AMPO-Rundbrief Juli 2010

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe AMPO-Freunde in Deutschland,

im Zeichen der Weltmeisterschaft schreibe ich diesen Rundbrief und sicherlich können Sie sich vorstellen, was bei AMPO für ein riesiger Torjubel erschallt! Alle Flaggen unserer verschiedenen Geberländer hängen aus, Dänemark und Spanien, Schweiz und Canada, österreich, England und natürlich ganz groß Deutschland – das von allen Kindern am meisten verehrte Fußballteam. Schließlich kennen die meisten Jungs bei uns die deutsche Tabelle auswendig. Die AMPO-Fans von Werder und Bayern verfolgen alle Spiele und der Jammer ist groß, wenn dann das falsche Tor fällt! Gott sei Dank sind bereits Ferien, alle Kinder dürfen zu jederzeit Fußball gucken. Während der Schulzeit dürfen sie nur zwei Stunden in der Woche fernsehen.

In diesem Jahr verlassen 21 Jugendliche die Waisenhäuser, dazu noch 15 Mädchen samt ihrer Kinder die Häuser MIA und ALMA. Allesamt bekommen ein Fahrrad und noch weiterhin Unterstützung für ein bis drei Jahre, je nach Ausbildung.

Drei von ihnen gehen auf die Krankenpflegerschule, sieben auf die Grundschullehrerschule. Anderen finanzieren wir noch ein Schuljahr oder sogar, als Ausnahme, ein ganzes Studium! Die anderen sind SchneiderInnen oder WeberInnen, Mechaniker oder Tischler. Sie bekommen von AMPO ihr Perfektionsjahr bezahlt samt Verpflegung und Versorgung mit Medikamenten etc. – Gott sei Dank ist die Firma BONITA unser großer Spender für alle Ausbildungsgänge, sonst wäre das nicht möglich. Herzlichen Dank nach Hamminkeln!

Eine Woche lang beherbergten wir ein Team von vier Spaniern. Zwei von ihnen richteten unsere neue Optikerstation ein. Nun haben wir Maschinen zum korrekten einpassen von Gläsern. Leiter dieser neuen Station ist stolz Kabré Aziz, als Waisenkind bei AMPO großgeworden, heute staatlich geprüfter Krankenpfleger samt Zusatzausbildung als Optiker.

Die Station wurde letzte Woche eröffnet, und wir wollten eigentlich ein paar Probetage mit unseren Kindern veranstalten und sehen ob unsere neuen jungen Optiker ihr gelerntes Metier beherrschen. Die afrikanischen Trommeln machten uns einen Strich durch die Rechnung, der AMPO-Ruf hallt weit, und so kam es, dass bereits am ersten Tage 150 brillenbedürftige Menschen vor der Tür warteten. Nur keine Panik! Wir haben sie alle auf die nächsten zwei Wochen eingeteilt, denn jede Behandlung dauert mit Vermessung und eventueller Herstellung eine gute halbe Stunde. Die „Opticiens sans frontieres“ sind ungemein freundlich und geübt. Solche Stationen wie bei uns haben sie schon in halb Südamerika, in Indien und Afrika eingerichtet. Letztes Jahr kamen sie auf uns zu. In Bobodioulasso haben sie bereits eine solche Station und nun suchten sie eine verlässliche Struktur für die Hauptstadt. Ja, verlässlich ist AMPO und wir freuen uns sehr über deren Lob und Anerkennung.

Zusammen mit den Optikern kamen auch zwei hochversierte Informatiker. Beide schlugen die Hände über dem Kopf zusammen: allein im Computer unserer Sekretärin fanden sie 46.000 Viren! In erster Linie danken wir dies unseren USB-Sticks. Damit schwirren die Viren von einem Ort zum anderen bei uns. Leider ist wiederum unser afrikanisches Netz so schwach, dass wir vieles nicht schicken können.

Nun ging es los: innerhalb von einer Woche gruben wir 350 m Kabel ein, und jetzt ist sowohl unsere Buchhaltung (die monatlich die Ergebnisse nach Deutschland ins Büro schickt), unsere Sekretärin, natürlich die Deutschsektion mit Nicole und auch der Kindercomputerraum direkt online – ein Wunder. Selbst unser Restaurant ist zu einem Cybercafé geworden. Versehen mit Passwort kann hier jeder nun seinen Laptop anschließen – die ersten Kunden sitzen dort seit heute morgen. Wir danken den Spaniern! Einer der Informatiker kehrt Ende August zurück, dann wird das Werk vollendet. Bald gibt es sogar vermutlich eine Webkameraeinstellung auf die Straße vor den Waisenhäusern, wo man jederzeit und täglich sehen kann was für ein Wetter bei uns herrscht und wie es uns so geht! Also wirklich, AMPO geht doch mit der Zeit, nicht wahr?

Auf unserer Farm wurden die fertig ausgebildeten Jungbauern in ihre Dörfer entlassen und 80 neue Jungen traten an. Dort waren die Direktoren und ich heute morgen, um sie bei uns willkommen zu heißen. Unser Hengst wurde uns einen Kilometer entgegen geritten, dies ist hier so üblich zur Begrüßung eines hohen Gastes. Er galoppiert dann voraus um den Weg zu weisen. Die gesamte Einfahrt entlang standen – sichtlich stolz – alle Jungen in ihren neuen Arbeitsklamotten, Latzhosen und Gummistiefeln, einige mit ihren großen Arbeitshandschuhen und trommelten und klatschten. In Gruppen stellten sie sich vor und ich hielt eine zündende Rede.

