Rundbrief April 2007: Meningitisepidemie in Burkina Faso

1820

Liebe Freunde der Kinder in Burkina Faso,

hier kommt ein neuer Rundbrief aus Afrika! Nach langen Jahren durfte ich, Katrin Rohde, das erste Mal Urlaub machen, 10 Tage an der Algarve gaben mir alle Kraft zurück. Eine unserer Spenderinnen schenkte mir das Ticket, und ich habe die Ansicht der Atlantikwellen nach so vielen Jahren in der Sahelzone gründlich genossen! Zeit zum Nachdenken bekam ich dadurch geschenkt, ich danke der freundlichen Spenderin also auch für neue Erkenntnisse.

Währenddessen lief in Ouagadougou alles zur besten Zufriedenheit, einmal mehr wurde ich darin bestätigt: unser afrikanisches Führungsteam arbeitet Hand in Hand, fasst Beschlüsse gemeinsam und kann mit allen anstehenden Problemen völlig ohne mich fertigwerden. Ich könnte gerne das ganze Jahr über fortbleiben und mich um das Budget kümmern, reisen, Vorträge halten und den
Kontakt zu unseren vielen treuen Spendern in Europa pflegen. Aber…..ich liebe alle unsere Kinder und möchte dabeisein, wenn aus ihnen etwas wird! Gerade die Großen, die mit 18 Jahren ins Leben entlassen werden, brauchen mich, schließlich sind sie oft schon 10 Jahre bei AMPO groß geworden. Mein Mitarbeiter Issaka und ich sind ihre Leitfiguren, wir haben ihnen immer vorgelebt, was wir von ihnen erwarten. Das Leben ohne unsere Unterstützung in der Hauptstadt ist hart. Immer besser können wir die Ausbildung der Kinder ihren Talenten anpassen, aber es gibt natürlich auch viele, deren Charakter und Intelligenzgrad mehr als eine Tischler- oder Schneiderlehre nicht erlaubt – und es gibt schon tausende von arbeitslosen Tischlern! Um diese jungen Menschen muss sich ganz besonders gekümmert werden.

1808

Guten Erfolg hat unser nun schon „alter “ Sohn Damiba Boureima. Nach seinem Deutschlandaufenthalt arbeitet er als Erzieher bei AMPO, bei seinen kleinen Brüdern, und fliegt nun auf Einladung einer Organisation „Enfants du Monde“ für drei Monate nach Genf, wo er eine Erzieherschule besucht, als einziger Gast aus Burkina Faso: wir sind stolz auf ihn! Er arbeitet hingegeben mit seinen kleinen Brüdern von früher, das ist schön anzusehen. Wer soll wohl die Probleme eines kleinen Waisenjungen besser verstehen als er, der selbst im Alter von 11 Jahren zu AMPO kam? Sehen Sie, auch deswegen werden unsere schulischen Ergebnisse immer besser, und die Kinder haben echte Zukunftsaussichten – so wie der kleine Theophile, der nicht ein einiges Wort französisch sprach, als er im letzten September zu uns kam – nun redet er ununterbrochen den ganzen Tag! Von unserem Foto-Kurs im letzten Herbst hatte ich erzählt – nun wird Ende April aus diesem Material eine Fotoausstellung eröffnet, gleichzeitig in Kiel und in Ouagadougou. Die damalige Foto-AG kümmert sich gleichzeitig um unseren Kalender für das Jahr 2008, der erstmals von uns hier in Afrika selbst hergestellt wird – wir hätten ja niemals gedacht, dass wir dazu imstande sind! Aber Ihre AMPO Kinder können noch viel mehr: im September wird ein Buch für Erstleser in Deutschland erscheinen, voller Geschichten und Bilder aus Afrika: made by AMPO! Eines Tages wird es einen Knall geben, dann bin ich vor Stolz auf sie geplatzt!

Diesen Brief habe ich in Etappen geschrieben, und nun muss ich ihn unerwartet schnell schließen. Schon vor 14 Tagen hatten wir einige Meningitisfälle in Burkina Faso, inzwischen, und vornehmlich seit gestern, ist dies eine wahre Epidemie mit eventuell 2000 Toten geworden. Ich schicke einige Bilder unserer Krankenstation anbei. Hier stehen hunderte von Menschen für eine Impfung an, unsere Krankenpfleger arbeiten Tag und Nacht. Panik versuchen wir zu verhindern. Trotzdem alle AMPO-Kinder dank eines Spenders durchgeimpft sind, haben wir zwei Fälle im Krankenhaus. Inzwischen schickte uns die Regierung 800 Dosen Impfstoff, das ist zuwenig, wie man auf den Fotos sieht. Medikamente zur Behandlung müssen in allen Apotheken der Stadt gesucht werden, gestern fanden wir noch einige. Gott sei Dank sind Schulferien, so dass die Kinder alle zuhause bleiben können. Auch bei mir zuhause stehen die Mütter vor der Tür, alle suchen Impfstoff. Manchmal kann ich helfen. Die Arbeit ruft. Ich weiß, dass Sie alle an uns denken, und dafür, für diese Verbundenheit, danke ich Ihnen.

Ihre Katrin Rohde aus Ouagadougou

Beitrag weiterempfehlen