Rundbrief

Liebe Freunde unserer AMPO-Kinder in Afrika!

Dies ist ein etwas ungewohnter Rundbrief – noch sehe ich selbst den stürmischen Herbst nahen und die Blätter von den Bäumen fallen, denn erst in 3 Tagen darf ich endlich zurück zu den Kindern und in mein gewohntes Leben fliegen. Ganze 2 Monate blieb ich diesmal in Deutschland, denn ich wollte das erschienene Buch „Mama Tenga“ gebührend vorstellen, so folgte ich der vom Verlag in allen Einzelheiten geplanten Lesereise durch ganz Deutschland – ein wunderbares Erlebnis, vom Schweriner Schloß bis zur Loreley bekam ich alle Landschaften im schönsten Sonnenschein zu sehen! Und gute Menschen lernte ich kennen oder sah sie wieder einmal nach vielen Jahren, treue Freunde und Spender begegneten mir in Dorf und Stadt. Das hat mir gut getan und mich in meiner täglichen Arbeit bestätigt. Während eines Interviews bat ich um Musikinstrumente für unsere Kinder in Afrika – viele von ihnen sind begabt. Die Reaktion war unglaublich: bereits im weihnachtlichen Container schwimmen jede Menge Geigen, Gitarren, Blockflöten und sogar eine Heimorgel – nun fehlt uns das Geld zur Erhaltung. Saiten müssen gekauft und Geigenlehrer gefunden werden, wir freuen uns auf Chor und Orchester AMPO, bloß: wo bleibt das Saxophon für Petit Papa? Und die Klarinette für Azara? Spenden erbeten!

In Ougadougou bei AMPO derweil ging alles gut. Per Mail wurde mir wöchentlich berichtet, alle Projekte überließ ich vertrauensvoll ihren zuständigen Leitern. Dies ist die Zeit der vielen Fälle von Malaria, sogar einen Typhusfall hatten wir leider zu verzeichnen, unsere Krankenstation samt neuem Labor reagierte aber aufmerksam und mit Verstand – alles ging gut. Während meiner Abwesenheit wurde sogar ein neues Projekt eröffnet: Behinderte Mädchen und junge Frauen erlernen das Weben und die Herstellung von Seife. In unserer Schweißerei hatten die dort arbeitenden Straßenjungen nach eigenen Plänen die behindertengerechte Einrichtung erdacht und gebaut. Natürlich bin ich sehr stolz, denn welcher Unternehmer kann schon für volle 2 Monate seinen Betrieb verlassen? Ich kann es, da sieht man mal wieder: Afrika den Afrikanern!

Unsere Schulferien – leider leider ganze 4 Monate lang – begannen mit einem nie da gewesenen Programm: Halbe Tage wurden alle Kleinen in die Werkstätten geschickt, nun können sie Knöpfe annähen und kleine Holztiere schnitzen. Erste Versuche in Kochen, Weben und Flechten wurden gemacht. Die andere Hälfte des Tages wurde sich amüsiert: in 8 gemischten Gruppen, geführt von den Erziehern und deutschen Praktikanten, wurden Tanz- und Singgruppen gegründet, Drachen gebaut und fliegen gelassen, gebastelt, Schnitzeljagden veranstaltet und schwimmen gegangen. Dankenswerterweise stellte uns ein Mitglied der Deutschen Botschaft den Swimmingpool zur Verfügung. Allerdings heißt es dabei mit vielen Helfern aufpassen, denn einige von unseren wilden Jungen glauben, wenn sie uns schwimmen sehen, dass jeder Mensch dies von Geburt an natürlicherweise kann. Diesen Irrtum bemerken sie erst, wenn sie nach gewagtem Sprung ins tiefe Wasser das zweite Mal versinken….noch jeder von uns hat so einen kleinen mutigen Kerl schon am Schlafittchen herausgezogen! Nach einem verlegenen Grinsen und unter dem Hohngelächter aller anderen Kinder macht er sich dann schnell daran, das Schwimmen zu lernen.

Für 2 Wochen haben wir dann alle Projekte geschlossen, fast alle Kinder fuhren in ihre Dörfer, um bei der Hackarbeit auf den Feldern zu helfen. Etliche von den Kleinen haben überhaupt keine Verwandten mehr, so wohnten sie bei Issaka oder bei mir Zuhause: glauben Sie mir, wir hatten viel Spaß, und endlich durfte ich sie auch mal ein wenig verwöhnen! Afrikanische Kinder hören im allgemeinen gut und zeigen Respekt, wir hatten eine wunderbare Zeit gemeinsam. Sowohl Mädchen wie Jungen verbrachten dann 2 Wochen im Feriencamp außerhalb der Hauptstadt unter einfachsten Bedingungen. Hier darf nun ein jeder machen, was er will: ausschlafen, fischen, singen und spielen, ohne Ende wird Fußball gespielt, sogar die Mädchen bilden eine Mannschaft. Leider mussten wir 3 von den großen Mädchen diesmal Nachhause schicken, sie nahmen sich zu viele Freiheiten heraus: ein schlechtes Beispiel für die Kleinen, und wir hatten sie oft genug verwarnt. Den letzten schulfreien Monat verbrachten die Schulkinder dann mit dem Aufarbeiten des letzten Schuljahres, täglich büffeln sie halbe Tage, Disziplin muss sein!

Inzwischen wetzte ich bereits in Deutschland zwischen Arztterminen, Pressearbeit und Fernsehinterviews hin und her, mit Frau Gorter gemeinsam arbeitete ich im Büro, viele Freunde und Spender riefen an, die ersten Reaktionen auf mein Buch trafen ein. Wichtige Versammlungen des Sahelvereines fanden statt, immer mehr Menschen engagieren sich für uns in ihrer Freizeit: Dirk Henkenius steuert souverän unsere Homepage, Tom Blöcker kümmert sich gekonnt um alle Drucksachen und Sabine Marxen erstellt eine gute Pressemappe. Auch der burkinische Verein hat ein Komitee gegründet, denn die auflaufenden Aufgaben dort verlangen eine Umstrukturierung, die sich an die Bedürfnisse anpasst. Auf allen Ebenen tut sich also etwas – keine leichte Aufgabe für mich, denn mein Herz hängt immer an der Arbeit mit den Straßenjungen und weniger an langwierigen Sitzungen, dafür habe ich wenig Geduld, aber wichtig sind sie eben auch! Wegen der politischen Ereignisse in der Elfenbeinküste machen wir uns alle schwere Sorgen. Egal was dort passiert, wir werden mit einer höheren Gewaltbereitschaft in unserem sonst so friedlichen und toleranten Land Burkina Faso rechnen müssen. Wir können nur beten für den Frieden – und weiter arbeiten, weiterhin die Kinder erziehen zu Akzeptanz, Eigenverantwortung und der Bereitschaft, zum Allgemeinwohl beizutragen. Beten Sie mit!

Mit herzlichen Grüßen, seien Sie alle behütet im frostigen Herbst, der nächste Rundbrief kommt dann wieder wie gewohnt aus heißeren Zonen!
Ihre Katrin Rohde

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