Deutsches Fernsehen zu Besuch bei AMPO

Ein Bericht des Zivildienstleistenden Timo Nadolny

Hallo alle zusammen!

MDR. Mittel Deutscher Rundfunk. Was hat der mit mir und Ouagadougou zu tun? Ganz einfach: Er war hier zu Besuch, in Gestalt von einem Motorrad, einem Landrover und 2 tollen Mitarbeitern. Thomas Junker und Stefan Müller befinden sich zur Zeit auf einer Reise durch einige Länder Westafrikas. Stefan ist hierbei das `Mädchen für allesŽ, sprich er kümmert sich unter anderem um Reparaturen am Motorrad, dem Landrover etc, was bei einer solchen Reise unbedingt notwenig ist. Thomas ist Kameramann und Redakteur in einem. Das Duo arbeitet an einer Dokumentation namens `durch das Meer ohne WasserŽ, die 5 Teile umfassen wird. In einem dieser Teile wird es dann auch um Erics und meine Arbeit in Burkina Faso gehen. Ich muss sagen, der Besuch der beiden war eines der absoluten Höhepunkte meines bisherigen Aufenthaltes, mit denen evtl. noch meine Geburtstagsparty mithalten könnte. Wir waren ja schon verwundert, als wir erfuhren, dass für die Verwirklichung eines so großen Projekts, 2 Leute langen sollten. Doch als wir die beiden dann kennen lernten und auch Žlive in ActionŽ gesehen haben, wurde uns klar, dass die beiden mir ihren Fähigkeiten, der Herauforderung absolut gewaschen sind…

Am ersten Abend haben wir die 2 Reisenden zu einem Grillabend eingeladen (unser erstes mal grillen hier!) und es war absolut faszinierend was sie so zu berichten hatten. Nicht nur über das was sie auf ihrer bisherigen Reise so alles erlebt hatten… Durch ihre riesige Erfahrung konnten wir uns aus erster Hand über Notoperationen in Tibet, Kälte in Sibirien, Autorennen in Dakar, Weltreisen und noch vieles mehr informieren. Was die beiden bereits mit ihrer Kamera gesehen und bereist haben, ist wirklich unglaublich. Da die 2 auch wirklich nette und aufgeschlossene Menschen waren, versprachen die folgenden 2 Drehtage nicht langweilig zu werden. Und so war es dann auch.

Am ersten Tag stand Eric mit seinen Projekten im Kameralicht. Es ist ja nicht so, dass die Nachbarn hier neugierig wären und sich absolut nicht für den (voller interessanter Dinge für die Reise beladenen und mit getönten Scheiben ausgestatteten) Landrover interessierten, aber spätestens als sie dann anfingen ihre Kamera auszupacken, sahen wir uns dann doch gezwungen, unser Hoftor zu schließen, so dass wir mit den Dreharbeiten beginnen konnten.

Zunächst filmten sie Eric und die Nachbarfamilie. Im Anschluss ging es dann um die Gewinnung von Öl mit Hilfe von Solarkochern (dies ist ein Projekt, das Eric mit unserer Nachbarfamilie betreibt). Dazu wurde dann auch der Fernsehkran aufgebaut. Es wirkte schon irgendwie unwirklich, neben all der `EinfachheitŽ die in unserem Viertel herrscht, einen 6 Meter langen, schwenkbaren, Fernsehkran aufgebaut zu sehen. Nach einem tollen (solaren) Mittagsessen, wurde es dann so richtig lustig. Denn nun stand der Besuch einer Dorf-Schule auf dem Programm (Grund: solar-elektrifizierte Klassenzimmer). Jetzt stelle man sich vor: Da kommen 4 Weiße an, bewaffnet mit lauter solchem technischem Zeug… Kurz und gut: Wir legten vorübergehend den Schulbetrieb flach. Wie Außerirdische wurden wir bestaunt und als dann die anfängliche Scheu dem unverholenem Interesse wich, sahen wir uns umzingelt von mehr als 100 schwarzen Kindern, die alle ganz genau mitbekommen wollten, was die komischen Weißen denn da so machten. Später, als es dann als filmen ging, sahen wir uns dann einem schweren Problem gegenüber: Wie hält man solch eine Meute in Zaum und vor allem: wie hält man sie ruhig? Nun das war dann die richtige Herausforderung für mich… Ich versammelte die Schar um mich und geleitete sie weit genug weg vom Geschehen. Und dann stand ich da. Auf einer Mauer und um mich herum all die Kinder, die nun darauf warteten, dass ich irgend etwas machte. Na gut, dachte ich mir, dann leg ich mal los. Ich zog mein ganzes schauspielerisches, künstlerisches und kreatives Können zurate und so gelang es mir, mit Hilfe von Münzen, Streichhölzern, Tüchern etc., die Kinder für gut 30 Minuten in meinen Bann zu ziehen. Mit weit aufgerissenen Mündern und Augen sahen sie zu, wie ich ein 10 Franc Stück von meiner linken Hosentasche durch meinen Körper wandern ließ, um es dann schließlich las 100 Franc Stück aus meinem Schuh heraus zu zaubern… Es fiel mir schon schwer, mir mein Lachen beim Anblick der verdutzen Kinderaugen, zu verkneifen.

