Blond in Afrika

Hallo alle zusammen!

So, der Film ist vorbei. Beziehungsweise das Drehen ist vorbei. Momentan werden die 3 Kurzfilme im Studio geschnitten und sollten noch in diesem Monat fertig werden. Da ich nicht mit im Studio bin, kann ich mich jetzt wieder voll und ganz meiner liegengebliebenen Arbeit, bei AMPO widmen.

Außerdem hatte ich mal wieder die Zeit und Muße, zum Friseur zu gehen. Das Resultat am nächsten Tag war, dass ich mindestens 200 Händepaare auf meinem Kopf herumwuselten, weil jeder einmal mein kurz geschorenes, blondes Stoppelhaar begutachten musste. Überhaupt ist es lustig mit anzusehen, wie meine Haute- und Haarfarbe, die Menschen hier fasziniert. Wenn ich auf der Arbeit, ausnahmsweise ;-), mal zum Sitzen komme, kann ich oft erleben, dass mir die Jungs minutenlang über Arme und Beine streichen, weil sie das blonde Haar so fasziniert. Aber dies machen nicht nur die Kinder! Auch meine Arbeitskollegen zupfen oft begeistert an meinem rötlichen Ziegenbärtchen.

Eben dieser Ziegenbart, mit seinem rotem Schimmer, hat mich auch schon oft in Erklärungsnot gebracht. Denn die Kinder glauben mir nicht, dass diese Farbe natürlich ist. Der Bart muss gefärbt sein. Sie konnten mir dies auch ganz logisch erklären: Bei meinen Kollegen seien die Kopfhaare schwarz, genauso wie ihre Barthaare. Nun wachsen auf meinem Kopf blonde Haare, folglich müsste auch mein Bart blond sein. Da dieser aber rot ist, ist er gefärbt. Klar, oder? Was will man da noch erklären.

Nun habe ich ja in der Schule schon französisch gelernt und spreche die Sprache ja nun auch schon seit ich hier bin. Dennoch fällt es meinen Französisch- Kenntnissen manchmal schwer, die schlüssigen Logiken oder Fragen der Kinder stand zu halten, wie ein anderes Körpermerkmal zeigt. Ich besitze ein Muttermal. Dies war den Kindern nun ganz fremd. Was soll das denn sein? Und warm schneide ich es denn nicht ab? Was hieß Muttermal noch mal gleich auf französisch? (wer die richtige Antwort weiß, wird gebeten, die beiliegende Antwortkarte, ausgefüllt und ausreichend frankiert, an den Autor zu schicken)…

Aber genug von Körperteilen, sprechen wir lieber von ganzen Menschen. Vor kurzem ist mal wieder ein Flieger angekommen, der Gäste für uns an Bord hat. Das sind immer besonders tolle Momente, da bei solchen Besuchen öfters mal besonders tolle deutsche Produkte für den Zivi abfallen (Käse, Salami, Zeitschriften, Schokolade – all dies ist hier nämlich absolute Mangelware für mich).Doch in diesem Fall sollte sich herausstellen, dass ich noch viel mehr von diesen Besuchern profitieren sollte. Es handelte sich um Jens und Claudia, ein Pärchen, das bereits ein Jahr lang hier gelebt und geholfen hatte. Diese beiden hatten 3 junge, burkinische Männer im Gepäck. Die 3 waren ehemalige Kinder von AMPO und hatten die einmalige Chance, knapp 6 Monate bei Claudia und Jens in Deutschland zu wohnen, zu arbeiten, zu lernen… Alle 3 können mittlerweile sehr gut deutsch sprechen und spielen in der Zukunftsplanung von AMPO, eine nicht ganz unwesentliche Rolle. Da alle 3 sehr gescheit und clever sind, hofft man, dass sie später einmal in der Lage sein werden, AMPO zu übernehmen.

Doch das ist noch ein paar Jährchen hin und solange sollen sie jetzt erst einmal kräftig mithelfen und `sich beweisenŽ. Für mich ist dies echt ein Glücksfall, denn ich habe auf einen Schlag nicht nur 3 neue Mitarbeiter, sondern auch 3 etwa gleichaltrige, nette junge Leute in meiner Umgebung. Um sie richtig kennen zu lernen, haben wir die 3 Jungs, Claudia und Jens sowie die Praktikantin Maja, zu uns auf die Dachterrasse eingeladen. Es war ein richtig netter Abend und ich bin recht zuversichtlich, dass wir zusammen eine tolle Zeit haben werden!

Momentan bereite ich einen Büchertisch für Deutschstudenten, an der Uni von Ouaga vor. Mal sehen was das wird. Außerdem versuche ich einen neuen Computerplan u entwerfen. Genauso wie ich noch alle möglichen Lampen und Schlösser reparieren muss. Außerdem…Nun gut, ich denke ich habe deutlich gemacht, dass ich sehr beschäftigt bin und daher jetzt meinen Bericht beende.

Bis zum nächsten mal und alles Liebe und Gute

Euer Timo aus Ouagadougou

Beitrag weiterempfehlen