Sommerferien bei AMPO

Einen wunderschönen, guten Tag nach Deutschland.
(von Julian)
Hier scheint die Sonne!!!
Zumindest oberhalb der rötlichen Staubschicht, die sich von der Sahara kommend über das ganze Land legt und die Sonne nur als Matte Scheibe erscheinen lässt.
Dieser Zustand hält meist zwei bis drei Tage an, dann brennt die Sonne wieder ungehindert auf die ausgetrocknete Erde.
Aber wie durch göttliche Fügung hat es letzte Woche in zwei Nächten große, schwere Tropfen geregnet! Der Mangoregen! Die Erntezeit steht nämlich vor der Tür. Inshallah!

Jetzt sind Schulferien. Strahlend kommt mir Nassirou entgegen. Er ist Zweitbester seiner Klasse geworden. Dafür hat Katrin natürlich ein Geschenk bereit…
Selbstverständlich haben nicht alle solche Glanzergebnisse erzielt – aber jetzt sind erst mal Ferien. Für die Jungs geht es vier Tage „Landluft schnuppern“ nach Tollsa – die Farm von Katrin. Somit wird es bei AMPO ziemlich leer werden.

Über sechs Wochen bin ich jetzt hier.
So viel konnte ich schon sehen und gestern Abend durfte ich bei den Mädels in Annexe wieder eine wunderbare Szene miterleben:

„Alle Katholiken ans Tor! Los jetzt – ein bisschen schneller!!“ Andrea (fünfzehn Jahre alt) trommelt stimmkräftig ihre Glaubensgenossinnen zusammen. Das Ganze erinnert stark an einen Appell in einer Kaserne. – Zwei Minuten später sind die Christen unterwegs in die Kirche zum Abendmahl.
Gleichzeitig werden im hinteren Teil von ANNEXE nahe der Infirmerie (Krankenstation) die Bastmatten für das Abendgebet der muslimischen Mädchen ausgerollt. Nebeneinander knien sie in einer Reihe – selbstverständlich genau Richtung Mekka in den Nordosten blickend.
Vor wenigen Augenblicken noch war ich umringt von einer ganzen Schar Kinder. Jetzt fühle ich mich auf einen Schlag ziemlich alleingelassen.
Mit absoluter Selbstverständlichkeit trennen sich die Mädchen verschiedener Religionen, um ihre jeweiligen Gebetsstätten aufzusuchen. Wieder zurück, sitzen sie in der gleichen, religiös gemischten Gruppe lachend zusammen.
Die Frisur, die Balima vor dem Abendgebet begonnen hat Nina ins Haar zu flechten, wird nach deren Gang zum Abendmahl vollendet.

Hier hilft der Muslim dem Christ in sein Gewand und andersrum.

Und es sind nicht die Kinder allein, die dieses Beispiel leben!

Tschüss und bis bald
Julian

Beitrag weiterempfehlen