Besuch bei AMPO

Hallo alle zusammen!

Heute werde ich euch mal ein wenig über alle unsere AMPO-Besucher erzählen. Es zählt ja u.a. zu meinen Aufgaben, mich ein wenig um diese zu kümmern. Grundsätzlich muss man unterscheiden, zwischen Besuchern, die auf `DurchreiseŽ sind und sich nur für einen Tag unsere Einrichtungen anschauen wollen und zwischen Dauergästen, die sich für einige Tage, Wochen oder Monaten, aus den verschiedensten Gründen, bei uns einquartieren. Zu diesem Zweck gibt es natürlich auch extra Räumlichkeiten. Und bevor die Besucher kommen, werden diese Besucherzimmer natürlich erst einmal vorbereitet. Wir haben 2 Besucherzimmer im Jungen- und ein Besucherzimmer im Mädchen-Waisenhaus.

Diese zweite Spezies werde ich euch mal genauer vorstellen:

Wenn sich nun also Besuch ankündigt, werden die Zimmer natürlich erst einmal richtig schön geputzt, die Betten neu bezogen, Handtücher bereitgelegt… Klar, dass in der Regel auch noch Wasser und Obst bereitliegt. Schließlich wollen wir unseren guten Ruf nicht gefährden. Es käme ja auch etwas schlecht, wenn dann plötzlich in RTL Explosiv (gibt es das denn überhaupt noch?) ein Bericht gesendet wird: `Deutsche Künstlerin im burkinischen Waisenhaus verhungert!Ž Nein, wirklich, das wäre einfach zu riskant. Beim Vorbereiten dieser Zimmer, arbeite ich recht eng mit unserem legendären Monsieur Anatol zusammen. Er ist ein echtes Unikat und eine Art Putzmann. So räumt er z.b. auch regelmäßig unser Büro auf. Dabei bin ich ihm auch schon des öfteren in die Quere gekommen, denn die Toilette im Büro dient zugleich als seine Besen-, Waschmittel-, Schrubber-…Kammer. Wenn es nun also vorkommt, dass ich morgens in Ruhe meine Notdurft verrichten will, endet dies immer wieder in einer einzigen Hetze. Denn ich habe jedes Mal Angst, dass Monsieur Anatol irgendwann die Tür einrennt. Anfangs habe ich noch versucht es zu ignorieren. Schließlich müsste man ja schlussfolgern können, dass jemand auf dem Klo ist, wenn die Tür abgeschlossen ist und daraufhin warten bis die Person herauskommt. Weit gefehlt. Monsieur Anatol, in seinem Arbeitseifer, kommt in 30 Sekunden Abständen immer wieder vorbei, um mit einem energischen Rückeln zu schauen, ob das Zimmer nun doch wieder frei ist. Da vergeht einem jeglicher Gedanke an einer `ruhigen PartieŽ. Da soll sich noch mal einer wundern, warum ich so krank war. Bei diesem Zwang-Schnell-AaŽen, muss man ja krank werden!
Aber ich werde unappetitlich und schweige zudem auch ab. Wenn also Monsieur Anatol die Zimmer vorbereitet hat, ruft er mich regelmäßig zu sich. Dabei ist es dann auch egal, was ich gerade mache. Ob ich nun gerade e-Mails abhole, auf einer Leiter stehe und eine Lampe repariere oder eben auf dem Klo sitze- da muss ich dann einfach `mal schnell mitkommen um etwas gezeigt zu bekommenŽ. Dann will er meistens nur ein O.K. von mir (als ob es meine Aufgabe wäre, zu sagen, dass Zimmer ist ordentlich oder nicht. Überhaupt denkt hier jeder ich wäre so ordentlich! Wenn mir dies jemand in meinem dt. Leben gesagt hätte…) Manchmal gebe ich ihm dann noch, aus meiner heiligen Vorratskammer, Handtücher, Bettzeug o.ä.. Und dann kommen auch schon die Flieger an. Wir können immer glücklich sein, wenn unsere Besucher mit Air France und nicht mit Point Afrique ankommen. Nicht dass ich Werbung machen wollte, Point Afrique ist immerhin um die Hälfte günstiger, aber bei Air France muss man nicht Stunden auf den Flieger warten und in einer Nacht evtl. 3 mal an den Flughafen fahren… Und dann sind sie da, die Besucher. Und um welche Art von Menschen handelt es sich denn da? Wer ist so mutig, sich in den Flieger zu setzten um dann einige Zeit in einem Waisenhaus, in dem 3.ärmsten Land der Welt zu verbringen?

Ich stelle einfach einmal die 4 letzten Besucher vor. Zunächst wäre da eine gewisse Ursula Rauch, eine sehr nette deutsche Künstlerin. Sie hat hier ein tolles Kunstprojekt mit einigen unserer künstlerisch begabtesten Kindern geleitet. Dabei erstellten die Kinder frei entwickelte Kunstwerke. Ich habe ab und an Mäuschen gespielt und ich war beeindruckt, wie eifrig und konzentriert die Kinder am schrauben, sägen, malen…waren!

Kaum war Frau Rauch wieder auf dem Weg in die Heimat, kamen auch schon die nächsten Besucher. Wobei das Wort Besucher hier wohl etwas fehl am Platz ist. Das Pärchen Claudia und Jens, waren bereits vor mir, für ein Jahr bei AMPO gewesen und haben in der Zeit hier enorm viel für AMPO gearbeitet. Ich hatte in einem meiner Berichte erwähnt, dass wir 3 ehemalige AMPO-Jungs von einem 6-monatigen Deutschlandaufenthalt zurückgekommen sind. Die 3 haben bei Claudia und Jens gewohnt. Ich denke alleine diese Tatsache (ein Jahr hier zu arbeiten und dann noch 3 junge Männer bei sich beherbergen) macht schon klar, dass es sich um besondere Menschen handelt. Sie haben hier 2 Wochen `UrlaubŽ gemacht. Dieser bestand dann darin, uns bei Anträgen, Übersetzungen, Planung etc. zu helfen, morgens um 6 von dem Kinderlärm geweckt werden…. Jedenfalls war ich echt traurig, als sie wieder abflogen, da ich viel von ihnen gelernt und auch viel Spaß mit ihnen gehabt habe.

Die 4. Besucherin heißt Anja Fleig und ist gerade im Moment bei uns. Sie wird 3 Wochen bleiben, um eine Firmen-Evolution durchzuführen. Sie ist erst seit kurzem hier, aber ich glaube jetzt schon sagen zu können, dass es eine verdammt spannende Zeit wird. Ich habe schon einige Gespräche geführt, wie man so eine Evolution angeht, auf was man achten muss, Sinn, Zweck und Ziele… Wirklich sehr interessant und spannend.

Spannend wie auch die Frage, was der nächste Besuch auf sich hat. Vielleicht kommt ja bald mal ein Filmschauspieler oder Nelson Mandela oder die Rolling Stones… Wundern würde es mich jedenfalls nicht. AMPO und Burkina Faso sind für so einige Überraschungen gut…

So nun muss ich den Bericht mit einer ganz banalen, langweiligen Meldung beenden: Es ist verdammt warm hier! Das Schlimme daran ist, dass dies wohl erst der Anfang ist und es in den nächsten Wochen immer wärmer werden soll. Keine Ahnung wie es jemand möglich ist, dann zu arbeiten. Allein beim Schreiben dieser Mail habe ich mehr geschwitzt, als so mancher Bundesligakicker bei einem 90 Minuten Einsatz…

Bis zum nächsten Bericht

Liebe Grüße aus Ouagadougou

Euer Timo

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