Juli 2004

Liebe Freunde unserer AMPO-Kinder!

rb0407 Haben Sie schon einmal im luxuriösesten Friseursalon Ouagadougous gesessen und beim Haarewaschen Tränen der Freude vergossen? Was mir alles so passiert im Leben! Niemals hätten wir gedacht, daß gerade unsere kleine Alima hier eine Chance als Lehrling bekommen würde, unter der gestrengen Herrschaft der französischen Meisterin. Und da steht sie nun, 15 Jahre alt (lächelnd mit einem leichten Augenzwinkern), und massiert mir den Kopf, selbstbewußt und niedlich!

Ja, heutzutage hat ein AMPO-Kind einen guten Ruf. Zwei andere unserer Mädchen arbeiten schon als junge Haushälterinnen in verschiedenen europäischen Haushalten hier, nachdem sie Jahre in unserem Restaurant das Kochen lernten. Nun können sie auch perfekt einen Computer säubern, bei Tisch servieren (ohne Scherben), bügeln und am Telefon korrekt antworten – ich bin sehr stolz!

Unsere Jungen habe sich in der Schule endlich mehr Mühe gegeben, obwohl diesem Schulsystem ja wirklich nicht leicht zu folgen ist. Jetzt warten wir hoffnungsvoll auf die Zeugnisse, die so in zwei Wochen ausgegeben werden.

Die Ferien haben begonnen, unser wunderbarer Zivi Timo und alle Erzieher und Praktikanten haben sich in der Planung diesmal selbst übertroffen. Kurse werden angeboten in: Kunst, Musik, Batik, Töpfern und Theater. Die Kinder gehen in kleinen Gruppen schwimmen und machen viel Sport und Spiele. Wir freuen uns sehr auf die Ferien und haben sie auch wirklich herzlich verdient.

Wir alle danken Maja Bünsche, die uns nun verläßt, um ihr verschobenes Studium aufzunehmen – 8 ganze Monate hat sie mit vollem Einsatz (und erstaunlicherweise die ganz Zeit gesund, das haben wir noch nie mit jemandem hier erlebt!) für die AMPO-Kinder gearbeitet – alles Gute für Dich, Maja, wend na siki lafi!

Viel Routine wird nun erledigt: der jährliche Zahnarztbesuch steht an, alle werden gewogen, die Impfungen vervollständigt und Brillen erneuert.
8 Mädchen und 9 Jungen werden uns verlassen, und genausoviele werden aufgenommen, darunter einige Härtefälle, die wir schon länger betreuen, aber noch keinen Platz frei hatten: drei von ihnen Aidswaisen, einige verlassene Kinder und solche, deren Großmütter als einzige noch lebende Verwandte ahnen, daß sie das nächste Jahr nun nicht mehr leben werden – sie wollen ihre Enkel noch untergebracht wissen.

Turbulente Wochen hatten wir im Februar, denn ich drehte mal wieder schnell ein paar Aufklärungsfilme (3), und zwar zum Thema „Kinderarbeit und Kinderhandel in Westafrika“. Diese wurden von der GTZ finanziert und sie laufen nun dreimal monatlich über einige Zeit im burkinischen Fernsehen. Mal wieder wurde heftig improvisiert, viele AMPO-Kinder spielten mit, wir hatten 68 Darsteller und 21 Drehorte innerhalb von 7 Tagen. Wir arbeiteten eng mit der Gendarmerie und der Polizei zusammen, alles lief prächtig, es wurde viel gelacht, aber es war auch ausnehmend anstrengend.Kameramann und Ton hatten sehr mit den heftigen Staubwinden zu kämpfen, dazu gab es viele Nachtaufnahmen. Wir hatten zwar einen Beleuchter, aber was kann man machen, wenn eine halbe Polizeiabteilung plus diverser fertiggeschminkter Schauspieler bereitstehen, Kamera und Ton laufen – und der Strom ausfällt…hier lachen wir dann!

