zu Besuch in Deutschland

Hallo alle zusammen!
(von Timo Nadolny)

Wie euch sicherlich aufgefallen ist, habe ich eins, zwei Wochen nichts von mir hören lassen. Der Grund: Ich war in geheimer Mission unterwegs. Einsatzland: Deutschland. Region: Darmstadt- Dieburg. Zweck des Einsatzes: völlige Überraschung und Schockung der primären und sekundären Zielpersonen. Primäre Zielpersonen: Eltern und Familie. Sekundäre Zielpersonen: Freunde, Nachbarn und Bekannte. Grund des Einsatzes: Silberhochzeit der Eltern.

Also kurz und gut, meine Eltern hatten Silberhochzeit und ich habe mir überlegt, sie aus diesem Anlass, zu überraschen. Bereits mittwochs kam ich an und nistete mich bei meiner Freundin Sonja ein. Da die Feier erst samstags stattfand, hatte ich noch einige Tage Zeit, mich `in RuheŽ wieder einzuleben, was nicht zu unterschätzen war. Da war zunächst der deutsche `SommerŽ. Brrrrr, habe ich teilweise gefroren, was aber nach gut 10 Monaten Sonne nonstop, nicht weiter überrascht. Den nächsten `KulturschockŽ verpasste mir dann die Autobahn. Da waren doch tatsächlich 8 Spuren nebeneinander. 4 Spuren in jede Richtung und alle geteert! Und so viele Autos, aber kein einziges Mofa in Sicht.

Auch das einkaufen im Supermarkt gestaltete sich als etwas schwierig. Wie soll man sich aber auch bei solch einem Angebot entscheiden können? Nach 10 Monaten Burkina fällt es schwer sich zwischen Nutella, Schöfferhofer Weizen, Frankfurter Rundschau, Odenwälder Bote, 20 Joghurtsorten, etlichen Süßigkeiten, Fertigpizzen in allen Varianten…entscheiden? Nun, die Lösung war schnell gefunden. Einfach Augen zu, hingelangt und in den Korb geworfen, denn eine falsche Wahl (abgelaufen, schlecht, unverträglich etc.) kann man ja nicht treffen. Achja, ich erinnerte mich (nach einigen freundlichen Aufforderungen der Kassiererin) auch daran, dass man die Artikel auf das Förderband legt und im Anschluss selber einpackt;-)

Der nächste Aha-Effekt kam bei einem Frühstück in einem Bistro. Zu zweit zahlten wir schlappe 16 Euro, flugs umgerechnet ergab das: 11 mal Spagetti mit nem großen Bier in Ouaga…

Hier auch noch zwei antworten auf oft gestellte Fragen:

Als eine der ersten Dinge, habe ich mir ein Bad eingelassen und genüsslich in dem warmen Wasser geplanscht, dies hatte ich doch sehr vermisst. Hiermit verbindet sich auch die Antwort auf die Frage nach meiner Hautfarbe. Bis dato war ich wirklich braun wie ein Burkinabé, doch nachdem nun der ganze Dreck ab war… (dennoch war ich brauner als so ziemlich alle um mich herum)

Das erste `deutscheŽ Essen, das ich genoss, war selbstverständlich ein richtig dicker Döner! Dazu gab es ein, stark vermisstes und geliebtes, dunkles Weizenbier!

So witzig sich das alles anhören mag, manchmal war alle doch auch zuviel für mich. Diese Umstellung zwischen Deutschland und Burkina Faso, war toll und ein einmaliges Erlebnis, aber eben auch eine harte Herausforderung. Es kam vor, dass ich minutenlang nur körperlich anwesend war. Hier auch ein Sorry an alle, die ich durch diese `AbwesenheitŽ verärgert haben sollte. Doch dank Sonja und meiner Familie, die sich alle super um mich kümmerten, verflogen diese düsteren Momente auch wieder recht schnell und so genoss ich diese 2 Wochen wie ein Schneekönig!

