Hochwasser in Ouagadougou

Vor dem Wochenende erreichten uns folgende Bilder aus Ouagadougou:

hochwasser

Katrin Rohde schrieb:

„Trotz der vielen helfenden Militärs und Feuerwehr in unserem Viertel waren die besten Helfer die Reiter:

Katrin Rohde in Ouagadougou
Katrin Rohde in Ouagadougou

sie stoben bis über die Pferdeschultern im Wasser überallhin und holten die kleinen Kinder aus den Lehmhütten, die vor unseren Augen schmolzen. Das Elend ist groß bei uns. Fast alle Brücken sind zusammen gebrochen, in bestimmte Stadtteile konnte man nur mit 40 km Umweg fahren. Das Elektrowerk liegt unter Wasser, darum ist heute Abend die gesamte Straßenbeleuchtung in Ouagadougou ausgeschaltet, weil die Lichtmasten Masse haben (ein Paradies für Diebe heute Nacht).

Beschweren dürfen wir uns selber aber nicht. Es gibt viele Tote und Verletzte, eben komme ich aus dem CDG-Kinderkrankenhaus (was nicht so einfach war: in meinem Auto stand der Matsch bis zu den Sitzen hoch. Als wir den ausgeräumt hatten und ich losfuhr flossen aus dem Motor bestimmt 20 Liter Wasser über meine Beine!).

Da das städtische Krankenhaus Yalgado komplett unter Wasser steht wurden alle Kinder ins CDG evakuiert – in Windeseile fuhr ich hin weil das Schlimmste schon ahnte, innerhalb von anderthalb Stunden war ich 200.000 CFA  (so 300.-  Euro) los. Viele Kinder sind verletzt, die meisten waren von zusammenbrechenden Mauern  getroffen. Etliche alte Leute sind ertrunken weil sie in die Kanäle fielen und nicht schwimmen konnten.

Lieber Gott, wir wussten nicht wie schlimm es kommen kann, niemand, auch die alten Leute, kann sich an so einen Regen erinnern! Nun glauben wir langsam an die Klimaveränderung! Wir werden uns Sandsäcke anschaffen müssen.“

Soweit wir wissen, sind die Einrichtungen von AMPO weitgehend vom Wasser verschont geblieben.

Nachdem das Wasser abgelaufen war, erhielten wir weitere Bilder:

Dies war mal ein Haus. Die Bewohner leben zur Zeit in der Schule.
Dies war mal ein Haus. Die Bewohner leben zur Zeit in der Schule.
So sieht es bei den Nachbarn von AMPO aus.
So sieht es bei den Nachbarn von AMPO aus.
Kein Haus mehr.
Kein Haus mehr.
Nochmal davongekommen…
Nochmal davongekommen…
Waschen, um Krankheiten zu vermeiden.
Waschen, um Krankheiten zu vermeiden.

Zu dem Thema erreichte uns aktuell auch diese Email von Thomas Winter:

Hallo an Alle,

eine schlimme Nachricht hat mich heute von Katrin Rohde erreicht, die uns eigentlich alle zum Nachdenken anregen sollte.

260mm Niederschlag in kürzester Zeit (also fast 30 cm, KNIEHOCH!!!) haben ganz Ouagadougou unter Wasser gesetzt.

Laut letzten Informationen von der ONEA (dem Wasserversorger) ist die Barrage No. 3 (der Damm Mitten in Ouagadougou) gebrochen und hat das Krankenhaus überflutet….

Die ärztliche Versorgung ist zusammengebrochen, über die Zahl der Verletzten und Toten gibt es nur wilde Spekulationen.

Das Wasser ist vorerst weg, aber jetzt drohen Seuchen wie Thyphus und Cholera.

Wer etwas helfen will (und ein paar EURONEN übrig hat vor dem nächsten Crash), kann dies hier gerne tun.

Mit Gruss an Katrin, die in Ouagadougou unglaubliches leistet!!!

So schlimm diese Nachricht ist, sie sollte uns verwöhnte Europäer auch zum Nachdenken anregen.

Was würden wir tun, wenn von heute auf morgen die Stromversorgung zum Erliegen kommen würde.

Kein Strom, keine Information, kein Internet, keine Nachrichten…

Wenn die Stromversorgung für mehrere Stunden ausfallen würde, gäbe es auch kein Wasser mehr, für mehrere Tage…tja, dann gäbe es auch keinen Sprit mehr…

Krankheiten könnten sich ausbreiten und die Apotheken wären leer, da der Nachschub nicht mehr stattfindet.

Wie würden wir an Trinkwasser rankommen? Was würden wir tun?

Alles sehr, sehr schlimm….aber richtig katastrophal könnte es sein, wenn Naturkatastrophen nicht nur lokal sondern global zuschlagen sollten.

Grüsse aus Cotonou (hier haben wir nichts davon mitbekommen)

Thomas Winter

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