AMPO-Rundbrief April 2008: Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso!

Frau Trienekens-Domrös bei der Eröffnung des Mädchenhauses ALMA

Liebe AMPO-Freunde!
Einmal mehr bedanken wir uns für Ihre Treue und Freundschaft zu unseren Waisenkindern und zu unseren Einrichtungen in Burkina Faso. Gerade jetzt, nach dem großen UNICEF Skandal, sind wir besonders froh und glücklich, dass Sie uns erhalten geblieben sind.
Auch unser kleiner Verein, der Sahel. e.V., besitzt jenes besagte DZI-Spendensiegel, von dem es in ganz Deutschland nur ca. 200 gibt…


Jedes Jahr wieder beantragen wir dieses Siegel neu und unterziehen uns einer strengen Prüfung. Wir müssen Unmengen an Quittungen und Beweisen aus Afrika erbringen, die Buchhalter plagen sich oft mit höchst unzulänglichen Belegen herum, denn welche Marktfrau kann schon schreiben? Hier wird noch mit Daumenabdruck unterzeichnet! Die Lohnbuchhaltung für 80 Angestellte per Computer – und das bei unseren vielen Stromausfällen und Sahara Staubwolken im Büro? Das geht hin und her zwischen Ouagadougou und Plön, am Ende stimmt dann alles, noch dazu mit einer gloriosen Kennziffer: nur 8% aller unserer Kosten gehen in die Verwaltung. Darauf sind wir stolz und dabei soll es bleiben. Mit dieser schönen Zahl können wir uns Ihnen, unseren Spendern gegenüber, immer sehen lassen – und gemeinsam mit Ihnen, Skeptikern und Zweiflern ruhig ins Auge sehen! An dieser Stelle ein großer Dank an unsere Geschäftsführung, Sabine Duwe und Karin Peters, sie halten in Plön die Fäden zwischen Deutschland und Burkina Faso fest in der Hand. Soviel zur deutschen Seite.

Zur burkinischen Seite: hier gibt es Demonstrationen und Straßenkämpfe, weil die Preise von Grundnahrungsmitteln in unerträglichen Maßen erhöht wurden. Die Kosten für einen einzigen Sack Reis, macht schon die Hälfte des Monatsgehaltes eines Wächters aus. Miete, Essen, Schulgeld, Benzinkosten für Mopeds, eventuelle Kosten für Medikamente der Familie, Bekleidung – nichts ist mehr erschwinglich. Die Ernte des letzten Jahres war schlecht, so dass mehr und mehr Menschen sich zur Landflucht entschließen, aber hier, in der Hauptstadt, gibt es eben auch keine Arbeit. Die Reihen der Hilfesuchenden vor unserer Kranken- und Sozialstation werden immer länger. Hoffentlich hat der Staat ein Einsehen und verbilligt zumindest Mais und Reis.

Den AMPO-Kindern geht es gut. Wir hatten rauschende Weihnachten, trotzdem unser Geschenke-Container gar nicht angekommen war. Das war eine gute Lektion für uns. Zwei Wochen später war er dann gelandet, und so gab es einen schönen Nachmittag mit Geschenken für alle Kinder. Sämtliche „Bedankmichbriefe“ wurden aus vollem Herzen geschrieben und müssten längst bei Ihnen, den Paten, eingetroffen sein. Einige Paten schickten ihre Päckchen mit der Post, aber von denen waren leider etliche aufgerissen und der Inhalt zum Teil nicht mehr vorhanden… so schicke ich hier nochmal ein riesiges Dankeschön an alle lieben Menschen, die an uns dachten!

Ein zusätzliches wunderbares Geschenk machten wir uns mit Hilfe des Jako-o Versandes sozusagen selbst: dort erschien nämlich das erste Buch, das unsere Kinder selbst geschrieben, gemalt und fotografiert haben. Es wurde sehr gut verkauft, und zusätzlich bekam AMPO einen Prozentsatz der verschickten Pakete des Versandes in der Weihnachtszeit. So erhielten wir jetzt die Summe von fast 70.000 Euro. Nun finanzieren also unsere burkinischen Waisenkinder mit ihrem Buch 3 Jahre lang das Schulgeld für 650 externe gute Schüler – ist das nicht wieder mal ein wahres Wunder?

Ende Dezember gewannen unsere Jüngsten den „Coaching for Hope-Cup“, nach 30 Spielen gingen sie als beste Jungfußballer von BF hervor! An diesem Tage ist AMPO beinahe als fliegende Untertasse abgehoben vor Freude! Der Preis war: ein vollständiges Outfit für alle, von Schuhen und Stutzen bis zu Torwarthandschuhen, und dazu eine Reise für alle nach Ghana zum Halbfinale des „Africa-Cups“ – oha, noch nie hat eines unser Kinder eine Grenze überquert. Die Großen glühten vor Neid (sie waren in ihrer Liga „nur“ zweite geworden!), und die Reisevorbereitungen gingen los. Alle waren schrecklich aufgeregt! Am Ende hatten wir es dann meinen eigenen guten Beziehungen zur Polizei zu verdanken, dass es überhaupt möglich war. Wegen der sehr strengen Kinderhandelgesetze in Westafrika ist es unmöglich, einen ganzen Bus mit halbwüchsigen Jungs in Richtung der Kakaoplantagen (wo die gehandelten Kinder schrecklich leiden und oft sterben) in Gang zu setzen. Aber nach einer netten Anfrage von mir, schrieb denn der Polizeichef selbst in letzter Minute das „Laissez-passer“, das war Glück!

