Ferien bei AMPO

Hallo liebe Leser!
(von Timo Nadolny)

Ich weiß nicht so genau, wie ich dieses Wetter in Worte fassen soll… Ich versuche es einmal so: Während ich gerade hier sitze und diese Zeilen tippe, läuft mir der Schweiß in Strömen am Körper herunter. Mein T-Shirt, eigentlich hellblau, hat durch den Schweiß mittlerweile eine dunkelblaue Farbe angenommen. Es ist 13 Uhr und 9 Minuten und ich weiß nicht genau, wie ich die restlichen Stunden des Tages durchhalten soll, denn ich kann mich irgendwie nicht dazu aufraffen z.B. ein Schwimmbad zu suchen oder ähnliches. Klar, das hört sich alles sehr stark nach Übertreibung an und ist es vielleicht auch ein bisschen, aber in Burkina wird es diese Tage richtig heiß! Selbst wenn abends um 10, zeigt einem das Thermometer noch knapp unter 40 Grad an. Das wahre Problem bei diesem Wetter sind jedoch weniger die Temperaturen, als vielmehr die Luftfeuchtigkeit. Was ebenfalls mit dieser Hitze einhergeht, sind die, sich wieder häufenden, Strom- und Wasserausfälle. Man stelle sich vor, man kommt abends geschafft und verschwitzt von der Arbeit nach Hause, stellt sich unter die Dusche, in freudiger Erwartung des kühlen Nasses, und es kommt….Nichts! Das ist schon etwas nervig, allerdings wird einem da noch einmal bewusst, wie es dem Großteil der Bevölkerung täglich geht, diese haben nämlich nicht einmal fließendes Wasser. Das selbige ist der Fall, mit der Elektrizität: Es ist schon krass wie dunkel Afrika sein kann! Dann fährt man abends durch die Straßen, kein Licht an und nur die Hälfte der Fahrzeuge hat Licht… Aber heute ist es wirklich sehr extrem, aber ich höre ja schon auf, `herumzuheulenŽ, denn wie ich gehört habe, soll es in manchen Ecken Deutschlands noch schneien;-)

Momentan haben die Kinder ca. 2 Wochen Ferien, was bedeutet, dass wir (die Betreuer) uns intensiver um die Kinder kümmern. So steht jetzt jeden morgen Nachhilfe auf den Plan. Nun unterrichte ich eine Gruppe von 7 Schülern und es macht mir echt Spaß. Meine Französisch- kenntnisse erlauben es mir zwar nicht, dass ich zu absoluten Erklärungs-Höchstleistungen auflaufe, dennoch kann ich nun beweißen, ob ich während meines Nachhilfelehrerdaseins (womit ich mir meine Abi-Zeit finanziert habe), genug Erfahrung gesammelt habe um nun hier zu bestehen. Denn anders als in Deutschland, sind meine Schüler hier jünger und auch von ihrer ganzen Art unterscheiden sie sich sehr, von deutschen Schulkindern. Hier ist es keine Seltenheit mit 40 Kindern in einer Klasse zu sitzen und oft steht stures Auswendiglernen auf dem Tagesplan. Also nichts von wegen: Gruppendynamisches Arbeiten, Klipper-Methoden, Powerpoint-Präsentationen etc. Kurz und gut: Es ist eine enorme Herausforderung. Zunächst habe ich versucht die Motivation der Jungs zu wecken. Wenn sie sich über die 2 Wochen fleißig anstrengen und gut mitarbeiten, gibt es, zur Belohnung, für jeden einen Saft. Die Androhung, dass sie, sollte der Gegenfall eintreten und sie nur Blödsinn machen, nicht zum Unterricht erschien etc., mir etwas ausgeben müssen, hat sie jedoch, so meine Vermutung, eher kalt gelassen;-) Doch der Saft scheint durchaus eine kleine Wirkung zu haben, denn ich kann mich eigentlich nicht über mangelndes Engagement beklagen. Selbstverständlich gebe ich natürlich auch mein Bestes: So habe ich Blätter vorbereitet, lasse die Kinder selbst an der Tafel erklären, stelle mich absichtlich unwissend, bringe Landkarten mit in den Unterricht… Eben all die Sachen, die ich früher toll fand und was mich motiviert hat.

Klar, dass wir die Kinder nicht nur `leidenŽ lassen, sondern ihnen, während der Ferien, auch ein paar andere Dinge bieten. So war ich letztens, das erste Mal seit mehr als 7 Monaten, schwimmen! Eine Freundin von Katrin hat uns ihren Swimmingpool zu Verfügung gestellt, und so ging es dann los. Mit 13 Kindern, Maja unserer Praktikantin, 3 Arbeitskollegen und ganz viel Vorfreude. Dieser Nachmittag war aus 2 Gründen sensationell: Erstens konnte ich mich endlich mal abkühlen und nach Herzenslust planschen. Zweitens, und das war wirklich eine tolle Sache, waren die Kinder einfach köstlich. Man kann sich vorstellen, dass hier die allerwenigsten Menschen schwimmen können. Wie auch? Denn es gibt hier kein Meer und die öffentlichen Bäder sind zu teuer für die hiesige Bevölkerung. So konnten auch von den 13 Jungs, nur ein paar Wenige, etwas schwimmen. So tummelten sich alle im Nichtschwimmerbereich und es war so lustig mit anzusehen, wie die Kinder nach und nach ihre Angst verloren. Schließlich bin ich dann mit fast allen Kindern, einmal bis zum Ende des Pools und wieder zurück `geschwommenŽ. Ach und wie lieb sie alle zu mir waren;-) Sie hingen mir um den Hals und baten mich mit großen Kulleraugen, sie ja nicht einfach los zu lassen. Plötzlich waren, die sonst so wilden, Jungs, zahm und lieb wie ich sie noch nie gesehen habe! Es war wirklich ein toller Nachmittag.

Und das war es dann auch schon wieder für dieses Mal!
Liebe Grüße aus Ouagadougou

Euer Timo
Timoinafrika@web.de

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