Entrainer, Erzieher im Waisenhaus

(von Julian)
Heute bin ich zum „Interview-Frühstück“ mit Entrainer verabredet.
Wir sitzen im AMPO-Restaurant und Adama, der Koch, hat uns, zusammen mit seinen drei Mädels, mal wieder traumhafte Dinge vorgesetzt. Angefangen beim original burkinischen Cafe au Lait, bestehend aus zähflüssiger, stark gesüßter Kondensmilch, heißem Wasser und einem (!) Teelöffelchen Nescafe bis hin zu frischem Brot (mit Butter!!!) und und und…

Ohne aufzublicken bugsiert Entrainer ein Stück Omelette auf seine Gabel: „Vierzig – so ungefähr – genau kann ich das nicht sagen.“
Da bin ich mal wieder baff.
Meine Frage hatte sich nicht etwa auf das Alter des AMPO-Erziehers bezogen, sondern auf die Anzahl der Familienmitglieder, die mit ihm unter einem (!) Dach leben.
Der 1963 geborene ist Zweitältester von achtzehn Geschwistern. – Kein Problem in einem muslimischen Haushalt mit drei Müttern. Er selbst hat (nur) eine Frau und ist überaus stolzer Papa von einem kleinen Mädchen.
Wie so oft hier, ist der Rufname Entrainers nicht sein wirklicher. Allerdings würde keiner der Kinder oder Mitarbeiter Issaka Nikiema bei seinem richtigen Namen nennen.
Top fit, sportlich durchtrainiert, verliebt in Fußball und mit kleineren Ambitionen für Karate, passt „Entrainer“ (schlicht Trainer) auch wie die Faust aufs Auge!
Eine Respektperson für die Jungs, die gerne mal zeigt, wer mehr Kraft in den „Ärmchen“ hat oder wer lauter schreien kann.
Momente nach diversen „Herumtobereien“ sieht man ihn mit den Kindern in der AMPO-Moschee sitzen.
Er betet mit ihnen, unterhält sich oder sitzt einfach nur dabei.
Die Kinder können somit nicht nur im sportlichen Bereich auf Entrainer bauen. Auch sonst steht er mit Rat und Tat an der Seite seiner Jungs aus deren Reihen er sich für jeden einzelnen begeistern kann.
Der Sport war jedoch sein Einstieg bei AMPO
„Ich war Trainer in einem Fußballverein, bei dem AMPO-Kinder gespielt haben.
Sie haben mich gefragt, ob ich sie trainieren könnte. 1998 kam ich dann dreimal die Woche hierher und hab‘ mit den Jungens Fußball gespielt.“ Entrainer schlürft seinen Caffee au Lait aus der Glasschüssel. „Mensch Julien, du isst ja schneller als ich – und ich liebe Omelette!“

Schon nach einem Jahr wurde aus dem Fußballtrainer ein Rund-Um-Betreuer, der sechs Tage die Woche, von morgens sechs Uhr bis abends einundzwanzig Uhr, die Stellung hält. Natürlich mit Mittags- und Gebetspausen.

Vor drei Wochen haben ihm seine Buben einen besonderen Tag bereitet…
Noch jetzt strahlt er, mit dem breitesten Lächeln von AMPO, wenn er erzählt, wie seine Jungs bei einem Fußballturnier in der internationalen Schule von Ouaga den ersten Platz abgeräumt haben. Gegen internationale Gegner, wie Mannschaften aus Ghana, Mali und den USA!
Ein Triumph für den Trainer und natürlich für unsere Jungs, die beim Spielerwechsel auch Schuhe und Trikot mit dem Eingewechselten tauschen müssen.
„Die wohl erste Siegermannschaft, bei der nicht jeder Spieler seine eigene Ausrüstung hat! Gewonnen haben sie trotzdem!“ Entrainer, inzwischen Herr seines Omelettes, nimmt den letzten, unerträglich süßesten Schluck Cafe au Lait und grinst mich an: „C’est fini?“
„Oui, merci – monsieur Entrainer! C’est fini.“

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