Timos Rundbrief: Nun bin ich seit 2 Wochen in Ouagadougou

Von Timo Nadolny
07.12.2008

Nun bin ich seit 2 Wochen in Ouagadougou und mit Freude, Erschrecken und Erstaunen habe ich festgestellt, dass ich schon wieder voll eingetaucht bin in das AMPO-Leben. Ich habe mich noch nicht einmal richtig bei meiner Familie gemeldet…

Das liegt aber vor allem daran, dass ich bisher sehr viel Arbeit habe und den ganzen Tag auf Achse bin. Von 6 Uhr morgens bis spät abends bin ich unterwegs. Hauptsächlich in den beiden Waisenhäusern, aber auch in den anderen AMPO-Projekten und in der Innenstadt der unbeschreiblichen Stadt Ouagadougou. Dabei ist bisher noch kein Tag vergangen, an dem ich noch keinen alten Bekannten getroffen habe. Das ist sehr schön, gleichzeitig auch anstrengend, da ich immer wieder das selbe erzähle und das selbe gefragt werde.

Hier bei AMPO ist immer noch und wieder einfach toll! Die Kinder sind so richtig lebendig, die Mitarbeiter haben sich scheinbar wirklich gefreut, dass ich wieder da bin und alles ist heiß, staubig, lustig, arm…. Die ersten Folgen meines Übereifers habe ich schon zahlen dürfen. Für zwei, drei Tage lag ich mit Fieber und Brecherei im Bett. Das sind die Stunden, wo ich mich selbst verfluche, mein Lieben besonders vermisse und mich frage warum ich das hier alles mache. Aber diese Momente vergehen und das Heimweh blendet sich vorübergehend wieder aus, wenn die Erlebnisse hier wie Maschinengewehrsalben auf mich ein hämmern.

Nun bin ich wieder geerdet, halte Mittagspause und habe ein klein wenig zurück geschraubt. Dies ist jedoch nicht leicht, denn es gibt so viele Dinge, die ich sehe, verbessern und anfangen möchte. Dabei sollte ich langsam wissen, dass weder die Welt an einem Tag erschaffen wurde, noch ein einzelner Mensch sich zu wichtig nehmen sollte!

Es fühlt sich alles so vertraut an. Es ist wie wenn ich nie weg war und der Tag, als ich vor 5 Jahre das erste Mal meinen Fuß auf burkinischen Boden gesetzt habe, erst gestern war. Meine Aufgaben lassen sich grob unter dem Titel ‚Persönlicher Assistent Katrin Rohdes‘ zusammenfassen. Das Aufgabenspektrum ist so bunt und vielfältig wie es auch Burkina Faso ist. Katrin hat mir gleich einige wichtige Aufgaben überlassen, was mich freut. Sie hat mich in die Direktorenrunde eingeführt , ich habe Schlüsselgewalt und ich werde wie es scheint von allen als gleichwertiger Kollege betrachtet. Eindeutig bin ich über den Zivistatus heraus gewachsen.

Dabei muss ich mich erst noch dran gewöhnen, dass es mir nun nicht mehr zusteht in kurzen Hosen zur Arbeit zu erscheinen, mit dem Werkzeugkasten über den Hof zu laufen etc. Auch habe ich mir gleich einige schwarze Hosen schneidern lassen, die ich bereits bei Treffen mit dem Botschafter und bei einigen Empfängen tragen durfte bzw. musste. Auch ist es ungewohnt und nicht immer ganz angenehm mit „Patron“ angeredet zu werden…

Was aber nach wie vor gleich ist und sich hoffentlich nie ändern wird, ist die Freude die ich mit den Kids habe. Ich lasse es mir nicht nehmen mit Ihnen zu scherzen, sie mit Zaubertricks zu erstaunen oder auch einfach bei ihnen zu sitzen. Denn alles was wir hier und auch alle Spender in Deutschland veranstalten soll den Ärmsten den Armen, vor allem aber den Kindern zu Gute kommen.

Nun habe ich keine Worte mehr sondern lasse noch ein paar Bilder sprechen.

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