AMPO-Rundbrief Oktober 2010

Aktuelle Nachrichten aus Burkina Faso

Liebe Freunde und Paten unserer Waisenkinder in Ouagadougou,

Ich beginne diesen Rundbrief so, wie es hier an den Schulen in Burkina Faso allen Kindern beigebracht wird: „Mit einem Herzen voller Freude setze ich mich hin, um Ihnen die Neuigkeiten in unserem Leben zu berichten.“ Dies ist der Standardsatz zu Beginn aller Briefe aus Afrika. Tatsächlich ist es aber meist wahr und meine Nachrichten an Sie, die sie ja drei- bis viermal jährlich bekommen, sind heute besonders schön.

Alles geht seinen ruhigen Gang bei AMPO, den Kindern sowie allen Mitarbeitern geht es gut und wir sehen auf einen schönen und erlebnisreichen Sommer zurück, so wie hoffentlich auch Sie! Immerhin gab es ja eine gute Wetterperiode in Europa. Hoffentlich konnten Sie diese nutzen, um mal wieder viel draußen zu sein und die Natur zu genießen.

Hier ein wenig Privates: Vielleicht haben Sie gehört dass mein Sohn John und seine langjährige Freundin hier in Afrika geheiratet haben. Dieses Ereignis war, selbst für afrikanische Hochzeitsverhältnisse, ein ganz besonderes und riesiges Fest mit mehr als eintausend Gästen. Besonders rührend war die Teilnahme der wirklich armen Bevölkerung. Natürlich gab es auch große Geschenke von reichen Bekannten, aber das „echte Afrika“ waren eigentlich Nachbarn und Frauengruppen. Sie kamen in Gruppen und drückten uns stolz (umgerechnet) 1,50 Euro in die Hand, mühsam gesammelt. Das fanden wir wunderbar und auch so etwas sehe ich als Achtung und Respekt für nun bald jahrzehntelange Arbeit hier an. Das Hochzeitspaar hat dieses Geld nicht ausgegeben. Es wird für die inzwischen geborene Tochter und ein besonderes Ereignis in ihrem Leben aufbewahrt. Ja, Katrin ist wieder Großmutter geworden und nun hat sie zwei wunderbare Enkeltöchter, Mia mit 12 Jahren und Emma mit (heute) 12 Tagen! Wie man hier bei jeder Gelegenheit sagt: Gott ist groß! In diesem Sommer ist jedoch auch meine Mutter gestorben und ich flog nach Deutschland, um ihre Wohnung aufzulösen und sie zu begraben. Dies war eine traurige Zeit für mich, denn, obwohl ich ganz einverstanden bin und sie gut loslassen kann, fehlt sie mir doch
sehr. Hier sagt man: „Dass Mutter Erde leicht auf ihr laste“.

Nun kehren wir mal zu AMPO und Afrika zurück. Kurz nach meiner Rückkehr ergaben sich, wie ein Segen, viele gute Lösungen für lang anstehende Probleme hier in Afrika. Noch viel mehr als in Deutschland ist hier die Bürokratie ein höchst mühsames Geschäft. Vor fünf Jahren gab es einen Diebstahl in der Buchhaltung bei AMPO und immer noch ließ sich die Sozialkasse nicht erweichen, uns die Mahngebühren in großer Höhe zu streichen, obwohl wir alle Abgaben korrekt und prompt zurückzahlten. Nun ist es endlich gelungen. Ein offizieller Brief erklärt uns dem Staat gegenüber als schuldenfrei. Wir selbst, der Sahel e.V. in Deutschland und auch das DZI, sind nun beruhigt und froh darüber. Uff, das war schwerste Diplomatenarbeit. Hohe Grundsteuern für Grundstücke konnte ich geschickt verringern. Unser Status als ONG wurde endlich neuerlich durch den Staat bestätigt.

Ganz plötzlich, nachdem ich den Unfalltod eines jungen Mädchens mit ansah, wurde mir klar, dass ich damit etwas zu tun habe. Die Unfallstatistik wird in dieser Stadt, wo plötzlich viele Straßen asphaltiert werden, immer verheerender. Mir fiel ein: Es existieren ja immer noch die Verkehrsfilme und die Radiosketche für Kinder, die ich vor Jahren aufnahm. Wie konnte ich nur so nachlässig sein und nichts tun? Innerhalb von einer Stunde hatte ich einen Termin beim Polizeichef und einen beim Bürgermeister. Offensichtlich war ich überzeugend, denn bereits drei Tage später saß AMPO gemeinsam an einem Tisch mit vier begeisterten Schulinspektoren. Nun beginnt übermorgen hier in der Hauptstadt eine nie dagewesene Aufklärungskampagne zum Straßenverkehr! Unsere Filme werden im Fernsehen gezeigt (Themen wie: Warum dürfen wir nicht zu fünft auf einem Moped fahren?), unsere Radiosketche in sechs hiesigen Sprachen (fasst Euch an und schaut nach links bevor ihr über die Straße geht) laufen einem Monat lang täglich dreimal auf zwei Radiosendern. Zwei Animationsgruppen aus AMPO-Mitgliedern und Polizisten in Uniform sind nun dreimal wöchentlich in 30 Grundschulen unterwegs, mit deutschen Polizeikasperpuppen (die Polizistengesichter sorgfältig dunkelbraun gefärbt!) und viel Musik und Tamtam. Die Projektkosten für die ersten drei Monate in Höhe von 2.000 Euro (so wenig Geld für so viele Kinderleben!) übernehmen wir, und für das nächste Jahr haben wir bereits Anträge bei der japanischen und der deutschen Botschaft gestellt, mal sehen ob es klappt. Ich wünschte nur, wir hätten auch so tolle Reflektionswesten wie die Erstklässler in Deutschland!

