Rundbrief

Liebe Freunde von AMPO und SAHEL e.V. !

Katrin Rohde mit zwei AMPO KindernWären wir nicht alle inwendig so traurig über die Situation der Welt, wäre dies ein wahrhaft triumphaler Rundbrief. Da es nun aber einmal so ist wie es ist, muss ein jeder mit seiner eigenen Angst und Besorgnis fertig werden. Tatsächlich geht das Leben für alle, die nicht direkt betroffen sind, ja doch weiter, und ich hoffe sehr, dass wir dichter zusammenrücken, wieder neu lernen, uns auch aneinander festzuhalten und uns gegenseitig Trost zu geben. Wenn es das ist, was wir nun lernen sollen, so ist es gut. Es ist im übrigen das, was ich immer meine, wenn ich sage: Europa kann etwas lernen von Afrika.

Gerade vor 3 Tagen bin ich zurückgekehrt aus Deutschland und diesmal nicht alleine: die drei Großen unter den Marionettenspielern und ihr Theaterdirektor haben mit mir gemeinsam eine dreiwöchige Tournee durch Norddeutschland, Hamburg und Berlin gemacht! Was für ein Erlebnis! Im Alter von 18 und 19 Jahren das erste Mal U-Bahn, Rolltreppe, McDonalds! Beim Betrachten des ersten Schornsteines ihres Lebens wurde ich gefragt: Maman, werden hier die Wolken gemacht…?

Und was für ein Erfolg! Die natürliche Lebensfreude von Abdoulaye, Adama und Bourema riss das Publikum hin, wir spielten in Schulen, Kulturzentren, in der burkinischen Botschaft, vor Drogenabhängigen – das Wichtigste dabei war immer die anschließende Diskussion. Gerade jetzt ist ja nichts wichtiger, als der Dialog. Der Vergleich zwischen Kulturen, Religionen und Traditionen, und gerade, mit Jugendlichen zu reden, war für alle beiden Seiten wichtig. In diesem Stück geht es darum wie man zum Straßenjungen wird und warum es davon so viele gibt. Keins von den Kindern in Deutschland konnte sich vorstellen, dass einem hier in Burkina Faso die Mutter stirbt, wenn man kein Geld für ein Medikament hat, egal wie verzweifelt man danach sucht. Und dass man sie selbst begraben muss, mit Hacke und Schaufel. Dass Kinder hier verzweifeln, wenn der Vater das Schulgeld nicht bezahlen kann und sie nichts zu tun haben, den ganzen Tag nichts zu tun….und dass es oft kein Essen gibt, weil einfach keines da ist. Ich glaube, diese Reise war sehr wichtig, wir danken dem Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten des Landes Schleswig-Holstein, das den größten Teil davon finanziert hat. Und wir danken natürlich allen alten Freunden, die uns aufgesucht haben während dieser Reise, die oft Hunderte von Kilometern gefahren und geflogen sind, um ihre alten AMPO-Freunde wiederzusehen, welche Ehre für uns. Und wir danken Frau Seeler und Frau Gorter für die herzliche Aufnahme und die gute Bewirtung!

Wie Kinder der 4. Klasse das Theaterstück erlebt haben, können Sie hier nachlesen. (Bitte haben Sie ein wenig Geduld beim Laden der Bilder).

Auch für unsere drei Jungen war diese Reise lehrreich – sie sind schon sechs Jahre bei mir und ich vertraue ihrem Charakter sehr, Gott sei Dank hat sich das bewiesen. Als sie aus dem Flugzeug stiegen, sagten sie: Maman, hier ist das Paradies auf Erden…(schließlich ist Deutschland der Traum eines jeden Afrikaners) Ich sagte nur: lasst uns in einer Woche darüber sprechen! Und richtig sind sie zum Schluss gekommen: hier in Deutschland sind alle Menschen so alleine! Viel zu individualistisch! Und sie lachen viel zu wenig! Und die Kinder haben keinen Respekt vor dem Alter! Was sie schön fanden? Dass AMPO so viele nette Menschen zu Freunden hat, und sie beneiden die Deutschen um ihr Gesundheitssystem. Sie sagen, es ist schön zu reisen, aber noch viel schöner ist es, Nachhause zu kommen. Ich bin sehr froh – sie sind nicht auf den Luxus hereingefallen, und sie haben sich ihre eigenen Werte erhalten. Das zeugt doch von einer profunden Erziehung, nicht?

Auch ich selbst wurde diesmal in Deutschland geehrt. Aus der Hand der Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein empfing ich das Verdienstkreuz am Bande in Anerkennung der um Staat und Volk erworbenen besonderen Verdienste für meine Arbeit hier in Ouagadougou. Das hat mich sehr gerührt und sehr gefreut, zeigt es doch allen treuen Helfern und Spendern, dass wir mit AMPO auf dem richtigen Wege sind, so richtig, dass auch der deutsche Staat dies anerkennt. Frau Simonis hat mir einige Tage später bei einem langen Gespräch ihre persönliche Unterstützung zugesagt.

Hier bei AMPO ging alles gut in unserer Abwesenheit, 8 neue Jungen sind angekommen – Mädchen zur Zeit noch nicht, noch ist keine ins Leben entlassen, das geht erst nächstes Jahr los. Jetzt sind 57 Jungs und 44 Mädchen eingeschult, eine große Arbeit , denn sie alle gehen ihren Begabungen nach auf verschiedene Schulen, da haben unsere Erzieher sich viele Gedanken gemacht. Nun geht das Schuljahr seinen Gang, nachdem wir einen herrlichen Sommer im Camp von Kongoussi hinter uns haben – alle Kinder kamen wunderbar verwildert zurück, täglich wurde gefischt und gewandert und ganze Nächte durchgetanzt! Nun aber wieder her mit der Disziplin!

Übrigens haben wir uns etwas Neues ausgedacht: da noch immer die Post hier so schlecht funktioniert und vieles gar nicht bei uns ankommt, gibt es nun die Gelegenheit, Briefe oder Päckchen zu Weihnachten an die Plöner Adresse der Geschäftsstelle zu schicken . Spätestens bis zum 10. November sollten sie (deutlich beschriftet an wen) eingetroffen sein. Bitte denken Sie daran: Keine Schokolade, keine teuren Geschenke, eine kleine Aufmerksamkeit nur, denn es gibt viele, die gar nichts bekommen. Ich versuche, das hier auszugleichen. Bitte keine Kameras, die Folgekosten sind zu hoch.

Ihnen allen Dank, einen guten Herbst, seien wir alle behütet!
Ihre Katrin Rohde

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