Ausflug nach Fada n’Gourma

Hallo liebe Leser!
(von Timo Nadolny)

Nun wie geht es Euch in Deutschland denn so? Ich hoffe gut! Hier ein weiterer Bericht aus dem ‚Land der Aufrichtigen‘:

Ich habe meine persönliche Burkina Faso-Kenntnis-Landkarte um einen weiteren Ort vergrößert! Ich war für ein Wochenende in Fada n’Gourma.
Diesmal war ich weder mit Mofa noch mit dem Bus unterwegs. Nein, diesmal mit einem Geländejeep! Genauer gesagt mit dem Wagen von Issaka, meines Chefs, der uns sein Auto für das Wochenende geliehen hatte! Mit von der Partie waren Abdoulaye, mein Freund und Arbeitskollege der gleichzeitig auch als `Chauffeur und ReiseleiterŽ fungierte, Eric (mein 11-monatiger Mitbewohner, sollte mittlerweile ja ein Begriff sein), Olivier (ein Sewa-Praktikant) und Lea (Erics Schwester, die zu Besuch hier war).

Gewohnt haben wir bei der Familie eines Arbeitskollegen von Eric – wir hatten ein ganzes Haus für uns alleine! Und was soll ich sagen? Es war ein tolles Wochenende!

Allein die Fahrt nach Fada war einfach nur schön. Aus dem Fenster schauen, Radio hören, relaxen und über alles und jeden staunen, den man so begegnet. Seien es Schaf- oder Kuhherden die in der Landschaft grasen, betreut von einem kleinen Jungen, der Esel der mitten auf der Straße steht, die entgegenkommenden Lkws, höher beladen als das sie lang sind, die kleinen Dörfer auf dem Weg, die Polizeikontrollen an denen wir glücklicherweise einfach vorbeifahren durften usw.

In Fada selbst wurden wir voller Gastfreundschaft empfangen und die folgenden Tage immer begleitet. `Auf dem ProgrammŽ standen 3 Höhepunkte
1. Der große Markt. Diesen besuchten wir abends, es wurde extra für uns aufgeschlossen. Eric hatte seine Freude, wird doch der gesamte Markt als Pilotprojekt in BF von Solarlampen betrieben. Er schaute und lernte;-)

2. Der Viehmarkt. Diesen besuchten wir am nächsten Tag und es fällt mir schwer das gesehene in Worte zu fassen. Auf den ersten Blick dachte ich, dass hier das größte Chaos herrschen würde. Wie soll man hier den wissen wo man welches Tier finden und kaufen kann? Doch mit Hilfe der Zeit und den Erklärungen unserer Gastfreunde erkannte ich schnell, dass der ganze Markt sehr wohl organisiert ist. Es gibt bestimmte Bereiche für Esel, für Kühe, für Ziegen etc. und jeder anwesende Mensch weiß genau was er zu tun bzw. zu lassen hat. Dann hatten wir das Glück live mitzuerleben, wie eine gekaufte Rinder-Herde in einen LKW verladen wurde. Werden SOLLTE. Denn ein Rind war nicht wirklich begeistert von der Vorstellung in den LKW gehievt zu werden. Also bekam das Tier eine Schlaufe um den Fuß und wurde so halb zum Fallen gebracht. Nun waren 6 junge Männer dafür zuständig das Rind auf die Ladefläche zu heben. Soweit ging es auch noch gut, doch bevor die Männer die Türen schließen konnten überlegte es sich der Stier anders. Er nahm Anlauf, rannte los und –wie Supercow – sprang er breitbeinig von der Ladefläche. Doch nun ging es erst los. Das Tier rannte –gesenkten Kopfes – los, quer über den gesamten Marktplatz. Hinter sich her zog er 2-3 Männer, die versuchten das Tier am Schwanz festzuhalten, was ihnen aber nicht wirklich gelang. Einige Zeit später kam das Tier dann doch angetrabt, angetrieben von heftigen Rutenhieben. Wenn ich heftig schreibe, meine ich das auch genau so…da gibt es hier kein Pardon. Andererseits sind die Schlachthöfe von Europa auch kein schöner Aufenthaltsort. Hier in Burkina kann man jedenfalls davon ausgehen, daß die Tiere ein feines freies Leben hatten, denn Stallhaltung existiert im Normalfalle garnicht.

3. Die Molkerei. Nachdem wir uns etwas erholt hatten ging es weiter zur Molkerei. Hier hatten wir das Glück, dass der Chef des Ladens auch sonntags anwesend war und uns voller Stolz seine Molkerei zeigte. Einen krasseren Unterschied habe ich in Burkina selten erlebt. Eben noch standen wir in Matsch, Mist und Kuhfladen, ständig in der Sorge, dass uns ein wild gewordener Stier aufspießen würde und jetzt befanden wir uns in dieser picobello Molkerei – sowas gibt es hier eigentlich garnicht. An den Füßen weiße Gummistiefel (das erste mal, dass ich hier Gummistiefel sah!) in einem großen Raum, ausgestattet mit den hochmodernsten Maschinen, Laboratorien etc.
Auch das ist Afrika…

Aber genug von Fada. Ich muss noch schnell schreiben, was mir letztens in der Innenstadt passiert ist: Olli, Lea und Ich wurden von der Polizei angehalten, weil wir bei GRÜN über die Ampel gefahren sind. Das bedeutet nicht, dass hier andere Verkehrsregel herrschen würde, es heißt lediglich, dass wir halt angehalten worden sind. Mit Engelszungen versuchten wir den Polizisten klar zu machen, dass wir bei Grün und nicht bei Rot gefahren waren und dass nach uns noch mindestes 10 Burkinabés über die Kreuzung gefahren sind, die allesamt -merkwürdigerweise- nicht angehalten wurden. Selbst meine Versicherung, dass ich beim lieben Gott schwören würde, ließ sie kalt. Es war rot. Punkt. Doch da ich ja nun schon eine Zeitlang hier bin, wurde mir klar, dass jetzt mal wieder Geduld gefragt war. Also setzten wir uns erst mal und ließen uns die Sonne auf den Pelz knallen. So wäre es mit Sicherheit auch gegangen und wir hätten irgendwann für einen klein Preis fahren können, doch das Problem war, dass dort auch schon ein Polizei-Pickup kam um die Fahrzeuge der ganzen `VerkehrssünderŽ (mit uns warteten noch weitere 4-5 Leute) einzusammeln. Letztlich durften wir uns unsere Mofas dann noch in letzter Minute `freikaufenŽ. Zu einem Freundschaftspreis versteht sich. Und das auch nur weil wir mit Straßenkindern arbeiten und die Polizisten ja so liebe Menschen sind. Weil eigentlich machen sie so etwas nie und müssten uns eigentlich eine offizielle Rechung ausstellen…Argh. Wenn es nicht so lustig gewesen wäre, hätte ich mich richtig schön aufregen können.

So das war es dann erst mal wieder

Bis zum nächsten Mal alles Liebe und Gute sendet Euch

Euer Timo.Nadolny@web.de

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