Ende eines Zivildienstes

Hallo alle zusammen!
(von Timo Nadolny)

Gleich vorne weg: Diese Mail wurde NICHT von der Wildhüterin K.Rohde durchkämt, daher bin alleine ich dafür verantwortlich wenn in diesem Bericht inhaltliche-grammatikalische-ortografische… Böcke oder gar Elefanten geschossen werden!

Nun sitze ich hier zum letzten Mal um Euch über meine Erlebnisse aus Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos und von AMPO zu berichten…

Ich habe festgestellt, dass dies der 41. Bericht ist womit ich mein Ziel (jede Woche einen Bericht) leider nicht ganz erreicht habe. Na ja ich versuche das Ganze positiv zu bewerten: Ich war NICHT zu faul um mehr Berichte zu verfassen, sondern einfach ZU BESCHÄFTIGT!

Doch bevor ich ein kleines Résumé ziehe erst einmal ein kleiner Update was hier so passiert ist in der letzten Zeit:

Unser Haus war und ist in der letzten Zeit sehr gut belebt. Wie bereits erwähnt hatten wir Besuch von Philip (meinem Vorvorgänger) und Léa (Erics Schwester). Bevor die beiden abflogen gab es noch eine kleine Feier. Hierzu haben wir eine Ziege geschlachtet. Genauer gesagt: Unser Nachtwächter hat dies für uns erledigt. Da er gläubiger Moslem ist weiß er auch, wie man die Tiere zu schlachten hat. Die Zubereitung übernahmen Delwende und Saidou, 2 unserer AMPO-Kinder. Saidou ist ein ausgezeichneter Koch und alle Gäste waren beeindruckt von seiner Leistung!

Kaum waren die beiden abgereist bekam unsere Super-WG schon wieder Nachwuchs. Dieser bestand in diesem Fall aus Benni, einem österreichischem Bekannten von Katrin. Ebenso ist natürlich auch Olli noch da (der Praktikant von Eric).

Durch Benni, der für die UN in Cape Verde arbeitet, lernten wir viel über die Unterschiede zwischen Burkina und anderen westafrikanischen Ländern. Außerdem kamen wir in den Genuss eines Pizzaessen in einem der besten Restaurants der Stadt. Dieses verdankten wir Air France. Da diese Bennis Gepäck erst einige Tage später in Ouaga hatten zahlten sie ihm eine Entschädigung die wir, meines Erachtens, sehr gut angelegt haben;-)

Leider hatte ich noch viel Arbeit bei AMPO zu erledigen, so dass meine Jungs bereits in das Ferienlager aufgebrochen waren und ich erst einige Tage später dazu stoßen konnte.

Also schwang ich mich, mitsamt meinem Supermofa, Zahnbürste, Isomatte und Moskitonetz auf die Ladefläche unseres AMPO-Autos (denn am selben Tag galt es auch Material zum Lager zu fahren) und ab ging es nach Kombissiri, wo ich ja auch schon mit den Mädels war.

Um es kurz zu machen: Es war toll! Es lief ziemlich ähnlich ab, wie bei den Mädels. Die Unterschiede waren:

– Anstatt zu stricken, sind wir immer fischen gegangen! Oft waren die Fische nur so groß wie meine Hand (wenn überhaupt) aber das Tat der Freude der Kinder keinen Abbruch. Voller Genuss verspeisten sie abends ihren Fang. Mir gelang es irgendwie immer mich um das probieren herumzumogeln…

– Während ich mit den Mädels hauptsächlich Badminton und Fußball gespielt habe, brachte ich den Jungs vor allem Volleyball bei! Klar haben die Jungs auch Fußball gespielt (über die ganze Freizeit hinweg wurde ein großes Turnier ausgetragen), aber ich dachte mir, dass die Jungs auch mal einen anderen Sport ausüben sollten. Da Marlène, unsere AMPO-Praktikantin aus der Schweiz, Volleybälle mitgebracht hatte, stand dem Vorhaben nichts im Weg. Ich war erstaunt wie clever sich die Kids, die bisher noch nie Volleyball gespielt hatten, anstellten! Bereits nach wenigen Tagen konnten wir über mehrere Stationen spielen… Schwerer war es dagegen schon den Kindern einzutrichtern, dass man den Volleyball NICHT mit den Füßen tritt.

