AMPO-Rundbrief: April 2010

Liebe Freunde unserer Waisenkinder in Burkina Faso,

gerne würde ich einmal alle meine Rundbriefe an Sie zählen! Ich schrieb so drei bis vier pro Jahr seit 1998, und sicherlich gibt es bald einmal ein Jubiläum. Leider komme ich mal wieder nicht ins Internet (dort stehen sie alle auf der Website), denn unsere Stadt am Rande der Wüste hat Probleme mit der Elektrizität, mit dem Telefonnetz und mit dem Wasser. Tagelang gibt es keine Mailverbindung mit dem deutschen Verein und mit Ihnen allen. Täglich und nächtlich fällt zusätzlich jeweils für drei bis sechs Stunden der Strom aus. Dann springt er mit dreifacher Kraft an. Nach so einem Knall muss dann so mancher Kühlschrank und manche Festplatte ersetzt werden… wenn man nicht rechtzeitig die Kabel zog. So kann man natürlich nicht korrekt arbeiten, und viele Beamte ziehen einfach ihre Zeitungen heraus oder begeben sich schon vormittags in die verdiente Mittagspause. Natürlich geht das nicht bei AMPO, hier gibt es immer etwas zu tun, und wenn es das Aufräumen der vielen Magazine und Schubladen ist! Soviel zu den täglichen kleinen Sorgen – mit den Kindern hingegen haben wir zur Zeit gar keine Probleme! Die meisten lernen fleißig, Jacob und Andrea stehen im Abitur.

Ali ist seit drei Jahren draußen und beendet nun seine Hochschule als Verwaltungsspezialist auf hohem Niveau. Er kam ganz besorgt zu mir: für die Abschlussfeier braucht er einen Anzug. Dabei lebt er seit Beginn seiner Ausbildung sehr bescheiden von umgerechnet nur 15 Euro im Monat. Natürlich hat er den bekommen, samt Schuhen, Socken und Schlips! Mariam beendet ihre Buchhalterausbildung und hat erstklassige Zeugnisse. Sie findet leicht Arbeit.

Balima ist eine gute Schneiderin, frisch aus ihrem Perfektionsjahr, voller Ideen und sehr genau in ihrer Arbeit. Zukunftsfroh wird sie sich selbstständig machen und wiederum ein junges Lehrmädchen von AMPO in ihrem kleinen Schneideratelier aufnehmen – so schließen sich die Kreise. Roland hat gerade seine Auswahlprüfung bestanden und geht als Krankenpfleger in den staatlichen Dienst, so wie schon Daouda vor ihm.

Seit drei Jahren ist Daouda zweiter Mann einer einsamen staatlichen Krankenstation weit im Norden hinter Gorom-Gorom. Um zu uns zu kommen, braucht er zwei Tage, auf Kamelen und auf Pirogen über die Mare, später dann mit dem Buschtaxi über die Pisten. In so einer Krankenstation gibt es keinen Röntgenapparat, keine Laboruntersuchungen, da muss man sich selbst helfen und Blinddarmoperationen und Geburten bei Petroleumlampenlicht bewältigen so gut es eben geht. Dies werden später die besten Attaché de Santé, und eines Tages wird Daouda bestimmt der Leiter unserer Krankenstation werden! Die größten Probleme machen uns zwei Jungen, die beide schon draußen leben: zunächst Aziz, den ich mit sieben Jahren von der Straße holte. Leider hatte er schon zu viele Drogen genommen und trug Schäden davon. Zur Schule reicht es einfach nicht, Jahre haben wir uns bemüht, er lernt das Lesen und Schreiben nicht. Dazu ist er ein Asthmakind und kann nicht so einfach Schreiner werden. Was tun?

Auch Alain, schon vier Jahre draußen, fällt immer tiefer in seine Depressionen. Er wird aggressiv allen gegenüber, nur mir nicht. Trotzdem muss er sich draußen selbstständig erhalten können, was tun? Dies sind Fälle die oft in der Direktorenrunde diskutiert werden. Kleine Lösungen finden wir, aber auf die Dauer wird es schwer. Unser gänzlich gelähmter Adama, den ich vor Jahren im Krankenhaus fand, gehört auch dazu. Er liegt bei uns auf der Reha- Station, geduldig und bescheiden, aber seine Restfamilie besucht ihn nie. So haben wir ihn nun als Stammgast aufgenommen, wir haben keine Wahl. Der arme Junge ist ein trauriger Fall. Er lebt jedenfalls immerhin mit uns allen, und wenn er lächelt geht die Sonne auf!

Vielleicht haben Sie gehört, dass das Buch „Mama Tenga“, das ich vor Jahren schrieb, vergriffen ist? Nun habe ich mich an ein Zusatzkapitel gemacht und es wir bis zum Mai in einem anderen Verlag neu erscheinen. Bis heute gibt es kein anderes Buch mit Beschreibungen über Burkina Faso, trotz Steinmeyer und Schlingensief gibt es wenig Informationen über das wirkliche Leben der Menschen hier.

