Die „Ehemaligen“

Hallo alle zusammen !
(von Timo Nadolny)

Die schlimme Nachricht gleich vorne weg: Das ist die letzte Mail für 2 Wochen. Nächste Woche werdet ihr, wohl oder übel, ohne Bericht von mir auskommen müssen. Na ja betrachtest es einfach als kleinen Urlaub, da müsst ihr mal nicht so viel lesen. (Zugegeben: der Satz ist eigentlich ziemlich dumm, aber er bietet mir einen perfekten Übergang: Urlaub! Ich bin ab Montag in Ghana! Nach mehr als 7 Monaten arbeiten, mein erster Urlaub. Man darf ja nicht vergessen, dass ich es nicht wirklich gewöhnt bin täglich bis zu 10 Stunden zu arbeiten. Klar macht mir meine Arbeit enorm viel Spaß und eigentlich gibt es keinen Grund sich zu beschweren, aber man darf eines dabei nicht vergessen: Ich bin frischgebackener Abiturient. Hessischer Abiturient;-) (Nein das war jetzt wirklich nur ein Witz, das hessische Abitur ist und bleibt immer noch das Beste!), der zum ersten mal in seinem Leben ein richtiges, langfristiges Arbeitsverhältnis eingegangen ist.

Aber genug der Jammerei! Ich fahre nach Ghana! Das bedeutet, wie bereits erwähnt, dass ich nächste Woche nicht schreiben werde, aber gleichzeitig auch, dass der Bericht in 2 Wochen sicherlich sehr interessant wird. Allein die 24 stündige Busfahrt, das tolle Meer, die englische Sprache, das günstige Bier…. Versprechen reichlich Schreibstoff.

Bisher habe ich ja nun meistens von den Kindern und ihren Erlebnissen bei AMPO berichtet. Nun möchte ich euch mal ein wenig über die jungen Erwachsenen erzählen, die früher bei AMPO waren und nun auf eigenen Füßen stehen müssen. Das Ziel bei AMPO ist ja eigentlich recht klar: Die Waisenkinder sollen eine schöne Kindheit bei uns verbringen und dabei auch intensiv auf das `Leben danachŽ vorbereitet werden. Wir wollen nicht, dass ein Kind mit 18 Jahren AMPO verlässt und dann plötzlich festestellt, dass es nicht in der Lage ist, sich selber zu ernähren. Jedes Kind geht daher entweder zu Schule um hinterher entweder zu studieren, oder einen weiterführenden Beruf zu erlernen oder sie machen eine Ausbildung. Hier können die Kinder wählen zwischen Schneider-, Schlosser-, oder Schreinerei, können eine Frisör-, oder Elektrotechnikausbildung machen, oder in unserem Restaurant mitarbeiten um kochen und servieren zu lernen. Nun habe ich mich aber einmal gefragt, wie es denn Ehemaligen denn nun so mit ihrer Ausbildung im alltäglichen Ouaga-Leben ergeht und so besuchte ich, zusammen mit Abdouley, dem Arbeitskollegen der für 6 Monate in Deutschland war, 5 Jungs. Sie wohnen alle nicht weit von mir weg, zusammen auf einem Hof. Es ist nicht so, dass die Kinde bei AMPO mit 18 Jahren heraus geworfen werden und wir uns nicht mehr um sie kümmern würden. Es ist vielmehr so gedacht, dass sich die jungen Erwachsenen dann nach und nach `ins tiefe Wasser geführt werdenŽ um dann im Laufe der Zeit ganz alleine zu schwimmen (man, was ein Bild! Bin ich stolz auf dieses anschauliche Beispiel!) Nun jedenfalls war es ein toller Abend, bei dem die Jungs viel über ihre Erlebnisse, Befürchtungen und Hoffnungen erzählten. Es war eine Freude zu sehen, wie AMPO bei diesen Jungen ihre Aufgabe erfüllt hat. Die 5 waren voller Tatendrang und Hoffnung und das obwohl ihre Situation sicher nicht die beste ist. Sie haben eine Ausbildung absolviert (und hier muss man für eine Ausbildung zahlen! Also um es deutlich zu machen: Während in Deutschland manche fordern, dass Betrieb die nicht ausbilden, Strafe zahlen müssen, werden hier die Betriebe die ausbilden belohnt…kurzer Zwischenkommentar, sorry) und nun würden sie gerne eine Anstellung finden, bei der sie für ihre Arbeit bezahlt werden. Doch sie wissen, dass sie nicht ohne weiteres solch eine Anstellung finden werden, Auch einen eigenen Betrieb aufzumachen, ist in ihrem Alter mehr als schwer. In Burkina Faso herrscht ein ungeheurer Respekt vor älteren Menschen und es wäre wohl sehr schwer mit knapp 20 Jahren, einen eigene Betrieb zu leiten und Kunden zu bekommen…Da sie dies alles wissen, würden sie sich gerne noch weitrer fortbilden. Perfekt werden, denn nur so kann man hier – bei einem Überangebot an Arbeitskräften- etwas erreichen. Doch wenn sie eine weitere Ausbildung machen, benötigen sie auch weiterhin die Unterstützung von AMPO. Man konnte sehen wie unangenehm es ihnen war, erneut nach Hilfe zu fragen. Sie wollten auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass sie nicht arbeiten wollten oder nur `die Hand aufhaltenŽ. Sie waren AMPO wirklich sehr dankbar für alles und nun fiel es ihnen schwer noch nach mehr zu fragen. Doch einer der Jungen brachte es auf den Punkt: `Wir wollen gar nicht viel, nur das AMPO sein Ziel erreicht. Waisenkindern eine Chance gibt, sich in dem Leben alleine zu Recht zu finden.Ž Ich bin sicher das Katrin und AMPO den 5 Jungs diese bitte nicht abschlagen wird;-)

Nun erlebe ich auch zum ersten Mal selber, wie Kinder AMPO verlassen. Für 5 Mädels heißt es nun, Sachen packen und , mit neuem Rad für die Arbeitswege, einer neuen Unterkunft, einem neuen Ausbildungsplatz, inklusive Arbeitsmaterial (für die Schneiderinnen Nähmaschine etc, für die Frisöse Schere etc.) und ganz viel guten Wünschen von ganz AMPO, sich alleine in der WELT zurecht zu finden.

So, Schluss jetzt. Das Meer ruft
Bis dahin liebe Grüße aus Ouaga
Euer Timo

Timo.Nadolny@web.de

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