Samstags kam uns dann auch Katrin besuchen. Da sie sonntags nach Deutschland aufgebrochen ist um mal wieder unermüdlich Vorträge über AMPO zu halten, wollte sie den Kindern und mir Tschüss sagen. Katrin kommt erst am 8.9. wieder, derselbe Tag an dem ich abfliege und so war es das letzte Mal, dass wir uns sahen. Als sie wieder aufbrach hatte ich glücklicherweise gerade damit zu kämpfen aufrecht zu stehen da sich 4 Kinder, im Anflug einer geistigen Verwirrung, für Affen und mich für einen Baum hielten und an mir `herumklettertenŽ. Daher hatte ich gar nicht die Möglichkeit groß traurig zu werden, aber dennoch: Es war ein ganz merkwürdiges Gefühl meine Chefin da wegfahren zu sehen…

Gestern war es dann auch schon soweit: Es galt unsere Nachfolger vom Flughafen abzuholen. Nachts um 3.40 kamen sie an. Doch bevor wir den Flughafen erreichten, mussten wir noch einige Militärkontrollen über uns ergehen lassen. Bei dieser Gelegenheit stellte sich auch heraus, dass mein Personalausweis abgelaufen ist, doch dank unseres netten Lächelns durften wir unbehelligt weiterfahren.

Ja und dann standen sie da unsere Nachfolger. Sehr merkwürdig das Ganze! War es nicht gerade vor ein paar Wochen, dass ich selber angekommen bin? Sind wirklich schon 360 Tage vergangen seit ich das erste Mal burkinischen Boden betrat? Ist mein Zivijahr bei AMPO wirklich schon in 5 Tagen vorbei?

Die Realität sagt ja. Dann wird es wohl so sein.

Glücklicherweise bin ich die nächsten Tage zu beschäftigt um all zu viel darüber nachzudenken. Es gilt meinem Nachfolger innerhalb 7 Tage (mittlerweile 5) alles Wichtige beizubringen. Ebenso muss unsere Abschiedsparty (mit Fassbier!!) vorbereitet, Gepäck gepackt werden usw.

Und wer weiß ob ich überhaupt fliege. Delwende eines meiner Lieblingskinder hat mir schon angedroht: Du wirst nicht abfliegen! Wir binden dich einfach hier fest und dann kannst du nicht weg…

Ich bitte daher um Rücksicht, fall sich doch nicht erscheinen sollte;-)

Wie auch immer. Zum Schluss möchte ich mich noch kurz bedanken!

– bei Katrin Rohde, die mich einfach nur umgehauen hat. In jeglicher Hinsicht. Öfters haben wir uns gestritten, oft habe ich ihren Rat in den Wind geschlagen. Fast immer behielt sie Recht. Immer haben wir die tollsten Dinger erlebt und nie werde ich ganz verstehen können, woher sie die Kraft für ihre unglaubliche Arbeit nimmt.

– bei Issaka. Mein erster Chef den ich in meinem Leben hatte. Niemals möchte ich einen anderen haben;-)

– bei Sabine Duwe. Dem deutschen Fels in der Brandung mit stets offenem Ohr und mit Rat und Tat zur Stelle!

– bei allen Mitarbeitern

– bei `meinenŽ Jungs und Mädels – das Salz in der Suppe meines Zivi-Jahres

– bei meiner Familie, Bekannten und Freunden fürs `an mich denkenŽ!

– bei allen SPENDERN die mir durch ihre Hilfe das lehrreichste Jahr meiner bisherigen Lebenskarriere ermöglicht haben!

Beenden möchte ich meine Berichtserie mit einem AMPO-Spruch, den ich erst jetzt so langsam verstehe. Quasi als abschließendes Fazit des ganzen Jahres:

`Le bienfait nŽest jamais perduŽ`Das Gute geht nie verlorenŽ

Tatatata!

Schluss.

euer Timo Nadolny

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