Rundbrief

Liebe Freunde der AMPO-Kinder,

auf dem Gelände des Jungenwaisenhausesals erstes einmal: herzlichen Dank dafür, daß Sie immer noch für uns da sind!
Daß Sie uns so treu weiterhelfen, Geld senden, gute Gedanken schicken, liebevolle Päckchen an die Kinder adressieren, Container packen und Produkte aus unseren Werkstätten verschenken! Kurzum dafür, daß Sie uns nicht vergessen haben! So, das wollte ich schon lange einmal sagen.

Auch dieses Weihnachten waren wir wieder hingerissen von den Pateneltern !
Die meisten haben sich an unsere Bitte gehalten: keine Kameras, keine Schokolade. Und was für nette Gedanken für Geschenke es gab, unter anderem ein ganzes Pfund „Eßpapier“. Das war mal eine nie gekannte Überraschung, die Kinder staunten. Vielen Dank für alles, die Kinder haben schon geschrieben, diesmal mit guter Hilfe unserer Praktikanten.

Auch in den letzten Monaten hat sich wieder einiges getan – abgesehen davon, daß die Kinder immer größer werden. Neulich betrachtete ich einmal etwas eingehender die Zwillinge, die im Alter von 9 Jahren zu mir kamen, voller Krätze und sehr krank – ihre Mutter war gerade gestorben und sie sprachen kaum ein Wort. Mahamadi und Mahamoudi sind heute 15 Jahre alt. Bis heute finde ich sie haben die schönsten Augen von allen Kindern, aber dies ist nun auch wirklich die einzige Ähnlichkeit, die geblieben ist. Hoch aufgeschossen und kräftig werden sie gerade größer als ich selbst. Gute Schüler, feine Fußballer, gute Kameraden und lustige Kerle sind sie geworden, sie sind nicht schüchtern, zeigen aber guten Respekt und sind umsichtig. Neben ihrer Schule lernen sie Deutsch und gehen in unsere Computerkurse: Ich wünschte, ihre Mutter könnte sie sehen, sie wäre unbändig stolz auf die beiden !

Ja, es gibt einen Deutschkurs bei AMPO, denn ich habe eine gute Hilfe bekommen: Claudia Simonis, die schon häufiger bei uns zu Gast war, bleibt nun ein ganzes Jahr hier. Sie ist Heilpädagogin und arbeitet mit unseren schwierigsten Fällen, nebenbei hilft sie im Büro, schreibt Antwortbriefe mit den Kindern, räumt entlegene Magazine auf und hilft bei Schularbeiten. Das erste Mal habe ich eine wirkliche Hilfe auf längere Zeit, es ist wunderbar! Da sie AMPO und Afrika schon gut kennt, brauche ich garnicht viel zu sagen, sie weiß schon immer Bescheid. Und eben diese Claudia gibt nun den Kindem und Angestellten Deutschunterricht.

Da ich sonst oft garnicht weiß, wo mir vor Arbeit der Kopf steht, geht es nun ein bißchen ruhiger zu für mich. Das paßt gut, denn auf die Fernsehsendung bei Biolek hin haben mehrere Verlage bei mir angefragt, sie wollten gerne, daß ich ein Buch über die Entstehungsgeschichte von AMPO und mich selber schreibe. Das wollte ich schon immer mal machen, aber ich wollte noch warten bis ich ungefähr 80 Jahre alt bin – doch nun ist das Buch bereits geschrieben! Es erscheint zum Herbst in einem angesehenen deutschen Verlag – noch wird nichts verraten! Ihnen sage ich nur, daß ich das Buch eigentlich innerhalb von 6 Wochen geschrieben habe, morgens von 4 Uhr bis 7 Uhr frierend in dicken Socken und mit Pullover an meinem Laptop, denn die Nächte sind kalt. Am Tag ist so viel zu tun, so ist dies die beste Zeit. Wenn ich dann um 7 Uhr bei AMPO ankomme, strömen mir unsere vielen Schulkinder entgegen, strahlend, stolz mit ihren deutschen Schultaschen und Mützen, frisch mit Pomade eingerieben, winkend entschwinden sie auf ihren Schulweg. Eine schöne Ansicht und ein guter praktischer Tagesbeginn nach 3 Stunden Theorie am Computer!