21 neue Kinder haben nun in unseren zwei Waisenhäusern angefangen und gehen das erste Mal zur Schule, beglückt und ängstlich. Auch sie werden im nächsten Jahr neue Paten bekommen und damit sind wir bei einem delikaten Thema. Alle Erzieher von AMPO wünschen sich einen Kontakt der Kinder mit ihren Pateneltern unbedingt schriftlich. Solange die Kinder unter unserer Aufsicht stehen sind sie angehalten, niemals um etwas zu fragen. Dies ist auch richtig so, denn für das tägliche Leben ist jedes Kind ausgerüstet. Auf keinen Fall brauchen sie: Fotoapparate, MP3-Player, Handys und iPods. Wovon sollten sie auch die Folgekosten solcher Geräte tragen? Zum Problem wird der Mailkontakt unserer Jugendlichen mit ihren Paten. Dort haben die Erzieher nun keine Kontrolle mehr und oft sind es Schwestern oder andere aus der Familie, die sich anhand der Mailadresse der Paten plötzlich 500 Euro beschaffen möchten! Entsetzte Paten rufen in der Geschäftsstelle in Plön an und wissen nicht, was sie davon halten sollen – wir auch nicht. Für alle Jugendlichen, die die Waisenhäuser verlassen, wird, dank treuer Spender wie Ihnen, noch mindestens ein Jahr weiter draußen gesorgt. Sehr gute Schüler werden bis zu einer Universitätsausbildung unterstützt. Einige dieser Kinder wenden sich nun an Paten um finanzielle Hilfe, obwohl das nicht notwendig ist.

Dies ist der Grund aus dem wir Mailkontakte lieber unterbinden. Es ist nicht der Sinn unserer Erziehung, die Kinder von Pateneltern abhängig zu machen. Jedes AMPO-Kind, das sich anständig auf den Hosenboden setzt, kann ab Anfang 20 sein Leben selbst bestreiten und dabei sogar noch seiner eigenen Familie weiterhelfen. Nicht umsonst gehen die Kinder schon im jüngsten Alter in unsere Berufsberatung: Alle Erzieher beobachten genau und versuchen die Talente individuell zu fördern. Ich hoffe sehr, bei Ihnen für dieses Problem auf Verständnis zu stoßen. Afrikanische Kinder, und vor allem unsere Waisenkinder, leben nicht auf dem gleichen Niveau wie Europäer. Es ist nicht gut, sie zu sehr zu verwöhnen, denn sie müssen sich ihren Weg später selbst erarbeiten. Dieser konsequenten Erziehung danken wir unseren großen Erfolg.

Auch fanden wir eine Lösung für zwei Kinder, die uns nach vielen Jahren immer wieder Probleme machten. Nicht jedes Kind kann brillant sein in der Schule (obwohl wir etliche haben), manche sind ja auch nicht so schlau oder psychisch geschädigt. Oft liegt dies an der schlechten oder falschen Ernährung in frühester Kindheit. Diese Kinder sind in ihrer Entwicklung stehengeblieben. Hier müssen wir Einzellösungen finden, auch wenn der Betroffene eigentlich schon vier Jahre bei uns entlassen ist. Dies ist immer ein Thema für die Direktorenrunde und es wird über Stunden beraten. Überhaupt bin ich glücklich über die verantwortungsvolle Arbeit der Direktoren. Als ich gerade nach einer langen Europareise zurückkam, fragte ich wie immer als erstes besorgt in die Runde: „Und? Was gibt‘s an Krisen und Katastrophen?“ (die es eigentlich konstant bei uns gibt!) Alle schauten sich gegenseitig an und schüttelten die Köpfe. Eine Minute ungläubigen Staunens meinerseits – dann begannen wir alle
lauthals zu lachen. Das erste Mal in bald 18 Jahren Arbeit in Afrika hatten die Direktoren ihre Katastrophen bereits selbst bearbeitet – wie wurde ich vergnügt an diesem Tag!

Hoffentlich hält diese ruhige Phase ein wenig an. Wir sind gut erholt aus dem Sommer gekommen und sehen den täglichen Herausforderungen heiter ins Auge. Dazu gehört Zuversicht und wenn ich Ihnen eines wünschen darf in den nächsten Monaten, dann ist es Selbstvertrauen und Zuversicht – außer natürlich der Gesundheit, die das Wichtigste von allem ist.

Mit den herzlichsten Grüßen aus Ouagadougou
Ihre
Katrin Rohde
samt Anhang (zur Zeit 300 Kinder)

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