Alltag eines Zivildienstleistenden bei A.M.P.O.

Ein Bericht von Timo Nadolny

Hallo alle zusammen!

Also meine Arbeit. Ich habe ja vorher schon einmal darüber geschrieben, aber es kann ja nicht schaden, darüber zu informieren, dass ich auch weiterhin nicht auf der faulen Haut liege..

Ich habe es mir zur persönlichen Aufgabe gemacht, ein bisschen `OrdnungŽ zu schaffen. Das soll nicht heißen, dass es bei AMPO unordentlich sei, oder gar, dass ich ein Ordnungsfanatiker wäre! Gott bewahre… Beides wäre eine infame Lüge*g*. Aber ich bin dann doch noch so `deutschŽ, dass ich es nicht leiden kann, z.B. erst einmal eine halbe Stunde nach der Bohrmaschine suchen muss, bis ich endlich eine Lampe montieren kann. Was die Arbeitsmaterialien angeht, sollte doch ein wenig Ordnung herrschen. Nun ja, da meine beiden Chefs (Katrin Rohde –übrigens möchte ich darauf hinweisen, dass es sich um Mama Tenga, und nicht etwa, wie in meinem letzen Bericht irrtümlicherweise geschrieben, um eine Mutter einer schmäleren Unterbekleidung handelt- und Isaaka) gegen meine Idee ein bisschen aufzuräumen, nichts einzuwenden hatten, ging ich auch frisch ans Werk. Doch wie schon so oft zuvor in heimischen Gefilden (Zimmer), merkte ich auch hier erst als es schon zu spät war, auf was ich mich da eingelassen hatte. Zunächst nahm ich mir die Werkstadt vor. Nach einigen Tagen, sägen, schrauben, sortieren usw. gelang es mir, dort meine Schaltzentrale einzurichten! Und in der Regel, darf hier auch niemand ohne mich rein, was hier sehr wichtig ist! Denn ansonsten legen meine afrikanischen Mitarbeiter nicht so wirklich Wert darauf, das Metermaß wieder genau an die Stelle zurückzulegen, wo man es auch her hat… Nun gut, als nächstes stand dann die Kleiderkammer auf der Liste. Das war nun was! Hierzu muss man wissen, dass AMPO des Öfteren Kleiderspenden bekommt, von denen die Kinder dann eingekleidet werden. Wie ich bald herausfand, gehört es zu meinen Aufgaben, eben dieses Austeilen an die Kinder vorzunehmen. Allerdings gibt es extra Erzieher, die den Kindern die Erlaubnis erteilen, Kleider bei mir zu holen. Doch da es mir dann doch etwas merkwürdig vorkam, dass plötzlich alle 50 Jungs die Erlaubnis hätten, jetzt auf einmal neue Schuhe, Pullis etc. von mir zu holen, führte ich kurzerhand Kleiderzettel ein. Seitdem hat sich meine Arbeit um einiges erleichtert. (Ohne Zettel vom Erzieher auch kein Kleider! Da kenne ich nix…)Doch wieder zurück zur Kleiderkammer. Man stelle sich vor: ein großer Raum, voller Klamotten und dann kommt ein Kind an und soll neue Schuhe erhalten. So und dann ging die Sucherei los: Mal hatte man den einen Schuh (da fehlte der andere), mal hatte man beide (dann waren sie zu klein) oder man hatte beide und sie hatten auch die richtige Größe, aber dafür waren es dann Frauenschuhe. Da ich ein viel zu ungeduldiger Mensch bin, als dass ich dies auf Dauer ertragen könnte, machte ich kurzen Prozess und räumte den kompletten Laden auf. Dabei hatte ich jedoch auch eine Menge Spaß, da ich immer von einigen Kindern Gesellschaft geleistet bekam. Nun und die verstanden es, mich durch Modeschauen, Morenachhilfe etc. immer wieder zum Lachen zu bringen…

