Rundbrief

Liebe Freunde aller AMPO – Kinder, darf ich Ihnen mitteilen, dass Sie seit kurzem nicht mehr 135 sondern nun 150 Kinder unter Ihrer Obhut haben?

Am letzten Samstag konnte AMPO unter Mithilfe vieler geladener Gäste, Presse, Funk und Fernsehen das neue Projekt „Mädchenhaus Mia“ einweihen. Wie die Beratungsstelle P.P.Fille wird auch das neue „Haus Mia“ von einem Team aus Soziologen und Sozialarbeitern geleitet. Dort wohnen nun 15 junge Mädchen, sie sind meist minderjährig, schwanger und von der Familie verlassen. Für Niederkunft und Ausbildung wird gesorgt, es gibt eine kleine Schneiderei und eine Töpferei. Einige dieser Mädchen sind HIV positiv und es ist unser größtes Anliegen, der Bevölkerung aufzuzeigen, dass es möglich ist, gemeinsam mit gesunden Müttern auf einem Hof zu leben und zu arbeiten. Gerade darum sind wir dankbar für den großen Widerhall in der hiesigen Presse. Hier sollen unter anderem ab Herbst auch 100 Schülerinnen aus Gymnasien geschult werden, um ihr Wissen im Unterricht weiterzugeben. Bereits lange vor der Eröffnung wurden wir von staatlicher burkinischer Seite und von deutschen Experten vor Ort sehr zu unserem Vorhaben ermutigt.

Besonders stolz bin ich diesmal auf den Bau und die Konstruktion: außer den Maurerarbeiten wurde praktisch alles von unseren eigenen Werkstätten hergestellt. Tore, Türen, Regenrinnen und Fenster kamen aus Issakas Straßenjungenprojekt, der Schweißerei. Moskitotüren und Möbel machten unsere Tischlerjungs, die Dachdecker erledigten fachgerecht ihre Arbeit. Alain fiel dabei vom Dach, tat sich aber weiter nichts, Madi haute sich seinen Daumen platt. Die Schneiderinnen nähten Gardinen und Kissen aus gespendeten bunten Stoffen aus unserem Container – es war eine reine Freude, alle arbeiteten mit viel Spaß Hand in Hand. Nun strahlen die Häuser in den Farben Erdbeer- und Vanilleeis! Dies war unsere erste ganz eigene Baustelle. Ich selbst war verreist, und als ich wiederkam stand alles fertig da, Bauaufsicht: Issaka Karkougou, samt aller komplizierten Abrechnungen (auch wieder mit Hilfe unserer jungen Buchhalter in spe!). Ja, AMPO bleibt ein Wunder.

Neun von unseren großen Jungen bereiten sich auf ihren Abschluss im August vor. Mit ihren 18 oder 19 Jahren immer noch in der Pubertät, schwanken alle zwischen Selbstüberschätzung, Freiheitsdrang und Minderwertigkeitsgefühlen. Immerhin geben sie ihre Furcht zu, sind aber auch sehr gespannt auf das Leben in Freiheit. Nun heißt es: selber kochen, und abends stecken sie die Köpfe mit unseren großen Mädchen für die letzten heißen Tips zusammen! Neun neue kleine Jungen und drei Mädchen kommen ab September zu uns, die schwierige Auswahl haben wir gerade im Team getroffen – ich freue mich unbändig auf sie. Zur Zeit ist AMPO ein Ort der reinen Freude. Fast alle Jungen konnten durch viele Nachhilfestunden – dabei danke ich besonders allen Praktikanten und freiwilligen Helfern – ihre Schulleistungen verbessern. Die Mädchen sind ohnehin im Schnitt in der Schule gut.

Die Ferien haben begonnen, sie stehen diesmal unter dem Motto Musik. In einer denkwürdigen Aktion wurden in Deutschland Instrumente gespendet und gesammelt. Issouf rollert im Refektorium auf seinen Rollschuhen und übt gleichzeitig Flöte, den kleinen Dauda treffe ich mit seiner Geige unter einem Baum, er selbst lächelt über die schrägen Töne…unser Zivi Andreas ist sein Lehrer. Eugenie und Esther können schon einen richtigen Blues auf der Gitarre spielen! Petit Papa bekommt Unterricht auf dem Saxophon: schon jetzt steht fest, er wird der König aller Tanzbars der Hauptstadt, wenn nicht sogar international berühmt! Die Mädchen üben das Singen im Chor – was daraus wohl noch einmal entstehen wird? Ich bin sehr gespannt. Der Regen hat begonnen und zweimal wöchentlich fahren alle Jungen auf die Farm und bestellen die Felder, diesmal gibt es einen Wettkampf zwischen den einzelnen Hütten: wer zieht die höchste Hirse?

Das alles hört sich an wie ein kleines Paradies, und so ist es auch! Bei AMPO ist die Welt in Ordnung, und dies bleibt das Ziel: fröhliche Kinder! Wären da nicht die vielen Kranken und die Operationen für die Babys und die wachsende Zahl der Mütter mit Aids. Diese nehmen nun den meisten Teil meiner Zeit ein, und die Malariazeit fängt erst an. Gestern brachte uns ein Vater seinen Sohn, der sich das Bein gebrochen hatte und 2 Monate nur traditionell mit Kräutersud behandelt wurde – nun ist alles viel zu spät, morgen früh werden wir wissen ob amputiert werden muss. So geht es täglich, viele Menschen und vor allem Kinder sterben, weil kein Geld für Medikamente vorhanden ist. Sehr oft geht es um Tod oder Leben bei uns hier, Entscheidungen müssen getroffen werden, denn wir können nicht allen helfen. Ich werde mich niemals daran gewöhnen. Ich danke Ihnen allen, jedem Spender einzeln, für Ihre Mithilfe in jedem einzelnen Fall!

Der Verein trägt sich mit dem Gedanken, die Basis in Deutschland zu erweitern. Einige der Praktikanten, die längere Zeit in unseren Waisenhäusern verbracht haben, möchten gerne eigenständig Vorträge über unsere Arbeit in Westafrika an Schulen, in Rotary- und Lyonsclubs und Frauenvereinen halten. Ich freue mich sehr darüber, zeigt dies doch auf, dass gerade junge Menschen Herz und Tatkraft besitzen! Ab Herbst wird es also für Sie möglich sein, Vorträge in Berlin, Köln, München etc. in der Geschäftsstelle zu erfragen. Für mich selbst ist dies eine große Erleichterung, denn die Anfragen steigen stetig und ich fühle mich oft sehr zerrissen.

Nach 14 Jahren verbrachte ich nun meinen ersten Urlaub, endlich einmal ausspannen! Da ich mich aber immer so wenig bändigen kann (mail und Telefon sind überall in Reichweite…) musste ich mir etwas einfallen lassen – ich fuhr zurück nach Afrika auf einem riesigen Containerschiff. 20 Tage Meer, Sterne, Delphine, Bücher und Schlaf, noch nie in meinem Leben war ich so erholt wie heute. Alles bei AMPO lief prächtig ohne mich – Afrika den Afrikanern – nur ein bisschen finanzielle Unterstützung ist nötig….

Und für diese Unterstützung danke ich Ihnen herzlich und grüße Sie mit den besten Wünschen
Ihre Katrin Rohde, Ouagadougou

Beitrag weiterempfehlen