Unser Erfolg ist gut ersichtlich: Von den 160 Jungen, die bislang in ihre Dörfer als ökologisch geschulte Jungbauern zurückgekehrt sind, ist kein einziger Straßenjunge geworden, alle sind dort, wo sie hingehören: in ihrer Familie. Dort machen sie den anderen vor, wie man ohne teuren Kunstdünger und ohne Insektizide zu guten Ergebnissen kommt und vielen Nachbarn leuchtet es ein. Ihre Böden sind durch extensiven Gebrauch derselben nämlich müde geworden und sie fragen sich, warum. Viele versuchen es nun wieder mit den althergebrachten Methoden, plus der Anregungen der jungen AMPO-Bauern – sie arbeiten bereits mit den neuen Erkenntnissen der tropischen Landwirtschaft. Dies war zu Beginn meine eigentliche Idee der Landwirtschaftsschule. Nur durch die große Unterstützung der Dr.-Elvire-Engel- Stiftung aus Luxemburg läuft alles, denn die Farm Tondtenga ist ein kostenintensives Projekt.

Katrin Rohde beim Optiker
Katrin Rohde beim Optiker

ähnlich, aber ein viertel so groß, soll nun eine neue Einrichtung entstehen. Eigentlich wollte ich ja nichts neues mehr bauen, aber nun wurde uns in Anerkennung der guten AMPO-Taten zur Fluthilfe ein Grundstück am Rande der Stadt vom Staat geschenkt. Nach langem Nachdenken soll dort eine kleine ökologische Farm für 25 Mädchen entstehen, ausschließlich für Gemüsegärten und Hühner- und Kaninchenzucht. Dort sollen auch fünf alte familienlose Frauen wohnen. Diese können gut mitgärtnern und Rat geben, gleichzeitig können sich die jungen Mädchen um die Alten kümmern. So ist die Idee.

Als erstes wollen wir eine große Mauer drumherum bauen. Diese kostet pro Meter 80 Euro. Sollten Sie dafür einen Spender finden: dieser darf sich seinen Meter Mauerfarbe aussuchen und sein Name wird in den Zement geritzt. Ist das nicht auch ein prima Geburtstagsgeschenk für Ihre beste Freundin? Foto folgt dann – aber erst wenn wir genug gesammelt haben, also vermutlich zum Beginn des nächsten Jahres, sage ich mal so …

Nach fünf erfrischenden Wochen in Deutschland kehrte ich Anfang Juni nach Ouagadougou zurück und war mal wieder gerade richtig zu Beginn der Regenzeit angekommen. Meine Reise verlief diesmal sehr gut, ohne Schmerzen in den operierten Knien (fünf Wochen mit Koffer in der Hand!) und mit gut besuchten Vorträgen. Allen Helfern großen Dank, vor allem Gerolf Wolpmann (Bremer überseemuseum) und der begeisternden Frau Elfriede Orda, die uns alle mit ihrem Charme hinriss: Sie organisierte einen höchst erfolgreichen Galaabend im Münchener Völkerkundemuseum. Sie sehen: ich werde langsam so alt, dass man mich in Museen ausstellt …

Ich ging sehr gestärkt aus unserer Hauptversammlung auf die Reise gegangen, denn 40 Vereinsmitglieder waren sich einig: AMPO ist auf dem richtigen Weg. Buchhaltung und Zahlen stimmen laut eingereistem deutschen Wirtschaftsprüfer, die Krankenstation arbeitet korrekt, hygienisch einwandfrei und den so bedürftigen Patienten zugetan. Gerade ist mein Buch in einem neuen Verlag erschienen, hier ein großer Dank an Gaby von Malottki, die den Großteil dieser Arbeit auf sich nahm. Ein Zusatzkapitel ist drin und einige neuere Fotos. Nun soll es auf spanisch sogar als e-book erscheinen, na, wie ich schon sagte, AMPO geht mit der Zeit …!

Wir haben neue Flyer, eine neue Informationsmappe, eine verbesserte Website, alle Mitglieder und Spender sind motiviert. Ganz besonders danke ich hier unseren aktiven Vorständen von Verein und Stiftung, die sich viele gute Gedanken machen und ihre Arbeit in das Erstellen neuer Statuten und das allgemeine Fortkommen aller unserer Projekte stecken. Trotz Weltfinanzkrise soll es bei uns in Afrika weitergehen und ich danke Ihnen allen wie immer für Ihr Vertrauen in unser AMPO hier in Ouagadougou. Nach wie vor stehen die Waisenkinder, die verlassenen, misshandelten und gefundenen Kinder an erster Stelle jeglicher Hilfe, die wir geben können.

Ich weiß, dass Sie fest zu uns stehen, liebe Freunde, unser Kreis vergrößert sich und auch Sie sprechen gut über uns zu anderen. Dies merken wir an unseren vielen neueren Spendern. Seien Sie innig bedankt dafür! Nach wie vor brauchen wir möglichst viel Hilfe in aller Form. Es kommen vor allem so viele Kinder mit ernsten Problemen zu uns.

AMPO zu helfen ist durchaus und im besten Sinne ansteckend! Wir alle wünschen Ihnen in Europa einen fröhlichen Sommer, eine vergnügte Aus-Zeit mit der Familie, damit Sie erholt und heiter wieder in Ihren Alltag gehen können.

Allen Segen aus Afrika dazu sendet Ihnen
Ihre Katrin Rohde

Liebe Paten!
Bitte denken Sie schon jetzt an die Weihnachtspäckchen. Der Container geht Anfang September.

SAHEL e.V.
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