Die Kunst, mit den Händen zu essen

Moin Moin in den hohen Norden,
Ich bin’s wieder: Julian.

Jetzt bin ich gerade zwei Wochen hier und…
…ICH HABE DEN SECHSTEN SINN ENTDECKT!
Mit den Händen schmecken!
In Deutschland muss mehr mit den Händen gegessen werden. Und nicht nur Hühnchen! Reis mit Soße, Nudeln, Pudding, einfach alles. Durch das Ertasten, das Erfühlen von dem, was man gleich zu sich nimmt, erlangt man ein völlig neues Geschmackserlebnis. Sicherlich ist das ganze bei uns Deutschen noch dadurch gesteigert, etwas Ungewohntes, ja fast Verbotenes, zu machen. Aber wer von uns weiß schon, wie sich Reis mit Soße anfühlt? Wer hat schon mal abends, zusammen, in einem Straßenrestaurant im Kreis um eine große Schüssel gesessen und in Öl gebratenes Gemüse plus zerlegten Hühnchen, mit den Fingern genossen?
Wie fühlt sich das Stück Zwiebel an, wie die Tomate? Auf einmal fällt, das ganz automatisierte Pusten und vorsichtige Antesten mit den Lippen, weg. Man hat mit den Händen schon einen Teil des Essens analysiert. Den Teil, den wir Deutschen normalerweise nicht schmecken.

Selbstverständlich wird hier in Burkina kein dreckiges „Besteck“ verwendet. Vor den Mahlzeiten macht eine Schüssel und eine Kanne Wasser die Runde und der Reihe nach werden sich die Hände gewaschen. Wie immer hier wird, natürlich auch zum Essen, nur die rechte Hand verwendet. Gar nicht so einfach, bei einem Hühnchen!

Aber was schreib’ ich hier von meinen Erlebnissen? Probiert es doch einfach aus!
Macht Euch einen Nudelauflauf mit schön viel Sahnesoße, lasst ihn etwas abkühlen und stellt die Auflaufform in die Mitte des Esstischs. Jetzt die ganze Familie nur noch Händewaschen und fertig.
Das ganze spart ungemein viel Geschirr, Abwasch, Zeit und somit auch Geld! (Geld, das hier bestimmt gebraucht wird) Außerdem ist es gewiss ein schönes Familienerlebnis! Viel Spaß!

Was ist sonst noch passiert?
Am Sonntag wurde für die Mädels und Jungs von AMPO ein Fest gegeben. Die ganzen Dinge, die Gerolf in einem Extrakoffer für die Kinder mitgebracht hatte, mussten ja unters Volk gebracht werden. Dazu wurden die verschiedensten kleinen Wettbewerbe, angefangen beim Sackhüpfen über Geschicklichkeitsspiele, Torwandschießen bis hin zum reinen Kräftevergleich an der mit Sand gefüllten 2-Liter-Flasche durchgeführt. Alle bekamen irgendetwas und zum Schluss verteilte Katrin persönlich, Geschenke an diejenigen, die sich schulisch oder im sozialen Verhalten besonders hervorgetan oder verbessert haben.

Damit war der nur zehn Tage dauernde Aufenthalt unserer beiden, deutschen Gäste auch schon fast wieder vorbei. Am Dienstag konnten wir alle noch bei der Eröffnung einer Schweißerei, von zwei jungen Männern aus Issakas Projekt, dabei sein. Ein weiteres Beispiel dafür, wie wunderbar es hier klappt, den jungen Leuten einen Start ins Leben zu ermöglichen. Noch während der Eröffnung bekamen die beiden ihren ersten offiziellen Auftrag von AMPO, den Gerolf spontan, komplett auf sich nahm. Es handelt sich um die Pfosten zu einem großen Gartenzaun auf der geplanten Lehrfarm.
Wir hoffen, dass die Aufträge nicht ausgehen werden und drücken dem jungen Unternehmen die Daumen!

Am Mittwoch hieß es dann Abschied nehmen, von Sabine und Gerolf. Nach einem obligatorischen, äußerst leckeren Knoblauchhühnchen, das selbstverständlich mit den Händen gegessen wurde, verließen uns die beiden, um Euch, im kalten Deutschland, beizustehen.
Noch immer ist es ein komisches Gefühl ein Flugzeug in Richtung Hamburg aufbrechen zu sehen.
Schön hier bleiben zu dürfen.

Au revoir,
Julien

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