Mein Taschengeld

Hallo Katrin,
meine Mama, Claudia Christ, hat mir Dein Buch vorgelesen.

Ich bin Vincent Christ und 7 Jahre alt. Als meine Mama mir die Geschichte von Deinem Waisenhaus vorgelesen hat, wurde ich ganz traurig und ich dachte einen Moment nach: Ist es wichtiger reich zu werden, oder Menschen, die nichts zu essen haben und nicht in die Schule dürfen, denen zu helfen? Ich nahm mein ganzes gespartes Geld zusammen (76 Euro) und sagte meiner Mama: Hier nimm das Geld, das ist für die armen Kinder in Afrika. Da sagte meine Mama, davon kann ein Kind bestimmt ein ganzes Jahr zur Schule gehen. Und dann sagte meine Mama: Komm wir schauen mal im Buch nach, ob es eine Möglichkeit gibt, den Kindern Geld zu spenden. Nun wissen wir, dass ein Kind von 30 Euro ein Jahr lang zur Schule gehen kann. Von meinem Geld können nun zwei Kinder ein Jahr lang zur Schule gehen und von den restlichen 16 Euro sollen Stifte, Hefte, Radiergummis, Lineale, Blätter und Rucksäcke gekauft werden. Geht das? Wir haben nun 150 Euro gespendet, um das alles kaufen zu können.

Tschüss und bis bald
Vincent Christ
(Email vom 09.08.2009)

Vincent - Mein Taschengeld
Vincent - Mein Taschengeld

Lieber Vincent,
gerade komme ich von einer Reise aus einem afrikanischen Dorf zurück – Du weißt schon, mit so kleinen Hütten und großen Bäumen, dort wo die Frauen ihre Babies auf dem Rücken tragen und auf dem Kopf die Krüge mit Wasser.

Da finde ich doch so eine tolle Mail von Dir hier in meinem Laptop!
Ich danke Dir für Deine großzügige Tat!
Ich mache es genauso wie Du sagst: zwei Kindern gebe ich Schulgeld für ein Jahr und dazu einen Ranzen mit allem was dazugehört: Hefte, Lineal, Federtasche und so weiter.

So sind sie dann ausgerüstet. Ich mache ein Foto und schicke es Dir wenn die Schule wieder losgeht, das ist bei uns erst im Oktober.
Du fragst Dich: Ist es wichtiger reich zu werden oder anderen zu helfen? Diese Frage stellte ich mir auch manchmal und am besten – so sehe ich das – verbindet man beides. Denn man kann ja nur was abgeben, wenn man was hat. Du sollst Dir also getrost einen guten Beruf aussuchen, dafür viel lernen und wenn Du dann mal groß bist und was verdienst, gibst Du eben immer etwas ab – so ist es richtig. Du selbst willst ja sicherlich auch mal Kinder haben und eine nette Frau und diese Deine Familie soll  auch friedlich und zufrieden leben. Also: Geld muss schon her, nur eben nicht für dicke Autos und schicke Häuser und Partys, das muss ja nicht sein.
Du kannst Dir Dein Leben so einrichten, dass Du selbst zufrieden bist, auch mit dem, was Du abgibst.

Einstweilen sende ich Dir und Deiner Mutter ganz liebe Grüße aus Ouagadougou, warte auf das Foto, ja?

Deine Katrin Rohde aus Burkina Faso
(Email vom 12.08.2009)

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