Am Samstag war es dann soweit: der Tag der Überraschung. Sonja kutschierte mich nach Radheim zur Gaststätte `zur BrückeŽ, wo die Feierlichkeiten stattfinden sollten. Ich versteckte mich im Büro und wartete ungeduldig, dass die ganze Familie und die mehr als 60 Gäste, die Kirche und den Sektempfang hinter sich brachten. Kurz vor dem Essen erklärte meine Schwester (die als einzige eingeweiht war), dass sie noch ein kleines Geschenk hätte. Dies war das Stichwort für Frank, den Wirt. Er schob mich, der sich mittlerweile eingepfercht in einem kleinen Karton befand, mit einem Sackkarren in den Festsaal. Meine Eltern mussten vorkommen um das Geschenk zu öffnen und –tata- da stand ich auch schon in der Mitte des Saals (länger hätten es meine Oberschenkel auch nicht ausgehalten). Danach ging erst mal gar nichts mehr. Meine Mutter, mein Papa und mein Bruder Flo – sie alle waren überwältigt. Damit hatten sie scheinbar wirklich nicht gerechnet. Auch die Luftfeuchtigkeit stieg rapide, da nicht nur meine Familie sondern ganz ganz viele der Gäste, plötzlich Tränen in den Augen hatten. Doch am coolsten reagierte meine Oma: Nach einer herzlich Umarmung klatschte sie in die Hände und ließ die Anwesenden wissen, dass es nun aber Zeit zum Essen sei, den ich hätte Hunger und da ich so abgemagert aussähe auch dringend nötig! Die Feier im Anschluss war ein Fest! Meine Geschwister und die Familie hatten tollte Spiele vorbereitet und ich musste auch sogleich mitmachen (als Halter und Gedicht-vorträger, doch hierbei wurden mein Bruder und ich von einem Lachanfall heimgesucht, dass nur meine Schwester den Vortrag retten konnte). Bis in die frühen Morgenstunden (6 Uhr) haben wir dann gefeiert und gelacht und eins stand fest: Die Anstrengungen hatten sich gelohnt!

Die nächsten Tage verbrachte ich mit den verschiedensten Dingen. Zum einen half ich etwas auf dem Spargelacker, zum anderen fuhr ich viel Rad (wie toll es ist, in einem Wald oder auf dem Feld spazieren fahren zu können!), traf mich mit Freunden (wobei natürlich alle viel zu kurz kamen) und fuhr nach Marburg um mir ein Zimmer für mein anschließendes Studium zu organisieren. Doch selbst im Urlaub `arbeiteteŽ ich für AMPO. Bewaffnet mit einer langen Einkaufsliste machte ich Aschaffenburg und Darmstadt unsicher und kaufte lauter kleine und große Dinge für lauter kleine und große AMPO-Kinder! Es war ein Heidenspass. An dieser Stelle sei auch noch mal dem Outdoor-Geschäft `HorizonteŽ in Groß-Umstadt gedankt, die mit ihrem großzügigen Rabat und tollen Service, einen Großteil meiner Einkaufslisten-Sorge- Punkte auf einen Schlag abhaken ließen. Und da ich gerade am danke sagen bin:

Danke an AMPO, insbesondere meine Chefs, dass ich den Urlaub bekam!

Danke an meine Schwester, dass sie ein halbes Jahr `dicht hieltŽ und alles in die Wege geleitet hat.

Danke an meine Familie, denn sie ist das wichtigste und beste in meinem Leben

Danke an Sonja. Einmal mehr hast du bewiesen, dass du himmlische Fähigkeiten besitzt. Wie anders ist es zu erklären, dass du, wie ein Engel, so viel Lebensfreude ausstrahlst?

Danke an alle meine besten, verständnisvollen Freunde, denn diese habe ich, wenn auch nicht aus Absicht, sehr vernachlässigt während meines Aufenthaltes. Doch schließlich kommt es nicht drauf an, wie OFT man jemanden, sondern WIE man einen sieht und da weiß ich genau, wie der Durchblick bei meinen Leuten ist.

So, jetzt ist aber Schluss.

Das nächste Mal geht es dann um algerisches Bier, himmlischen Regen und einen burkinischen Empfang!

Bis dahin wünsche ich euch alle Liebe und Gute

Euer Timoinafrika@web.de

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