Tondtenga, Absolventen…

Liebe Freunde der vielen AMPO – Kinder in Ouagadougou!

Die Tondtenga JungsJa, 290 Kinder und Jugendliche sind es mittlerweile, die mit uns leben, essen, arbeiten oder zur Schule gehen – 290 Mal die Zukunft Westafrikas! Wir teilen ihre kleinen und großen Sorgen, behandeln ihre Krankheiten, stellen Nachhilfelehrer ein, suchen Ausbildungsplätze und später Wohnungen für sie.
Ihre Hilfe, liebe Freunde, Ihre Treue und Ihre Spenden machen dies möglich!

Mit viel Elan arbeiten nun auch die 90 neuen Jugendlichen auf unserer Lehrfarm Tondtenga, eine halbe Stunde außerhalb der Stadt. Offiziell wird dieses neue Zentrum erst im November eröffnet, aber wir konnten diese wertvolle Regenzeit einfach nicht ungenutzt verstreichen lassen, und so kamen alle diese Kinder jeweils mit einem Familienmitglied Mitte Juni bei uns an. Am Ende des Einführungstages sagten alle Erwachsenen, dass sie am liebsten auch bei uns bleiben würden, so schön finden sie unsere Farm! Gerade jetzt zur Regenzeit ist es dort draußen in der freien Natur herrlich. Wir sind auch selbst sehr stolz, denn mit ihren 7 Hektar und ihren vielen Gebäuden und Stallungen steht die Landwirtschaftsschule einzigartig da: Tondtenga ist die erste Farm in Burkina Faso, die ein biologisches Zertifikat erhalten hat. Wir haben eine Biogasanlage, Solarenergie in der Schule und bewässern die Gemüsegärten mit einem Tropfsystem. Auch unsere Tiere leben – mehr oder weniger, bei allen geht’s nicht – biologisch. Enten, Gänse, Hühner, Kaninchen, Ziegen, Schafe, Bullen und Kühe, Legehennen und Buschratten, alle von Rasse und sorgfältig ausgesucht, werden von den Jungen in Gruppen und unter Anleitung eines Tierarztes gehegt und gepflegt. Alle Kinder kommen aus ärmsten Verhältnissen. Zusammen mit den Sozialämtern, den Dorfchefs und den Präfekten ihrer Gemeinden wurden sie über eine lange Zeit ausgewählt. Sie sollen nun – anstatt als Straßenjungen in die Stadt abzuwandern – zwei Jahre lang bei uns lernen, sich später in ihrem eigenen Dorf mit den neuen Anbau- und Aufzuchtsmethoden selbst zu behaupten. Diese neue Einrichtung wird unterstützt vom hiesigen Landwirtschaftsministerium, das uns die jeweiligen Experten für den Unterricht schickt. Natürlich kostet dies alles viel Geld und abgesehen von den normalen Folgekosten wie Maisbrei oder Tierfutter fallen auch weniger gewöhnliche Dinge an wie: Käppis für die Arbeiten in der Sonne, Gummistiefel bei den sintflutartigen Regenfällen, Rosenkränze für die Katholiken, viele Kästen Kreide für die fleißigen Schüler und viel mehr Pflaster als in der Stadt! So machen wir täglich neue Erfahrungen.

Nächtlich machen wir auch viele Erfahrungen: Gerade gestern gab es große Probleme mit einem, ja Kind kann man noch sagen, aus dem Mädchenhaus MIA. Erst 15 Jahre alt lag Madina nun schon zwei Nächte in den Wehen, bevor der Entschluss zum Kaiserschnitt fiel. Wir standen bangend vor der Tür des OP-Saales, aber alles ging gut, ein gesundes Mädel mit Namen Asmao wurde geboren! Viele Mütter sterben hier an einer falschen Anästhesie.

