Geburtstagsgeschenk

Liebe AMPO-Freunde und -Unterstützer, Herzlichen Glückwunsch!

Genau heute vor zehn Jahren, am 29. März 1996 hat Katrin Rohde das Gute angefangen, welches heute mit über 300 Kindern und Jugendlichen und mehr als 80 Mitarbeitern zu einem „Vorzeigeprojekt der deutsch-burkinischen Entwicklungszusammenarbeit“ (Zitat einer Angestellten der deutschen Botschaft) geworden ist. AMPO erlebt seinen zehnten Geburtstag und der Glauben an unser Motto Managré Nooma – Das Gute geht nie verloren ist in dieser langen Zeit zu einer Gewissheit geworden, die allen Beteiligten Mut und Zuversicht für viele weitere AMPO-Lebensjahre gibt.

Auch wenn die eigentliche Feier mit Tanzvorführungen, Spieleparcours, Modenschau, Theater, 15 Verkaufsständen, Bar, Café mit 28 selbstgebackenen Kuchen von Katrin Rohde, etc. erst am 1.April stattfinden wird, bekam AMPO schon heute ein sehr seltenes Geburtstagsgeschenk:

Um 8:00 Uhr ist noch der ganze Himmel grau verhangen. Die Direktorenkonferenz begrüßt Christine Adamou, die Direktorin des Mädchenwaisenhauses, die heute aus ihrem Schwangerschaftsurlaub zurückkommt. Dann werden überfällige Urlaubstage, die Ferienlager, die Verwendung einer neuen Großspende und andere Dinge des AMPO-Alltages besprochen. Gegen 8:15 steht einer auf, schaut an den Himmel und teilt den anderen mit: „Nichts zu sehen“. Um 8:30 ist dann alles besprochen, die Direktoren fahren zu ihren Projekten und alle kräftigen Männer, – Erzieher, Elektriker, Schreiner – die gerade in der Nähe sind, beginnen, die Präsentations-, Verkauf- und Spielstände für das kommende Fest aufzubauen. Dazu müssen jedoch erst 50cm tiefe Löcher in den Lateritboden gehackt werden, wobei wir kaum einen Unterschied merken, wenn mal ein Stück Beton im Weg ist. Bei dieser schweißtreibenden Arbeit unter der schon heißen Vormittagssonne habe ich schon beim dritten Loch die ersten Blasen an den Händen ? und wir brauchen 30! Zum Glück sind wir viele, die sich abwechseln können mit Hacken, Schaufeln, Ausmessen, Sägen und dem Aufstellen der Stände. Dennoch bin ich erstaunt, wie lange meine burkinischen Kollegen bei dem Wetter ohne Schatten durchhalten, oder liegt mein schlechtes Abschneiden doch nur an meiner leichten Erkältung und dem wenigen Schlaf nach dem vergangenen Nachtdienst?

Dann schaut wieder jemand zum Himmel. Durch ein gerußtes Glas, dass wir am Tag zuvor angefertigt haben. Alle lassen die Arbeit liegen und wollen auch gucken. Da fällt mir ein, wie ich mir als kleines Kind aus Disketten Sonnenbrillen bauen wollte. Also hole ich schnell eine Packung alte Disketten aus unserem Computerraum und schon können fast alle gucken: Eine Sonnenfinsternis! Nicht komplett, aber laut Vorhersage immerhin zu 85% verdeckt der Mond die Sonne. Und durch die tiefroten Diskettenscheiben verbrennen wir uns nicht gleich die Augen. Die meisten „Zuschauer“ erleben dieses seltene Phänomen zum ersten Mal. Immer wieder müssen wir daran erinnern, nur kurz hinein zu gucken, denn wie viel Strahlung meine Noterfindung wirklich abfängt, wissen wir natürlich nicht. Die Begeisterung in den Gesichtern ist riesig. Einige zeigen auch einen Ausdruck von Erschrecken, Ehrfurcht.

Gegen Ende entdecke ich noch ein Geschenk für mich persönlich: Die Sonnenscheibe wird nun so verdeckt, dass sie wie ein Sichelmond in Deutschland aussieht. Nicht, wie hier, in der Form einer Wiege, sondern leicht schräg nach unten geöffnet. Schon zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit, dass sich die beiden Himmelskörper so ähneln.

Schon vor einigen Tagen antworteten einige Leute, denen ich von der bevorstehenden Sonnenfinsternis erzählt hatte, so was passiere hier eigentlich nachts, womit sie natürlich eine Mondfinsternis meinten. Nach hiesiger Tradition werden dann die ganze Nacht Trommeln geschlagen und Lieder gesungen, um die Katze, die der Mythe nach, den Mond gefressen hat, dazu zu bewegen, in wieder frei zu geben. Diesmal wurde die Sonne nach einigen Minuten wieder frei gegeben. Das vorher diffuse Licht wurde wieder gleißend hell und die leichte Kühle, die eingetreten war, verschwand mit jedem Hackenschlag merklich?

Liebe Grüße,

Matthias Schuchard

Zivildienstleistender bei AMPO

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