In einer Szene marschieren 12 Dorfbewohner in die Stadt, um sich an einem Kinderhändler persönlich zu rächen, sie tragen Bogen, Pfeile, Hacken, Vorderlader und Speere. Als wir dann im Studio beim Schneiden waren konnte ich es mir nicht verkneifen: ich blendete dazu den Radetzky-Marsch ein, der Effekt ist umwerfend……

Ich selbst habe 7 anstrengende Deutschlandwochen hinter mir mit vielen Vorträgen in vielen Städten. Wieder war ich begeistert von den vielen treuen Spendern und Freunden unserer Kinder, die ich überall traf – seien Sie alle bedankt. Mein Mut lebt aus Ihrer Treue!

Während also alles seinen guten Gang geht machen Issaka und ich uns schon ganz andere Gedanken, denn es stehen drei neue Projekte an!

1.Ein Treffen jagt das andere, denn ab Herbst wird es das erste Mal ein „AMPO- Cinemobile“ geben. Dank der einzigartigen Initiative einer Deutschen können wir ein Auto mit Vierradantrieb kaufen und mit Videobeamer und geschultem Personal in die Dörfer fahren, die dortigen bereits vorhandenen Strukturen (wie Frauenvereine, Jugendclubs) nutzen und Aufklärung in jeder Hinsicht betreiben: zu den Themen Aids und Beschneidung, Hygiene und Geburtenkontrolle, Frauenrecht, Umwelt und Verkehrsverhalten haben wir viel zu sagen und auch Filme zu zeigen.

2.Das zweite Projekt überlassen wir getrost unserem Mitarbeiter Ollo, der letztes Jahr 125 Mädchen aus 12 Gymnasien zu den Themen Aids und Hygiene schulte. Mit Absprache der Schuldirektoren bekamen sie jeweils 2 Stunden in der Woche über 6 Monate, in denen sie dann ihren Mitschülerinnen alles beibrachten – ein Riesenerfolg, denn so erreichten wir 6000 Mädchen in den Schulen! Nun wird ab Herbst (Dank nach Bremen!) das gleiche Projekt für Jungen durchgezogen.

3.Die größte Planung verlangt eine zu errichtende Landwirtschaftsschule für 100 Jungen, 20 km entfernt von der Hauptstadt. Baubeginn (Hilfe!) so ungefähr heute, Eröffnung im Februar 2005. Es handelt sich um ein Internat, die Unterbringung ist wie immer einfachst. Kleinviehzucht und Gemüseanbau stehen im Mittelpunkt gemeinsam mit einer einfachen Alphabetisierung der Jugendlichen. Die Verbleibedauer bei uns wird 2 Jahre sein, dann ziehen die Jungen in Gruppen zurück in die Dörfer, bauen dort ihre eigenen Ställe und nehmen ihren Bestand an Vieh von uns mit. Zwei weitere Jahre stehen sie unter unserer Kontrolle, kaufen zusammen ihr Viehfutter ein, vermarkten ihr Vieh gemeinsam und ziehen die Kinder ihrer Dörfer zur Mitarbeit heran – so möchten wir die Landflucht und damit die vielen Straßenjungen vermeiden. Der Landwirtschaftsminister und der Viehzuchtminister (sowas gibt es hier) sind begeistert und geben uns ihre Unterstützung in Form von Experten, die jeweils für einige Wochen auf der Farm wohnen und lehren werden. Dies alles verdanken wir einer wunderbaren Frau aus Luxemburg, die unseretwegen sogar eine Stiftung gegründet hat!

Sie sehen, es gibt noch viel zu tun! Gott sei Dank und Inshallah bin ich gesund und bei guten Kräften, dasselbe hoffe ich von Ihnen und natürlich Ihrer Familie!
Bis bald, einen schönen Sommer und ein wenig Erholung, ein bißchen Bescheidenheit sowie ein gesundes Maß an Zuversicht!
Dies wünscht Ihnen aus Ouagadougou
Ihre Katrin Rohde

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