Geschäftsführerin des Sahel eV zu Besuch bei AMPO

Liebe Freunde der AMPO – Kinder,
Katrin Rohde mit den AMPO-Kindern diesmal kommt der Rundbrief aus Burkina Faso von einer Reisenden: mein Name ist Sabine Duwe, ich bin seit fast 2 Jahren die Geschäftsstellenleiterin vom Sahel e.V. in Plön, und ich habe mich das erste Mal in meinem Leben aufgemacht nach Afrika, um diesen Kontinent ganz privat für mich zu erfahren.

Im Februar besuchte ich die AMPO – Einrichtungen in Ouagadougou und tauchte für 10 Tage in eine komplett andere Welt ein, das war spannend und aufregend! Die AMPO – Kinder live zu erleben hat mich völlig begeistert, ihr Charme und ihre Offenheit sind außergewöhnlich für einen Europäer wie mich. Ich hatte das Glück, im Gästezimmer des Mädchenhauses zu wohnen und wurde mit viel Respekt und Gastfreundschaft in ihre Gemeinschaft aufgenommen. So wurde auch ich ein Teil von AMPO und konnte teilhaben am Alltag der Kinder. Kurz nach Sonnenaufgang, so bei 5.30, beginnt gemächlich der Tag, das Geschnatter von 50 kleinen Mädchen und jungen Damen erfüllt den Hof mit Leben. Während der Woche sind die Morgen- und Abendstunden die Zeit der Begegnungen mit den Kindern in den Waisenhäusern, denn am Tage sind alle in der Schule oder in den Lehrwerkstätten. Eilig geht es nach einer Morgengrütze los, aber immer hörte ich ein fröhliches „Ca-va?“ – worauf es nur eine vergnügte Antwort von mir geben konnte, denn ich wurde gut umsorgt vom Wächter, über den Fahrer bis zu den Leitern der Einrichtungen und natürlich von Katrin Rohde. Nach dem fröhlichsten Frühstück, das man sich vorstellen kann – im AMPO – Bistro bei unserem Koch Adama, wurden mir Tag für Tag alle Einrichtungen gezeigt und ich konnte den Geist von AMPO spüren. Es fällt mir nun schwer, hier besondere Eindrücke hervorzuheben, ich tue den ungenannten damit sehr unrecht.

Einige Situationen, die mich rührten und zum Nachdenken brachten, möchte ich aber doch erzählen: In der AMPO – Rollstuhlwerkstatt werden Rollstühle gefertigt oder auch repariert. An einem Morgen war es wieder so weit. Ermöglicht durch einen Spender aus Deutschland wurden 20 Rollstühle an behinderte Menschen, Kinder und Erwachsene vergeben. Es gibt lange Wartelisten, und nun das Glück in den Gesichtern der Beschenkten zu sehen, war einer der anrührendsten Momente, die ich dort erlebt habe. Viele Ereignisse machten mich einfach sprachlos, so auch der Empfang im Haus MIA. Eine Schar fröhlich singender und tanzender kleiner Kinder und ihrer Mütter empfing uns schon am Tor. Zu Recht mit Stolz berichtete uns der Leiter Nana Souleymane von den Erfolgen und den kleinen Wundern, die es im Haus MIA gibt. Das Strahlen in den Augen der Kinder und die friedliche Atmosphäre sagten alles aus – ein Ort des Vertrauens und der Hoffnung!

Weiter ging es zum Straßenjungenprojekt – wir hatten uns den Zeitpunkt des Besuchs genau ausgesucht, denn die Jungen arbeiten hart außerhalb und sollten nun abends zurück in der Einrichtung sein – ich sollte sie ja kennen lernen. Nur mussten wir erfahren, dass der beste Plan in Afrika nichts nützt, wenn abends um 19.00 Uhr in dieser Stadt der Strom ausfällt – Ouaga war nicht nur dunkel sondern schwarz! Das Auto von Issaka Kargougou, dem Leiter dieser Einrichtung, musste dann für die Beleuchtung sorgen. Trotz der Widrigkeiten wurden sofort Bänke herbeigeholt und mir wurde alles gezeigt und erklärt. Dies sind große, fast erwachsene Jungen, die wissen, dass AMPO ihnen hier die vermutlich letzte Chance ihres Lebens gibt, viele kommen direkt aus dem Gefängnis- sie sind bedächtiger, aber auch sie strahlen. Ein großer Höhepunkt für diese Einrichtung war dann, ein paar Tage später, die Eröffnung der Schweißerwerkstatt „TZ“. Zwei ehemalige Straßenjungen konnten sich, dank einer wunderbaren Spende, selbstständig machen. Auch hier wieder das pure Glück in den Augen von Inoussa und Charles, aber auch von Issaka Kargougou und Katrin Rohde. Ein verdienter Lohn ihrer täglichen Arbeit.

