Rundbrief

Liebe AMPO – Freunde,
Abdoulaye, Boureima & Adama unsere Maman grüßt Sie herzlich – zum ersten Mal haben wir ihr das Schreiben des Rundbriefes abgenommen, aber sie hilft uns dabei!

Wir, das sind: Abdoulaye ( 22Jahre), Boureima (21Jahre) und Adama (23Jahre). Die drei Ampo – Jungen, die ein halbes Jahr in Deutschland verbracht haben.

In Deutschland haben wir in verschiedenen Einrichtungen gearbeitet. Aboulaye bei der DEKRA – Akademie, einer berufsvorbereitenden Einrichtung für schwer erziehbare Jugendliche. Boureima arbeitete mit schwer erziehbaren Kindern aus zerrütteten Familienverhältnissen in der Jugendhilfsstation. Adama betreute Behinderte im Westeifelwerk, dort machte er auch ein Praktikum in Büroorganisation. Wir sind stolz darauf, dass unsere Arbeit in den Abschlusszeugnissen sehr anerkannt wurde und die Jugendlichen und Mitarbeiter in den Einrichtungen so wie wir traurig waren, als die gemeinsame Zeit zu Ende ging.

Wir wohnten bei unseren alten AMPO – Freunden Claudia und Jens in einer kleinen Stadt in der Eifel. Alles durften wir kennen lernen: Schnee, einen Zoo, echte deutsche Weihnachten, das erste Mal sahen wir Berge in unserem Leben, sogar Eislaufen stand auf dem Programm! Wir lernten schwimmen (sehr außergewöhnlich für uns, denn in unserem Heimatland gibt es kaum Wasser!), fuhren im Kanu auf der Mosel und segelten auf dem Plöner See. Im Fußballclub und bei den Pfadfindern unserer kleinen Stadt waren wir wie zu Hause.

Mit Claudia und Jens waren wir, zusammen mit Herrn Steinbrink als Vorsitzender vom Sahel e.V. auf einer Betriebsversammlung der Fa. Bonita am Niederrhein. Wir wurden von Herrn und Frau Biegert sehr freundlich empfangen, Herr Steinbrink dankte in einer Rede der Fa. Bonita für ihre große Hilfe, wir spielten Marionettentheater und Boureima erzählte seine Geschichte. Der Besuch war für uns sehr schön und wichtig.

Dann besuchten wir unsere Paten, AMPO – Freunde und den Sahel e.V. in Plön. Wir wohnten bei dem Ehepaar Steinbrink und verbrachten dort bei Gesprächen, Unternehmungen und Spaß schöne Tage. Zum Ende machten wir als Marionettenspieler noch ein Praktikum im berühmten Theater Krieglstein, Gerd und Ute Krieglstein sind wahre Freunde von uns geworden.

Natürlich ging vieles auch schief. Abdoulaye ließ mangels Kenntnis die Mikrowelle explodieren, Boureima zerbrach das meiste Geschirr, Adama kochte die Spaghetti zu einem korrekten Brei, wie man es in Burkina mit der Hirse macht – welcher afrikanische Junge geht jemals in die Küche? Das ist hier bei uns reine Frauensache.
Boureima verletzte sich beim Eislaufen beinahe krankenhausreif, die Kälte setzte uns allen hart zu. Schon im Oktober trugen wir Handschuhe, alle trugen immer zwei Jeans übereinander, Adama sogar drei.

Gott sei Dank waren wir zu dritt, denn manchmal hatten wir schreckliches Heimweh. Im Februar nahmen wir Abschied von allen deutschen Freunden, bei denen wir uns hier von Herzen bedanken für eine großartige Zeit mit vielen neuen Erfahrungen und Werten!
Claudia und Jens begleiteten uns bis nach Burkina Faso zurück, und am Flughafen stand Maman mit einem großen Topf Benga, das sind Schwarzaugenbohnen in Zwiebelsoße. Alle Mütter sind gleich: sie hatte genau gewusst was uns fehlte!

Nach sechsmonatiger Abwesenheit fanden wir alle unsere Brüder und Schwestern bei AMPO bei bester Gesundheit vor. Und auch unseren Familien ging es gut. So ein Glück! Wir waren überwältigt, endlich wieder afrikanische Luft zu atmen, unsere dicken Anoraks in die hinterste Ecke zu verbannen, kurze Hosen anzuziehen und nachts im Freien zu schlafen. Unsere Freunde begrüßten uns als wären wir erst gestern gegangen, es gab keinen Neid unter ihnen.

Das Direktorenteam von AMPO hieß uns willkommen. Sie hatten sich lange Zeit Gedanken gemacht und nun haben wir jeder einen Arbeitsvertrag bei uns zu Hause. Dies ist das Ziel – die ausgebildeten Jugendlichen sollen zurück in die Waisenhäuser kommen, um hier ihre Aufgaben wahrzunehmen und ihre kleinen Geschwister zu erziehen. Wir selbst wissen am besten, was einem kleinen Waisenkind fehlt, denn wir selbst waren alle einmal kleine AMPO -Kinder! Nun arbeitet Boureima als Erzieher, Adama in der Krankenstation und Abdoulaye kümmert sich um die Erzeugnisse der verschiedenen Werkstätten. Inzwischen lernen wir weiter Deutsch in Abendkursen und bereiten uns auf die Zukunft bei AMPO vor!

Als wir ankamen fanden wir unsere Mutter gerade bei den letzten Dreharbeiten für ihre neuen Filme vor. Wir kamen gerade noch rechtzeitig, um ihr bei den Studioaufnahmen der Filmmusik zu helfen. Sie drehte drei Filme zum Thema Kinderarbeit und Kinderhandel in Westafrika, die nun fertig gestellt sind und in verschiedenen Ländern Westafrikas zur Aufklärung der Bevölkerung gezeigt werden sollen.

Der nächste Rundbrief kommt wieder von Maman, und sie wird von den AMPO – Kindern erzählen, bei denen zurzeit alles gut und ruhig läuft.

Herzliche Grüße aus Ouagadougou von den ersten deutsch-afrikanischen AMPO – Kindern!
Abdoulaye Boureima Adama

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