Rückflug nach Burkina Faso

Hallo alle zusammen!
(von Timo Nadolny)

So da bin ich mal wieder. Ich fasse kurz zusammen: Ich war in Deutschland um als Überraschungsgast bei der Silberhochzeit meiner Eltern aus der Kiste zu steigen. Ich habe mir eine Wohnung in Marburg gesucht, wo ich bald studieren werde.

Nun also war es Zeit wieder ’nach Hause‘ zufliegen. Zurück zu dem tollsten Waisenhaus der Welt. Doch bis ich meine Jungs und Mädels wieder in die Arme schließen konnte, stand ja zunächst einmal der Flug an. Bereits am Flughafen konnte ich mal wieder feststellen, wie klein die Welt doch ist. Als ich gerade einchecken will, treffe ich doch tatsächlich eine andere Deutsche, die auch nach Ouaga fliegen wollte. Sie heißt Karin und arbeitet für den DED (deutscher Entwicklungsdienst) in Burkina Faso. Wir kannten uns bereits vom sehen und in den folgenden Tagen sollten wir die Gelegenheit haben uns persönlich kennen zu lernen und ich kam, dank ihr unkomplizierten und netten Art, bestens mit ihr aus! Nun stellt sich natürlich die Frage: Hä? Dauert der Flug nach Ouagadougou so lange? Die Antwort lautet ja, denn wenn man wie ich, den Flug selber zahlen muss, sucht man natürlich nach der günstigsten Fluggesellschaft, die in diesem Fall Air Algerie war. Der `HakenŽ bei dieser Geschichte war, dass wir 2 Tage Aufenthalt in Algerien hatten. In Algier, der Hauptstadt Algeriens, angekommen, verbrachten wir erst einmal einige Stunden mit warten. Doch da ich, der eigentlich ein sehr ungeduldiger Mensch bin, dies in Burkina bereits des Öfteren erlebt habe, stand ich diese Herausforderung ohne weitere Probleme durch. Dann ging es zu unserem Hotel wo wir die 2 nächsten Tage nächtigten. Nun da waren wir also und was soll ich sagen? Die 2 nächsten Tage waren einfach toll! Das Hotel war Mitten in einem belebten Viertel, so dass wir richtig viel vom `echtenŽ Leben mitbekamen. Am ersten Tag machten wir eine Stadtrundfahrt. Unser Chauffeur zeigte uns einige tolle Plätze, fuhr uns den halben Tag durch die Stadt und lud uns noch zum Pizza essen ein. Das Ganze kostete uns dann 20 Euro (zusammen!). Bei dieser Fahrt und bei unserem (am nächsten Tag) morgendlichen Stadtbummel wurde dann auch noch gratis mit all unseren Vorurteilen aufgeräumt:

1. Nicht alle Frauen in Algerien laufen in Vollkörperschleiern herum. In Wirklichkeit habe ich damit gerade mal 3 Frauen gesehen.

2. Als Tourist wird man nicht dumm angemacht. Im Gegenteil, es war richtig angenehm, sich völlig unbehelligt durch die Stadt zu bewegen. So als ob man dazu gehören würde. Aber wenn man in Kontakt mit den Leuten trat, waren alle äußerst nett und zuvorkommend! Hinzukam, dass ich während der ganzen Zeit keinen einzigen andern Touristen getroffen habe.

3. Algier ist nicht heruntergekommen. Die, direkt am Meer gelegenen, Stadt ist richtig schick! Die großen weißen Häuser mit den blauen Fenstern, die atmosphärisch tolle Innenstadt, die wunderschöne, alte Post etc. können ohne weiteres mit Paris, London usw. mithalten!

4. Es gibt Alkohol! Unser Chauffeur war richtig entrüstet, als wir ihm mitteilten, dass wir es schade fänden, hier kein Bier zu bekommen. Daraufhin fuhr er eine Straße lang, wo mindestens 7-8 Kneipen waren, wo man Bier bekam. Um zu beweisen, dass das algerische Bier auch schmecken würde, lud er uns für abends ein. Wir besuchten eine Gartenwirtschaft, wo in der Tat alle tranken. Allerdings war Karin auch die einzige anwesende Frau…

Nun, nachdem wir diese Tage sehr genossen hatten, ging es weiter Richtung Ouagadougou. Doch bis wir dort ankamen, mussten wir erst einmal mit dem Wetter kämpfen, denn über Ouaga tobte, dank der Regenzeit, mal wieder ein schöner Sturm und ich gestehe, dass mir von der Hoppelei und den Schreckensrufen meiner Mitreisenden, etwas mulmig wurde und ich froh war, wieder meine geliebte burkinische Erde unter den Füßen zu spüren…

Dieses Glücksgefühl hielt leider nicht lange an, denn nun hieß es – mal wieder- auf das Gepäck warten, was an und für sich ja keine große Sache ist. Doch hier kommt nun der berühmt berüchtigte Haken: Um sich den Unterschied zwischen dem Frankfurter- und dem Ouaganesischen- Flughafen vorstellen zu können, muss man einfach Harperthausen mit New York vergleichen. Der Flughafen in Ouaga ist in diesem Bild also Harpertshausen: absolut liebenswert aber sehr klein. Daher kommt es auch, dass sich das Gepäck vom Flugzeug bis auf das (einzige) Gepäckband, im Freien befindet. Solange das Wetter mitspielt ist das ja keine große Angelegenheit, doch wie gesagt: Es war ein Unwetter… Wenn es nur das gewesen wäre, hätte es mich ja nicht wirklich aus der Ruhe gebracht doch da ich mit 2 Stofftaschen unterwegs war, wurde mir angst und bange um all meine tollen Mitbringsel. Als dann auch noch das Förderand für einige Zeit ausfiel, hatte ich schon alle Hoffnung verloren. Doch es kam noch schlimmer: Als meine Taschen endlich kamen, stellte ich fest, dass der tolle Dosencappucino (Pulver) sich von selbst geöffnet hatte, um dem Rest meines Gepäcks `HalloŽ zu sagen, doch da er auf seiner Reise leider den Regenschirm vergessen hatte, verflüssigte er sich und versaute mein ganzen Gepäck. Doch Optimist wie ich versuche zu sein, habe ich nun das positive gesehen: Meine Mitreisenden, die alle sichtlich mitgenommen waren, konnte ich so bestens erheitern, doch leider wollte keiner mit mir eine Tasse trinken, was wohl daran lag, dass der Cappuccino der aus meiner Tasche tropfte, einfach zu kalt war…

Nun war ich also wieder in Ouaga. Draußen, im strömenden Regen, warteten auch schon Eric, seine Schwester, Philip mein Vorvorgänger und meine 3 liebsten Arbeitskollegen auf mich. Da war der Ärger schnell verflogen.

Am nächsten Tag sollte sich meine Laune dann endgültig wieder der Sonne zuwenden, doch hiervon schreibe ich euch nächstes Mal…

Bis dahin liebe Grüße aus Ouagadougou

Euer timoinafrika@web.de

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