Ein weiteres besonderes Erlebnis war die feierliche Eröffnung des AMPO – Projekts „Cinémobile“. Dabei konnte ich ein wenig das Landleben kennen lernen. Das „Cinémobile“ fährt zur Aufklärung der Landbevölkerung zu den verschiedensten Themen, z.B. Hygiene, Familienplanung aber auch Kinderhandel, durch ganz Burkina Faso. Ein 4 köpfiges Team unter der Leitung von Frau Seni bricht früh am Morgen auf, ausgerüstet mit geländegängigem Auto, Videobeamer, Leinwand und Aufklärungsmaterialien, um in die abgelegensten Dörfer zu fahren und dort ihren Unterricht zu geben. Diese Eröffnung war ein Dorffest mit Tänzen, Musik, Ansprachen von den Organisatoren, dem Präfekten und sogar dem Naaba, dem König des Dorfes. Für mich besonders rührend die Worte: „Danke den Menschen in Europa, die soweit von Afrika entfernt, den Glauben an die Menschen Afrikas im Herzen tragen.“ – wie gesagt, sprachlose Momente gab es oft.

Ich sprach eingangs von einem Fahrer. Nur damit dies niemand falsch deutet, der Verkehr in dieser Stadt ist mörderisch und für einen an Ordnung und Schilderwald gewöhnten Europäer so schnell nicht zu bewältigen. In der Rush – Hour kam es so schon vor, dass man sich die Fahrbahn mit 2 Fahrrädern, 3 Mofas und einem Auto, allesamt keineswegs hintereinander fahrend, teilen musste und mit allen gemeinsam wurde ein liegen gebliebener und völlig überladener LKW mit Gegenverkehr überholt! Außerdem muss der Fahrer die technischen Mängel aller AMPO – Autos im Auge behalten, und – glauben Sie mir – das ist keine leichte Aufgabe beim Zustand dieser Straßen!

Ein weiterer Ausflug aufs Land war der Besuch auf Tondtenga, der neuesten AMPO – Einrichtung, die in diesem Jahr der Eröffnung entgegen sieht. Hier werden dann 80 junge Männer die landwirtschaftliche Schule besuchen können. Der Bau ist fast abgeschlossen. Im Gemüsegarten wachsen die ersten zarten Pflanzen. Es ist dort wunderschön, ein riesiger alter Baobab – Baum steht wie ein Wächter inmitten der Farm. Darunter spielten die Jungen des Dorfes Fußball – wie überall zusehen, wo Jungen, Platz und Ball beisammen sind. Fußball ist auch das Größte für die AMPO – Jungen; sobald sie mittags nach Hause kommen geht’s los, auch bei 42° im Schatten! Dabei sind sie zudem auch sehr erfolgreich. Jubelnd kamen sie eines Nachmittags zu AMPO zurück – sie gewannen ein internationales Turnier im Endspiel gegen Ghana mit 1:0 und stolz präsentierten sie ihre gewonnene Trophäe.

Bei AMPO ist die Welt in Ordnung, behütet und umsorgt können die Kinder dort leben und Kraft für Ihre Zukunft schöpfen. Ich wünschte, Sie alle könnten dies einmal erfahren. Denn schon vor den Toren AMPO’ s herrscht das harte Leben für die Menschen. Jeden Morgen bitten Bedürftige um Hilfe, denen es an Nahrung für ihre Kinder und Kleidung fehlt und die dringend medizinische Betreuung brauchen – jeder von ihnen wird angehört. Als besonders magischen Moment habe ich die rote Stunde, die Abenddämmerung empfunden. Die Welt wird in ein wunderbares Licht gehüllt. In diese Stimmung mischen sich Geräusche wie das Hirsestampfen der Frauen und das Ausrufen zum Abendgebet. Es breitet sich ein Frieden aus, der nur dazu da zu sein scheint, den Menschen einen versöhnenden Tagesausklang zu bereiten und ihnen Kraft für den nächsten Tag zu geben. Sie die Freunde und Spender machen es möglich, diese kleine Oase AMPO zu erschaffen und zu erhalten, den Kindern Hoffnung zu geben und Mut zur eigenen Stärke. Seien sie versichert, AMPO ist in guter und liebevoller Hand. Vergessen wir also nicht diesen großen Schatz unserer Erde – Afrika und seine Kinder haben ihre Chance verdient.
Mit besten Wünschen und herzlichen Grüßen, auch aus der Ferne von Katrin Rohde und von allen Mitarbeitern und Kindern,

Ihre Sabine Duwe.

Die Fotos zu diesem Bericht stammen von Helge Fahrnberger. Alle Rechte an den Bildern liegen beim Fotografen.

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