Am nächsten Tag standen dann das Straßenjungenprojekt und das Mädchenberatungszentrum von AMPO (meinem Waisenhaus) im Mittelpunkt. Auch hier wurde gefilmt, gestaunt, gelacht… Im Laufe der Zeit faszinierte mich meine Aufgabe als `KamerassistentŽ immer mehr und ich war absolut baff und überrascht als mir Thomas dann anbot, später (nach dem Jahr) ein Praktikum bei ihm zu absolvieren! Ich war echt aus dem Häuschen…

Aber dieser Überraschung nicht genug: Am Abend ihrer Abreise wurden wir dann, als Dankeschön, zum Pizza essen eingeladen! Ich glaube, ich habe in Ouaga noch nie so lecker (und teuer) gegessen wie an diesem Abend.

Jetzt bleibt mir nur noch, mich bei Stefan und Thomas (und natürlich dem MDR) für diese 2 tollen und unvergesslichen Tage zu bedanken! Ach ja und natürlich auch für den neusten Spiegel, die Leber- und Jagdwurst, die `heißen PfannenŽ, die Wick Hustenbonbons….. , die sie uns noch großzügig überließen! Und was bedutet das ganze noch? Das ihr im Januar alle fleißig MDR schauen müsst! Die genauen Daten schicke ich euch dann auch noch mal;-)

Doch abgesehen von dieser `FilmassitenzŽ, habe ich ja noch einige andere Aufgaben hier. Zumal jetzt meine `Mama TangaŽ (Katrin Rhode) von ihrer Deutschlandtour zurückgekehrt ist. Man sollte ja meinen, dass sie sich bei der 6 wöchigen Odyssee quer durch Deutschland, bei der sie mit Zug, Flugzeug und Auto, in Kindergärten, Schulen, Rotary- und Altenclubs für all ihre tollen Projekte warb, eventuell etwas verausgabt hätte. Vielleicht brauchte sie jetzt doch erst mal ein paar Tage zum erholen… Aber weit gefehlt! Kaum am Flughafen angekommen und begrüßt (Timo, du siehst ja schon so richtig afrikanisch aus!) kommt auch schon die Arbeit (wie sehen uns dann morgen um 7.30 im Büro?)… Und jetzt geht es so richtig schön rund. Ist vorher alles ein wenig afrikanisch-entspannter gelaufen, dann geht es jetzt wieder so richtig schön los. Sie hat lauter neue Ideen und Projekte im Kopf. Was mich gefreut hat war, dass sie mit meiner bisherigen Arbeit recht zufrieden schien*g* Doch dazu ein anderes mal mehr.

Nur soviel: Mir fällt langsam auf, wie sehr ich hier doch Mädchen für alle und alles bin. Ich kann nicht über de Hof gehen, ohne das nicht mindestens ein Mitarbeiter oder ein Kind meinen Namen rufen, weil ich ihnen doch mal kurz helfen muss… Aber ich beklage mich nicht! Denn Herausforderungen sind ja erst das Salz in der Lebenssuppe;-) Und ich habe 10 mal lieber zuviel zu tun, als dass ich mich langweilen würde.

In dem nächsten Bericht werde ich dann auch etwas ausführlicher über meine Arbeit berichten. Da geht es dann zum Beispiel über Farbe, Kleider und Besucher. Außerdem möchte ich dann auch noch ein bisschen über die Schattenseiten Afrikas berichten. Denn man sollte nicht vergessen, dass ich hier immerhin im 3.ärmsten Land der Welt wohne. Was ich da so alles erlebt habe, wird das hoffentlich in Erinnerung rufen…

Bis dahin alles Liebe,
Euer Timo

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