen, überreichten unsere Geschenke, und natürlich sangen alle Kinder. Es tat uns richtig leid, sie schon gehen zu lassen, aber sie hat mich persönlich in den Elysee- Palast eingeladen und mir auch einen ganz wunderschönen Seidenschal geschenkt, auf den ich stolz bin ! Sie schenkte uns 40 000.- DM für ein Projekt, das AMPO gemeinsam mit „Ärzte ohne Grenzen“ nun durchzieht, eine Arbeit, die Straßenjungen im Hospital betrifft. Im Fernsehen gab sie danach ein Interview, in dem sie betonte, dass sie sehr bewegt war, denn die Kinder bei AMPO würden wirklich geliebt werden, das merke man an ihrer Fröhlichkeit. Danke Frau Chirac !

Liebe Freunde, Sie merken natürlich, dass ich sehr stolz bin auf diesen Besuch, aber es ist auch das erste Mal nach nun fast 8 Jahren, dass wir eine so schöne Anerkennung von staatlicher Seite bekommen, und das freut so eine kleine holsteinische Buchhändlerin denn ja auch !

So, nun aber zu den Kindern: alle sind gesund, leider brach sich Hamidou ein Bein weil er von einer Leiter fiel, und Fulbert, der ohnehin auf einem Auge blind ist, verletzte sich nun auch noch am zweiten Auge – es geht aber schon wieder. Wir hatten keine Meningitisfälle dieses Jahr, obwohl es eine wahre Epidemie mit vielen Toten gab und gibt, aber es sind auch alle Kinder durchgeimpft.

Vor zwei Wochen traf ein Container ein – Pullover für alle in dieser kalten Zeit, viele Medikamente, Werkzeug und die Ausrüstung für eine Schweißerwerkstatt für das Straßenjungenprojekt waren darin, Fahrräder, Rollschuhe, Küchengerät und Tausende von Bonbons (!) – vielen vielen Dank an alle Spender und die Packer ! Es war unwiderstehlich köstlich, den 7 Jahre alten Ernest das erste Mal auf Inlineskatern zu sehen, und bei der angeborenen Geschicklichkeit dieser Kinder hier brausen sie in unserem leergeräumten Refektorium nun jeden Sonntag als Skateboard- und Rollschuhkünstler durch die Gegend, Pflaster wird meterweise verbraucht ! Unser Zivi Frank Giese nimmt sie dann manchmal mit auf einen asphaltierten Parkplatz in der Nähe, da sammeln sich dann Hunderte von Zuschauern! Überhaupt hat sich Frank nun sehr gut eingewöhnt und wird mir eine echte Hilfe, sein „Containereinsatz“ war optimal !

Gott sei Dank senken sich unsere Zollkosten, denn seit genau 10 Tagen sind wir endlich eine NGO, also eine „Staatlich anerkannte Nichtstaatliche Organisation“, ein Status, um den wir seit 4 Jahren bei den Behörden kämpften und der uns bei Einfuhr und Handel begünstigt. Können Sie sich das überhaupt vorstellen, 4 Jahre Behörden- gänge..? Ja, hier ist das so!

Vielleicht sollte ich noch einige Worte zu den früher erwähnten selbstgedrehten Verkehrsfilmen sagen: diese 6 Spots liefen zweimal täglich für 4 Wochen im Dezember/ Januar, und die Rettungsdienste ermittelten eine gesenkte statistische Unfallquote von 10 %….nun sollen wir weiterdrehen, sagt der Verkehrsminister, vielleicht im Juni. Viele Kinder in Ouaga singen die Titelmelodie von diesem afrikanischen „7. Sinn“, die Folgen heißen: Zem zem molo molo, übersetzen kann man das mit :Aufgepasst, mach langsam. Alle Filmmusik haben die AMPOkinder selbst gemacht!

Ich habe noch so viel zu erzählen und zu danken, irgendwann werde ich wohl doch das so oft gewünschte Buch schreiben müssen ! Aber wann…? Wir sind alle so begeistert über die sich entwickelnden Fähigkeiten der Kinder, in unserem Container waren 5 gebrauchte Computer aus Deutschland, die wir nun umgerüstet haben. Ich glaube, wir werden das erste Waisenhaus Westafrikas sein, was selbst online geht ! Dann werden die Kinder die Kleiderausgabe und die Küchenkosten selber verwalten und können mit einem Waisenhaus in Uganda und einem in Venezuela korrespondieren, und vermutlich auch mit so einigen Schulklassen in Deutschland – liebe Schüler, putzt Eure Französischkenntnisse auf, wir warten auf Mailfreundschaften ! Die AMPOkinder lernen täglich tippen und schreiben mir schon ausgedruckte Nachrichten, die sie mir grinsend überreichen…ja, das Leben ist verrückt, denn zählen lernen sie in der Grundschule noch mit ausgedienten Coca-Colaverschlüssen – so dicht liegt hier alles beieinander.

Was bleibt mir wieder mal zu sagen außer Dank – für alles: für die vielen Weihnachtspäckchen (von denen einige gerade erst eintrudeln..), für die guten und teilnehmenden Gedanken an uns, für die kräftigen Geldspenden, für Ihr Interesse an uns so weit weg von Europa, für die vielen Mut machen- den Briefe an mich persönlich, namentlich nach dem neuerlichen Film, der im Dezember im Deutschen Fernsehen lief.

Seien Sie bedankt und seien Sie behütet, mit allen denen die Ihnen selbst lieb sind, bleiben Sie gesund und bleiben Sie uns gewogen!

Ihre Katrin Rohde mit allen AMPOkindern

PS vom Förderkreis Sahel e.V.:
Der Fernsehfilm, den Katrin Rohde erwähnt, hat auch hier bei uns in Plön große und vielseitige Reaktionen gebracht. Er vermittelt einen guten Einblick in unsere gemeinsame Arbeit und ist richtig spannend ! Wenn Sie möchten, können Sie das Video dazu für 49,– DM kaufen.

Allen „alten“ und „neuen“ Mitgliedern unserer stetig wachsenden Spenderfamilie herzlichen Dank für die großartige Unterstützung unserer Arbeit !

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