„Hausarrest“

Hallo alle zusammen!

Da ich die ganze Woche `HausarrestŽ hatte, liegt eine besinnliche und ruhige Woche hinter mir. Meine Chefs hatten beschlossen, dass ich eine Woche lang Auszeit nehmen müsse, um wieder richtig fit zu werden. Nun gut, was blieb mir anderes übrig, als mich meinem Schicksal zu fügen? Leicht fällt es mir ja nicht, einfach zum Nichtstun verurteilt zu sein, aber ich versuchte das Beste aus der Situation zu machen. Und so bin ich auch endlich einmal dazu gekommen, meine Gitarrenkenntnisse aufzufrischen und ganz viel zu lesen. Dinge zu denen mir in Deutschland eigentlich immer die Zeit gefehlt hat. Insbesondere das Lesen genieße ich hier unheimlich und ich kann froh sein, dass wir bei AMPO kistenweiße deutsche Bücher haben. Und ich entdeckte eine ganz neues Interesse in mir: Das Heimwerkeln. Da in unserem neuen Haus noch einiges zu erledigen ist, gingen mir die Ideen nie aus. Ich hätte nie gedacht, wie entspannend werkeln sein kann. So habe ich u.a. 2 Tische gebaut. Beide sehen wirklich nicht ganz schlecht aus und sind zudem auch recht stabil. Unterstützt wurde ich dabei von meinem neuen, kleinen Freund, Ali. Er ist 7 Jahre alt und ein Nachbarsjunge. Es war wirklich lustig mit anzusehen, wie er sich nach unserer Ankunft neugierig und vorsichtig an uns herantastete. Anfangs schaute er immer nur kurz herein, später saß er dann an der Tür um sich anschließend bis zur Terrasse vorzuwagen. Mittlerweile ist er uns schon so vertraut, dass ich ihn durchkitzele und Blödeleien mit ihm mache. Außerdem erweist er sich als sehr praktischer Bote. Nicht das wir faul wären, aber manchmal ist es schon praktisch, wenn Ali uns das Bier holt und man sich nicht selber aus der Hängematte kämpfen muss*g* Überhaupt ist es echt interessant in einem neuen Viertel zu wohnen. Man wird von allen genau angeschaut und begutachtet. Man muss dabei auch etwas aufpassen, denn man sieht den Leuten ja leider nicht auf den ersten Blick an, ob sie einfach freundlich sind, oder ob sie sich nur bei dir beliebt machen wollen, um dich 2 Sätze später nach einem Flugticket nach Deutschland zu fragen. Einige Tage nach unserem Umzug, haben wir dann auch eine Besuchtour durch das Viertel gemacht, bei der wir bei den Nachbarn herumgegangen sind, um uns vorzustellen. Es ist schon irgendwie beruhigend, seine Nachbarn zu kennen. Insbesondere als, vermeintlich reicher, Weißer in einem so armen Land wie Burkina Faso. Während meiner Woche `ZwangserholungŽ wurde ich bestens von AMPO versorgt. Jeden Abend um 7 konnten Eric oder Martin, eine Mahlzeit aus dem AMPO-Restaurant, abholen. Und Adama, der Koch und ein richtiger toller Kerl, hat echt lecker gekocht… Eines Tages rief mir Eric zu, ich solle doch einmal heraus kommen. Dort erwartete mich eine AMPO-Delegation. 8 meiner Arbeitskollegen hatten sich kurzerhand auf ihre Roller geschwungen, um mir einen Krankenbesuch abzustatten. Sie wollten sicher gehen, dass ich mich auch wirklich gut erhole. Dabei hatten sie 2 rießen Tüten, mit frischem Obst. Ich war wirklich gerührt. Es freut einen doch, zu sehen, dass man von den Leuten gemocht wird und dass sie an einen denken! Aber wieder zurück zu meinen Tischen. Ich war echt stolz auf mich! Ansonsten gab es noch etliche Lampen, Stecker, Anrichten etc. die auf eine reparierende Hand warteten. Aber wer hätte je gedacht, dass ich einmal zu einem halbwegs brauchbaren und interessiertem Handwerker werden würde? Ich bin mal gespannt, was dieses Land noch so alles aus mir machen wird… Immerhin bin ich auch schon um einiges geduldiger, ordentlicher und pünktlicher geworden (ich weiß, das ist alles relativ zu sehen).Wenn ich jedoch irgendwann schreiben sollte, dass es mir Spass machen würde, mit Puppen zu spielen oder Unkraut zu jäten, bitte ich darum mich möglichst schnell hier raus zu holen.

Das neue Haus ist wirklich spitze und nur 2 Minuten von meiner Arbeit weg. Mit den 4 Mangobäumen, den 2 Bädern und den Hängematten, ist es echt eine Luxusbude. Jetzt haben wir sogar Glasfenster! Endlich ist nicht alles zwangsläufig voller Staub. Zudem bekommen wir jetzt auch noch Fliegengitter, so dass die bösen und gemeinem Malariaträger in der nächste Regenzeit, kaum noch eine Chance haben, uns zu pieksen. Naja und wir können uns beim Toilette gehen setzen!

Aber die absolute Krönung ist unsere Dachterrasse. Von dort hat man gute Sicht auf das ganze Viertel und das Viertel natürlich auch auf uns;-) Klar, dass wir die Terrasse erst einmal mit einer Flasche Tequilla einweihen mussten. Doch an dieser Stelle muss ich leider aufhören zu schreiben. Nicht weil es darüber nichts zu erzählen gäbe, aber ich habe ja von allen Seiten strengste Anweisung bekommen, mich nicht zu überarbeiten. Daher soll hier Schluss sein.

Alles Liebe

Euer Timo

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