Alte Nähmaschinen für Burkina Faso

Christine Labudda organisierte Hilfsprojekt im hessischen Bad Emstal

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Christine Labudda
Als Christine Labudda im Sommer 2005 erstmals in das kleine westafrikanische Land Burkina Faso reiste, traf sie in Ouagadougou, der Hauptstadt des Staates. auf Katrin Rohde. Die Stiftung, die den Namen der Frau trägt, die seit Mitte der 90er Jahre in Burkina Faso lebt,  hat den Verein Sahel e. V. – A.M.P.O. zur Unterstützung von sozialen Hilfsprojekten Burkina Faso gegründet. In Ouagadougou leitet Frau Rohde unter anderem ein Hilfsprojekt für Straßenkinder. Christine Labudda war bei ihrem Aufenthalt schnell davon überzeugt, dass viele Menschen in diesem Land Hilfe brauchen, und die Begegnung mit Katrin Rohde bestärkte sie darin, nach ihrer Rückkehr nach Deutschland, Hilfe für Burkina Faso zu leisten.

Das Land gehört zu den ärmsten der Welt, das Elend und die Not der Menschen sind allgegenwärtig. Spontan entschied Christine Labudda: für dieses Land und seine Menschen etwas tun zu wollen. Aber was tun? Die Antwort auf diese Frage fand sie schon nach ein paar Wochen, als sie wieder ins heimischen Bad Emstal zurückgekehrt war.

Ein Anruf in der Heimatredaktion ihrer Regionalzeitung, der HNA, genügte Christine Labudda, um, das Interesse eines Redakteurs für ihre Initiative zu wecken. Schnell war im Gespräch mit ihm die Idee geboren, im Nordhessischen alte Nähmaschinen zu sammeln, und sie nach Burkina Faso zu transportieren. Denn Christine Labudda wusste, dass die Organisation A.M.P.O. in einem Hilfsprojekt zur beruflichen Qualifizierungen von elternlosen Mädchen und Jungen in Burkina Faso im Schneiderhandwerk ausbildet. Mit einer Nähmaschine, könnten sie den Lebensunterhalt für ihre Familien nachhaltig sichern. Es mussten allerdings mechanische Nähmaschinen sein, denn die meisten Dörfer in Burkina Faso sind ohne Elektrizität.

Die erste Reportage von HNA-Redakteur Herrn Michel hatte eine ungeahnte Welle der Hilfsbereitschaft zur Folge. Christine Labudda erhielt aus dem ganzen nordhessischen Raum Anrufe von Leuten, die bereit waren, ihre alten Nähmaschinen für ihr in der Zeitung vorgestelltes Hilfsprojekt in dem westafrikanischen Land zur Verfügung zu stellen. Manchmal äußerten sie jedoch Bedenken, weil die seit Jahren nicht mehr benutzten alten Nähmaschinen defekt waren und auf Dachböden oder in alten Schuppen verstaubten. Ob sie überhaupt noch zu gebrauchen wären? Christine Labudda konnte die Skepsis zerstreuen. „Die Schneider in Burkina Faso sind in der Lage, beschädigte Maschinen wieder in Gang zu bringen, denn sie sind technisch versiert und verfügen über ein ungeahntes Improvisationstalent“, war sich die Bad-Emstalerin sicher.

Mit ihrem Mann Rainer fuhr sie zu Spendern von Nähmaschinen im Umkreis von 80 Kilometern von ihrem Wohnort. Viele von ihnen fragten sie nach Einzelheiten ihres Hilfsprojekts für Burkina Faso und, nachdem Christine Labudda ihnen Näheres über die Situation in dem Land geschildert hatte, entschlossen sie sich dazu, nicht nur eine Nähmaschine, sondern auch Geld zu spenden, um die Aktion zu unterstützen. Wiederholt berichtete die HNA während dieser Zeit über den Fortgang der Spendensammlung von Christine Labudda.

Über 70 Nähmaschinen und Spenden in Höhe von  11.760,– Euro kamen auf diese Weise und durch Verkauf von gesponserter Schokolade, innerhalb eines Zeitraums von knapp 30 Monaten zusammen. In Elbenberg, in der Nähe ihres Heimatortes, bekam Christine Labudda von Freunden einen Kellerraum zur Verfügung gestellt, in denen sie die Nähmaschinen lagern konnte. Anfang 2008 war es dann soweit: Sie und ihr Mann Rainer beluden einen VW-Transporter mit Anhänger bis oben hin mit den alten Maschinen und fuhren sie nach Plön in Schleswig-Holstein, wo der Verein Sahel e.V. – A.M.P.O. seinen deutschen Sitz hat.  Zusammen mit anderen Sachspenden für Burkina Faso kamen sie in einen großen Container. Als nach einigen Wochen der Container bis oben hin mit Spendengütern beladen war, wurde er nach Hamburg gefahren und im Hafen auf einen Frachter geladen, mit dem er nach Westafrika transportiert wurde.

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Als Binnenland hat Burkina Faso keinen eigenen Küstenzugang und demzufolge auch keinen Hafen. Der Container ging im ghanaischen Accra von Bord und wurde dort sogleich von Vertretern von A.M.P.O. in Empfang genommen und mit einem LKW nach Burkina Faso gebracht. In Ouagadougou verteilte man die Nähmaschinen an Schneiderinnen und Schneider. Nun werden wieder fleißig Kleider und andere Textilien auf ihnen genäht und die uralten Maschinen, die im Nordhessischen verstaubten, sind nun wichtiger Teil eines Projekts von Hilfe zur Selbsthilfe für Menschen in Burkina Faso geworden.

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