Und auch Boureima, unser Marionettenspieler der inzwischen Erzieher bei AMPO ist, hatte riesiges Glück. Er hatte sich bei einem Unfall die Schulter völlig zerschmettert. Gerade rechtzeitig zu seiner Operation kam ein alter Freund aus Lübeck angereist, der Kinderchirurg Prof. Dr. Sigge, er nahm an der schwierigen OP teil und alles ging gut. Inshallah, wie man hier so sagt, über AMPO liegt doch immer ein großer Segen, und ich bin überzeugt davon, dass ein Teil dessen Ihre guten Gedanken an uns sind!

Froh und glücklich sind wir über unsere Absolventen – in diesem letzten Jahr haben wir große Schritte machen können: Zwölf fertig ausgebildete Schneider und Schweißer konnten sich mit eigener Werkstatt selbständig machen, darunter auch drei Mädchen, das ist natürlich bahnbrechend in diesem Land. Sie alle konnten dank einer Spende ein eigenes Atelier finden und müssen nun vierteljährlich abrechnen und das geliehene Geld zurückzahlen – für die nächsten Anwärter. Ein feines System, denn alle mussten noch einen Schnellkurs in Buchhaltung bei unserem Oberbuchhalter Irené belegen und schreiben täglich ihre kleinen Zahlen in ein Heft, eine gute Schulung. Einige haben sich schon einen guten Namen bei den vielen Besuchern hier gemacht und können richtige Anzüge für Herren schneidern, während die Mädchen sich auf Hochzeitskleider spezialisieren! Natürlich ist es sehr schwer, sich einen guten Kundenkreis zu erarbeiten, und sie haben viele Sorgen. Gott sei Dank sind sie alle nicht verwöhnt und können von sehr wenig Geld leben, aller Anfang ist schwer. Nur bei Krankheit dürfen sie sich noch von AMPO helfen lassen, alles andere müssen sie nun selbst erarbeiten. Sie sind aber mit viel Schwung und Initiative dabei, und das ist sehr schön zu sehen!

In der langen Ferienzeit war AMPO bevölkert mit Praktikanten, wir hatten gar nicht mehr genug Platz für alle, so dass ich gezwungen war anzubauen. Bauen war dieses Jahr meine Ferienbeschäftigung – die Hütten wurden neu gedeckt, das Büro erweitert, neue Sickergruben gegraben, Gästezimmer ausgebaut und das Krankenzimmer neu eingerichtet. Maurer, Dachdecker, Elektriker, Klempner Tischler und Maler (die meisten bei AMPO ausgebildet!) gaben sich die Klinke in die Hand. Zum Abschluss nun wird die neue Zahnarztstation gebaut, mit einem hypermodernen tropengeeigneten Zahnarztstuhl, der uns aus Österreich gespendet wurde. Nicht alle Afrikaner haben so herrliche Zähne wie erträumt und Zahnbehandlung ist hier sehr teuer, so dass – wie immer – die Armen besonders leiden müssen – bei uns nun nicht mehr!

Ich selbst mache mich nun auf eine kurze Reise nach Madrid, denn mein Buch erscheint auf Spanisch – olé! Da war ich noch nie, und ich hoffe die Zeit reicht aus für einen Besuch im Prado, europäische Kultur fehlt mir doch manchmal sehr. So wird diese Reise ein richtiges Geschenk für mich – aber dann muss es auch schnell wieder zurückgehen, denn hier warten die Felder, und wir wollen das erste Mal unsere Ernte an biologisch angebautem Hibiskus nach Deutschland verkaufen – was ich noch alles so lernen darf in meinem Leben!

Die Hauptsache bleibt aber immer die Lebensfreude der Kinder, ihre Aussichten für eine bescheidene und gesicherte Zukunft, ihre Gesundheit und die Erfolge in der Schule – bislang gedeiht AMPO dank Ihrer aller Unterstützung gut und beständig – und dies schon fast 10 Jahre! Im März 2006 feiern wir uns er großes Jubiläum. 10 Jahre AMPO ist auch das Thema des neuen Kalenders – wie immer können Sie ihn für 8 Euro in der Sahel e.V. Geschäftsstelle in Plön bestellen.

Mit großem Dank und herzlichen Grüßen
Ihre Katrin Rohde, Ouagadougou

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