Rückblick auf 2006

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Liebe Freunde der Waisenkinder,
inzwischen sind Sie, unsere Freunde, verstreut über die ganze Welt – das ist ja nun ein wirklich weihnachtlicher Gedanke! Spenden kamen aus China, aus Kanada, aus der Schweiz, Japan, Österreich, Frankreich, Dänemark und England! Und wenn es „nur“ ein Fußball ist, die Freude ist jedesmal groß! Deutschland bleibt aber immer unser Stammland, das ist wohl klar.

Wenn nun überall Frieden wäre und ein jeder sich auch nur um ein einziges Kind kümmern wollte: wie wäre die Welt so schön! Da wir aber keine idealistischen Träumer sind machen wir einfach da weiter wo wir mal angefangen haben, nicht wahr?

In einem kleinen Waisenhaus in Westafrika geschehen bis heute täglich Wunder, ich wünschte Sie wären einmal dabei, denn gerade im September haben wir wieder 15 kleine, ziemlich verwirrte und niedergeschlagene dünne Menschlein bei uns aufgenommen. Nun haben wir November, seit ihrer Aufnahme essen sie täglich dreimal, haben genügend Kleidung und sind durchgeimpft – ich habe den Eindruck sie sind schon einen ganzen Kopf größer geworden, und sie finden den Mut morgens auf mich zuzugehen und mich stolz und respektvoll zu begrüßen, das hätten sie vorher nie gewagt. Sie gehen zur Schule – naja, die meisten täglich, einige schaffen es noch nicht so ganz, werden aber liebevoll ermutigt, das wird schon klappen. Andere sind durch ihr Schicksal traumatisiert, oft sitzen wir im Direktorenkollegium zusammen und beraten uns gegenseitig und mit unseren Psychologen. Aber auch in dieser Hinsicht haben wir schon Wunder erlebt, oft funktioniert die Gemeinschaft der älteren, nachsichtigen Kinder viel besser als unsere vielen schlauen Worte. Trotzdem, nicht jedes Kind kann Superchancen für seine Zukunft bekommen, schließlich sind wir kein Eliteinternat.
Sollten Sie also so ein Patenkind haben das uns ab und zu mal Kummer macht: machen Sie nicht zu viele Gedanken, wir sorgen in jedem Fall für dieses Kind, ob er oder sie nun Schneider oder Lehrer wird.

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Für mich selbst gab es in diesem Jahr lange Reisen, ganze 6 Wochen in Deutschland und Österreich, und dann, im Herbst, 3 Wochen in Kanada, deren Rotarier sich sehr liebevoll unseren Einrichtungen widmen. Meine Vorträge halte ich in fließend deutsch (kein Wunder!), englisch und französisch fast fehlerfrei, dies freut mich sehr und bestätigt mal wieder: Dein Erbe ist Deine Erziehung (wie man hier in Afrika sagt).

In diesem Sinne haben auch die AMPO-Kinder immer mehr Sprachunterricht außerhalb der Schule. Unsere Sanata, ein MIA-Mädchen mit Zwillingen, lernt nun im Eiltempo deutsch. Hier gibt es keine Ausbildungsmögichkeit für Zahnarztassistenten, und Sanata schmiss ihr Abitur hin, um möglichst schnell in mehreren Zahnarztpraxen hier in der Stadt was abzugucken, sie ist nämlich die Assistentin in unserer neuen Zahnarztpraxis. Der Gründer und Financier dieser Praxis, Herr Dr. Vorauer, hat sie nun gestern für 3 Monate nach Salzburg eingeladen, um dort in seiner Praxis noch mehr zu lernen! Vor Freude sprang sie in die Luft!
Auch die Rotarier bieten studierenden Kindern von uns zukünftlich Platz an Universitäten in Montreal und Ottawa.

Während meiner Abwesenheit lief hier, dank unseres guten Direktorenteams, alles prächtig. Dies gibt mir immer ein gutes Gefühl, denn unsere Stiftung ist gegründet worden, um später einmal, wenn ich diese langen Reisen nicht mehr machen kann, alle Einrichtungen zu erhalten. Denken Sie bitte alle daran, Ihren Freunden von unsere vertrauenswürdigen Projekten und Einrichtungen zu berichten? Sie sind ja nun mal seit langem unsere Freunde, bitte helfen Sie mir die Zukunft der Kinder abzusichern! Vielleicht finden gerade Sie einen netten neuen Stifter?

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Auch unser neuer Vereinsvorstand in Deutschland bewährt sich, das ist anschaulich bewiesen mit unserem neuen Kalender, der im Sekretariat bei Frau Duwe erhältlich ist.
So einen schönen AMPO-Kalender hatten wir noch nie! Alle Helfer seien bedankt.

Ein sehr schöner Workshop lief bei uns im September, denn es kamen zwei junge Frauen aus Deutschland und gaben unseren Kindern Unterricht im fotografieren mit digitalen Kameras. Sie hatten eine Finanzierung von BINGO dafür bekommen, denn es handelt sich um ein sehr hoch angesetztes und umfangreiches Projekt, dessen Ergebnisse europaweit und auch in Ouagadougou in Ausstellungen dokumentiert werden. Frau Ludwig, Fotografin, und Frau Meyenberg, Sozialpädagogin, blieben 3 Wochen bei uns und erschufen mit einzigartigem Einfühlungsvermögen ein fähiges Fotografenteam! Etliche unserer Kinder wussten ja gar nicht, was alles in ihnen steckte – sie lernten nicht nur das Fotografieren, sondern auch das Bearbeiten der Bilder am Computer, durchaus eine spätere Berufschance für den einen oder anderen. Im April wird die Ausstellung in Kiel eröffnet, Einzelheiten folgen dann.

Gerade bin ich gemeinsam mit den Kindern dabei, ein neues Buch herauszugeben. Es wird im Kinderversandhaus JAKO-O erscheinen, und wir alle haben viel Spaß, denn es heißt: „Afrikanische Kinder schreiben für deutsche Kinder“. Die Geschichten und Bilder, die dabei herauskommen, sind zum Teil sehr komisch, oder auch sehr traurig, aber in jedem Falle bemerkenswert. Sie handeln vom afrikanischen Zauber, beschreiben einen Marktbesuch, erzählen vom Tod der Mutter, wie man einen Fisch angelt oder was es bei uns zu essen gibt.

Hier eine gute Geschichte: alle unsere Kinder haben die Weltmeisterschaft im Fernsehen verfolgt, und angesichts dieses gezeigten Reichtums nun, sollten sie beschreiben wie man hier spielt: ohne Ball (wird aus Plastiktüten zusammengeknüllt), ohne Schuhe, ohne Rasen, ohne Schiedsrichter (können Sie sich die Diskussionen auf dem Spielfeld vorstellen?), ohne Trikot (eine Mannschaft zieht die Hemden aus!) und dann: ohne Tor! Wie das? Ja, einmal kamen die AMPO-Kinder zu einem verabredeten Spiel mit einer anderen Schule, aber aus Mangel an Feuerholz hatten die Nachbarn in der Nacht vorher die Torpfosten geklaut! Da sehen Sie mal mit was wir hier so zu kämpfen haben….nachdem wir zu Ende gelacht hatten, haben wir die Tore dann durch zwei Steine ersetzt und endlich das Spiel begonnen.

Das Lachen verlernen wir hier nie!
Und das wünschen wir Ihnen im nächsten Jahr für Sie und Ihre Familie:
lachen Sie öfter als im letzten Jahr!

Freundlichste Grüße aus Ouagadougou
Ihre Katrin Rohde

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