Besuch bei uns gab es viel und reichlich in diesem Jahr. In der besten Reisezeit Januar und Februar kommen viele Gruppen um ihre Projekte zu besuchen, z.B. gebaute Brunnen, Schulen oder Krankenstationen. Es gibt hier viele Patenschaften mit deutschen, französischen, dänischen und italienischen Städten, und früher oder später kommen die Gruppen bei AMPO vorbei, denn wir sind durchaus international bekannt. Nur zu gern geben wir ab von unserem Wissen und helfen anderen mit gutem Rat. Allerdings kostet das viel Zeit. Oft essen diese Gruppen dann in unserem Restaurant, und unser Koch und unsere Kochlehrlinge sind über die Grenzen hinaus bekannt, für ihr exzellentes und vor allem sicheres Essen – Amöben haben keine Chance bei uns!

Zu 75% wird unser Straßenjungenprojekt seit vielen Jahren von der Deutschen Welthungerhilfe finanziert, und so kam deren 1. Vorsitzende, Frau Schäuble, Ende Februar auf Besuch zu uns. Außerordentlich wohlwollend und fachfraulich äußerte sie sich zu den von der Schweißerwerkstatt hergestellten Rollstühlen, auch ihr Mann treibt selber Sport mit so einem handgetriebenen Modell. Sie will sich gerne für weitere Ausbildungskosten in ihrem Vorstand für uns einsetzen. Kurz vorher war der deutsche Außenminister, Herr Frank-Walter Steinmeier, für einige kurze Stunden in Burkina Faso. Er versprach mir, bei seinem nächsten Besuch, unser Waisenhaus zu besichtigen.

Eine Delegation von zwölf Luxemburgern besuchte eine Woche lang die zum größten Teil von ihnen finanzierte Lehrfarm Tondtenga. Sie zeigten sich außerordentlich befriedigt über die Ergebnisse und besuchten auch einige der ersten 100 Schüler, die bereits als Jungbauern in ihren Dörfern selbständig sind. Dort fanden sie ertragreiche Felder vor, biologisch angebaut mit gutem Kompost, ohne einen Krümel Chemie! Die anderen Dorfbewohner können es kaum glauben, dass man das Geld für Kunstdünger sparen kann und trotzdem eine gute Ernte hat. Sie beginnen es nachzumachen, und genau dies war unser Ansinnen.

Ein großer Tag in unserem AMPO-Leben war die Eröffnung des neuen Mädchenhauses ALMA am 2. Februar 2008. Nach dem Modell des Hauses MIA geschneidert, ist das Haus ALMA (benannt nach meiner Großmutter) ganz und gar die Spende der Familie Trienekens, von Grundstück und Bau und Einrichtung, bis zum Unterhalt für die nächten 5 Jahre. Rebecca Trienekens-Domrös und ihr Mann, Joachim Domrös, kamen zur Eröffnung aus Deutschland. Der Deutsche Botschafter sagte in der Eröffnungsrede, dass diese neuerliche Einrichtung von AMPO ein Meilenstein in der deutsch-burkinischen Freundschaft wäre. Na, da wurde ich auch ein bisschen stolz auf uns! Auch hier leben nun 20 minderjährige ausgestoßene Mädchen, zum Teil mit Aids, zum Teil schwanger oder bereits mit ihren Babies. Die Stimmung ist gut, ihre neue Schneiderei spezialisiert sich auf Patchwork. Unsere ersten Werke, sechzehn Quilts aus afrikanischen Stoffen, werden ab dem 1. Mai für vier Tage im Rahmen eines internationalen Quilt-Festivals
in Wilwerwiltz/Lellingen bei Luxemburg ausgestellt.

Mir selbst geht es gesundheitlich wieder sehr gut, ich bin voller Kraft und Energie. Gemeinsam mit unserem Team der Direktoren stellen wir nach so vielen Jahren einiges um, beraten uns gegenseitig und zählen aufeinander. Mein Sohn John kann den deutschen Teil meiner Arbeit hier weiterführen wenn ich, wie jetzt gerade wieder, für fast zwei ganze Monate nach Europa verschwinde. Die Hauptsache ist immer unser guter und – dank Mail – schneller Draht auf deutsch zu Ihnen allen, unseren Spendern und Freunden.

Oftmals gibt es Lücken, wie z.B. gerade mangelndes OP-Material im Kinderkrankenhaus. Dieser Mangel ist im wahrsten Sinne des Wortes tödlich, und so finde ich immer jemanden unter Ihnen, der schnell und unkonventionell hilft.

Seien Sie alle bedankt für Ihre Hilfe, dies geht eben nur, weil der Sahel e.V. relativ klein und übersichtlich ist und eine so gute Geschäftsführung hat.

Nun wünsche ich Ihnen allen einen feinen Frühling, vielleicht sehen wir uns ja auf meiner Reise durch Europa! Auf ein bisschen frische Luft freue ich mich schon riesig!

Aus dem fernen sehr staubigen und heißen Ouagadougou grüßt Sie herzlich
Ihre Katrin Rohde

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