Als ich damit dann schließlich fertig war, beschloss ich das AMPO-Tor zu streichen. Da AMPO unheimlich viele Besucher bekommt (so als würden wir in sämtlichen Reisführern, Lonely Planets etc. über Burkina Faso stehen), schien mir das eine sinnvolle Sache zu sein. Denn was ein Besucher als erstes siehst, ist ja das Tor. Logisch, oder? Die Besucher kommen so ziemlich von überall her. Aus Luxemburg, Deutschland, Frankreich etc. oft darf ich dann auch Fremdenführer spielen, was mir immer wieder auch eine willkommene Abwechslung ist! Dann zeige ich den Besuchern all die verschiedenen Einrichtungen, erzähle ihnen über Geschichte, Sinn und Visionen von AMPO. Naja ich versuche es zumindestens. Insbesondere auf französisch ist das immer wieder eine lustige Sache! Aber zurück zum Tor. Viel gibt es da eigentlich nicht zu schreiben. Ich hab es halt gestrichen (siehe Bilder).
Wie versprochen möchte ich mich nun liebe wichtigeren Dingen zuwenden: dem wahren Leben hier, verdeutlicht an Beispielen aus meiner direkten Umgebung.

Da wäre zunächst unser Nachtwächter. Ein sehr netter und intelligenter Mann, der uns regelmäßig Moreunterricht gibt. Er ist ein gläubiger Moslem und er ist durch das allnächtliche Radio hören, überdurchschnittlich gebildet und informiert! Nun jedenfalls war seine Frau schwanger. Sie hatte bereits 2 Fehlgeburten hinter sich, doch diesmal schien alles gut zu laufen. Doch auch diesmal sollte es nicht sein und seine Frau verlor auch das dritte Kind. Am selben Abend, wo dies passierte, kam er dennoch zu uns um seine Arbeit zu verrichten. Ich habe selten einen Man gesehen, in dessen Augen soviel Trauer lag und dennoch wollte er ganz selbstverständlich seine Arbeit machen. Erst mit sanften Druck überzeugten wir ihn davon, dass er sich lieber um seine Frau kümmern solle. Einige Tage später musste seine Frau dann ins Krankenhaus. Das ganze kostete gut 15.000CFA, also nur gut 20 Euro. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass er auch nur 30.000CFA verdient, sieht das ganze dann doch schon etwas anders aus. Da wird einem erst bewusst, wie glücklich man sich schätzen kann, versichert zu sein!

Letztlich kam ein Nachbar zu uns. 20 oder 21 Jahre alt. Er würde sich gerne mal mit uns unterhalten. Wir kannten ihn bis dahin nur als lebensfrohen Menschen. Doch jetzt saß er da auf unserer Terrasse wie ein Häufchen Elend und es fiel ihm sichtlich schwer mit der Sprache herauszurücken. Doch als er sich dann endlich aufgerafft hatte, brachen die Dämme. Er erzählte uns von seinem Leben als Halbwaise. Einem Leben, in dem er seinen kleine Bruder und seine alte kränklich Mutter versorgen muss. Und dies mit einem Tageslohn als Schneider von ca. 400 CFA, also 60 Cent. Da saßen wir also und hörten zu, wie der junge Man sich bei uns sein Herz ausschüttete. Er wolle uns nur darum beten, dass wir ihn nicht vergessen mögen und wenn wir abreiten hätten, sollten wir uns doch einfach melden.. Da stehst du nun. Kurz vorher war ich gerade in dem europäischen Supermarkt einkaufen gewesen. Wir wollten uns mal wieder was gönnen. Cornflakes, Milch und Saft.3.000 CFA hatte ich dafür bezahlt…

Was an dieser Geschichte aber das traurigste ist: Beiden, unserem Nachtwächter und unserem Nachbar, geht es aber vergleichsweise noch gut! Denn sie sind beide gesund. Sie haben beide noch Familie und sie können arbeiten. Da geht es ihnen besser als eine Vielzahl anderer…

Doch davon ein anderes mal mehr.

Bis demnächst un mit lieben Grüßen

Timo Nadolny

Beitrag weiterempfehlen