Digitale Fotos sollen Brücken bauen

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von Oliver Hamel
(Quelle: Kieler Nachrichten vom 26.07.2006)

Können Bilder verbinden? Können Fotografien zwischen Kontinenten Brücken schlagen? Natascha-Maria Meyenberg und Susanne Ludwig wollen es versuchen. Sie wollen mit Hilfe digitaler Fototechnik erreichen, dass sich Jugendliche aus einem der ärmsten Teile der Welt (Burkina Faso) und Jugendliche aus einem der reichsten Teile der Welt (Schleswig-Holstein) kennen lernen – und voneinander lernen.

„Natürlich kann auch was schief gehen“, sagt Natascha-Maria Meyenberg, „aber eigentlich rechnen wir nicht damit.“ Die 32-jährige Diplom-Sozialpädagogin und Mitstreiterin Susanne Ludwig, eine 30-jährige Diplom-Fotografin, wollen von Schwierigkeiten nichts wissen. Sie reisen am 2. bis 29. September ins afrikanische Burkina Faso, um in der Hauptstadt Ouagadougou in einem Waisenhaus zu wohnen, wo sie einen digitalen Workshop mit Jugendlichen von zehn bis 18 Jahren auf die Beine stellen. Die Kinder sollen sich und ihr Leben abbilden, die Ergebnisse in Ouagadougou ausgestellt werden. „Ein wesentliches Ziel ist das Überwinden der globalen digitalen Spaltung“, sagt Natascha-Maria Meyenberg. In einer Zeit, in der der Zugang zum Internet und zur Ressource „Wissen“ immer wichtiger werde, sei Afrika bislang weltweit der Verlierer.

Doch der Afrika-Besuch soll nur ein Anfang sein – ein erstes Teilprojekt eines Vorhabens, das den Namen „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ bekommen hat. Dieser „Brückenschlag zwischen Europa und Afrika mit dem Medium der digitalen Fotografie“ soll in Schleswig-Holstein ein Pendant finden. Nachdem das Centre Culturell français im April 2007 die afrikanischen Bilder in Kiel ausgestellt haben wird, sollen auch hiesige Jugendliche sich und ihre Lebenswirklichkeiten abbilden. Zielgruppe sind hier besonders benachteiligte Jugendliche, aus Sonderschulen, aus Hauptschulen, aus Fördereinrichtungen. „Diese Kinder sind zahlreichen gesellschaftlichen Ausgrenzungsprozessen unterworfen“, sagt Natascha-Maria Meyenberg, „aber auch ihnen müssen globales Lernen, Ausbildung und Arbeitsmarkt zugänglich gemacht werden“.

Finaler Schritt dieses Projektes: die Vernetzung der Lebenswirklichkeiten von Jugendlichen in Burkina Faso und Schleswig-Holstein. Eine Internet-Plattform soll den dauerhaften Kontakt ermöglichen, Projektwochen oder Austauschprogramme könnten folgen. Susanne Ludwig ist sicher: „Bilder können Barrieren von Kultur und Sprache überwinden.“ Das wenige Wissen voneinander müsse ein Ende haben.

Katrin Rohde wird den Kielerinnen bei ihrem Vorhaben vor Ort unter die Arme greifen. Derzeit berichtet sie aus Burkina Faso von Temperaturen von zum Teil über 50 Grad und heftigen Sandstürmen. Aber sie rät: „Bleibt dran, Mädels!“

Spendenkontakt: Kennwort „Fotoprojekt“, Konto 5785, Sparkasse Kreis Plön, BLZ 21051580.

Das Projekt wird gefördert von „Bingo!“ der Umweltlotterie (www.projektfoerderung.de)
und findet in Zusammenarbeit mit dem Centre Culturel francais de Kiel statt.

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