So bin ich froh, dass ich zum allgemeinen Wissen beisteuern kann, denn Burkina Faso ist es wert! Es stimmt, wir sind arm, aber wir kennen Achtung und Respekt und Höflichkeit. Oft stehen hier bescheidene Menschen beispielhaft für viele menschlichen Werte, die im eiligen Europa längst vergessen sind. Was Sie dieses Jahr als Schnee bekamen, ging ja bei uns in Ouagadougou als Jahrhundertflut im September nieder. Noch immer sind hunderte von Menschen ohne Haus, Gott sei Dank kann man bei unseren Temperaturen draußen schlafen. Unsere AMPO- Waisenhäuser waren kaum betroffen. AMPO bekam Mittel zur Soforthilfe. Zur Zeit bauen wir gerade das 58. Haus für betroffene Familien mit vielen Kindern, vornehmlich Witwen und Behinderte. Sehr glücklich bin ich über meine neue Mitarbeiterin Nicole Grimminger, die auch gleich unten zu Wort kommt. Sie ist fix, vergnügt und arbeitsam – was will ich mehr! Den gesamten Mai über reise ich durch Deutschland, vielleicht sehen wir uns irgendwö Das wäre schön! Der Reiseplan ist im Büro zu erfragen und steht auch auf unserer Homepage.

Nun wünsche ich Ihnen alsbald einen schönen Frühling, und dass der Sommer Ihren so harten Winter wieder gut mache! Gottes Segen, gute Gesundheit und viel Heiterkeit wünscht Ihnen samt allen 320 Kindern aus Ouagadougou.

Ihre
Katrin Rohde

***

Liebe AMPO-Freunde,

eigentlich hatte ich ja gedacht, ich wüsste schon einiges über Burkina Faso … immerhin bin ich doch schon drei Mal hier gewesen, hatte für die Uni Forschungsarbeit im BWL-Bereich ausgeführt und versucht, meine Landessprachkenntnisse zu erweitern.

Aus AMPO-Sicht sieht aber wieder alles ganz anders aus: hier sind es keine Zahlen, hier geht es ausschließlich um Menschen, und zwar um solche, die nicht so viel Glück haben, wie ich. Täglich gehe ich um mit Kindern ohne Eltern, mit Frauen in Notsituationen und mit Menschen ohne Hoffnung – jedoch vergesse ich das häufig, da sie fast immer lachen! Ihre Lebensfreude und Freundlichkeit ist mitreißend, egal wie bescheiden sie leben. Jeden Tag lerne ich dazu, wie ich mein Leben hier in der Hauptstadt von Burkina Faso organisieren kann. Hierbei helfen mir unter anderem die AMPO-Mitarbeiter und auch Katrin gibt mir immer wieder Tipps – manchmal ungern, weil sie es für eine Bevormundung hält. Ich nicht.

Die vielen Stromausfälle in Ouagadougou sind höchst ärgerlich! Immer, wenn der Computer – puff, ohne Vorwarnung – ausgeht, wende ich mich anderen Aufgaben zu, die auch ohne Strom erledigt werden können. Nicht nur dies ist ein großer Unterschied zu meinen bisherigen Arbeitsplätzen in Deutschland, sondern auch das Klima in meinem schönen, neugestalteten Büro auf dem Gelände des Jungenwaisenhauses unterscheidet sich gewaltig von anderen Büros, z.B. in burkinischen Ministerien. Deren Klimaanlagen sind so geregelt, dass man Angst haben muss, mit einer dicken Erkältung wieder rauszukommen. Bei AMPO gibt es keine Klimaanlagen, nur Ventilatoren – wenn Strom da ist. Und da kann ich mich nun entscheiden zwischen umher wirbelnden Papieren oder stehender Hitze – zurzeit 44°. Ist mein Ventilator ausgeschaltet und afrikanische Mitarbeiter kommen in mein Büro, stellen sie ihn höflich an, weil sie meinen, ich habe ihn vergessen – komisch! Ich bin sehr froh, dass ich bei AMPO bin und durch meine Arbeit diese gewachsene Institution in Ouagadougou unterstützen kann. So helfe ich mit, vielen Menschen in Burkina Faso eine bessere Zukunft zu ermöglichen und wer weiß, was sie daraus für sich und die Welt machen.

Als ich Katrin traf, mochte ich sie auf Anhieb, und die AMPO-Einrichtungen beeindruckten mich sofort. Da mich auch meine privaten Wege nach Burkina Faso führten, habe ich doppeltes Glück gehabt! Ich arbeite nun in einem tollen Team mit rund 80 burkinischen Mitarbeitern, die sich von Herzen für ihre AMPO-Kinder einsetzen. Eine meiner Aufgaben bei AMPO ist die Unterstützung der Patenschaften zwischen den AMPO-Kindern und ihren Paten im Ausland. Und hier habe ich auch gleich meine erste Nachricht für Sie: 15 Kinder, die seit dem Jahr 2009 in den AMPO-Waisenhäusern wohnen, Mädchen sowie Jungen, zwischen 8 und 12 Jahren, haben noch keine Paten. Alle Kinder wünschen sich einen Paten, eine Patin oder auch eine ganze Familie! Wenn Sie Interesse an einer Patenschaft haben, dann wenden Sie sich bitte an unsere Geschäftsstelle in Plön. Die AMPO-Kinder freuen sich schon auf Sie! Und ich auch!

Ihre
Nicole Grimminger
Assistentin von Katrin Rohde

***

… und zum Schluss noch ein kurzer Hinweis aus der Geschäftstelle in Plön. Wie Sie sehen, haben wir unseren Flyer aktualisiert und umgestaltet – wir hoffen, er gefällt Ihnen. Er ist nun auch in den Sprachen Englisch und Französisch erhältlich. In diesem Zuge ist außerdem eine neue Infomappe entstanden, in der alle AMPO- Einrichtungen genauer vorgestellt werden. Die Flyer und die Mappen können Sie gern bei uns anfordern und an Interessierte weitergeben.

Viele Grüße aus Plön
Sabine Duwe & Ricarda Dittrich

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