Dreharbeiten bei AMPO

Hallo alle zusammen!

Die letzte Woche war mal wieder so richtig erlebnisreich- Wir haben Fernsehfilme gedreht. Nicht nur einen, sondern gleich 3! Jeder Film hat eine Länge von 5 Minuten und soll später im burkinischen Fernweh ausgestrahlt werden. In allen 3 Kurzfilmen geht es um Kinderhandel. Ich fasse einen der Filme mal kurz zusammen, damit ihr eine Vorstellung habt:

Film 1- Die roten Schuhe

Man ist in Burkina Faso. Eine ländliche Gegend, Mitten im Nirgendwo. An einer holperigen

Sandpiste stehen eine Mutter und ihre Tochter und fegen Sand zusammen (um ihn später zu verkaufen), neben sich haben sie einige Holzscheite aufgestapelt. Plötzlich taucht ein toller Wagen, mit einer gut gekleideten, stattlichen Dame. Während sie Holy kauft, werden sie und ihre roten Stöckelschuhe, eingehend von der ca. 17jaehrigen Tochter, die solche Schuhe noch nie gesehen hat, eingehend betrachtet. Die Frau bemerkt dies und so entsteht ein Gespräch, das damit endet, dass die Frau das Dorfmädchen mit in die Stadt nimmt, mit der Versprechung, dass sie sich um sie kümmern würde und sie bald viel Geld verdienen würde. In der Stadt angekommen, wird sie von der hilfsbereiten Dame zunächst einmal mit tollen, gewagten Klamotten eingedeckt. Selbstverständlich bekommt sie auch rote schicke Stöckelschuhe.

Die nächste Einstellung. Dunkel. Man sieht lange Beine, rote Stöckelschuhe. 10 Meter nach links, 10 Meter nach rechts. Die hohen Absätze die eine Zigarette ausdrücken. Männerfüße, die sich den langen Beinen näheren. Ganz Nahe, um dann gemeinsam zu verschwinden.

Krankenhaus. Dem ehemaligen Dorfmädchen, in ihren gewagtren Klamotten kaum wieder zu erkennen, geht es sichtbar schlecht. Ein Polizist kommt herein und beschwört sie, ihr die Namen derer zu nennen, die ihr das angetan haben. Obwohl das Mädchen Angst hat, getötet zu werden, flüstert sie dem Polizisten die Namen ins Ohr.

Man sieht viele hübsche langbeinige Mädchen. Rotes Licht. Männer die kommen, sich mit einer dickeren Frau unterhalten, ihr Geld geben, um daraufhin mit einer der hübschen jungen Mädchen, in eines der angrenzenden Zimmer zu verschwinden.

Plötzlich geht alles ganz schnell. Bullige Polizisten stürmen herein. Nun ein Wirrwarr aus fliehenden Männern in Unterhosen, kreischenden halbnackten Mädchen, klickenden Handschellen etc. Kurz darauf sind alle in den Polizeiautos verstaut und abtransportiert.

Immer noch in Burkina Faso. Eine ländliche Gegend, Mitten im Nirgendwo. An einer holperigen Sandpiste steht eine Mutter und fegt Sand zusammen. Neben sich hat sie einige Holzscheite aufgestapelt. Plötzlich taucht ein junges Mädchen auf. Ihre Tochter. Barfuss und herunter gekommen. In der Hand rote Stöckelschuhe. Ihr Mutter schließt Sie in die Arme und sagt, dass es auch Zeit geworden wäre, dass sie endlich nach Hause käme. Daraufhin hört man die Tochter erwidern, dass es leider nicht für lange sei, denn sie wäre sehr krank.

Die selbe Gegend. Ein einzelner Baum. Das Mädchen. Sie liegt im Sterben, ringt nach Luft, schließt die Augen.

Neben ihr die roten Schuhe. Wind kommt auf und sie werden von dem Sand zugeweht.

O.K, es ist vorbei. Also, die Tränen aus den Augen wischen, dass ihr auch schön weiterlesen könnt. Ich gebe zu, dass sich der Film evtl. etwas kitschig zu lesen sein mag, aber ich glaube, dass er wirklich richtig gut wird. Ich persönlich hatte, bei so manchen Einstellungen, wirklich Gänsehaut bekommen! Die andern beiden Filme gehen um ähnliche tragische Schicksale, um Dorf-Kinder, die mit Versprechungen in die Stadt gelockt werden, um dann später festzustellen, dass sich das versprochene Paradies, als Hölle heraus stellt. Sie werden nicht reich, sonder enden als Nutten, Plantagenarbeiter, vergewaltigte Hausmädchen, Bettler etc.

Das Schlimme bei diesen Filmen ist, dass sie die traurige Realität widerspiegeln. Das ist das Leben hier. Doch trotz der Tragik der Filme hatten wir bei den Dreharbeiten eine Menge Spaß! Hier noch einige kleine Anekdoten-

– da war z.b. die eine Hauptdarstellerin. Wir haben ja über einige Tage gefilmt. Biss (mein Mitarbeiter und Freund) und ich, sind dann abends herumgefahren bzw. haben die Leute angerufen, die am nächsten Tag vor der Kamera zu erscheinen hatten. Eines Abends dann der Schock: Erkannten wir doch die eine Hauptdarstellerin nicht wieder, da sie Ihre Frisur hat ändern lassen. Man kann sich vorstellen, dass wir sehr geschockt waren, denn wie ist es logisch zu erklären, dass das Mädchen in der einen Szene z.b. Locken, und in der anderen dagegen wieder Rastas auf dem Kopf hat? Außerdem teilte sie uns mit, dass ihr Chef ihr für den nächsten Drehtag knickt frei geben wolle. Daraufhin mussten wir alle unsere diplomatischen Fähigkeiten in Gang setzten, Getränke spendieren, telefonieren etc. um die Probleme zu lösen.

– Einmal haben wir in einem Dorf gedreht. Prinzipiell könnte ich allein darüber einige Seiten berichten, aber da ich dazu weder Energie noch Lust habe, fasse ich mich kurz: Krass! Die ganzen alten und jungen Dorfbewohner waren einfach hin und weg!

– Ein anderes mal ließen wir von der Polizei, die Hauptstraße absperren, weil wir eine Szene drehten, in der die ganzen Dorfältesten, barfuss und bewaffnetet in die Stadt kommen, um ihre gestorbenen Kinder zu rechnen. Man kann sich vorstellen, dass wir bei diesen Dreharbeiten etliche Zuschauer hatten…

Nun haben wir die Dreharbeiten hinter uns, und obwohl es sehr viel Spaß gemacht hat, bin ich doch froh, dass ich jetzt nicht mehr tagelang von 6 Uhr morgens bis 10 Uhr abends arbeiten muss…

Jetzt wird das Material im Studio noch geschnitten und dann wird sicherlich erst mal ein großes Fest anstehen. Ich persönlich mache jetzt Schluss und wünsche euch noch alles Liebe und Gute

Liebe Grüße aus Ouagadougou

Euer Timo

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