Unser neuer Zivi Philip macht sich auch ausgezeichnet. Er geht die Dinge vorsichtig an, hat schon gute Freunde hier und ist selbst erstaunt über die Entwicklung der Computerkünste einiger unserer Kinder. Mein lieber Kollege und bester Mitarbeiter Issaka Kargougou hat zum Jahresbeginn sein Straßenjungenprojekt erweitern können. Dank der Unterstützung vom Ministerium für Umwelt in Kiel konnte er die langersehnte Schweißerwerkstatt eröffnen, gleichzeitig wurde daneben eine Schreinerei gebaut. Nun haben alle seine 25 ehemaligen Straßenjungen sowohl gute Unterkunft als auch Arbeit. Und Strom! Und Wasseranschluß, denn die vier Jahre vorher gab es nur Petroleumlampen und Wasser aus Tonnen. Ein großer Fortschritt, gleichzeitig weniger Krankheitsquellen. In puncto Sauberkeit schlagen diese Jungen alle unsere Projekte, ich weiß auch nicht wie sie das machen aber egal wann ich diesen Hof besuche, finde ich die Schlafsäle frisch geputzt vor – ich, staune. Dann grinsen die narbenüberzogenen harten Kerle mich gelassen und sanft von oben an: “ Maman in den Straßengräben hatten wir für unser Leben lang genug Dreck. Nie wieder! Seife ist gut!“ Einer von Issakas Ehemaligen macht übrigens gerade Karriere beim Militär.

Auch unser erstes Mädchen ist draußen, vorläufig, denn Absettou ist nach Koudougou gegangen, auf die staatliche Krankenschwestemschule. Weihnachten hat sie fröhlich mit uns zusammen hier gefeiert und hat mir alles erzählt, wie sehr sie sich nun anstrengen muß, wie schwer es ist mitzuhalten, wie straff der Stundenplan. Als erstes ausgebildetes AMPO-Mädchen muß sie alles besonders gut machen unser aller Wünsche begleiten sie. Dies ist das Land der Visitenkarten, und wir machen immer Spaß: jeder von uns, der irgendwann mal was wird, schreibt dann darauf Frau Dr. Sowieso oder Nähatelier x, darunter muß stehen: EHEMALS AMPO, als Gütezeichen!

Da die Leiterin des Mädchenhauses Christine Adamou im Dezember ihr erstes Kind bekam, waren die Mädchen viel mit ihren Erziehem und mir alleine, wir haben uns dabei auch besser kennengelemt. Fünf von ihnen bereiten sich auf ihren Abgang im nächsten Herbst vor, und wir versuchen in jedem Falle, den Kontakt mir ihren Tanten oder Großmüttem oder wem immer in der Familie wieder aufzubauen. Anders als bei den Jungen sind wir auf einen Schlafplatz in der Großfamilie angewiesen, trotzdem wird es schwierig werden, denn die echten Töchter dort werden oft nicht einmal eine halb so gute Ausbildung haben wie diese Waisenmädchen, das erzeugt Neid. Ihre Zukunft wird von Fall zu Fall zu entscheiden sein und ist abzuwarten. Einige von ihnen sind schon als Kinder versprochen worden, irgendwo warten schon Ehemänner auf sie auch das werden wir schwer beeinflussen! Es gab schon junge Männer, die ihre Bräute bei uns im Alter von 16 Jahren abholen wollten. Jedesmal haben wir ihnen klarmachen können, daß ihre Frauen mit einer Ausbildung bedeutend mehr zur Familie beitragen können als ohne – bislang waren alle damit einverstanden, und vor 19 oder 20 Jahren kommt uns keine vom Hof!

Noch immer hat es keinen Mangoregen gegeben, der Harmattan, ein böiger Wüstenwind voller Staub, hat uns fest im Griff. Seit Wochen braust er durch die Stadt, er trägt viele Krankheiten mit sich, unter anderem einen scheußlichen Grippevirus, der uns schon fast alle erwischt hat – nun, das ist auszuhalten. Solange es nicht schlimmer kommt! Gerade haben wir 60 Kinder gegen Meningitis nachgeimpft, darin hat unsere Krankenstation schon Routine. Alles in allem sind wir sehr zufrieden. Diese Zufriedenheit wünschen wir auch Ihnen!

Gesundheit und einen guten Jahresbeginn für Sie alle und Ihre Familien wünscht Ihnen aus ganzem Herzen aus Afrika
Ihre Katrin Rohde

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