Julian, der neue Praktikant, stellt sich vor

Halli-Hallo nach Deutschland,
C’est moi, Julian – der neue Praktikant bei AMPO.
Meine Güte ist das heiß hier! So heiß, dass man mir sogar eine Federdecke bereitgelegt hat!
Es ist ja schließlich die kalte Jahreszeit in Burkina und da hat man unter einer Federdecke zu schlafen. Nico zieht sogar einen Mumienschlafsack vor.
Dass mich allerdings, bei meiner Ankunft in Ouaga, abends noch 35 Grad an der Flugzeugtür beinahe umhauen, spielt keine Rolle.
„Ja, ein bisschen wärmer ist es schon wieder. Aber das kommt erst noch.“
Gut, – das kommt erst noch – beim Schlafengehen, gerade kalt geduscht, frage ich mich ernsthaft, was da denn noch kommen soll. Ein Schleswig-Holsteiner ist es nicht gewohnt, dass das Wasser nach einer Dusche sofort am Körper verdampft. Nachts!

Noch am Abend meiner Ankunft habe ich so viele Hände entgegengestreckt bekommen, wie das letzte halbe Jahr in Deutschland nicht mehr. Nun ist die Begrüßung ein Ritual hier. Schnell gelernt, dass man nur die rechte Hand verwenden darf und NIEMALS die linke, stieß ich sofort auf das nächste Problem. Es gibt hier tausend verschiedener Arten sich die Hand zu geben, die Fäuste aneinender zu schlagen und diverse andere Möglichkeiten „Ca va?– Wie geht’s dir?“ zu sagen.
Alles aber kein Problem, weil die lieben Menschen hier die unfähigen Europäer anscheinend gewohnt sind und einem mit viel Freude, Gelächter und Übungen, bis hin zu Einzelstunden weiterhelfen. Vom Zivi Nico bekam ich während meiner ersten sozialen Erfahrungen hier stets Ratschläge und Hinweise, dank derer ich bestimmt nur sechs von zehn Dingen falsch gemacht habe.
Mittlerweile beherrsche ich vom einfachen Handschlag ohne zu drücken und zu schütteln über den Ouagaischen Handschlagschnipper (bei Leuten die man mag mit großer Ausholbewegung!) bis hin zum Hip-Hop-Faust-aufs-Herz-ich-bin-cool-move sämtliche Begrüßungen und empfinde es als niedlich, wenn ein Afrikaner mir, ganz europäisch mit Schütteln und Drücken, die Hand gibt. Alle diese wilden Begrüßungen gelten natürlich nicht bei Menschen die älter sind als ich – das sind Respektspersonen, und da hält man sich sehr im Hintergrund.

Man kann Ouaga nicht nur sehen, man kann es auch riechen!
Die Mischung aus verbranntem Müll, Autos und unzähligen Mofas, die keine Abgasnorm der Welt erfüllen und wo man sich fragt, ob der Fahrer Benzin oder vielleicht doch Motoröl in den Tank gekippt hat, die tausenden von Buden an den Straßenrändern, die meist nur aus einer Feuerstelle und einem Blechfass oder Grillrost aus Draht bestehen und natürlich die vielen Menschen.
Das alles vermischt sich zu einer Komposition, die mit großer Wahrscheinlichkeit einzigartig ist. Die man auch noch nach Jahren erkennen wird.

Und hören! Autos, Mofas, Menschen, die singen, schreien, rufen, beten, lachen, Hühner, Esel, Hunde, Vögel.
Alles nimmt eine, für die jeweilige Tageszeit spezielle, Intensität an.
So ist gerade abends, gegen sechs bis sieben Uhr meine liebste Tageszeit. Alles wird allmählich ruhiger, kühler, die Sonne geht rot unter und jeder genießt sichtlich diese gedämpfte Atmosphäre.
Man hat das Gefühl einmal richtig durchatmen zu können.
Katrin meint, dass es morgens um fünf auch toll sei… Bis jetzt hab ich da immer mit Gewalt versucht weiterzuschlafen. Konnte es also nicht so genießen. Habe mir aber vorgenommen in den nächsten Tagen einmal so früh aufzustehen und werde dann davon berichten.

Gestern haben wir Nora, meine Vorgängerin, zum Flugplatz gebracht.
Es war schön hier bleiben zu dürfen!

Dann sag’ ich ade und tschüss – und leise servus!

Julian

Beitrag weiterempfehlen